10. April 2026
Heute war ein ziemlich gemütlicher Tag. Wir hatten das Frühstück erst für 9 Uhr angesetzt. Programmmäßig waren wir heute auf getrennten Wegen unterwegs. Tina und Frank haben heute römische Hauptsehenswürdigkeiten besichtigt: Forum Romanum, Palatin, Kolosseum. Frank ist ja zum ersten Mal in Rom und das sind Sachen, die man mindestens einmal gesehen haben muss. Wobei… ich bin ja ein großer Fan vom Palatin und eigentlich auch vom Forum Romanum. Auf dieser Tour habe ich aber beides (fast) ausgelassen.
Meine Eltern und ich haben den heutigen Tag mit einer weiteren kleinen Kirchentour begonnen. Vom Taxistand am Largo Argentino sind wir nach Santa Maria Maggiore gefahren. Das ist eine der vier Papstbasiliken und als Kind war es die Kirche, die mir in Rom am besten gefallen hat. Als wir an der Kirche ausstiegen, stand eine ziemliche Schlange vor der Sicherheitskontrolle, aber da meine Eltern ja beide mit Gehhilfe unterwegs sind, durften wir einfach ohne Anstehen dran vorbei. Anmerkung meiner Mutter dazu: „Manchmal hat es schon Vorteile, wenn man eingeschränkt ist.“ Santa Maria Maggiore ist innen drin reich ausgeschmückt, mit einem Marmorfußboden mit Einlegearbeiten, einer vergoldeten Kassettendecke im iberischen Stil und fantastischen, spätantiken Mosaiken im Chor. Man kann sich kaum vorstellen, dass die Mosaike schon fast 1600 Jahre alt sind. Wir haben uns schön Zeit gelassen mit der Besichtigung. Obwohl recht viele Menschen in der Kirche waren, war es drinnen doch sehr ruhig und würdevoll. Ich habe die Mosaiken, den Fußboden und die Decke fotografiert und war auch am Grab von Papst Franziskus, der auf seinen Wunsch hin nicht unter dem Petersdom begraben wurde, sondern im linken Seitenschiff von Santa Maria Maggiore liegt.
Als nächstes ging es von der Papstbasilika zur kleinen aber nicht weniger eindrucksvollen Basilika Santa Prassede. Ich bin jetzt schon seit fünf Tagen komplett platt, was mein Vater alles weiß und wie der sich hier noch auskennt. Okay, er war über 20 Mal in Rom, aber das letzte Mal ist schon was her… Aber wenn der sagt, „Dat is nit witt“, dann ist es auch nicht weit, und wenn er sagt „Do jehste links de Stroß eraf, dann räähs un dann weder links und dann beste do“ dann stimmt das auch. Google Maps braucht man nicht wirklich, wenn man ihn dabei hat. Also, bei Santa Maria Maggiore erus, övve die Piazza un die Stroß, dann links, dann räähs… und schon standen wir vor Santa Prassede. Die erste Kirche wurde hier ebenfalls im 5. Jahrhundert gebaut, aber der heutige Bau stammt aus dem frühen 9. Jahrhundert, der Zeit Karls des Großen, und wurde von Papst Paschalis I. in Auftrag gegeben. Auch hier sehr eindrucksvolle Mosaiken, und ein noch schönerer Marmorfußboden als in der großen Basilika fast nebenan. Vielleicht habt Ihr die Collage gesehen, die ich in die sozialen Medien geschickt habe. Ich fotografiere auf dieser Reise zwar nur mit meinem mittlerweile etwas in die Jahre gekommenen Samsung-Handy, aber wenn ich zu Hause bin, dann werde ich mal ein ausführliches Reisebilderbuch zu Rom machen (und auch noch mal die Fotos meiner anderen Romreisen durchforsten). Ich muss gestehen, dass ich es auch total schwierig finde, ein Bild des Tages bei dieser Tour auszusuchen. Dazu später noch ein bisschen mehr.
Eigentlich wollten wir von Santa Prassede noch zu einer weiteren Kirche, aber die schloss schon um halb zwölf und macht erst morgen wieder auf. So haben wir uns also erst mal an der Piazza di Santa Maria Maggiore ins Café gesetzt und einen kleinen Mittagsimbiss zu uns genommen.
Als nächstes wollten meine Eltern noch mal einen Blick vom Kapitol auf das Forum Romanum werfen. „Sportlich“, hab ich gedacht, denn man muss auf’s Kapitol ja ne lange Treppe rauf. Ich habe uns also ein Uber-Taxi bestellt, das uns von Santa Maria Maggiore zum Kapitol fahren sollte. Die Fahrt führte unter anderem am Kolosseum vorbei, so dass wir das auch noch mal gesehen hatten, ebenso wie die Heerscharen von Touristen, die sich dort und am östlichen Eingang zum Forum Romanum tummelten.
Ich war ein bisschen überrascht, als uns unser Taxifahrer gegenüber von den Kaiserforen quasi am „Hinteraufgang“ zum Kapitol absetzte, aber letztendlich war das genau richtig. Die Straße, die von hinten, genauer gesagt von Nordosten, auf das Kapitol führt, ist deutlich weniger steil als die Treppe und so war es für meine Eltern einfacher auf den wichtigsten Hügel Roms zu kommen. Oben haben wir dann an zwei verschiedenen Stellen auf’s Forum Romanum runter gekuckt und wie der Zufall es will auch Tina und Frank unten spazieren gesehen. Früher hätte man ja versucht, sich aus vollem Hals was zuzurufen, aber heute greift man einfach dezent zum Handy, ruft an, sagt „Dreht Euch mal um und kuckt nach oben“ und dann wird gewunken.
