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Reiselogbuch - 2026 Indien

Reiselogbuch Indien 2026

 

Reiseziel: Indien (Delhi, Rajasthan, Madhya Pradesh)
Reisedaten: 17. Oktober bis 1. November 2025
meine persönlichen Highlights: Delhi insgesamt, das Humayun-Mausoleum, Amber Fort, Safari im Ranthambore-Nationalpark, Tiger und Sambars, ...
   
Statistik: ***h ***min Flugzeit (***nm bzw. **km), ***km gefahren, *** Vogelarten, davon *** neue, *** Fotos und Videos
   
Logbuch für:
  Sonntag, 18. Oktober      
  Montag, 19. Oktober      
  Dienstag, 20. Oktober      
  Mittwoch, 21. Oktober      
  Donnerstag, 22. Oktober      
  Freitag, 23. Oktober      
  Samstag, 24. Oktober      
         

 

 

 


18. Oktober 2026

Eieiei… ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll… das Herbstabenteuer 2026 ist in vollem Gange und ich bin schon komplett reizüberflutet… Am besten einfach von vorne…
Ich bin in Indien. Meine zweite Reise in dieses Riesenland nach meinem ersten Besuch vor genau 22 Jahren. Im Herbst 2004 war ich zum ersten Mal in Indien, zusammen mit zwei Freunden und meinem kleinen Bruder. Ich habe heute mehrfach versucht, mich dran zu erinnern, was damals den Anstoß für die Tour gab, aber ich weiß es einfach nicht mehr. Unsere damalige Reise unter dem Titel „Tempel und Tiger“ war meine erste Buchung bei Ikarus Tours. Seitdem hab ich mehrere Reisen mit dieser Firma gemacht, nämlich 2008 nach Brasilien, 2017 nach Ägypten, 2019 in den Libanon und 2021 nach Jordanien. So war’s dann auch nur ein kleiner Schritt als ich mit meinen beiden Freundinnen Heike und Barbara - mit den beiden war ich 2024 in den Herbstferien im Krüger-Nationalpark… hmmmm, jedenfalls, als wir drei überlegt haben, nochmal zusammen weg zu fahren, habe ich vorgeschlagen nach Indien zu fahren. Die „Tempel und Tiger“-Tour gibt es auch nach 22 Jahren immer noch (mit kleinen Veränderungen) im Katalog von Ikarus Tours und ich finde, nach 22 Jahren kann man die gleiche Tour auch noch mal machen. Im Jahr 2004 habe ich meine erste Digitalkamera bekommen, aber damals war noch nicht absehbar, welchen Weg diese neue Technik nehmen würde. So habe ich mich damals auch weitgehend auf meine analoge Dia-Fotografie verlassen, um die Reise zu dokumentieren. Was hat sich nicht alles verändert in den letzten 22 Jahren. So wandele ich dieses Jahr mal wieder auf meinen eigenen Spuren, mal wieder in fantastischer Gesellschaft, vergleiche früher (zumindest so weit ich mich an diese vordigitale Vorlogbuchzeit erinnere) mit heute, begegne Indien neu und doch nicht neu… und bin digital topp ausgerüstet. Spannend. SEHR spannend.
Los ging es schon gestern mit zwei geschmeidigen Flügen, zuerst von Köln nach München und dann im A380 der Lufthansa weiter nach Delhi. Sehr angenehm und ein überaus willkommener Neuzugang zu Frantis Fliegern. Die Zeitverschiebung nach Indien beträgt während unserer Sommerzeit nur 3,5 Stunden, was den Jetlag deutlich reduziert. Trotzdem hilft es natürlich, wenn bei einer Ankunft kurz nach Mitternacht Ortszeit der Körper meint, es wäre grade erst kurz nach halb neun. Die Visabeschaffung für und die Einreiseprozedur nach Indien sind… najaaaa, etwas diffizil, um ein neutrales Adjektiv zu verwenden. Die Details erspare ich Euch hier. Wer mehr wissen möchte kann mich gerne fragen.
