8. April 2026
Tag drei in Rom und er spielte sich weitgehend im Vatikan ab. Als im Herbst des letzten Jahres die Planungen für unsere Reise Gestalt annahmen, hatte mein Vater in zwei Nebensätzen erwähnt, dass er gerne den Leo sehen würde und auch noch mal gerne die Sixtinische Kapelle. Nichts leichter als das. Tickets für die Vatikanischen Museen waren schnell gebucht, und eine Kartenanfrage an das deutsche Pilgerzentrum für die wöchentlich mittwochs stattfindende Generalaudienz des Papstes wurde positiv beschieden. Heute morgen war es also soweit.
Meine letzte Papstaudienz ist dieses Jahr 25 Jahre her, während der Diözesan-Chorwallfahrt. Damals saß noch Johannes Paul II. auf dem Stuhl Petri. Seinen Nachfolger Benedikt XVI. habe ich während des Pfingsthochamts 2012 erlebt. Heute war Leo XIV. an der Reihe.
Papstaudienz klingt sehr hochtrabend, aber es hat ein bisschen was von einem Volksfest und einem Rockkonzert. Die Generalaudienz findet in der Regel auf dem Petersplatz statt und ist eine gute Gelegenheit, den Papst leibhaftig zu sehen. Wir hatten ein bisschen überlegt, wie wir den Vormittag zeitlich am besten gestalten, denn meine Eltern sind ja beide nicht mehr so super gut zu Fuß. Wir haben uns dann dafür entschieden, dass Tina und ich mit den beiden per Uber-Taxi zum südlichen Eingang des Petersplatzes fahren würden, so dass wir dort gegen 9 Uhr ankämen. Die Audienz sollte um 10 Uhr beginnen. Hat alles super geklappt und wir mussten auch an der Security nicht lange anstehen. Was es allerdings um diese Uhrzeit nicht mehr gab, das waren Sitzplätze. Ich schätze mal, dass heute so an die 20.000 Leute auf dem Petersplatz waren. Ist ja schließlich die Woche nach Ostern und da ist Rom traditionell gut besucht. Dass es keine Stühle mehr gab war letztendlich aber nicht wirklich schlimm. Da hätten meine Eltern in der prallen Sonne gesessen. So haben wir die beiden auf die Sockel von zwei Säulen der bekannten Petersplatzkolonnaden gesetzt, die beiden hatten nen super Blick auf das Geschehen auf dem Platz und die Großleinwände, und saßen darüber hinaus auch noch im Schatten.
Mein Bruder, Ilona, die Kinder, Frank und Cath waren vom Hotel zu Fuß zum Vatikan gegangen und deshalb durch eine andere Einlasskontrolle auf den Petersplatz gekommen. Deshalb waren wir während der Audienz in zwei verschiedenen Bereichen des Platzes, aber das fand ich jetzt nicht so schlimm. Es ging pünktlich los und wie gewohnt fuhr der Papst mit dem Papamobil durch die Menge, so dass jeder eine gute Möglichkeit hatte, den Papst von Nahem zu sehen. Ich hatte mir einen guten Platz ausgesucht, am Ende einer der abgesperrten Gassen des Petersplatzes, so dass ich den Papst auf mich zu fahren und vor mir abbiegen sehen konnten. Handy hoch halten und fotografieren war dann ein Leichtes und so habe ich heute ein sehr gelungenes Foto von Leo XIV. als Bild des Tages für Euch. Zur Papstaudienz gehört eine Predigt in italienischer Sprache und daran anschließend Zusammenfassungen in vielen anderen Sprachen. Am Ende wird das Vaterunser gesungen und dann gibt’s nen Segen des Heiligen Vaters. Ungefähr ne Stunde hat die Audienz gedauert und dann strömten die Massen wieder vom Petersplatz zurück in die Stadt oder nutzten die Gelegenheit, den Petersdom zu besuchen, der im Anschluss an die Audienz wieder öffnete.
Ich muss sagen, es war schon ein ergreifendes Erlebnis, heute mal wieder auf dem Petersplatz zu stehen und den Papst live zu erleben. Muss ich jetzt nicht bei jedem Rombesuch haben, aber wenn sich ne gute Gelegenheit bietet, würde ich auf jeden Fall wieder hingehen.
