31. Juli 2026
Heute stand die erste Meeressafari an. Insgesamt habe ich drei Ausflüge in die Gewässer, die Schottland umgeben, geplant. Ich nenne das jetzt mal ganz bewusst nicht Whale Watching, denn große Wale stehen hier nicht im Vordergrund und sind auch nicht so wirklich wahrscheinlich. Aber alles was sich sonst noch so an aquatischem und semi-aquatischem Getier hier tummelt, könnte man zu Gesicht und vor die Kamera kriegen.
Die Meeressafari heute führte in den Moray Firth. Das Gebiet könnt Ihr in der Karte sehen. Das Boot war ziemlich voll, mit vielen Familien mit kleinen Kindern, aber nach der Abfahrt hab ich mir ein ruhiges Eckchen an Deck gesucht, auf das Meer und die Küste gekuckt und nach Delphinen Ausschau gehalten. Die fischreichen Gewässer des Moray Firth sollen nämlich ein Tummelplatz für Delphine, insbesondere für Große Tümmler sein. Große Tümmler kennt jeder. Seit ‚Flipper’ sind das die „klassischen“ Delphine in Film und Fernsehen und auch im Delphinarium, wobei letztere Praxis mittlerweile viel von ihrer Faszination eingebüßt hat.
Ne knappe dreiviertel Stunde haben wir bis zur engen Stelle zwischen Fort George und Chanonry Point gebraucht, und dann gab es wirklich Große Tümmler zu sehen. Natürlich entstand dabei auch genug Bildmaterial für das erste Bild des Tages und demnächst auch für Frantis World. Wird Zeit, dass sich ein bisschen was tut im Bereich „Safari – Europa“. Die Meeressafari hat sich also auf jeden Fall gelohnt.
Wieder an Land bin ich nach Culloden gefahren. Hier fand am 16. April 1746 die letzte Schlacht auf britischem Boden statt. Schon seit der Glorious Revolution 1688, bei der der katholische König James II. aus dem Hause Stuart abgesetzt wurde, hatte es mehrere Versuche der sogenannten Jakobiten (James ist die englische Version von Jakob) gegeben, James II., seinen Sohn und seinen Enkel wieder auf den Thron von England und Schottland zu bringen. Die letzte ernstzunehmende Kampagne begann 1745, als der Enkel des abgesetzten James II., Charles Edward Stuart mit französischer Unterstützung den Versuch unternahm, von Schottland aus die beiden Königreiche unter seine Herrschaft zu bringen. Nach anfänglichen Erfolgen, bei denen er viele der schottischen Clanchefs hinter sich vereinigen konnte, verließ Charles Edward Stuart, auch bekannt als Bonnie Prince Charlie, aber das Glück und nach mehreren folgenschweren Fehlentscheidungen kam es am 16. April 1746 auf dem Culloden Moor zur Entscheidungsschlacht. Die professionell agierenden, besser ausgerüsteten und versorgten Truppen der britischen Regierung unter dem Kommando des Herzogs von Cumberland schlugen die Highlander in weniger als einer Stunde vernichtend. Damit waren Bonnie Prince Charlies Hoffnungen auf den britischen Thron gescheitert. In der Folge gab es einschneidende Veränderungen in der schottischen Gesellschaft. Um weitere Aufstände zu vermeiden wurde die schottische Kultur von den Engländern über viele Jahre brutal unterdrückt. Das Schlachtfeld von Culloden ist deshalb für viele Schotten auch ein Gedenkort an die ultimative Niederlage und den endgültigen Verlust der Unabhängigkeit.
Im Besucherzentrum des Culloden Battlefield sind sowohl die Vorgeschichte als auch die Schlacht selber sehr schön aufbereitet. Es gibt zwar auch geführte Rundgänge über das Schlachtfeld, aber ich bin lieber für mich alleine dort spazieren gegangen, unter blau-weißem Himmel in einer lustigen Brise. Dabei entstand auch das zweite Bild des Tages. Der Gedenkstein im Vordergrund markiert das Grab der Gefallenen des Clans Mackintosh. Andere Clans haben ebenfalls Gedenksteine auf ihren Soldatengräbern. Im Hintergrund sieht man das Besucherzentrum. Die rote Flagge ist Teil einer Reihe solcher Flaggen mit denen man heutzutage auf dem Schlachtfeld die Ausgangspositionen der Engländer markiert hat. Die schottische Ausgangsposition liegt hinter mir, deshalb ist von den entsprechenden blauen Flaggen keine zu sehen.
Nach dem Besuch in Culloden wollte ich mir noch das Inverness Castle ansehen, aber nach zwei erfolglosen Versuchen, einen Parkplatz zu finden, fing es heftig an zu regnen. Ich habe also meine Pläne geändert und bin ins Kino gegangen. Das mache ich schon mal ganz gerne wenn ich im englischsprachigen Ausland bin und ein Film läuft, der mich interessiert. Heute habe ich mir „The Oddysey“ angesehen, die Verfilmung der Odysseus-Geschichte in der Version von Christopher Nolan, der sowohl das Drehbuch geschrieben als auch Regie geführt hat. Was soll ich sagen? Es war ganz okay. Schon unterhaltsam und die fast drei Stunden sind mir nicht lang geworden. Aber mit Nolans Erzählstil werde ich nicht richtig warm und so ein paar Dinge, die er da in die Geschichte reininterpretiert, sind an den Haaren herbei gezogen. Aber wie gesagt: es war unterhaltsam, nicht mehr und nicht weniger.
Morgen lasse ich Inverness schon wieder hinter mir. Schade eigentlich. Mir gefällt es hier ganz gut. Aber meine Reisezeit ist begrenzt und ich hab noch einiges vor auf dieser Tour.
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