18. Oktober 2026
Eieiei… ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll… das Herbstabenteuer 2026 ist in vollem Gange und ich bin schon komplett reizüberflutet… Am besten einfach von vorne…
Ich bin in Indien. Meine zweite Reise in dieses Riesenland nach meinem ersten Besuch vor genau 22 Jahren. Im Herbst 2004 war ich zum ersten Mal in Indien, zusammen mit zwei Freunden und meinem kleinen Bruder. Ich habe heute mehrfach versucht, mich dran zu erinnern, was damals den Anstoß für die Tour gab, aber ich weiß es einfach nicht mehr. Unsere damalige Reise unter dem Titel „Tempel und Tiger“ war meine erste Buchung bei Ikarus Tours. Seitdem hab ich mehrere Reisen mit dieser Firma gemacht, nämlich 2008 nach Brasilien, 2017 nach Ägypten, 2019 in den Libanon und 2021 nach Jordanien. So war’s dann auch nur ein kleiner Schritt als ich mit meinen beiden Freundinnen Heike und Barbara - mit den beiden war ich 2024 in den Herbstferien im Krüger-Nationalpark… hmmmm, jedenfalls, als wir drei überlegt haben, nochmal zusammen weg zu fahren, habe ich vorgeschlagen nach Indien zu fahren. Die „Tempel und Tiger“-Tour gibt es auch nach 22 Jahren immer noch (mit kleinen Veränderungen) im Katalog von Ikarus Tours und ich finde, nach 22 Jahren kann man die gleiche Tour auch noch mal machen. Im Jahr 2004 habe ich meine erste Digitalkamera bekommen, aber damals war noch nicht absehbar, welchen Weg diese neue Technik nehmen würde. So habe ich mich damals auch weitgehend auf meine analoge Dia-Fotografie verlassen, um die Reise zu dokumentieren. Was hat sich nicht alles verändert in den letzten 22 Jahren. So wandele ich dieses Jahr mal wieder auf meinen eigenen Spuren, mal wieder in fantastischer Gesellschaft, vergleiche früher (zumindest so weit ich mich an diese vordigitale Vorlogbuchzeit erinnere) mit heute, begegne Indien neu und doch nicht neu… und bin digital topp ausgerüstet. Spannend. SEHR spannend.
Los ging es schon gestern mit zwei geschmeidigen Flügen, zuerst von Köln nach München und dann im A380 der Lufthansa weiter nach Delhi. Sehr angenehm und ein überaus willkommener Neuzugang zu Frantis Fliegern. Die Zeitverschiebung nach Indien beträgt während unserer Sommerzeit nur 3,5 Stunden, was den Jetlag deutlich reduziert. Trotzdem hilft es natürlich, wenn bei einer Ankunft kurz nach Mitternacht Ortszeit der Körper meint, es wäre grade erst kurz nach halb neun. Die Visabeschaffung für und die Einreiseprozedur nach Indien sind… najaaaa, etwas diffizil, um ein neutrales Adjektiv zu verwenden. Die Details erspare ich Euch hier. Wer mehr wissen möchte kann mich gerne fragen.
Um halb drei Ortszeit bin ich gestern abend ins Bett gefallen und konnte doch nicht sofort einschlafen. Irgendwie ja schon verständlich. Dem Mitarbeiter von Razdan Holidays - der indischen Partner-Agentur von Ikarus Tours - der uns gestern abend am Flughafen von Delhi in Empfang genommen hatte, haben wir gesagt, dass das Programm nicht vor zehn Uhr beginnen sollte. War auch kein Problem. Pünktlich um zehn wurden wir von unserem Fahrer, der uns bis Agra begleiten wird, und unserem lokalen Guide für Delhi am Hotel abgeholt.