Nach der Papstaudienz sind meine Eltern und ich zurück zum Hotel geubert, ich habe im Carrefour Express direkt in der Nähe vom Hotel ein bisschen für einen kleinen Mittagsimbiss eingekauft, und dann gab es Siesta. Der Rest der Truppe ist vom Petersplatz zu Fuß zum Hotel gegangen und hat unterwegs noch einige Shopping-Stopps eingelegt… und uns an der Piazza Navona nen Tisch für’s Abendessen reserviert.
Lange konnte die Siesta aber nicht dauern, denn ich hatte für 15 Uhr Eintrittskarten für die Vatikanischen Museen organisiert. Wir mussten also rechtzeitig wieder am Vatikan sein, was aber dank Uber-Taxi mal wieder kein Problem war. Mit einem vorgebuchten Zeitfenster gibt es keine langen Warteschlangen am Eingang der Vatikanischen Museen mehr. Nichtsdestotrotz ist der Besuch für zwei Leute, die nicht gut zu Fuß sind, schwierig. Wir haben deshalb direkt nach der Security für meine Eltern zwei Rollstühle organisiert. Die kann man einfach gegen Pfand an der Gepäckaufbewahrung ausleihen. So war das dann für meine Eltern ein wirklich entspannter Besuch ohne Anstrengungen. Ich habe meinen Vater geschoben und Paul meine Mutter. Die Mitarbeiter der Vatikanischen Museen waren auch sehr freundlich und hilfsbereit. Aber wie das halt so ist: wenn man selber mit etwas zu tun hat, dann merkt man eher, wieviele andere Menschen es auch betrifft. Wir waren bei weitem nicht die einzigen, die Rollifahrer in der Gruppe hatten.
Mit dem Rollstuhl kommt man zwar nicht überall hin in den Vatikanischen Museen, aber da es uns ja um die Sixtinische Kapelle mit den Fresken von Michelangelo ging, war das auch nicht schlimm. Das Museum erschlägt einen mit seiner Fülle von Ausstellungsstücken und ich war ganz froh, dass wir die rollitaugliche Direttissima in die Sixtinische Kapelle nehmen konnten.
Ich glaube zur Sixtinischen Kapelle muss ich nicht viel sagen. Man kennt Ausschnitte der Bilder, der Finger aus der „Erschaffung des Adam“ ist den meisten Menschen schon mal irgendwo begegnet, und auch das Jüngste Gericht an der Stirnwand zählt zu den bekanntesten Kunstwerken der Welt. Michelangelo Buonarroti schuf die Deckenfresken zwischen 1508 und 1512 und dann von 1536 bis 1541 das Stirnwandfresko mit dem Jüngsten Gericht.
Es war zwar rappelvoll in der Sixtinischen Kapelle, aber durch die beiden Rollstühle hatten wir etwas mehr Platz und dadurch auch mehr Ruhe als die meisten anderen Besucher, so dass wir uns die Kunstwerke gut ansehen konnten. Dann ging es auf dem gleichen Weg, den wir gekommen waren, wieder zurück Richtung Ausgang. Nach gut zwei Stunden standen wir wieder draußen vor der Tür der Vatikanischen Museen, und das reichte auch für unsere Bedürfnisse.
Da der Tag ja noch jung war - es war gerade erst kurz nach fünf – sind meine Eltern, Cath und ich noch per Uber-Taxi zu einem letzten Besichtigungspunkt für heute gefahren, der Kirche Santa Maria della Pace, die mein Vater gerne noch besuchen wollte (und die ich auch noch nicht kannte… ich lerne hier echt viel Neues kennen auf meiner achten Rom-Tour). Eine sehr schöne Kirche mit einer einzigartigen, an ein Theater erinnernden Barockfassaden, nur wenige Meter von der Piazza Navona entfernt. Wir haben uns Santa Maria della Pace noch ein bisschen angekuckt, bis wir um 18:00 Uhr vom Küster rausgeschmissen wurden. Dann sind wir zur Piazza Navona spaziert, wo wir den Rest der Truppe getroffen haben und ein schönes italienisches Abendessen den Ausklang des Tages bildete.
Tja, damit haben wir das „Pflichtprogramm“, das wir uns vorgenommen hatten, erledigt… *lach… Morgen fliegen mein Bruder, Ilona, Marie, Ida, Paul und Cath schon wieder nach Hause. Für meine Eltern, Tina, Frank und mich geht es erst am Samstagnachmittag zurück nach Kölle, so dass wir noch zweieinhalb weitere Tage für die Kür und das was uns noch Spaß macht, haben.
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