Um halb drei Ortszeit bin ich gestern abend ins Bett gefallen und konnte doch nicht sofort einschlafen. Irgendwie ja schon verständlich. Dem Mitarbeiter von Razdan Holidays - der indischen Partner-Agentur von Ikarus Tours - der uns gestern abend am Flughafen von Delhi in Empfang genommen hatte, haben wir gesagt, dass das Programm nicht vor zehn Uhr beginnen sollte. War auch kein Problem. Pünktlich um zehn wurden wir von unserem Fahrer, der uns bis Agra begleiten wird, und unserem lokalen Guide für Delhi am Hotel abgeholt.
Erster Programmpunkte heute war die Jama Masjid in Old Delhi, die Freitagsmoschee, die im 17. Jahrhundert vom Mogulherrscher Shah Jahan erbaut wurde. Delhi, mit 33 Millionen Einwohnern im Großraum mittlerweile die größte Stadt Indiens, besteht unter anderem aus Old Delhi und New Delhi (wo man die Regierungsgebäude findet). Die Fahrt zur Jama Masjid hat ein bisschen gedauert, denn auch wenn der Verkehr sonntäglich reduziert war, kämpft man sich hier durch den ein oder anderen Stau. So hatten wir aber Zeit, uns die Stadt ein bisschen anzusehen und erste Eindrücke zu gewinnen. Erste Eindrücke für mich waren: es ist – zumindest auf den Hauptstraßen – sauberer als vor 22 Jahren, die Luftqualität ist DEUTLICH besser dank Elektro-ÖPNV-Bussen und fast ausschließlich gasbetriebenen Tuktuks und, das hatte ich nicht mehr auf dem Schirm, die Stadt ist ziemlich grün. Überall gibt es Parks, Alleen und Bäume. Alles in allem nicht schlecht muss ich sagen. Ich mochte Delhi schon damals und mag es noch immer.
Nach dem Besuch der Moschee ist unser Guide mit uns durch die Straßen und Gassen von Old Delhi spaziert. Ich muss gestehen, dass ich mir seinen Namen nicht gemerkt habe, aber er war sehr nett, wusste viel, sprach schön Deutsch, konnte gut organisieren und hat gut auf uns aufgepasst. Es war super spannend. Wir hatten ein richtiges Delhi-Erlebnis mit allem, was die Straßen und Chowks – so nennt man hier die Märkte - von Indiens Hauptstadt zu bieten haben. Die Straßen durch die wir gekommen sind, waren einerseits der Juwelier-Markt und der Markt für Hochzeitskleider und andererseits der Markt für Trockenfrüchte und Gewürze. Zwischendurch haben wir auch noch ne Teepause gemacht und uns an nem Geldautomaten mit indischen Rupien versorgt.
Nach dem Stadtspaziergang – man glaubt ja nicht, was es alles so zu sehen gibt in diesem wilden Chaos von Menschen – haben wir uns in den Verkehr gestürzt. Oder vielmehr wir wurden gestürzt, denn unser Guide hat zwei Fahrradrikschas organisiert um uns zum zentralen Parkplatz für die Touri-Autos zu transferieren. In so ner Fahrradrikscha ist man wirklich mitten im Leben von Delhi zwischen Bussen, Autos, Mopeds, Tuktuks, anderen Fahrradrikschas, Handkarren, LKWs, Fahrradfahrern und Fußgängern… und über allem kreisen unzählige Schwarzmilane und halten Ausschau nach Fressbarem. Es lässt sich echt nicht gut beschreiben. Delhi ist Extrem-Asien mit allem was dazugehört, Geräusche (die Huperei ist manchmal fast ohrenbetäubend), Gerüchen (Weihrauch, Hundepippi, Parfüm, Schweiß, Garküchen und alles wieder von vorne), und Anblicke (wie gesagt, man muss es gesehen haben). Einen minimalen Eindruck vom Verkehr vermittelt das erste Bild das Tages, das während der Fahrt mit der Fahrradrikscha entstanden ist. Das Zeitgefühl habe ich während der Tour komplett verloren, aber irgendwann haben wir unseren Fahrer wieder gefunden.
Nach dem wilden Ritt durch das Leben von Delhi war unser nächster Stopp am India Gate. Das ist ein 1931 fertiggestellter Triumphbogen, der an die indischen Gefallenen des Ersten Weltkriegs und noch einiger anderer Konflikte erinnert. Der Kontrast zwischen dem chaotischen Durcheinander Old Delhis und den präzise geplanten Parkanlagen am India Gate in Neu-Delhi ist enorm und trägt zur Vielschichtigkeit dieser Stadt bei. Wir haben das India Gate umrundet, ich habe das Video des Tages produziert und wir haben noch ein paar Touri-Fotos gemacht, zwischen ziemlich vielen einheimischen Touristen. Man sieht nämlich echt nicht viele europäische Touris.
