24. Oktober 2026
Wenn es ein Symbol gibt, das für Indien schlechthin steht, dann ist es das Taj Mahal. Es gehört zu diesem Land wie Tiger oder Mahatma Gandhi, und heute stand es in unserem Tagesprogramm an erster Stelle.
Um neun Uhr haben Madan und unser Guide uns am Hotel abgeholt. Die Fahrt zum Western Gate des Taj Mahal dauert nicht lange. Agra ist halt auch nicht besonders groß für indische Verhältnisse. Bis zum Eingang mussten wir noch ein Stückchen zu Fuß gehen, und dabei hatten wir Gelegenheit, die anderen Touristen zu beobachten und unser Guide hat uns erzählt, dass heutzutage nur noch 1 Prozent der Besucher des Taj Mahal aus dem Ausland kommen. Der innerindische Tourismus hat exponentiell zu genommen und steigt rasant weiter. Inder reisen gerne und sehen sich gerne die Sehenswürdigkeiten ihres eigenen Landes an. Ich finde das richtig gut. Das gehört ja schließlich auch alles ihnen und wenn man etwas kennt und wertschätzt, dann kümmert man sich auch besser drum.
Es war also voll am Einlass, aber unser Guide hat alles gut gemanagt und wir waren schnell durch die Drehschranken und die Sicherheitskontrolle durch.
Die Geschichte des Taj Mahal ist maximal romantisch. Mumtaz war die Lieblingsfrau von Shah Jahan, dem fünften Großmogul. Als Mumtaz während einer Reise als Begleiterin ihres Mannes bei der Geburt ihres 14ten (!) Kindes starb, ließ Shah Jahan zum Gedenken an seine große Liebe das Taj Mahal als Grabmal errichten. Im Inneren des Taj Mahal ruhen Mumtaz und Shah Jahan Seite an Seite.
Das Taj Mahal besteht aus weißem Marmor und Intarsienarbeiten mit Halbedelsteinen. Shah Jahan hatte für die Arbeiten extra Handwerker aus Persien kommen lassen, für die auch ein feudales Gästehaus auf dem Gelände errichtet wurde.
Die Stimmung auf dem Gelände war so, wie wir es auch in Delhi und Jaipur erlebt haben. Es war voll, aber nicht rummelig. Die Inder lieben es – wie erwähnt – sich und ihre Begleitung vor Sehenswürdigkeiten zu fotografieren. Zum Glück ist die Anlage rund um das Taj Mahal so konstruiert, dass man immer einen langen freien Blick auf das Bauwerk hat. Man erkennt es gut im ersten Bild des Tages.
Inder sind viele und Inder sind laut. Das macht draußen im Freien kaum etwas aus. Im Innern des Mausoleums war es allerdings sehr störend, vor allem die Jugendlichen, die durch lautes Rufen das Echo der Kuppel über den Sarkophagen ausprobieren wollten. Das war aber so ziemlich der einzige Wermutstropfen bei der Besichtigung.
Ein Besuch am Taj Mahal hat etwas Unwirkliches… man steht vor einem der bekanntesten Gebäude der Welt, das in einem Atemzug genannt wird mit den Pyramiden, dem Petersdom oder dem Opernhaus in Sydney. Ich hatte im Vorfeld etwas Bedenken, dass ich meinen heutigen Besuch als etwas nicht mehr so Besonderes erleben würde, wie es ja durchaus passieren kann und passiert, wenn man irgendwo zum wiederholten Male ist. Ich hätte mir keine Sorgen machen sollen. Das Taj Mahal ist beim zweiten Besuch genauso beeindruckend und schön wie beim ersten.
Nach der Besichtigung des Taj Mahals hat Madan uns zum Roten Fort, dem ehemaligen Stadtpalast der Mogulkaiser in Agra gefahren. Auch hier waren wir nicht alleine, aber die Menschen verteilten sich recht gut. Das zweite Bild des Tages zeigt den Eingang zur Festung. Trotz seiner Hauptfunktion als Palast ist das rote Fort eine richtige Befestigungsanlage. Teile werden auch heute noch als Kaserne der glorreichen indischen Armee genutzt. Es ist aber eben auch ein Palast, und enthält ähnliche Bauelemente wie wir sie gestern in Fatehpur Sikri und in gewisser Weise auch am Amber Fort gesehen haben.
Unter der fachkundigen Leitung unseres Guides haben wir einen Rundgang durch das Fort unternommen. Immer wieder bieten sich hier schöne Ansichten und von den Terrassen ein toller Ausblick auf das Taj Mahal und den Yamuna River. Der Fluss, der auch durch Delhi fließt, hatte heute deutlich mehr Wasser als ich es von 2004 in Erinnerung hatte. Es muss wohl damals ein schlechter Monsun gewesen sein.
Nach dem Roten Fort hatten wir uns die Mittagspause echt verdient. Wie in den vergangenen Tagen sind wir in einem Restaurant für Touristen eingekehrt. Während der Pause haben wir überlegt, wie wir den Nachmittag gestalten wollten. In Agra war es heute heiß (35 Grad) und drückend und so haben wir uns entschieden, dass Programm ein bisschen abzukürzen und nach dem Mittagessen nur noch zum Itmad-ud-Daula zu fahren. Das ist auch ein Mausoleum, und zwar für den Großvater mütterlicherseits von Shah Jahan. Madan bezeichnete es als „Baby-Taj“ und die Ähnlichkeit in der Architektur ist unverkennbar. Im Gegensatz zum Taj Mahal ist das Itmad-ud-Daula viel kleiner und gemütlicher und mit für meinen Geschmack sogar noch schöneren Intarsienarbeiten versehen. Außerdem ist es VIEL weniger besucht und daher ist es dort auch viel ruhiger. Wir haben einen entspannten Rundgang gemacht und sind um kurz nach drei wieder in Richtung Hotel aufgebrochen. Unser Guide hat es zwar zweimal tapfer versucht, aber einen Besuch in Werkstätten, Manufakturen etc. konnten wir vermeiden und sind um halb vier wieder im Hotel angekommen.
Ich ringe seit gestern mit ner Erkältung und hatte außerdem auf Grund der Tatsache, dass in meinem Zimmer zwei Einzelbetten statt einem Doppelbett stehen, eine unruhige Nacht. So habe ich dann erst mal ein bisschen Bubu gemacht. Danach gab es einen ruhigen Restnachmittag und das Abendessen haben wir wieder im Restaurant unseres Hotels bestritten.
Heute ist Halbzeit der Tour. Mir kommt’s aber so vor als wären wir schon mindestens drei Wochen unterwegs. Kein wirkliches Wunder, bei der Erlebnis- und Attraktionsdichte.
Morgen fahren wir Zug. Nein, wir müssen nicht draußen an den Türen der Waggons hängen. Das betrifft vor allem die Vorortzüge in Mumbai. Für uns geht es schön gemütlich mit dem Shatabdi-Express nach Jhansi. Leider müssen wir uns morgen früh am Bahnhof Agra-Cantt auch von Madan verabschieden. Für die zweite Hälfte der Reise haben wir unterschiedliche Fahrer.
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