Erster Programmpunkte heute war die Jama Masjid in Old Delhi, die Freitagsmoschee, die im 17. Jahrhundert vom Mogulherrscher Shah Jahan erbaut wurde. Delhi, mit 33 Millionen Einwohnern im Großraum mittlerweile die größte Stadt Indiens, besteht unter anderem aus Old Delhi und New Delhi (wo man die Regierungsgebäude findet). Die Fahrt zur Jama Masjid hat ein bisschen gedauert, denn auch wenn der Verkehr sonntäglich reduziert war, kämpft man sich hier durch den ein oder anderen Stau. So hatten wir aber Zeit, uns die Stadt ein bisschen anzusehen und erste Eindrücke zu gewinnen. Erste Eindrücke für mich waren: es ist – zumindest auf den Hauptstraßen – sauberer als vor 22 Jahren, die Luftqualität ist DEUTLICH besser dank Elektro-ÖPNV-Bussen und fast ausschließlich gasbetriebenen Tuktuks und, das hatte ich nicht mehr auf dem Schirm, die Stadt ist ziemlich grün. Überall gibt es Parks, Alleen und Bäume. Alles in allem nicht schlecht muss ich sagen. Ich mochte Delhi schon damals und mag es noch immer.
Nach dem Besuch der Moschee ist unser Guide mit uns durch die Straßen und Gassen von Old Delhi spaziert. Ich muss gestehen, dass ich mir seinen Namen nicht gemerkt habe, aber er war sehr nett, wusste viel, sprach schön Deutsch, konnte gut organisieren und hat gut auf uns aufgepasst. Es war super spannend. Wir hatten ein richtiges Delhi-Erlebnis mit allem, was die Straßen und Chowks – so nennt man hier die Märkte - von Indiens Hauptstadt zu bieten haben. Die Straßen durch die wir gekommen sind, waren einerseits der Juwelier-Markt und der Markt für Hochzeitskleider und andererseits der Markt für Trockenfrüchte und Gewürze. Zwischendurch haben wir auch noch ne Teepause gemacht und uns an nem Geldautomaten mit indischen Rupien versorgt.
Nach dem Stadtspaziergang – man glaubt ja nicht, was es alles so zu sehen gibt in diesem wilden Chaos von Menschen – haben wir uns in den Verkehr gestürzt. Oder vielmehr wir wurden gestürzt, denn unser Guide hat zwei Fahrradrikschas organisiert um uns zum zentralen Parkplatz für die Touri-Autos zu transferieren. In so ner Fahrradrikscha ist man wirklich mitten im Leben von Delhi zwischen Bussen, Autos, Mopeds, Tuktuks, anderen Fahrradrikschas, Handkarren, LKWs, Fahrradfahrern und Fußgängern… und über allem kreisen unzählige Schwarzmilane und halten Ausschau nach Fressbarem. Es lässt sich echt nicht gut beschreiben. Delhi ist Extrem-Asien mit allem was dazugehört, Geräusche (die Huperei ist manchmal fast ohrenbetäubend), Gerüchen (Weihrauch, Hundepippi, Parfüm, Schweiß, Garküchen und alles wieder von vorne), und Anblicke (wie gesagt, man muss es gesehen haben). Einen minimalen Eindruck vom Verkehr vermittelt das erste Bild das Tages, das während der Fahrt mit der Fahrradrikscha entstanden ist. Das Zeitgefühl habe ich während der Tour komplett verloren, aber irgendwann haben wir unseren Fahrer wieder gefunden.
Nach dem wilden Ritt durch das Leben von Delhi war unser nächster Stopp am India Gate. Das ist ein 1931 fertiggestellter Triumphbogen, der an die indischen Gefallenen des Ersten Weltkriegs und noch einiger anderer Konflikte erinnert. Der Kontrast zwischen dem chaotischen Durcheinander Old Delhis und den präzise geplanten Parkanlagen am India Gate in Neu-Delhi ist enorm und trägt zur Vielschichtigkeit dieser Stadt bei. Wir haben das India Gate umrundet, ich habe das Video des Tages produziert und wir haben noch ein paar Touri-Fotos gemacht, zwischen ziemlich vielen einheimischen Touristen. Man sieht nämlich echt nicht viele europäische Touris.