Jetzt hatten wir uns eine späte Mittagspause redlich verdient. Dafür hatte unser Guide ein schönes Lokal am Connaught Place in Neu-Delhi ausgesucht. So richtig viel Hunger hatten wir nicht und haben uns deshalb ein Curry samt Reis und Naan und Roti geteilt… War aber zusammen mit ner Dose Coca-Cola genau passend als Pick-me-up nach einem nicht unanstrengenden Vormittag.
Ne richtig lange Pause gab es aber noch nicht, denn wir hatten noch einiges vor. Der nächste Programmpunkt war der Gurdwara Bangla Sahib, das größte und wichtigste Heiligtum der Sikh in Delhi. Hier waren wir auch 2004 gewesen und hier hatte sich echt nichts geändert. Op bläcke Fööss und mit durch orange Kopftücher bedecktem Haupt haben wir uns das Innere des Heiligtums aber auch die Außenanlagen mit dem großen Teich, der zu einem Sikh-Tempel gehört, angesehen. Über die Sikh könnte ich jetzt noch so einiges erzählen, aber ich nähere mich gerade dem Ende der zweiten Logbuch-Seite und habe noch einiges zu erzählen.
Den krönenden Abschluss unseres ersten Tages in Indien und unserer Begegnung mit Delhi bildete ein Besuch des Humayun-Mausoleums. Humayun war der zweite Mogul-Herrscher, Vater von Akbar dem Großen und Urgroßvater von Shah Jahan, der nicht nur die Freitagsmoschee von Delhi sondern auch das Taj Mahal bauen ließ. Ich wusste noch genau, wie gut es mir vor 22 Jahren am Humayun-Mausoleum gefallen hatte, und auch heute wurde ich nicht enttäuscht. Da Sonntag war, war dort ziemlich viel los, aber die Atmosphäre war sehr entspannt und ruhig. Richtig schön so in den Abendstunden das Mausoleum und die umliegenden Parks und Gärten zu erkunden. Hier am Humayun-Mausoleum, das sogar UNESCO-Weltkulturerbe ist, gab es zum ersten mal seit der Freitagsmoschee heute morgen eine größere Anzahl westlicher Touristen, aber die überwiegende Mehrheit der Besucher waren Inder. Familien mit drei Generationen, Gruppen von jungen Inderinnen und Indern, die mit Freunden unterwegs waren, Einzelbesucher… Es war zwar voll, aber nicht überfüllt und trotz der vielen Menschen sehr angenehm und würdevoll. Das zweite Bild des Tages gehört natürlich dem Humayun-Mausoleum in der Abenddämmerung. Ich finde das ist ein sehr fotogenes Bauwerk und ein absolutes Muss bei einem Delhi-Besuch. Interessant fand ich auch den Preisunterschied für Inder und für Auswärtige. Inder zahlen am Humayun-Mausoleum 40 Rupien, das sind ungefähr 37 Euro-Cent. Europäer berappen 600 Rupien, also umgerechnet ungefähr 5,60€. Auch nicht die Welt, aber es zeigt, wie wichtig es den Indern ist, dass ihre eigenen Leute auch ihr Baudenkmäler besuchen können.
Gegen viertel vor sechs haben wir unseren Guide verabschiedet, der in der Nähe des Humayun-Denkmals wohnt, und unser Fahrer hat uns zurück zum Hotel gebracht. Hier gab es noch ein schönes Abendessen mit den ersten Dal der Reise. Dal ist eines der absolut typischen Lebensmittel des Subkontinents und bezeichnet Hülsenfrüchte, in der Regel Linsen, die als Beilage oder als Curry serviert werden. Sehr vielseitig und heute auf jeden Fall sehr lecker, erst recht in Begleitung von nem Kingfisher-Bier, DEM Bier hier in Indien. Den Abend haben wir dann beim Erzählen über die Erlebnisse des Tages ausklingen lassen.
Morgen geht’s schon weiter. Wir haben nen Fahrtag… nach Jaipur.

