31. Oktober 2026

Ausschlafen… fast zumindest. Unser letzter Tag in Indien begann super gemütlich. Wir hatten uns für neun Uhr zum Frühstück verabredet. Ich war um viertel vor acht wach, nach richtig viel Schlaf zum ersten Mal seit vier Tagen… *lach… Zeit genug, noch in Ruhe den Koffer rückreisefertig zu machen.
Im Vorfeld der Reise war ich ein bisschen kritisch gewesen, was das Programm am letzten Tag in Jabalpur anging. Einerseits war ich froh, dass wir nicht die anstrengende Fahrt zurück nach Khajuraho machen mussten, andererseits war mir Jabalpur nicht als ein Top-Touristenziel in Indien bekannt. Noch dazu sollte unser Rückflug von Jabalpur nach Delhi ursprünglich schon am frühen Nachmittag starten (was einen vielstündigen Aufenthalt am Flughafen in Delhi nach sich gezogen hätte). Der erste Lichtblick in der Gestaltung des heutigen Tages kam, als ich vor vier Wochen mit den letzten Reiseunterlagen die Information bekam, dass IndiGo, die größte indische Fluggesellschaft, unseren Flug nach Delhi auf 18:50 Uhr verlegt hatte. So hatten wir hier praktisch noch den ganzen Tag hier.
Um kurz nach zehn kam Bharat uns mit unserem Guide Rahul abholen. Rahul spricht schönes Englisch und war der erste Inder, mit dem wir über längere Zeit zu tun hatten, der zumindest ansatzweise den typischen, in Deutschland so gerne persiflierten Zungenschlag hatte.
Unser Sightseeing startete heute in Bhedaghat, einem kleinen Vorort von Jabalpur, am Dhuandhar-Wasserfall. Hier stürzt der Narmada River dreißig Meter in die Tiefe. Zumindest jetzt, mehrere Wochen nach dem Ende der Monsunzeit. In der Regenzeit füllt der Fluss das ganze Tal aus, und ich kann mir vorstellen, dass der Wasserfall dann nur eine Verwirbelung auf der Flussoberfläche ist. Die Dhuandhar-Wasserfälle sind schon eindrucksvoll anzusehen, noch dazu, wo der Narmada in Indien als heiliger Fluss gilt, und man immer wieder sehen kann, wie Menschen sich in den ruhigen Uferbereichen des Flusses waschen und baden. Rahul hat uns ein bisschen was über den Fluss und die Region erzählt und ich habe gelernt, dass der Narmada im Gegensatz zur großen Mehrzahl der Flüsse in Indien nicht in den Golf von Bengalen mündet sondern nach Westen ins Arabische Meer fließt. Die Dhuandhar-Wasserfälle seht Ihr im ersten Bild des Tages.
Vom Wasserfall sind wir zum Bhedaghat Boating Point gefahren und haben eine Böötchenstour gemacht. Die Schlucht des Narmada ist bekannt für ihre Marmorfelsen. Um die Ruhe in dem Canyon des Flusses zu wahren und vor allem um die Arbeitsplätze der lokalen Bevölkerung zu sichern, sind keine Motorboote für Ausflüge auf dem Narmada erlaubt. So hatten wir vier – Barbara, Heike, Rahul und ich – neben dem Skipper auch zwei Ruderer. Die Inder sind ja fast alle eher drahtig bis schmächtig und die beiden machten da keine Ausnahme. Aber gute Oberarme hatten sie… *lach… Bi- und Trizeps trainieren kann man sich sparen, wenn man den ganzen Tag Touris im Boot durch die Gegend rudert.
Apropos Touris. Ich habe echt versucht aufzupassen, aber wir haben heute keine europäischen Touristen in Jabalpur gesehen. Wohl aber indische Touristen, und da Samstag ist, waren die Jabalpurer auch selber unterwegs. Dass wir als Europäer hier immer wieder mal für lustige Reaktionen der Inder sorgen, wussten wir schon. Foto- und Selfiewünsche gehören hier irgendwie inzwischen dazu. Auf den Stufen zum Chausath-Yogini-Tempel in Bhedaghat war’s aber krass. Als wir nach der Besichtigung des kleinen aber interessanten Heiligtums wieder die Treppen zum Auto hinabstiegen, hat uns eine Gruppe Pilger angesprochen und wir mussten alle mit ihnen für Fotos posen. So lustig. Von meiner ersten Indien-Reise hatte ich die Inder nicht als besonders freundlich und liebenswert in Erinnerung, aber das empfinde ich dieses mal als komplett anders. Die Leute sind alle freundlich, erstmal zurückhaltend, aber freuen sich auch, das man da ist und suchen das Gespräch mit uns. Das Betteln ist im Vergleich zu 2004 drastisch weniger geworden, und mein damaliges Urteil, dass man in Indien ständig angefasst wird und jemand an einem rumzubbelt, stimmt nicht mehr. Ich finde die Inder echt ziemlich angenehm im Umgang. Es wird übrigens kaum versucht, aggressiv etwas zu verkaufen. Weder auf der Straße noch in Geschäften. Wir haben außer den beiden „Kooperativen“ in Jaipur keine Läden zwangsweise aufsuchen müssen.
