7. April 2026

Heute war in vieler Hinsicht ein ganz besonderer Tag, nicht nur weil mein Vater Namenstag hatte. Wir sind heute auf unseren eigenen Spuren gewandelt, denen aus den frühen 1980er Jahren. Den Anstoß, oder eigentlich überhaupt die Idee für unsere diesjährige Familientour, hatten meine letzten Osterferien gegeben, wo ich in Latium unterwegs war und dabei auch nach San Gregorio da Sassola und zum Augustiner-Kloster Convento Santa Maria Nuova oberhalb von Tivoli in den Sabiner Bergen gefahren bin (Das Reiselogbuch vom letzten Jahr findet Ihr hier zum nochmal nachlesen). Wie ich gestern schon erwähnt habe, haben wir 1980 den ersten Italien-Urlaub der Familie dort verbracht und haben Rom kennen und lieben gelernt. Heute sind wir mit alle Mann dort wieder hingefahren.
Letztes Jahr habe ich am Fuß der Sabiner Berge in Tivoli Terme gewohnt. Heute war der Tagesausflug nach San Gregorio mit etwas mehr Aufwand verbunden.
Nach dem sehr schönen Frühstück in unserem Hotel sind mein Bruder, meine Eltern und ich mit dem Uber-Taxi zum Bahnhof Termini gefahren. Der Rest der Truppe kam per Bus. Den zeitlichen Vorsprung haben mein Bruder und ich genutzt, um die beiden Mietwagen abzuholen, die ich am Bahnhof Termini über meinen bevorzugten Mietwagenvermittler (SunnyCars) gebucht hatte. Relativ zügig hatten wir unsere beiden fahrbaren Untersätze, einen 9-Sitzer-Ford und einen MG-SUV, haben unsere Mitreisenden in der Nähe des Bahnhofs eingesammelt und dann ging’s raus auf’s Land. Für die Hinfahrt hatte ich bewusst die Strecke über die Via Tiburtina gewählt, weil wir 1980 auf dieser Straße immer mit dem öffentlichen Bus von Tivoli nach Rom und zurück gefahren sind. Die Straße führt unter anderem an den großen Travertin-Steinbrüchen vorbei, die mich schon damals als Kind beeindruckt haben.
Von Tivoli windet sich die Straße dann an den Hängen der Sabiner Berge entlang nach San Gregorio. Ich habe den MG gefahren und hatte meine Eltern und Cath an Bord. Mein Bruder fuhr den Ford-Bus mit Ilona, den Kindern, Tina und Frank. Ich bin nicht sicher, ob die später dazugekommenen Familienmitglieder die Begeisterung der Kesternichs, die 1980 schon dabei waren, nachvollziehen konnten, denn an San Gregorio hängen so viele Erinnerungen. Es gab halt viele, viele Geschichten und Anekdoten und „Wisst Ihr noch..?“ Ich glaube aber, dass das Kloster, der Ort und die Gegend auch für Menschen, die zum ersten Mal hier sind, einfach nur schön und beeindruckend sind. 
Nach einem ausführlichen Fotostopp am Aussichtspunkt vor San Gregorio sind wir zum Kloster hochgefahren. Nach dem Besuch der Kirche und ein bisschen Singen, haben wir uns mit einem der Patres, der vor dem Kloster auf der Sonne in der Bank saß, unterhalten und durften dann in den Garten gehen. Ich wusste ja vom letzten Jahr, dass hier vieles noch so ist wie früher, aber meine Family war echt von den Socken. Da wir ja erzählt hatten, dass wir schon vor 46 Jahren zum ersten Mal dort waren, sind wir dann auch noch eingeladen worden, uns drinnen ein bisschen umzusehen. Der Kreuzgang hat sich zwar etwas verändert, aber im Refektorium sah es noch aus wie damals und roch noch so nach italienischer Küche wie damals. Auch die Sakristei, wo meine Schwestern und ich als Messdiener tätig gewesen waren, sieht noch aus wie damals. Erinnerungen, Erinnerungen. Es war einfach toll. So war es dann auch schon kurz nach halb eins, als wir uns auf den Rückweg gemacht haben. Eine Dorferkundung in San Gregorio haben wir der Zeit geopfert, denn in Tivoli stand als nächstes der Besuch der Wasserspiele der Villa d’Este an. Einen kurzen Stopp am Dorfplatz und am Eingang zum mittelalterlichen Teil von San Gregorio haben wir aber doch noch eingelegt. 
Wer schon ein bisschen runter gescrollt oder zu erst das Bild des Tages angesehen hat, der hat gemerkt, dass San Gregorio kein Bild des Tages bekommen hat. Ich habe letztes Jahr hier zwei Bilder von San Gregorio und vom Convento Santa Maria Nuova als Bilder des Tages gehabt, deshalb gibt es hier nur den Link und zum heutigen Bild des Tages komme ich später. Wir sind nämlich noch nicht einmal bei der Hälfte des heutigen Programms angekommen. 