 

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19. Oktober 2026

Nach dem Logbuch in Überlänge von gestern wird es heute deutlich kürzer. Versprochen. Heute war nämlich ein Fahrtag. Wir haben nichts gemacht außer von Delhi nach Jaipur zu fahren, oder besser gesagt gefahren zu werden. Nach dem krassen Tag gestern, der auch noch direkt auf den Langstreckenflug folgte, war es aber auch ganz gut, dass es heute ein ruhiger Tag war.
Um zehn hat uns Madan, unser Fahrer, am Hotel in Delhi abgeholt und wir sind staufrei in Richtung Süden aufgebrochen. Ich kann mich nicht mehr erinnern, welche Strecke nach Jaipur wir vor 22 Jahren gefahren sind, aber ich bin ziemlich sicher, dass es nicht auf den schönen, gut ausgebauten Autobahnen war, auf denen wir heute unterwegs waren. Einen nicht unerheblichen Teil der Strecke sind wir über den Delhi-Mumbai-Expressway gefahren, der die Hauptstadt des Landes mit der zweitgrößten Stadt des Landes verbindet. Vierspurig, breiter, schön mit Bougainvillea bepflanzter Mittelstreifen, und wenig Verkehr. Sehr angenehmes Fahren.
Nachdem wir den Großraum Delhi hinter uns gelassen hatten, führte die Autobahn durch’s platte Land. Reis- und Zwiebelfelder gab es zu sehen und auch viele Äcker auf denen die Pflanzen noch nicht zum Vorschein gekommen waren, Herden von Wasserbüffeln, kleine Dörfer, ab und zu eine Autobahnraststätte und sogar zwei Trupps Nilgauantilopen. Nilgauantilopen leben in Indien nicht nur in Nationalparks sondern auch auf dem normalen Land, denn die Hindus betrachten sie als nahe Verwandte der (heiligen) Kühe und lassen sie entsprechend unbehelligt.
Nach zwei Dritteln der Strecke gab es ne Pause an einer Raststätte. Schon vorher hatten wir die Grenze zwischen den Bundesstaaten Haryana und Rajasthan überquert. Gegen halb vier waren wir in unserem Quartier in Jaipur. Das Hotel ist sehr schön und befindet sich in einem ehemaligen rajasthanischen Palast, einem sogenannten Haveli, der zum Hotel umgebaut wurde. Schnörkel und Erker und Innenhöfe und einen schönen Garten mit Terrasse findet man hier und so haben wir den Rest des Tages gemütlich auf eben dieser Terrasse gechillt, das Ambiente genossen, ein, zwei Kingfisher getrunken, die Vögel im Garten des Haveli beobachtet, erzählt und den lieben Gott nen guten Mann sein lassen. Nach dem gestrigen Tag hatten wir uns das verdient. Ein bisschen Urlaub darf schließlich auch bei einer Studienreise mit dabei sein. Abendessen gab’s ebenfalls im Haveli und es war ein schönes Buffet mit sehr leckeren indischen Gerichten.
Morgen stehen die Sehenswürdigkeiten von Jaipur auf dem Programm. Daran habe ich noch sehr gute Erinnerungen von vor 22 Jahren und bin schon gespannt, wie ich das alles heutzutage sehe und bewerte.
Als Bilder des Tages habe ich heute zuerst eine Straßenrandansicht auf unserer Fahrt durch Jaipur. Das zweite Bild zeigt einen männlichen Shikra, eine Sperberart aus Afrika sowie Süd- und Südostasien. Der besuchte uns im Garten unseres Hotels.

