23. Oktober 2026
„Da ist der Tiger!“ Heute morgen, um 6:50 Uhr Ortszeit in Ranthambore war es soweit. Wir sind einem Tiger begegnet… und damit ist eines der Hauptziele unserer Tour erreicht.
Um kurz vor sechs hat uns Madan heute morgen für die vierte Safari im Ranthambore-Nationalpark abgeholt. Nach der bequemen Tour gestern war’s heute super beengt. Wir saßen zu sechst im Jeep. Heike, Barbara und ich auf der hinteren Bank, zwei Engländerinnen und ein Engländer auf der vorderen. Unserem Jeep war für heute morgen die Zone 5 des Nationalparks zugeteilt worden. Um viertel vor sieben sind wir an der Einfahrt der Zone gestartet, als zweites Fahrzeug. Keine fünf Minuten später stand das erste Fahrzeug mit leuchtenden Bremslichtern vor uns auf dem Weg, die Leute kuckten und zeigten nach links, und da war er. Ein großer Tigerkater schlappte vor unseren Augen sein Morgenwasser. Unser Guide identifizierte ihn als T-120, genannt Ganesh.
Dank des Zonensystems im Park blieb es bei fünf oder sechs Autos, die auf dem Weg standen und dem Tiger aus ca. 50m Entfernung bei seiner morgendlichen Routine zusahen. Zuerst wurde getrunken, dann wurde für 20 Minuten im Wasser gelegen. Wellness scheint den Tieren in Ranthambore echt wichtig zu sein. Erinnert Euch an den Sambar von gestern. Um viertel nach sieben, nachdem wir ihn 25 Minuten beobachtet hatten, erhob sich Ganesh aus dem Bad, markierte noch einen der Bäume mit Tigerpippi, und begab sich majestätisch zurück in den Wald. Von uns Touristen nahm er keinerlei sichtbare Notiz, auch nicht von den etlichen Indern, die natürlich – wie sie so halt sind – nicht leise waren bei der Beobachtung der Großkatze. Was für ein Hammer-Erlebnis. Gestern hatte ich noch erzählt, dass ich es cooler finde, Verhalten zu beobachten als ein Tier einfach nur zu sehen. Heute haben wir einem Tiger beim Trinken, Baden, Sich Putzen und beim Revier Markieren zugesehen. Wow.
Den Rest unserer Morgensafari herrschte Hochstimmung im Jeep. Verständlich würde ich sagen… *lach… Ich muss gestehen, dass ich mich für Heike und Barbara total freue, und ich bin auch ein bisschen erleichtert, dass wir schon jetzt, nach vier Pirschfahrten, einen dicken Tiger gesehen haben. Wir haben zwar im Bandhavgarh-Nationalpark noch mehrere Safaris, aber die ‚Pflicht‘ haben wir erfüllt und können uns jetzt ohne Stress der ‚Kür‘ zuwenden. An die noch folgenden Safaris gehe ich also ganz entspannt ran. Heike und Barbara waren zwar vor zwei Jahren mit mir im Krüger-Nationalpark und wissen, dass Safari viel mit Glück und mit zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein zu tun hat. Tigerbegegnungen waren also auf unserer Tour nicht garantiert und auch nicht selbstverständlich. Ich hätte es aber total schade gefunden, wenn ich am Ende der Reise hätte sagen müssen „Damals, 2004, bei meiner ersten Indien-Reise haben wir aber…“.
Im weiteren Verlauf der heutigen Morgensafari, die übrigens durch einen landschaftlich sehr schönen Teil des Parks führte, gab es dann zusätzlich zu Sambars, Chitals, Nilgais, Hanuman-Languren und vielen Vögeln (inklusive eines Koromandeluhus, einer neuen Art auf meiner Lebensliste) auch die ersten Wildschweine der Tour. Ich hatte mich schon gefragt, wo die sich rumtreiben, denn Wildschweine sind sehr typische Tiere für den süd- und südostasiatischen Wald und sie waren mir bisher auf jeder Safari in Asien begegnet. Jetzt stehen sie auch auf der Liste für diese Reise.