In Tivoli gab es an der Piazza Giuseppe Garibaldi erst mal einen kleinen Mittagsimbiss. Dann haben sich mein Bruder mit Family, Cath, Tina und Frank aufgemacht, um die Wasserspiele der Villa d’Este anzusehen. Ich habe mir das gespart, weil ich ja letztes Jahr erst dort war und meine Eltern wollten sowieso nicht noch ein weiteres Mal dorthin, und so haben wir drei oben am Aussichtspunkt der Piazza Garibaldi gesessen, ein Eis zum Nachtisch gegessen und die Aussicht auf das Tiefland von Latium genossen. Viel Zeit hatten die anderen in der Villa d’Este leider nicht, denn wir hatten noch einen weiteren Programmpunkt geplant, den mein Vater den Kindern unbedingt bieten wollte. Deshalb sind wir auch um kurz nach drei in Tivoli aufgebrochen und zur Basilica Sant’Agnese fuori le mura an der Via Nomentana gefahren. Die Parkplatzsuche war ein bisschen tricky, aber dann bin ich beherzt einfach auf den Hof der Basilika gefahren und siehe da, der MG konnte hier stehen bleiben und es gab auch noch reichlich Platz für den Ford, der wenig später eintraf. 
Das Besondere an Sant’Agnese sind unter anderem die Katakomben. Es ist zwar nur eine kleine Anlage, aber dafür ist sie auch komplett untouristisch, im Gegensatz zu den viel größeren und bekannteren Calixtus- oder Sebastianus-Katakomben im Südosten von Rom, wo die Touris und Pilger busweise hinfahren. 
In den Katakomben von Sant’Agnese hatten wir eine halbstündige Führung durch den unterirdischen Friedhof. Ich finde die Anlage super interessant und spannend. Leider war die Führerin richtig schlecht. Ihr Englisch konnte man zwar gut verstehen, aber Freundlichkeit und Interesse an dem was sie tat, fehlten. Trotzdem hat es mir mal wieder gefallen (das war jetzt schon mein zweiter Besuch in diesen Katakomben und trotz der grottigen Führerin würde ich die Katakomben von Sant’Agnese empfehlen).
Auf Grund der Treppen haben sich meine Eltern den Besuch der Katakomben gespart. Als wir wieder über Tage waren, saß unsere Mutter im Park vor der Basilika auf der Bank und mein Vater war ein paar Meter um die Ecke gegangen, um sich die Kirche Santa Costanza noch einmal anzusehen. Die hatte ich bei meinem ersten Besuch in Sant’Agnese ausgelassen und so sind Frank, Cath und ich noch dorthin und haben mit dem Namenstagskind diese sehr besondere Kirche besichtigt. Das Innere seht Ihr im Bild des Tages. Die Nachmittagssonne erhellt den runden Raum, denn die Kirche ist das ehemalige Mausoleum der heiligen Constantia, einer der Töchter des Kaisers Konstantin. Wir waren dort praktisch alleine und die Kirche hatte, nicht zuletzt durch die eher ungewohnte Form und das Sonnenlicht eine ganz besondere Stimmung. Ich finde man kann es im Bild des Tages ein bisschen erahnen.
Gegen halb sechs waren wir wieder am Bahnhof und haben die Autos zurückgegeben, nicht ohne sie vorher vollzutanken und den armen Tankwart, der die beiden Zapfsäulen der kleinen IP-Tankstelle neben dem Bahnhof bediente, mit einem ganz guten Trinkgeld glücklich zu machen. Der Rest der Gruppe ist dann per Bus und Taxi zum Hotel gefahren und ich habe mich vom Uber-Taxi zum deutschen Pilgerbüro in der Nähe der Engelsbrücke fahren lassen, um dort verabredungsgemäß die hinter dem Sicherheitsgitter deponierten Karten für die morgige Papstaudienz abzuholen. Das Pilgerbüro hat nämlich nur von 10 bis 16 Uhr auf und das konnte ich heute unmöglich schaffen. Ich war aber nicht der einzige mit diesem Arrangement. Hinter dem Gitter lag ein ganzer Stapel mit Briefumschlägen.
Zu einer Italienreise gehört für mich, aber auch für den Rest meiner Family, dass man statt Abendessen mal ein Picknick mit den einfachen Freuden der italienischen Kulinarik macht: Brot, Käse, roher Schinken, Salami, Bier, Weißwein… Für elf Leute wäre das zwar auf einem der Zimmer unpraktisch gewesen, aber der freundliche Mitarbeiter an der Rezeption unseres Hotels hat uns einen der Aufenthaltsräume im Erdgeschoss unseres Hotels zur Verfügung gestellt und so haben wir dort gesessen, gegessen, getrunken, erzählt und auf das Namenstagskind, San Gregorio und den Convento Santa Maria Nuova angestoßen.
Rechtschaffen müde waren wir alle, aber mein Bruder, Marie, Tina, Frank, Cath und ich haben es uns nicht nehmen lassen, nach dem Abendimbiss noch einen kleinen Stadtspaziergang zu machen, zur erleuchteten Fontana di Trevi und von dort zum ebenfalls schön erleuchteten Pantheon, wo wir dann noch etwas vor einer Bar auf der Piazza gesessen und was getrunken haben. Ein randvoller Tag also, wie Ihr auch am überquellenden heutigen Logbuch erkennen könnt. 
Morgen steht der Vatikan auf dem Programm. Auch da wird es reichlich zu erzählen geben.

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