 

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20. Oktober 2026

Tag drei in Indien und es war wieder ein echter Kracher… dieses Mal sogar mit einer besonderen Bedeutung für mich, denn ich muss ein altes Urteil revidieren. Dazu später mehr.
Wir sind in Jaipur, Hauptstadt des Bundesstaates Rajasthan und mit rund vier Millionen Einwohnern eine der kleineren Millionenstädte auf dem Subkontinent. Der Bundesstaat Rajasthan ist größer als die Bundesrepublik Deutschland, grenzt im Westen auf über 1000km Länge an Pakistan und besteht zu einem nicht unerheblichen Teil aus Wüste. Hier im Osten ist es zwar auch trocken, aber nicht wüstenartig, dafür aber sehr hügelig, was die Landschaft rund um Jaipur ziemlich abwechslungsreich macht.
Gestern hatte unser Fahrer Madan die Abfahrtszeit auf 8:15 Uhr angesetzt. Das war nach den beiden späten Starts um 10 gestern und vorgestern schon fast unbequem früh, aber es stand heute viel auf dem Programm und am Ende des Tages hat sich das frühere Aufstehen sehr gelohnt.
Um viertel nach acht heute morgen, nach einem wieder mal sehr schönen Frühstück, haben wir unseren lokalen Guide getroffen. Auch er sprach schön Deutsch, wusste total viel und auch interessant zu erzählen, auch wenn er manchmal von der Aussprache her etwas schwer zu verstehen war.
Der erste Programmpunkt des Tages hatte allerdings weniger mit Bildung zu tun sondern mit Tourismus. Wir sind zu einem kurzen Fotostopp zum „Palast der Winde“ gefahren, auf Hindi Hawa Mahal genannt. Der „Palast der Winde“ ist gar kein Palast sondern nur ein Teil der Außenfassade des Stadtpalastes der Maharajas. In den vielen vergitterten Alkoven konnten die Frauen, versteckt vor neugierigen Blicken, das Treiben auf der Straße beobachten. Der „Palast der Winde“ ist eine der Hauptsehenswürdigkeiten Jaipurs, wenn nicht ganz Indiens und findet sich in jedem Reiseführer, oft sogar auf dem Cover. Und er ist ABSOLUT überbewertet. Zu dem Schluss war ich schon vor 22 Jahren gekommen, aber in Jaipur gehört ein kurzer Besuch dort einfach dazu, und was soll ich sagen, dank Digitalfotografie habe ich an der geometrischen Architektur Gefallen gefunden. Ne Viertelstunde kann man dafür schon ansetzen, vor allem im Zusammenspiel der Fassade und dem typisch indischen Verkehr auf der Straße davor. Die Schlangenbeschwörer, die mit ihren entzahnten Kobras noch wie vor 22 Jahren auf dem Bürgersteig saßen, sollte man aber tunlichst ignorieren. Haben wir auch gemacht. Dem „Palast der Winde“ ein Bild des Tages zu geben stand aber außer Frage. Gerne mal googlen, wenn Ihr wissen wollt, wie das Ding aussieht.
Durch die Altstadt von Jaipur, in Broschüren und Prospekten oft „Pink City“ genannt, auch wenn die Häuser terrakotta-farben angestrichen sind, ging die Fahrt als nächstes hinaus zum Amber Fort. Amber Fort – man sieht es im ersten Bild des Tages - ist eine der größten und bekanntesten rajasthanischen Festungen. Die wehrhafte Anlage hoch über einem Stausee stammt aus dem Ende des 16. Jahrhunderts und war einer der Hauptsitze des rajputischen Maharajas der über die Umgebung hier herrschte. Die Festung enthält große, sehr schön gestaltete Palastanlagen und ist ebenfalls eine der Hauptsehenswürdigkeiten rund um Jaipur. Vor 22 Jahren sind wir – man wusste es damals echt nicht besser – auf dem Rücken eines Elefanten hoch zur Festung geritten. Diese Transportoption hatten wir heute für uns schon absolut ausgeschlossen, obwohl sie im Voucher von Razdan Holidays drin stand. Wir hatten schon beschlossen, dass wir den Guide um eine Alternative bitten wollten, bevor wir ihn heute morgen trafen, aber als ich das Thema ansprach, sagte er, dass es heute sowieso keine Elefantenritte gäbe. Aufgrund eines größeren Hindufestivals im Tempel oben auf der Burg wäre heute nur der Besuch mit Autos möglich. Also eine Sorge weniger und die Dickhäuter hatten heute frei, was ich den armen Tieren total gegönnt habe.
Madan hat uns also bis oben gefahren und dann haben wir unter der fachkundigen Leitung unseres Guides die Paläste oben auf dem Berg erkundet. Echt sehr schön. Man war zwar nicht alleine, bei weitem nicht, aber die Atmosphäre war trotz der vielen Menschen ruhig und entspannt, so wie wir es vorgestern schon am Humayun-Mausoleum in Delhi erlebt hatten.