Um viertel vor zehn waren wir wieder im Quartier. Mit dem Frühstück mussten wir uns allerdings etwas beeilen, denn Madan hatte für halb elf unsere Abfahrt angesetzt und Koffer packen und auschecken mussten wir auch noch. Hat aber alles zeitlich geklappt. Mit der Abfahrt von unserem Resort endete der erste naturkundliche Teil unserer Indien-Reise und wir konzentrieren uns in den nächsten Tagen wieder auf klassisches Sightseeing, Kultur und Geschichte.
Wir mussten einiges an Strecke zurück legen, um den heutigen Besichtigungspunkt zu erreichen. Könnt Ihr in der Karte sehen. Zuerst ging es über die Landstraße und Autobahn in Richtung Norden und dann weiter über die vierspurig ausgebaute Landstraße nach Osten in Richtung Agra. Dabei haben wir auch die Grenze zwischen den Bundesstaaten Rajasthan und Uttar Pradesh überquert.
Auf dem weiteren Weg nach Agra, unserem heutigen Etappenziel, haben wir in Fatehpur Sikri Station gemacht. Hier waren wir auch 2004 gewesen und es hatte mir damals schon sehr gut dort gefallen. An den Besuch dort kann und konnte ich mich noch echt gut erinnern, so dass mir heute vieles bekannt war. Das tat dem Erlebnis aber keinen Abbruch.
Fatehpur Sikri wurde im 16. Jahrhundert vom Mogulkaiser Akbar I. (genannt ‚der Große‘ und Sohn von Humayun, dessen Mausoleum wir in Delhi besichtigt haben) innerhalb eines Zeitraums von fünf Jahren erbaut, um den Regierungssitz von Agra hierhin zu verlegen. Rund 12.000 Arbeiter waren hier tätig. Letztendlich hat Akbar nur wenige Jahre von Fatehpur Sikri aus regiert, dann wurde der Hof erneut verlegt, nach Lahore im heutigen Pakistan.
Gegen vier steuerte Madan unseren Toyota auf den riesigen Touristenparkplatz von Fatehpur Sikri. Dann haben wir unseren Guide kennengelernt, der uns auch morgen in Agra begleiten wird. Ich fürchte allerdings ich werde ihn nochmal nach seinem Namen fragen müssen. Auf jeden Fall spricht er schon mal sehr schön und auch sehr gut verständlich ausgesprochenes Deutsch. Das ist viel wert.
2004 sind wir noch direkt bis zum Eingang der Palastanlage gefahren. Heutzutage werden die Touristen mit Golfwagen dort hintransferiert. Unsere Besichtigung startete um kurz vor vier und dann haben wir ungefähr eineinviertel Stunden in der Palastanlage aus rotem Granit verbracht. Mit einem einzigen Bild wird man dem weitläufigen Palast zwar nicht gerecht, aber das zweite Bild des Tages gibt zumindest einen Eindruck… und ich fand die Tauben im Foto cool… *lach… Wir haben uns unter der sachkundigen Führung unseres Guides, der sehr schön erzählt, die verschiedenen Teile des Palastes angesehen und ich habe es nach einer eintägigen Pause auch wieder geschafft, ein Video des Tages zu machen. Im Ranthambore machte das durch das Handyverbot im Park wenig Sinn. Fotografiert habe ich in Fatehpur Sikri auch, was das Zeug hält. Der Palast bietet so viele schöne Perspektiven, geometrische Muster und Ansichten, da hätte ich noch Stunden verbringen können. Aber wir mussten ja noch nach Agra. Das ist so ungefähr ne knappe Stunde Fahrt.
Hier in Agra wohnen wir echt schick im Grande Mercure Hotel. Wermutstropfen ist allerdings, dass in meinem Zimmer zwei einzelne Betten stehen. Mist. Aber hilft nix. Morgen startet um neun die Besichtigung hier in Agra. Nach dem Tiger heute gibt es morgen den nächsten ikonisch-indischen Höhepunkt. Vielleicht könnt Ihr es Euch schon denken.
|
||
|
|
||
|


