27. Juli 2026

Heute morgen war der Himmel über Aberdeen blau. Trotzdem habe ich zur Sicherheit das Jööpchen und den Schirm eingepackt, als ich zur Stadterkundung aufgebrochen bin. Mein Quartier liegt jetzt nicht ganz so zentral, aber doch so, dass man zu Fuß problemlos in die Stadt kommt. Dauert ungefähr zwanzig Minuten bis zum Bahnhof. Wobei… da ist man noch nicht so richtig im Zentrum… Aberdeen hat irgendwie ne etwas ungewöhnliche Stadtgeographie.
Auf dem Spaziergang wurde mir aber schon sehr klar, woher Aberdeen seinen Spitznamen „Granite City“, ‚Stadt aus Granit‘, hat. Hier ist alles aus grauen Steinen gebaut. Man erkennt es ein bisschen im ersten Bild des Tages, eine Straßenansicht auf der Union Street.
Mein erster Stopp war an den Union Terrace Gardens. Eine schöne Anlage mit nem kleinen Park in der Nähe der Oper und auf der westlichen Seite der Eisenbahnlinie, die durch Aberdeen verläuft. Hier habe ich ein bisschen auf der Bank in der Sonne gesessen und mich darüber amüsiert, wie respektlos die Möwen auf dem Kopf der William Wallace-Statue saßen. Möwen sind hier in Aberdeen allgegenwärtig. Über dem Verkehrslärm in der Innenstadt hört man ständig ihre Rufe und in der Wohngegend, wo mein Airbnb liegt, hört man eigentlich nur die Möwen.
In der Gegend um die Union Terrace Gardens kam mir die Stadt seltsam leer vor, so dass ich Google schon gefragt habe, ob heute vielleicht ein Feiertag ist. War aber keiner. Ich habe mich einfach ein bisschen durch die Straßen treiben lassen und bin dann doch auf das belebte Zentrum von Aberdeen gestoßen, so grob in der Gegend östlich der Bahnlinie und nördlich des Hafens. Eines kann man auf jeden Fall sagen: Aberdeen war und ist eine reiche Stadt. Die Straßen sind prachtvoll breit und es ist auch ziemlich sauber. Jetzt nicht wirklich geleckt sauber, aber doch ordentlich und nicht so verranzt wie Dundee. Die Union Street, eine der Hauptachsen in der Innenstadt, ist zur Zeit ne dicke Baustelle. Ich glaube hier soll eine verkehrsberuhigte Zone entstehen.
Mein Ziel war eigentlich das Aberdeen Maritime Museum, aber auf dem Weg dorthin bin ich mal hier in ne Straße abgebogen und dann mal da in ne Straße abgebogen und hab mir die Stadt angesehen. Gegen Mittag gab’s nen kleinen Pick-me-up bei Costa Coffee und dann bin ich Richtung Hafen spaziert und letztendlich beim Aberdeen Maritime Museum angekommen.
Das Aberdeen Maritime Museum ist mehr als nur ein Schifffahrtsmuseum. Hier geht es auch um die Erforschung des Meeres und vor allem auch um die Erdöl- und -gasförderung in der Nordsee. Ein bisschen habe ich mich an das Ölmuseum in Stavanger erinnert gefühlt, und wenn man es genau nimmt, dann ist Aberdeen das schottische Pendant zum norwegischen Stavanger, nämlich das Zentrum der Ölindustrie. Schon klar, dass Aberdeen ne reiche Stadt ist. Dafür sorgt das Meer. Früher durch Fischfang sowie Schiffsbau und Schifffahrt, heute durch die Ölindustrie. Das alles wird im Aberdeen Maritime Museum sehr schön dokumentiert, und das sogar bei freiem Eintritt und von den höheren Etagen mit schönem Blick auf den Hafen. Sieht man im zweiten Bild des Tages. Im Vordergrund liegen zwei ERRVs (Emergency response and rescue vessel) der Reederei Vroon Off-Shore Services. Das sind Spezialeinsatzschiffe, die für Notfälle auf Bohrinseln eingesetzt werden. Im Hintergrund liegt die Hrossey, eines der beiden Fährschiffe, die für NorthLink Ferries die Strecke von Aberdeen über Kirkwall auf den Orkney-Inseln nach Lerwick auf den Shetland-Inseln bedienen.
Der Besuch im Aberdeen Maritime Museum hatte vor allem an der Ölindustrie in der Nordsee mein Interesse geweckt und so habe ich einen kurzen Abstecher zu Waterstone’s gemacht um zu kucken, ob ich dazu vielleicht ein bisschen Literatur finden könnte… Ich konnte… und nicht nur zu diesem Thema. Irgendwie ist bei mir immer Eskalation vorprogrammiert, wenn ich zu Waterstone’s komme. Jedenfalls bin ich mit drei Büchern zu unterschiedlichen Themen mit schottischem Bezug wieder aus dem Buchladen gekommen.
Eigentlich hatte ich vorgehabt, heute nachmittag zum Flughafen zu fahren und ein Ründchen zu spotten, aber als ich aus dem Aberdeen Maritime Museum rauskam, hatte es sich zugezogen. Damit fiel das Spotten aus. Stattdessen bin ich mit dem Bus zur St. Machar-Kathedrale gefahren. Diese Kirche war mal der Bischofssitz von Aberdeen bis zur schottischen Reformation. Das Gebäude stammt aus dem 15. Jahrhundert und ist ein schöner Bau mit zwei dicken Türmen auf der Westseite und innen drin eher schlicht mit einer Holzdecke. Ich hab ein bisschen Zeit in der Kathedrale verbracht und dann ging es mit dem Bus zurück in die Stadt. Busfahren in fremden Städten ist echt viel einfacher geworden, seit man keine Fahrkarte mehr braucht und einfach die Kreditkarte auf das Lesegerät hält, und darüber hinaus die Strecke einfach auf Google Maps verfolgen kann. Ich bin aber nicht ganz bis zur meinem Quartier am nächsten gelegenen Haltestelle gefahren sondern vorher ausgestiegen und noch ein bisschen den westlichen Teil der Union Street entlang spaziert.
Es war zwar erst kurz nach fünf, aber da ich heute mittag nichts richtiges gegessen hatte, war die Einkehr in einem der Pubs in der Nähe meines Quartiers ne gute Option. So musste ich dann auch nicht mehr im Laufe des Abends noch mal zum Essen los.
Morgen geht die Reise weiter. Irgendwie schon schade. Ich hätte vielleicht noch nen Tag länger in Aberdeen bleiben sollen, denn es gibt hier noch so ein paar Museen und interessante Orte zum Ansehen. Mach ich halt bei meiner nächsten Schottland-Reise. Ab morgen wird es für zwei Tage etwas wilder, denn es geht richtig in die Highlands. Ich werde berichten.

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