1. August 2026
Der Himmel über der Nordsee ist gerade ziemlich dramatisch während ich so aus dem Fenster meiner Ferienwohnung über den Hafen von Wick hinweg raus auf’s Meer kucke. Das Wetter alleine bietet hier in Schottland schon ein eindrucksvolles Schauspiel.
Nach dem Frühstück in meinem schönen B&B habe ich mich heute morgen von Inverness auf den Weg in Richtung Norden gemacht. Wieder eine Stadt, wo ich noch ein, zwei Tage hätte bleiben können. Schottland hat echt an allen Ecken viel zu bieten und Inverness gehört auf jeden Fall dazu. Ich nehme mir ja auf dieser Tour ja schon viel Zeit, aber ich schaffe es, nur einen Bruchteil dessen anzusehen was es alles hier so gibt.
Heute hatte ich die bisher längste Fahrtstrecke der Reise… aber da reden wir immer noch von weniger als 200km. Meinen ersten Stopp habe ich in Dornoch gemacht und mir die Dornoch Cathedral angesehen. Darunter darf man sich jetzt keine große Kirche vorstellen. Viel größer als die Martinskirche in Euskirchen ist die nicht. Aber sie war im Mittelalter der Bischofssitz für die damalige Diözese Caithness. Heutzutage bezieht sich der Begriff Caithness auf das nordöstlichste County Schottlands mit der Kreisstadt Wick. Von Dornoch hatte ich dann eine etwas längere Fahrt vor mir, nicht zuletzt weil die Zufahrt zu einem der ursprünglich geplanten Besichtigungspunkte gesperrt war. Letztendlich erwies sich das aber als vorteilhaft, weil ich sonst in ernste Zeitschwierigkeiten gekommen wäre. Ich hatte nämlich auch heute einen festen Programmpunkt, der für 15:30h gebucht war.
In Lybster, ausgesprochen LEIB-ster, einem ziemlich traurigen Nest entlang der Strecke, habe ich mir beim Spar einen Mittagsimbiss gekauft und dann kam der erste Höhepunkt des Tages, die Cairns of Camster.
Die Cairns of Camster sind drei jungsteinzeitliche Grabanlagen. Neolithische Monumente findet man ja überall auf den britischen Inseln und vor ein paar Tagen habe ich Euch ja schon den Tomnaverie Stone Circle präsentiert. Heutzutage besteht die Anlage der Cairns of Camster aus einem runden Cairn oder Grabhügel mit einer Grabkammer und einem langgezogenen Cairn, in dem sich zwei erschlossene Grabkammern befinden und möglicherweise noch ein oder zwei weitere, die noch nicht erforscht wurden. Man geht davon aus, dass der langgezogene Cairn ursprünglich aus einzelnen Grabhügeln bestand, die später baulich mit einander vereinigt wurden. Man erkennt das ziemlich gut im ersten Bild des Tages.
Interessanterweise waren die Cairns of Camster an der Hauptstraße von Inverness nach Wick gar nicht ausgeschildert, aber ich hatte sie schon bei der Vorbereitung der Tour auf Google Maps gefunden und fest zur Besichtigung eingeplant. Von der Hauptstraße fährt man ein paar Meilen auf einer Single-Track-Road nach Norden bis zu den Cairns. Dort ist man fast alleine. Außer mir war noch ein anderes Auto am Straßenrand geparkt, aber die Leute waren schon auf dem Rückweg, als ich ausstieg um mir die Anlage anzusehen.
Ich finde solche Bauwerke aus der Jungsteinzeit ja immer faszinierend, egal, ob es sich um Steinkreise handelt, um Siedlungen (wie in Skara Brae und Knap of Howar auf den Orkneys), oder Grabanlagen wie zum Beispiel die Dolmen bei Antequera in Andalusien oder eben die Cairns of Camster. Ich habe mir ein bisschen Zeit gelassen und bin auch in eines der Gräber reingekrabbelt. Das linke der beiden Gräber im Bild hat nur einen drei bis vier Meter langen Zugang, den ich in der Hocke durchqueren konnte. Die Grabkammer hat dann wieder Stehhöhe (war man in meinem ersten Social Media-Post heute zu sehen). Alles sehr spannend, allerdings sind mir dann doch irgendwann die Midges, kleine, stechende Insekten, zu sehr auf die Nerven gegangen. So habe ich mich in den Peugeot geflüchtet und bin weitergefahren.
Da ich erst ab 15:00 Uhr in mein Quartier konnte, habe ich dem Tesco in Wick noch einen ausführlichen Besuch abgestattet. In den nächsten drei Tagen bin ich morgens nämlich wieder Selbstverpfleger. Außerdem wollte ich hier in Wick waschen und brauchte Waschmittel.
Ich wohne hier in einem… in einer… hmmmm, ich weiß gar nicht wie ich es am besten beschreiben soll. Also, es ist ein Reihenhaus. Direkt am Hafen und mit schönem Blick auf die Nordsee. Und insgesamt drei Etagen. Unten befinden sich Küche und Esszimmer, auf der ersten Etage das Wohnzimmer und das Bad und oben sind zwei Schlafzimmer. Haus, Wohnung, wie auch immer, für die nächsten beiden Nächte ist es ziemlich feudal.
Der vorgebuchte Programmpunkt war eine Besichtigung der Old Pulteney Destillerie hier in Wick. Ich war schon sehr gespannt, weil ich a) diesen Whisky noch gar nicht kannte, und b) wissen wollte, ob es einen großen Unterschied zu der Besichtigung bei Glenfiddich geben würde.
Es gab ihn, und nicht zu knapp. Während in Dufftown die Produktion auf Hochtouren lief, passierte hier in Wick… nichts. Old Pulteney produziert nur im Herbst und Winter. Die Gesamtproduktion von 1,2 Millionen Liter Alkohol, die jährlich hier in Wick hergestellt werden, entsteht bei Glenfiddich in 20 Tagen. Ihr hab am 29.7. im Bild des Tages die Destillen-Halle bei Glenfiddich gesehen. Da standen 16 kupferne Destillen und es gibt noch eine zweite ähnliche Halle. Bei Old Pulteney sind es grade mal zwei (!) Destillen. Hier bei Old Pulteney hat man zwar auch einen schön gestalteten Raum für Besucher und einen schönen Shop, aber kein Vergleich mit der super-professionellen Veranstaltung und Besucherabfertigung in Dufftown. Außer mir war noch eine vierköpfige Familie aus Liechtenstein bei der Führung und das war’s. Nichtsdestotrotz meinte unser Guide Tim, dass sie alle der Firma Glenfiddich zu großem Dank verpflichtet seien. Die wären die ersten gewesen, die Single Malt Whisky richtig vermarktet hätten und auch das Drumherum gestaltet hätten, mit Führungen und Tastings und Merchandising. Das hätte die ganze Industrie sehr beflügelt. Oder, wie Tim sich ausdrückte, „This is the golden age of malt whisky.“ Natürlich haben wir nach der Führung auch noch zwei Produkte von Old Pulteney verkostet, und durften sogar das Glas behalten (da waren die bei Glenfiddich kniepiger…). Ich habe auch noch eine Flasche zwölfjährigen Old Pulteney gekauft. Als zweites Bild des Tages gibt es heute eine Ansicht aus einem der Lagerhäuser in der Old Pulteney-Destillerie.
Morgen werde ich mir hier ein bisschen die Gegend von Caithness ansehen, aber eher gemütlich. Da ich selber Frühstück mache, bin ich ja von den Zeitvorgaben, die es in einem B&B gibt, unabhängig.
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