Rund zwei Stunden haben wir im Amber Fort verbracht. Es ist echt eindrucksvoll und bietet viele fantastische Fotomotive, sowohl im Bereich Architektur, als auch im Bereich Leute. Ich liebe es die Inder zu beobachten. Denen ist es, anders als mir und vielen Europäern, überhaupt nicht wichtig, dass das Bild einer Sehenswürdigkeit möglichst menschenfrei ist. Im Gegenteil. Die Inder posieren davor und fotografieren sich, einzeln per Selfie, gegenseitig oder mit der ganzen Familie per Handy-Selbstauslöser. Das Handy ist übrigens eine der wichtigsten Veränderungen seit meinem ersten Indien-Besuch. So gut wie jeder hat hier eins und es wird hemmungslos benutzt.
Vom Amber Fort sind wir mit einem kurzen Foto-Stopp am Wasserpalast von Jaipur, der einige Vogelarten neu auf die Liste gebracht hat, zu einer kunsthandwerklichen Kooperative gefahren. Ein bisschen Kaffeefahrt gehört leider zu einer Indien-Reise dazu. Die Teppiche waren auch sehr schön, aber gekauft haben wir – Überraschung - nichts. Soweit so gut. Nach dem Mittagsimbiss sollten wir dann noch in ein Schmuckgeschäft, aber da haben wir unser Desinteresse schon so deutlich bekundet, dass die Veranstaltung nach zehn Minuten vorbei war. Okay, die Leute wollen was verkaufen und Geld verdienen, aber ich muss da nicht mitspielen. Mit Werbeverkaufsshows bin ich für diese Tour durch. Beim nächsten Besuch einer „Kooperative“ setze ich mich demonstrativ mit dem Handy flitschend vor die Tür.
Für den Nachmittag waren zwei ernsthafte Besichtigungspunkte vorgesehen. Der erste war der Stadtpalast des Maharajas von Jaipur. Auch eine sehr schöne Anlage und im Gegensatz zu Amber Fort noch richtig in Betrieb. Ähnlich wie auf dem Buckingham Palace zeigt die Beflaggung an, ob der Maharaja zu Hause ist (er war). Der aktuelle Maharaja von Jaipur ist 28 Jahre alt, einer der begehrtesten Junggesellen Indiens, natürlich in England zur Schule gegangen und hat in London natürlich auch eine Zweitwohnung. Politische Macht besitzt er allerdings nicht. Sein Urgroßvater war der letzte wirkliche Herrscher von Jaipur.
Der Stadtpalast von Jaipur liegt – der Name lässt es erahnen – mitten in der Stadt. Es gibt ein Museum und man kann durch die Höfe und Audienzhallen wandeln. Das zweite Bild des Tages gibt einen kleinen Eindruck. Was allerdings täuscht, sind die wenigen Menschen auf dem Bild. Auch im Stadtpalast waren wir nicht alleine, aber genau wie in Amber Fort ging es ruhig und entspannt zu. Kein Gedrängel, kein Getobe. Sehr angenehm. Zu diesem Zeitpunkt war spätestens für mich klar, dass es mir hier in Jaipur gefällt. Das war vor 22 Jahren anders. An den Besuch damals habe ich nämlich keine guten Erinnerungen. Ich kann jetzt nichts Konkretes nennen (und ein Logbuch von damals gibt es ja nicht) aber ich habe mit eher negativen Gefühlen an meinen damaligen Besuch gedacht. Das hatte ich meinen Mitreisenden wohlweislich verschwiegen, und wie sich nach dem heutigen Tag herausstellt, zu Recht. Es ist schon schön hier. Das galt auch für den letzten Programmpunkt heute.
Das Jantar Mantar ist das von Maharaja Sawai Jai Singh II. in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts errichtete Observatorium. Mit den hier erbauten Sonnenuhren und Instrumenten kann man Uhrzeiten bis auf zwei Sekunden genau anzeigen, die Position der Sonne in den Tierkreiszeichen bestimmen und Aszendenten berechnen. In meiner Erinnerung waren wir damals dort allein und ich war nur mäßig beeindruckt. Heute war auch dort viel los, die Anlage ist gut in Schuss und schön mit Tafeln und Infos aufbereitet. Auf jeden Fall nen Besuch wert. Ihr seht: nach 22 Jahren bin ich mit Jaipur komplett versöhnt. Fast schon schade, dass es morgen weiter geht. Aber unsere Zeit hier in Indien ist begrenzt.
Für morgen hat Madan die Abfahrt wieder auf zehn Uhr gesetzt. Morgen wechseln wir auch zum ersten Mal den Schwerpunkt der Tour vom kulturell-historischen zum naturkundlichen. Ich bin schon sehr gespannt.

