30. Juli 2026
Heute war irgendwie schon ein seltsamer Tag. Die gestrige Nachricht von Ursula hat mich den ganzen Tag im Kopf begleitet. Meine Reise ist deswegen aber nicht stehen geblieben. Auch heute habe ich viel erlebt und natürlich gibt’s dazu ein Logbuch.
Das Programm war heute wieder sehr dicht, und bei einer gefahrenen Strecke von um die 75 Meilen waren manchmal nur wenige Minuten zwischen den Stopps.
Den ersten kurzen Halt zum Fotografieren gab es schon direkt hinter dem Ortsausgang von Dufftown. Hinter der Glenfiddich-Destillerie liegt das Balvenie Castle. Da wurde zwar erst um zehn geöffnet, eine halbe Stunde nach meinem Aufbruch, aber da die Sonne so schön schien, habe ich einen kurzen Fotostopp eingelegt. Ich habe sowieso beschlossen, dass ich nicht jedes Castle am Wegesrand, das mich anzieht, ausführlich besichtige. Dann bräuchte ich Monate für die Reise. Manchmal muss ein Bild von außen reichen.
Weiter ging’s nach Elgin (gesprochen: EL-gin, nicht EL-dschin). Google Maps hatte zwar etwas Mühe, mich zur Kathedrale zu lotsen, aber am Ende sind der Peugeot und ich trotzdem angekommen.
Elgin Cathedral ist heutzutage nur noch eine Ruine, wie man im ersten Bild des Tages sehen kann. Im Mittelalter war es aber mal eine prachtvolle Kirche und eine der größten in Schottland. Nach der Reformation in Schottland im 16. Jahrhundert wurde der Betrieb in der Kathedrale eingestellt und der Bau begann langsam zu verfallen. Am Ostersonntag 1711 stürzte der Vierungsturm, der so ähnlich ausgesehen hat wie der der Kathedrale in Salisbury, ein und zerstörte das Kirchenschiff. Danach war die Kathedrale von Elgin nur noch eine Ruine. Allerdings mittlerweile eine sehr schicke, seit sich um den Erhalt der verbliebenen Bausubstanz gekümmert wird. Man kann sogar auf einen der Türme steigen (im Bild der rechte) und hat von oben einen tollen Blick auf Elgin und die hier in Küstennähe eher flache Landschaft. Ganz alleine war ich in Elgin Cathedral zwar nicht - zwei Busse mit italienischen Touristen sorgten teilweise für lautstarkes Leben – aber mit ein bisschen Geduld hab ich Bilder hinbekommen, wo es zumindest so scheint als hätte ich die Anlage für mich allein.
Den nächsten Programmpunkt habe ich selber vermaselt und zwar so richtig. Ein paar Meilen nördlich von Elgin liegt RAF Lossiemouth, der einzige noch verbliebene Flugplatz der Royal Air Force in Schottland. Hier sind Typhoons stationiert und Boeing Poseidons, und wer meine fliegerischen Vorlieben ein bisschen kennt, weiß, dass ich ein großer Fan des Typhoon bin. Die Typhoons der RAF sind hier nicht nur zum Üben sondern sollen ganz konkret den britischen Luftraum und die Nordsee bewachen und einfliegende russische Flugzeuge abfangen (was sie auch regelmäßig tun müssen). Da mal zum Zaun kucken fahren konnte ja nicht schaden, vor allem weil es ja direkt in der Nähe lag. Ich habe dann auch wie gewohnt spotterguide.net konsultiert und stand wenig später mit schönem Blick auf eine Einflugschneise des Flugplatzes am Rande eines Gerstenfeldes. Flightradar24 hatte mir außerdem verraten, dass ein Typhoon über der Nordsee östlich von Aberdeen Übungsflüge abgehalten hatte. Manchmal sieht man nämlich auch Militärmaschinen auf Flightradar. Während ich so am Zaun stand, machte sich der Flieger auf den Heimweg. Es konnte sich also nur noch um eine kurze Zeit handeln, bis er hier einschweben würde. Am Ende war es nicht nur einer sondern zwei mal zwei Typhoons in enger Formation, die geschmeidig ins Traffic Pattern (die vorgesehenen Flugrouten) über Lossiemouth einschwenkten. Aber als sie dann zum Break und zum Endanflug kurvten, war mir blitzschnell klar, dass ich die falsche Landebahn ausgesucht hatte. Es gibt nämlich zwei in Lossiemouth. SO EIN MIST. Ich habe zwar ein paar Fotos gemacht, aber ich hatte natürlich auf Typhoons schön langsam im kurzen Endanflug spekuliert. Wie gesagt: ich hab’s vermaselt. Ich hätte besser noch mal genauer die Anzeigen von Google Maps, Flightradar24 und spotterguide.net mit einander ver- und abgeglichen. Naja, wie sagt der Engländer? „Would have, would have, bicycle chain.“
Mittlerweile war der Wind kräftig aufgefrischt. Am Duffus Castle, nur ein paar hundert Meter neben der Piste von RAF Lossiemouth, wollte ich mich eigentlich ein bisschen umsehen, aber nach fünf Minuten fielen die ersten Regentropfen und so bin ich zurück zum Peugeot und habe den nächsten Programmpunkt angesteuert.
Morayvia ist ein Luftfahrtmuseum auf dem Gelände des ehemaligen Stützpunkts RAF Kinloss, dreizehn Meilen südwestlich von Lossiemouth. Laut Google Maps sollte dort eigentlich geschlossen sein, aber ich bin trotzdem hingefahren, in der Hoffnung ein paar Flieger durch den Zaun zu fotografieren. Aber es war geöffnet… wie immer donnerstags während der Schulferien. So erklärten mir die freundlichen älteren Ladies an der Kasse. Das Museum ist ein ziemlich kraut-und-rüben-mäßig organisiert, um nicht zu sagen chaotisch. Viele der Flieger müssen noch restauriert werden und auch die Ausstellung innen braucht dringend Organisation und Didaktisierung. Aber es wird halt von Freiwilligen betrieben und hatte irgendwie durch das Chaotische auch wieder Charme. Es gab zwar mehrere Regenschauer während ich dort war, aber die McDonnell-Douglas F-4K Phantom FG.1 mit der Registrierung XV586 habe ich schön im Sonnenlicht erwischt für das zweite Bild des Tages.
Nach dem Luftfahrtmuseum habe ich einen kurzen Abstecher zum Findhorn Bay Local Nature Reserve gemacht, der aber nicht der Rede wert war. Ich bin fast sofort zur letzten Besichtigung des heutigen Tages weiter gefahren, zum Cawdor Castle. Eine schöne Anlage und von außen wirkt es deutlich mittelalterlicher als Glamis Castle. Aber es ist schon um ein vielfaches kleiner und bei weitem nicht so repräsentativ. Von Verbindungen zur königlichen Familie habe ich dort nichts erfahren. Man geht alleine auf den Rundgang durch das Castle, ohne Führung und nur mit Audioguide, wenn man mag (ich mochte nicht… ich mag ja grundsätzlich keine Audioguides).
Für die nächsten beiden Nächte wohne ich wieder in einem B&B, dieses Mal im Zentrum von Inverness. Morgen gibt es hier die erste richtige Safari der Tour. Ich bin schon sehr gespannt.
P.S. Ich habe Euch heute eine zweite Karte angehängt, damit Ihr mal sehen könnt, wo ich bisher schon war. Immerhin bin ich jetzt schon sieben Tage op jöck.
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