12. August 2026
Hmmmm… da sitze ich in Stornoway beim Chinesen und bin... ich glaube „überrascht“ ist das beste Wort. Ich hatte mir den Ort anders vorgestellt. Klar, Stornoway ist mit viereinhalbtausend Einwohnern der größte Ort der Äußeren Hebriden und der Fährhafen, wo die Fähre aus Ullapool ankommt, aber dass es so städtisch ist hätte ich nicht gedacht. Ich war von mehr Beschaulichkeit ausgegangen. Macht aber ja nix. Da hab ich wieder mein Weltwissen erweitert.
Heute bin ich ins zweite und letzte Kapitel meines diesjährigen Sommerabenteuers gestartet. Nach einem gefaulenzten Vormittag habe ich aus dem Hotel ausgecheckt, nicht ohne meine Reisetasche dort in Verwahrung zu geben. Nächsten Montag bin ich nämlich wieder dort, und so muss ich nicht das ganze Gepäck hier über die Inseln karren und durch die Treppenhäuser diverser Quartiere buckeln.
(Ab hier entstand das Logbuch im Quartier.)
Heute bin ich den zweiten Tag in Folge bei Loganair eingestiegen, allerdings nicht wie gestern in eine Twin Otter sondern in einen ziemlich schnittigen Embraer ERJ-145. Ich muss allerdings sagen: es gibt bequemere Flieger. Für die knappe Stunde von Glasgow nach Stornoway war’s aber völlig okay.
Wer schon mal mit mir im Flieger unterwegs gewesen ist, der weiß, dass ich immer ein paar Aufgaben für die Piloten habe und mir gerne die technischen Infos zum Flug schriftlich geben lasse. So habe ich auch heute der Flugbegleiterin meinen Datenzettel in die Hand gedrückt, mit der Bitte ihn an die Jungs im Cockpit weiterzugeben. Nach ungefähr der Hälfte des Fluges brachte sie den beiden ein Heißgetränk nach vorne und kehrte mit einem breiten Grinsen zurück in die Kabine. Etwas später kam sie dann zu mir und meinte, „Da haben Sie die beiden aber richtig ans Arbeiten gebracht. ‚Komplette Länge der Flugstrecke? Das muss ich nachkucken.‘“. Auf mein „I’m sorry“ lachte sie nur und sagte, „Nein, schon in Ordnung. Es ist nur ziemlich lustig. Ich glaube, das ist das erste Mal, dass ich die beiden da vorne wirklich arbeiten gesehen habe.“ So kann’s gehen… *lachlaut… Beim Aussteigen habe ich mich an der Cockpittür ausführlich bedankt.
Der Tag hatte mit Sonnenschein in Glasgow begonnen, aber auf dem Weg zur Startbahn fielen erste Regensprenkler auf den Flieger. Zwei, drei Minuten nach dem Start waren wir in den Wolken. Den Boden habe ich danach fast während des kompletten Fluges nicht zu sehen bekommen. Erst zwei Minuten vor dem Aufsetzen erschienen die grünen Wiesen der Insel Lewis unter uns.
Der Flugplatz von Stornoway ist klein, wenn auch nicht ganz so klein wie der in Barra. Schnell hatte ich den Sammy wieder zurück (die neuen Rollen, die ich ihm ein paar Tage vor der Tour montiert habe, tun’s super) und dann habe ich die Mitarbeiterin von Stornoway Car Rental getroffen. Das Mietwagen buchen bei Stornoway Car Rental war mit einem großen Aufwand verbunden gewesen. Große Mietwagenfirmen gibt es hier nicht und so ist man auf die kleinen Anbieter angewiesen, und was musste ich denen nicht alles im Vorfeld schicken. Kreditkartennummer, eingescannten Führerschein, eingescannten Perso, zwei Bankbescheinigungen mit meiner Adresse drauf… da hatte ich gedacht es gäbe einen riesen Trara bei der Mietwagenübernahme. Aber weit gefehlt. Die junge Mitarbeiterin von Stornoway Car Rental hat sich nur die Kreditkarte und meinen Führerschein zeigen lassen und hat mich dann zum Auto gebracht. Kurzes Übergabegespräch und fertig.
Mein neues Auto ist ein knallroter Fiat 500. Ich habe ein bisschen gelacht, als ich davor stand, aber irgendwie ist es genau das richtige Gefährt, um hier ein über die Inseln zu kurven. Zum Glück steht meine Reisetasche in Glasgow. In den Kofferraum von dem Fiat hätte die nicht noch mit reingepasst. Gewöhnen muss ich mich allerdings daran, dass das neue Auto nicht mit solchem technischen Schnickschnack daherkommt wie der Peugeot. Zum Beispiel schloss der sich selber ab, wenn man von ihm wegging und machte sich wieder auf, wenn man auf ihn zuging. Der Fiat 500 hat nen Zündschlüssel zum drehen, und Gangschaltung… ziemlich old-school… aber sind ja nur sechs Tage.
Wo ich schon mal am Flugplatz in Stornoway war, habe ich die Gelegenheit zum Spotten genutzt. Innerhalb einer halben Stunde gab es drei (!) Flugbewegungen. Danach war nur noch ein Start für den Rest des Tages vorgesehen. Das Wetter war zwar suboptimal mit den grauen Wolken, aber immerhin habe ich den Abflug des ERJ mit dem ich gekommen war fotografieren können. Das ist schön für meine Webseite.
Mein Quartier liegt mitten in Stornoway. Ein ziemlich großes B&B (stimmt, meine Quartiere hier auf den Inseln sind doch nicht alles Hotels). Ich wohne im ausgebauten Speicher. Hat so grade Stehhöhe und weckt mit den Dachschrägen Erinnerungen an mein Standardzimmer unterm Dach bei Di und Andrew Nutter in Herne Bay.
Nachdem ich meinen Kram im Zimmer deponiert und den Fiat für die Nacht richtig geparkt hatte, habe ich noch einen kleinen Stadtspaziergang gemacht. Dabei entstanden auch die beiden Bilder des Tages. Nich’ so dolle… ich weiß. Aber ich glaube ich habe insgesamt heute nur ne Handvoll Fotos gemacht. Da war heute nicht mehr zu zeigen. Also: zum einen das ehemalige Rathaus von Stornoway und zum anderen eine Straßenansicht aus der Stadt.
In den nächsten fünf Tagen werde ich die Äußeren Hebriden erkunden. Dabei wird jeden Tag wo anders übernachtet und es gibt jeden Tag eine Fährfahrt. Ich bin mal gespannt, ob das am Ende in Stress ausgeartet ist oder ob es doch eine eher gemütliche Erkundung der Inseln war. Ihr werdet es miterleben.
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