 

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21. Oktober 2026

Heute war ein gemischter Tag. Den ersten Teil davon haben wir mal wieder mit Fahren verbracht. Diejenigen von Euch, die meine Social Media-Kanäle verfolgen, haben wahrscheinlich gemerkt, dass es keine Selfies vor Sehenswürdigkeiten gab und ich nur kurz vor Schluss des Tages ein Video zum Thema „Verkehr in Indien“ gepostet habe.
Nach dem Frühstück sind wir von Jaipur aufgebrochen. Ich muss sagen, ich hätte noch nen Tag bleiben können. Zum einen war das Quartier in dem alten Haveli echt super, und zum anderen hätte ich mir durchaus vorstellen können, die Hauptstadt Rajasthans noch einen Tag länger zu erkunden. Erwartet hatte ich das nach meinen Vorerfahrungen von vor 22 Jahren nicht. Umso schöner, dass mir Jaipur im zweiten Anlauf so gut gefallen hat.
Die heutige Fahrt – Ihr könnt den Verlauf der Fahrt auf der Karte nachvollziehen - führte zuerst über Schnellstraße und dann über Landstraße. Madan ist ein sehr angenehmer Fahrer. Er fährt für indische Verhältnisse echt defensiv und verhalten. In Indien ist das nicht alltäglich. Außerdem hält er sich sehr penibel an Geschwindigkeitsbegrenzungen. Dauert vielleicht auf diese Weise alles nen Tacken länger, aber immerhin haben wir Passagiere so keine Probleme mit fahrstilbedingten plötzlichen Herzkranzgefäßverengungen. 
Die Fahrt über die Landstraße führte hauptsächlich durch landwirtschaftlich genutztes Gebiet und durch Dörfer und kleine Städte. Eins fällt sofort auf: Indien baut. Hier herrscht überall eine sehr rege Bautätigkeit. Häuser, Geschäfte, Betriebe, Straßen und andere Infrastruktur. Ich finde das sehr interessant zu beobachten.
Gegen 14 Uhr waren wir an unserem Quartier, dem Aama Gahti Wildlife Resort. Hier kam einige Hektik auf, da wir etwas spät dran waren und sofort zur ersten Safari aufbrechen sollten.
Ihr habt richtig gelesen. Heute nachmittag begann Teil 1 des naturkundlichen Schwerpunkts unserer Tour. Für die nächsten beiden Tage erkunden wir den Ranthambore-Nationalpark. Der Nationalpark ist Teil des Project Tiger, das Anfang der 1970er Jahre ins Leben gerufen wurde, um den Tiger vor dem Aussterben zu bewahren. Das ist den Indern auch ganz gut gelungen. Die Gelehrten sind sich uneins, aber die Tigerpopulation in Indien wird aktuell irgendwo zwischen 2000 und 3000 Tieren liegen. Auf unserer Reise werden wir zwei indische Nationalparks besuchen, in der Hoffnung Tiger zu Gesicht zu kriegen. Der erste ist Ranthambore.
Der Aufbruch zur Nachmittagssafari heute war wirklich etwas hektisch und wir haben es nicht mal geschafft ins Zimmer zu kommen. Zum Glück hat die Hotelküche noch ein paar Sandwiches geschmiert, damit wir unterwegs was zu essen hatten.