Nachdem wir uns von den Pilgern am Chausath-Yogini-Tempel losgerissen hatten – man kommt sich echt ein bisschen wie ein Promi vor – hat uns Bharat von Bhedaghat zurück in die Stadt gefahren, zu den nächsten Sehenswürdigkeiten von Jabalpur. Nach einem kurzen Stopp am Balancing Rock sind wir zum Rani Durgawati Fort gefahren. Diese kleine Festung thront hoch über der Stadt und wurde im 14. Jahrhundert errichtet. Berühmt ist es als Wohnsitz der letzten unabhängigen Königin der Gegend um Jabalpur, Durgawati. Durgawati starb im 16. Jahrhundert beim Versuch, die Invasion der Moguln unter Akbar (Ihr erinnert Euch?) zu verhindern.
Das Rani Durgawati Fort seht Ihr im zweiten Bild des Tages. Die Anlage ist zwar klein aber architektonisch schon spektakulär, wie sie mit den natürlichen Felsen auf dem Hügel verschmilzt. Unter Rahuls Führung haben wir das Fort besichtigt. Als wir uns schon wieder auf den Rückweg zum Auto machen wollten, sprachen uns die vier Jungs an, die im zweiten Bild des Tages noch auch dem Felsen rumchillen. Sie hatten wohl ein bisschen überlegt und etwas Zeit gebraucht Mut, zu sammeln. Wo wir denn her kämen und wie weit das von Berlin weg wäre, davon hätten sie nämlich schon mal gehört. Und warum wir ausgerechnet nach Jabalpur gekommen wären, SO spektakulär wäre das hier in ihrer Stadt ja nicht. Und natürlich kam die Sprache auf Fußball, man wäre ja Real Madrid-Fan, aber Bayern München und die deutsche Bundesliga wäre ihnen auch ein Begriff… und natürlich deutsche Autos. Wir haben ein bisschen geklaaft und dann zogen die vier ihres Weges und wir sind die vielen Stufen runter zum Auto gegangen.
Vom Rani Durwagati Fort hat uns Bharat zum Jai Maa Gwarighat chauffiert, im Süden von Jabalpur am Ufer des Narmada gelegen. Eigentlich wollte uns Rahul hier die sibirischen Möwen zeigen, die dort überwintern und deren Schwärme für die Einheimischen eine große Attraktion sind. Die Vögel machten sich heute zwar rar, aber die Stimmung dort am Flussufer war sehr schön. Von den Terrassen aus baden Pilger im Narmada, es gibt Stände mit Essen und Blumen und Andenken, dazwischen durch drängeln sich Kühe, die von all dem Treiben unbeeindruckt sind. Heute, so kurz vor Diwali, hörte man immer wieder das Knallen der Böller, das uns quasi seit unserer Ankunft vor zwei Wochen durch die indischen Städte begleitet. Diwali ist das höchste hinduistische Fest und wird dieses Jahr am 8. November gefeiert. Wir haben ein Viertelstündchen dort am Ufer des Narmada verbracht und die Farbenpracht und das indische Freizeitleben beobachtet. Damit war das Besichtigungsprogramm unseres Indien-Abenteuers beendet, mit einem richtig tollen Abschluss, denn Jabalpur ist auf jeden Fall einen Besuch wert. Bharat und Rahul haben uns zum Flughafen von Jabalpur gefahren, für die erste Strecke unserer Rückreise. Am Flughafen haben wir uns von Bharat verabschiedet. Das wurde echt ein bisschen emotional, denn offensichtlich hatte er uns ziemlich ins Herz geschlossen. Er hat mich mehrfach gedrückt und der Abschied fiel ihm sichtbar schwer.
Auf den Flug nach Delhi war ich schon gespannt. Die indische Luftfahrtindustrie hat sich in den letzten 22 Jahren dramatisch weiterentwickelt. Alles lief super professionell und absolut wie geschmiert bei IndiGo. Verspätung? Keine Spur. Wir sind zehn Minuten zu früh von Jabalpur aufgebrochen und waren entsprechend auch zu früh in Delhi. Hier sind wir am Terminal 1, das dem Inlandsverkehr dient, angekommen. Für den Transfer zum Terminal 3 für unseren internationalen Weiterflug hatte Razdan Holidays uns einen Fahrer und einen weiteren Mitarbeiter geschickt. Der Fahrer war Madan, der uns die erste Hälfte der Tour bis Agra gefahren hat. Wir vier haben uns echt gefreut uns wieder zu sehen.
Der Checkin bei der Lufthansa lief dank funktionierender Gepäckautomaten wie am Schnürchen. Jetzt warten wir gerade auf den Abflug nach München. Noch knapp zwei Stündchen, dann geht’s los.
Morgen habe ich natürlich das obligatorische Fazit der Tour für Euch, aber ich denke Ihr könnt Euch schon denken, wie das ausfallen wird. 

 

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