Jetzt hatten wir uns eine späte Mittagspause redlich verdient. Dafür hatte unser Guide ein schönes Lokal am Connaught Place in Neu-Delhi ausgesucht. So richtig viel Hunger hatten wir nicht und haben uns deshalb ein Curry samt Reis und Naan und Roti geteilt… War aber zusammen mit ner Dose Coca-Cola genau passend als Pick-me-up nach einem nicht unanstrengenden Vormittag.
Ne richtig lange Pause gab es aber noch nicht, denn wir hatten noch einiges vor. Der nächste Programmpunkt war der Gurdwara Bangla Sahib, das größte und wichtigste Heiligtum der Sikh in Delhi. Hier waren wir auch 2004 gewesen und hier hatte sich echt nichts geändert. Op bläcke Fööss und mit durch orange Kopftücher bedecktem Haupt haben wir uns das Innere des Heiligtums aber auch die Außenanlagen mit dem großen Teich, der zu einem Sikh-Tempel gehört, angesehen. Über die Sikh könnte ich jetzt noch so einiges erzählen, aber ich nähere mich gerade dem Ende der zweiten Logbuch-Seite und habe noch einiges zu erzählen.
Den krönenden Abschluss unseres ersten Tages in Indien und unserer Begegnung mit Delhi bildete ein Besuch des Humayun-Mausoleums. Humayun war der zweite Mogul-Herrscher, Vater von Akbar dem Großen und Urgroßvater von Shah Jahan, der nicht nur die Freitagsmoschee von Delhi sondern auch das Taj Mahal bauen ließ. Ich wusste noch genau, wie gut es mir vor 22 Jahren am Humayun-Mausoleum gefallen hatte, und auch heute wurde ich nicht enttäuscht. Da Sonntag war, war dort ziemlich viel los, aber die Atmosphäre war sehr entspannt und ruhig. Richtig schön so in den Abendstunden das Mausoleum und die umliegenden Parks und Gärten zu erkunden. Hier am Humayun-Mausoleum, das sogar UNESCO-Weltkulturerbe ist, gab es zum ersten mal seit der Freitagsmoschee heute morgen eine größere Anzahl westlicher Touristen, aber die überwiegende Mehrheit der Besucher waren Inder. Familien mit drei Generationen, Gruppen von jungen Inderinnen und Indern, die mit Freunden unterwegs waren, Einzelbesucher… Es war zwar voll, aber nicht überfüllt und trotz der vielen Menschen sehr angenehm und würdevoll. Das zweite Bild des Tages gehört natürlich dem Humayun-Mausoleum in der Abenddämmerung. Ich finde das ist ein sehr fotogenes Bauwerk und ein absolutes Muss bei einem Delhi-Besuch. Interessant fand ich auch den Preisunterschied für Inder und für Auswärtige. Inder zahlen am Humayun-Mausoleum 40 Rupien, das sind ungefähr 37 Euro-Cent. Europäer berappen 600 Rupien, also umgerechnet ungefähr 5,60€. Auch nicht die Welt, aber es zeigt, wie wichtig es den Indern ist, dass ihre eigenen Leute auch ihr Baudenkmäler besuchen können.
Gegen viertel vor sechs haben wir unseren Guide verabschiedet, der in der Nähe des Humayun-Denkmals wohnt, und unser Fahrer hat uns zurück zum Hotel gebracht. Hier gab es noch ein schönes Abendessen mit den ersten Dal der Reise. Dal ist eines der absolut typischen Lebensmittel des Subkontinents und bezeichnet Hülsenfrüchte, in der Regel Linsen, die als Beilage oder als Curry serviert werden. Sehr vielseitig und heute auf jeden Fall sehr lecker, erst recht in Begleitung von nem Kingfisher-Bier, DEM Bier hier in Indien. Den Abend haben wir dann beim Erzählen über die Erlebnisse des Tages ausklingen lassen.
Morgen geht’s schon weiter. Wir haben nen Fahrtag… nach Jaipur.
|
||
|
|
||
|