Ebenfalls suboptimal war die Tourorganisation. Im Voucher stand der Hinweis „Shared Safari“, der mich schon nichts Gutes ahnen ließ. Und so war es auch. Wir waren mit einem Maruti Gypsy-Jeep unterwegs, der zwei Dreier-Sitzbänke hatte. Die vordere davon war für uns drei, und für die hintere gabelten wir ein paar Kilometer vom Quartier entfernt noch zwei Leute auf. Ein österreichisches Ehepaar. Wir drei saßen ziemlich gequetscht, es ging so grade noch. Die Fahrt zu unserer Safari-Zone dauerte ein bisschen und dann begann die Pirschfahrt. (Zu den Safari-Zonen im Ranthambore-Nationalpark werde ich morgen ein bisschen erzählen.)
Die Landschaft in Ranthambore ist sehr schön. Man kann es auf dem ersten Bild des Tages ein bisschen erahnen. Der Wald hier ist auch kein undurchdringlicher, lianendurchzogener Dschungel, wie man ihn sich gemeinhin für Indien vorstellt. Der Wald ist ziemlich offen mit wenig Unterholz, es gibt Wiesen und Bachläufe, aber das alles in ziemlich gebirgigem Gelände.
Wie Ihr nach dem zweiten Bild des Tages schon geahnt habt, sind wir heute keinem Tiger begegnet. Trotzdem war unsere Safari ziemlich erfolgreich. An Großwild haben wir etliche Sambars, Chitals (zu Deutsch Axishirsche) und Nilgauantilopen gesehen und auch Bengalische Hanuman-Languren sind uns begegnet. Das zweite Bild des Tages zeigt einen jungen Sambar-Hirsch. Das Geweih muss noch wachsen. Auch unser Guide und unser Fahrer waren topp. Leider wechseln die Guides mit jeder Tour. Das war vor 22 Jahren noch anders, wo wir alle Safaris in Ranthambore mit dem gleichen Team aus Guide und Fahrer gemacht haben.
Alles in allem war es ein gelungener Safari-Auftakt, auch wenn die beiden Ösis anfänglich etwas genervt haben. Auf der Rückfahrt durch Sawai Madhopur hatten wir dann eine hautnahe Begegnung mit ländlichem, indischen Feierabend-Verkehr. Sehr spannend und sehr lustig. Vielleicht habt Ihr mein Video des Tages gesehen.
Wieder im Quartier habe ich an der Rezeption gefragt, ob es möglich wäre für uns eine eigene Safari ohne Zusteiger zu bekommen. Mehr Platz hätte halt große Vorteile, nicht nur bei der Bequemlichkeit. Ich habe ja auch immer einiges an Equipment dabei und damit hantiert es sich schlecht unter so beengten Bedingungen wie heute. Die freundliche Inderin an der Rezeption wollte sich drum kümmern.
Nach dem sehr leckeren Buffet-Abendessen bekamen wir dann den Bescheid, dass es für morgen früh schon zu spät für Änderungen wäre, aber man wolle sich bemühen, für morgen nachmittag und übermorgen früh etwas zu arrangieren. Ich bin gespannt und werde berichten.
So, und jetzt muss ich ins Bett. Morgen früh geht der Wecker um kurz vor fünf, denn Madan bringt uns schon um 5:30h zum Abfahrtspunkt der Safari-Jeeps. 

 

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