Oben auf dem Kapitolsplatz haben meine Eltern im Schatten gesessen, während ich mich um Fotos des Platzes und der Reiterstatue von Marc Aurel bemüht habe. Es war ziemlich voll und so habe ich das von mir gewünschte Bild leider nicht bekommen. Aber es muss ja Gründe geben, nochmal nach Rom zu fahren. Das ist also ein weiterer.
Vom Kapitol aus haben wir den Heimweg angetreten… zu Fuß. So richtig weit ist das nicht, ungefähr nen Kilometer. Erst die lange Treppe runter, dann schön langsam und gemütlich durch die Sträßchen, Gassen und Winkel der römischen Altstadt, und mit einem Schlenker zur Fontana delle Tartarughe, dem Schildkrötenbrunnen. In seiner heutigen Form geht er wahrscheinlich auf Gian Lorenzo Bernini zurück, der auch den Elefanten unter dem Obelisken entworfen hat und der als einer der bedeutendsten Bildhauer des italienischen Barock gilt. Die Fontana delle Tartarughe, oder viel mehr eine Detailaufnahme davon, ist heute das Bild des Tages. Der Schildkrötenbrunnen ist echt niedlich und ich finde es sieht auf dem Bild wirklich so aus als würden die Statuen die Schildkröten zum Trinken nach oben schieben. Ist jetzt vielleicht nicht das spektakulärste Fotomotiv des Tages, aber ich glaube, ich habe (vom Leo abgesehen) für dieses Reiselogbuch sowieso eher weniger bekannte, aber deshalb nicht weniger sehenswürdige Sehenswürdigkeiten von Rom ausgesucht. Schon alleine die Brunnen hier in Rom würden genug Fotos und Geschichten für eine Reise liefern.
Der Weg zum Hotel ist von der Fontana delle Tartarughe nicht mehr weit. Um kurz vor drei waren wir dort. Ich muss wirklich sagen: meine Eltern haben sich überaus wacker geschlagen und hatten sich die anschließende Siesta und den freien Nachmittag mehr als verdient.
Ich habe selber nur ne kurze Pause gemacht und bin um kurz nach vier wieder aufgebrochen, und zwar zuerst mit dem Bus. Ich wollte einfach nochmal ausprobieren wie das Busfahren hier funktioniert, denn meine letzten ÖPNV-Erfahrungen in Rom liegen jetzt auch schon dreizehn Jahre zurück. Mein Ziel war das Forum Boarium, der ehemalige römische Viehmarkt am südlichsten Zipfel des Marsfeldes. In römischer Zeit war hier am Tiberufer unterhalb von Kapitol und Palatin ein wichtiges Handelszentrum, das damals sehr lebendig gewesen ist. Hier befand sich eine Furt durch den Fluss und später die ersten Brücken über den Tiber sowie der ursprüngliche Haupthafen Roms. Ich hatte schon das ein oder andere Mal was vom Forum Boarium gelesen und hatte mir vorgenommen, dass ich bei meinem nächsten Rombesuch dort hin wollte.
Tja, was soll ich sagen? Es war ein bisschen anders als ich es mir vorgestellt hatte. Auf dem Forum Boarium stehen noch immer zwei römische Tempel, der Rundtempel des Herkules Victor – der älteste erhaltene Marmorbau Roms – und der Tempel des Hafengottes Portunus (das Forum Boarium lag bzw. liegt ja direkt am Tiber). Das Forum Boarium ist aber keine archäologische Besuchsstätte im klassischen Sinne, sondern eigentlich nur ne Wiese mit ein paar Steinbänken, den beiden Tempeln drauf, dem Tiberuferdeich samt Straße dahinter und ner mehrspurigen Straße davor. Man muss keinen Eintritt bezahlen, aber die Tempel sind auch zu und hinter Gittern und können nur an bestimmten Tagen besichtigt werden. Zu allem Überfluss war der Janusbogen, der auch zum Forum Boarium gehört, komplett eingerüstet. Also alles in allem etwas weniger spannend als ich es gerne gehabt hätte. Es hat mir aber trotzdem nicht leid getan, dort hingefahren zu sein. Der Historiker in mir ist auf jeden Fall auf seine Kosten gekommen. Ich habe die Tempel in Ruhe angekuckt und fotografiert und das Video des Tages produziert. Den Rückweg zum Hotel habe ich zu Fuß zurückgelegt, inklusive eines kurzen Stopps am Theater des Marcellus und bei der Post, denn meine Eltern brauchten noch zwei Briefmarken von Poste Italiane.
Um kurz vor halb sieben haben wir fünf, der harte Kern, der noch länger in Rom geblieben ist, uns wieder getroffen und wir sind zum Abendessen gegangen, in dem gleichen Lokal wie gestern. Zum Abschied von Rom gab es für mich noch mal Cacio e Pepe, und ich habe zum zweiten Mal festgestellt, dass meine eigenen Bemühungen um dieses Gericht schon ziemlich gut sind.
Morgen vormittag haben wir noch Zeit für ein paar Aktivitäten in Rom. Um halb zwei kommt dann das Shuttle um uns zum Flughafen zu bringen. Das letzte Logbuch der Tour kriegt Ihr also morgen Abend (wenn Eurowings keinen Mist baut).
Hmmmmm… für nen gemütlichen Tag gab es doch wieder viel zu erzählen…
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