9. August 2026

Mein letzter Abend in den Highlands… Das Logbuchschreiben startet heute ein bisschen später als geplant, denn nach dem Abendessen haben wir – unsere Gasteltern, die drei deutschen Motorradtouristen aus der Nähe von Hamburg, und ich – noch lange zusammen gesessen und erzählt. Ich wohne wieder mal in einem sehr schönen B&B. Zum letzten Mal auf dieser Reise, denn die verbleibenden Unterkünfte sind Hotels oder Pubs mit Beherbergungsbetrieb.
Heute morgen schien die Sonne über Skye. Na toll. Jetzt wo ich weiterreisen musste… *lach… Aber so ist das halt mit Wetter, erst recht hier in Schottland. Wenn’s schlecht ist, macht man das beste draus und ich finde, das hab ich in den letzten beiden Tagen getan. Heute dagegen war ich den größten Teil der Zeit unter schönstem weiß-blauen Himmel unterwegs. Folglich habe ich auf der Fahrt von Portree in Richtung Kyleakin und Skye Bridge ein paar kurze Stopps eingelegt um das Panorama zu genießen und zu fotografieren.
Vier Besichtigungspunkte hatte ich für den heutigen Tag eingeplant. Dreieinhalb davon haben auch richtig gut funktioniert. Der erste nicht ganz so. Das Eilean Donan Castle ist, wie ich finde, eine der am malerisch gelegensten Burgen ganz Schottlands. Wer den Film „Highlander“ gesehen hat: die erste Szene, die in Schottland spielt, wurde hier gedreht. Christopher Lambert als Connor McLeod zieht mit den Kriegern seines Clans über die Brücke zur Schlacht. Vom Aussichtspunkt aus, wo das erste Foto des Tages gemacht wurde, sieht man die Brücke und Eilean Donan Castle, wie gemalt auf der Insel im Loch. Was durch die Vegetation gnädig verdeckt wird, das ist der überfüllte Parkplatz. Nach dem Blick von oben bin ich erst mal noch ein kurzes Stück zurück gefahren und habe die Burg von unten fotografiert und dort auch das Video mit dem Film-Zitat aufgenommen. Dann wollte ich näher ran und rein, aber keine Chance. Die Ordner an der Einfahrt zum Parkplatz winkten nur, man solle weiterfahren. Wahrscheinlich waren die großen Schilder „Car Park Full“ nicht genügend als Hinweis. Ich hab’s dann auch nicht weiter versucht. Ich hatte ja, was ich vor allem wollte. Den Blick von oben und einen Blick von unten, wenn auch nicht ganz die Ansicht, die ich mir vorgestellt hatte.
Vom Eilean Donan Castle ist es ne gute Stunde zu fahren bis Urquhart Castle. Die Route führt durch wildes Schottland wie man es sich vorstellt. Die letzten zwölf Meilen verläuft die Straße am Loch Ness entlang. Als ich am Parkplatz von Urquhart Castle vorbeikam, kam mir das Bild bekannt vor. „Car Park Full“. Der Zusatz „Ticketholders Only“ machte mich aber hellhörig. Ich bin also erst mal weitergefahren in den zwei Meilen entfernten Ort mit dem lustigen Namen Drumnadrochit. Auf dem Parkplatz vom Co-op habe ich mein Handy und Google bemüht und wirklich noch den letzten für 15:30 Uhr vorhandenen Time Slot zum Besuch von Urquhart Castle ergattert, samt Parkplatz-Ticket.
Die zweieinhalb Stunden bis dahin habe ich zuerst mit einem Co-op-Picknick mit Blick auf Loch Ness im Sonnenschein überbrückt, und anschließend bin ich zum The Loch Ness Experience gefahren. Das ist eine Art Ausstellung/Multimedia-Show zum Ungeheuer von Loch Ness, die sich im ehemaligen Drumnadrochit Hotel befindet. Dessen Managerin Alda MacKay war im Jahr 1933 diejenige, die mit einer vermeintlichen Monstersichtung den Stein ins Rollen bracht und den Hype um Nessie auslöste. Eine unterhaltsame Stunde habe ich im Loch Ness Experience verbracht, aber ich muss gestehen, dass in den 42 Jahren seit meinem letzten Besuch am Loch Ness doch sehr viel passiert ist. Niemand hat mehr versucht, uns einen Plesiosaurier als Loch Ness-Monster glaubhaft zu machen. Interessant waren allerdings die ganzen Informationen über die Geschichte und Methoden der Suchen nach dem angeblichen Ungeheuer. Das es nachher noch einen riesigen Souvenirladen gab, versteht sich wohl von selber.
Um kurz nach drei bin ich von Drumnadrochit wieder zum Urquhart Castle gefahren, ne halbe Stunde zu früh, aber ich hab mir gedacht, „Fragen kost’ ja nix.“ Ich konnte problemlos schon rein.
Ich kann mich nicht mehr dran erinnern, ob wir vor 42 Jahren im Urquhart Castle drin waren. Vorbei gefahren sind wir aber auf jeden Fall und ich bin sicher, dass es den riesigen Parkplatz, das große Besucherzentrum mit Kurzfilm über die Geschichte der Burg sowie den angeschlossenen Souvenir-“Supermarkt“ damals noch nicht gab. Wie man auf dem zweiten Bild des Tages sieht, ist man am Urquhart Castle nicht allein. Ich wollte bewusst kein menschenfreies Bild zeigen. Eltern zerren Kleinkinder durch die Burgruine, gefolgt von grimmig-gelangweilt kuckenden Pubertieren. Reisegruppen unterschiedlichster Sprachen bevölkern das Gelände und mitten drin ich. Das Urquhart Castle ist wirklich gut in Schuss, mit schönen Wegen und guten Erklärtafeln, die die Burg erläutern… und im Hintergrund ruht still der See. Ich hatte eigentlich gedacht, ich würde nicht lange bleiben, aber am Ende war’s doch ne gute Stunde, die ich im Urquhart Castle verbracht habe. 
Den Abschluss des heutigen Besichtigungsprogramms bildete ein Besuch an den Schleusen des Kaledonischen Kanals in Fort Augustus, am Südende des Loch Ness. Im 19. Jahrhundert hat man den Atlantik und die Nordsee durch einen Kanal verbunden, der vom Loch Linnhe bei Fort William im Südwesten über das Loch Lochy, das Loch Oich und das Loch Ness nach Inverness im Nordosten an der Nordsee führt. In Fort Augustus gibt es fünf Schleusen, die Schiffe vom Niveau des Lochs Ness auf das Niveau des Kanals heben. Schleusenbetrieb finde ich ja immer spannend und so habe ich hier noch ne halbe Stunde zugesehen, wie zwei Boote geschleust wurden. Bis zu meinem Quartier waren es dann anschließend nur noch ein paar Minuten.
Morgen gibt es die letzte Fahretappe durch die Highlands, zurück nach Glasgow. Zu Ende ist meine diesjährige Schottlanderkundung damit aber noch nicht. Ich habe noch ein paar Highlights ausstehen.

 

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