21. Oktober 2026
Heute war ein gemischter Tag. Den ersten Teil davon haben wir mal wieder mit Fahren verbracht. Diejenigen von Euch, die meine Social Media-Kanäle verfolgen, haben wahrscheinlich gemerkt, dass es keine Selfies vor Sehenswürdigkeiten gab und ich nur kurz vor Schluss des Tages ein Video zum Thema „Verkehr in Indien“ gepostet habe.
Nach dem Frühstück sind wir von Jaipur aufgebrochen. Ich muss sagen, ich hätte noch nen Tag bleiben können. Zum einen war das Quartier in dem alten Haveli echt super, und zum anderen hätte ich mir durchaus vorstellen können, die Hauptstadt Rajasthans noch einen Tag länger zu erkunden. Erwartet hatte ich das nach meinen Vorerfahrungen von vor 22 Jahren nicht. Umso schöner, dass mir Jaipur im zweiten Anlauf so gut gefallen hat.
Die heutige Fahrt – Ihr könnt den Verlauf der Fahrt auf der Karte nachvollziehen - führte zuerst über Schnellstraße und dann über Landstraße. Madan ist ein sehr angenehmer Fahrer. Er fährt für indische Verhältnisse echt defensiv und verhalten. In Indien ist das nicht alltäglich. Außerdem hält er sich sehr penibel an Geschwindigkeitsbegrenzungen. Dauert vielleicht auf diese Weise alles nen Tacken länger, aber immerhin haben wir Passagiere so keine Probleme mit fahrstilbedingten plötzlichen Herzkranzgefäßverengungen.
Die Fahrt über die Landstraße führte hauptsächlich durch landwirtschaftlich genutztes Gebiet und durch Dörfer und kleine Städte. Eins fällt sofort auf: Indien baut. Hier herrscht überall eine sehr rege Bautätigkeit. Häuser, Geschäfte, Betriebe, Straßen und andere Infrastruktur. Ich finde das sehr interessant zu beobachten.
Gegen 14 Uhr waren wir an unserem Quartier, dem Aama Gahti Wildlife Resort. Hier kam einige Hektik auf, da wir etwas spät dran waren und sofort zur ersten Safari aufbrechen sollten.
Ihr habt richtig gelesen. Heute nachmittag begann Teil 1 des naturkundlichen Schwerpunkts unserer Tour. Für die nächsten beiden Tage erkunden wir den Ranthambore-Nationalpark. Der Nationalpark ist Teil des Project Tiger, das Anfang der 1970er Jahre ins Leben gerufen wurde, um den Tiger vor dem Aussterben zu bewahren. Das ist den Indern auch ganz gut gelungen. Die Gelehrten sind sich uneins, aber die Tigerpopulation in Indien wird aktuell irgendwo zwischen 2000 und 3000 Tieren liegen. Auf unserer Reise werden wir zwei indische Nationalparks besuchen, in der Hoffnung Tiger zu Gesicht zu kriegen. Der erste ist Ranthambore.
Der Aufbruch zur Nachmittagssafari heute war wirklich etwas hektisch und wir haben es nicht mal geschafft ins Zimmer zu kommen. Zum Glück hat die Hotelküche noch ein paar Sandwiches geschmiert, damit wir unterwegs was zu essen hatten.
Ebenfalls suboptimal war die Tourorganisation. Im Voucher stand der Hinweis „Shared Safari“, der mich schon nichts Gutes ahnen ließ. Und so war es auch. Wir waren mit einem Maruti Gypsy-Jeep unterwegs, der zwei Dreier-Sitzbänke hatte. Die vordere davon war für uns drei, und für die hintere gabelten wir ein paar Kilometer vom Quartier entfernt noch zwei Leute auf. Ein österreichisches Ehepaar. Wir drei saßen ziemlich gequetscht, es ging so grade noch. Die Fahrt zu unserer Safari-Zone dauerte ein bisschen und dann begann die Pirschfahrt. (Zu den Safari-Zonen im Ranthambore-Nationalpark werde ich morgen ein bisschen erzählen.)
Die Landschaft in Ranthambore ist sehr schön. Man kann es auf dem ersten Bild des Tages ein bisschen erahnen. Der Wald hier ist auch kein undurchdringlicher, lianendurchzogener Dschungel, wie man ihn sich gemeinhin für Indien vorstellt. Der Wald ist ziemlich offen mit wenig Unterholz, es gibt Wiesen und Bachläufe, aber das alles in ziemlich gebirgigem Gelände.
Wie Ihr nach dem zweiten Bild des Tages schon geahnt habt, sind wir heute keinem Tiger begegnet. Trotzdem war unsere Safari ziemlich erfolgreich. An Großwild haben wir etliche Sambars, Chitals (zu Deutsch Axishirsche) und Nilgauantilopen gesehen und auch Bengalische Hanuman-Languren sind uns begegnet. Das zweite Bild des Tages zeigt einen jungen Sambar-Hirsch. Das Geweih muss noch wachsen. Auch unser Guide und unser Fahrer waren topp. Leider wechseln die Guides mit jeder Tour. Das war vor 22 Jahren noch anders, wo wir alle Safaris in Ranthambore mit dem gleichen Team aus Guide und Fahrer gemacht haben.
Alles in allem war es ein gelungener Safari-Auftakt, auch wenn die beiden Ösis anfänglich etwas genervt haben. Auf der Rückfahrt durch Sawai Madhopur hatten wir dann eine hautnahe Begegnung mit ländlichem, indischen Feierabend-Verkehr. Sehr spannend und sehr lustig. Vielleicht habt Ihr mein Video des Tages gesehen.
Wieder im Quartier habe ich an der Rezeption gefragt, ob es möglich wäre für uns eine eigene Safari ohne Zusteiger zu bekommen. Mehr Platz hätte halt große Vorteile, nicht nur bei der Bequemlichkeit. Ich habe ja auch immer einiges an Equipment dabei und damit hantiert es sich schlecht unter so beengten Bedingungen wie heute. Die freundliche Inderin an der Rezeption wollte sich drum kümmern.
Nach dem sehr leckeren Buffet-Abendessen bekamen wir dann den Bescheid, dass es für morgen früh schon zu spät für Änderungen wäre, aber man wolle sich bemühen, für morgen nachmittag und übermorgen früh etwas zu arrangieren. Ich bin gespannt und werde berichten.
So, und jetzt muss ich ins Bett. Morgen früh geht der Wecker um kurz vor fünf, denn Madan bringt uns schon um 5:30h zum Abfahrtspunkt der Safari-Jeeps.
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