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Reiselogbuch - 2026 Schottland


3. August 2026

Hmmmmm… den heutigen Tag hatte ich mir ein bisschen anders vorgestellt. Vor allem war ich nicht davon ausgegangen, dass die Fahrt so flott gehen würde. Immerhin hatte ich heute wieder über neunzig Meilen zu fahren… was ja eigentlich ne lächerliche Distanz ist.
Nach dem Frühstück habe ich meinen Kram in den Peugeot verladen und dann ging’s los. Ich hab meinen Fahrstil ein bisschen den Einheimischen angepasst. Man wird hier sonst echt zum Hindernis. Wenn man vor sich auf der Straße jemanden mit 35 Meilen hat wo 60 erlaubt sind, dann ist das mit ziemlicher Sicherheit ein Tourist. Ich hab also den Peugeot heute mal ein bisschen laufen lassen, wo das möglich war.
Die Fahrt führte erst über die gleiche Strecke, auf der ich gestern zurück nach Wick gefahren bin, nämlich über die A882 und die A9 nach Thurso. A-Straßen in Großbritannien entsprechen eigentlich (!) dem, was man bei uns unter ner Bundesstraße oder gut ausgebauten Landstraße versteht. Eigentlich. In Schottland ist das ein bisschen anders.
In Thurso habe ich nen Schlenker zum Tesco gemacht um noch ein paar Vorräte einzukaufen, denn ich hatte damit gerechnet, dass Verpflegung im äußersten Nordwesten Schottlands nicht ganz so einfach sein würde. Dazu erzähle ich später mehr.
Mein erster Besichtigungsstopp heute war am Achvarasdal Broch. Die Namen hier sind echt der Hammer… *lach… Als Broch bezeichnet man hier in Schottland eisenzeitliche Wehrtürme, deren erste Exemplare aus dem dritten Jahrhundert v.Chr. stammen. Manche Brochs sind noch ziemlich gut erhalten, andere sind nur mehr Erdhügel. Der Achvarasdale Broch besteht noch aus einem rund zwei Meter hohen Rest der runden Mauer. Ihn zu finden war allerdings nicht ganz so einfach, denn er liegt mitten im Wald. Dadurch war er leider auch nicht besonders fotogen. Brombeeren rankten sich in den Zugang, aber da ich es schon bis dorthin geschafft hatte, habe ich mich auch durch die Dornen gekämpft. (Wer mich und den Hof meines Hauses auf der Karlstraße in Euskirchen kennt, der weiß, dass Brombeeren mein Herzensgegner sind.)
Auf dem weiteren Weg nach Westen habe ich die Grenze zwischen der Grafschaft Caithness und der Grafschaft Sutherland überquert. Es war als hätte man einen Schalter umgelegt. Gradezu plötzlich wurde die Landschaft wilder, es wurde erst hügliger und dann sogar bergiger, und es gab viel weniger Ortschaften. Ab Tongue hatte ich auf jeden Fall den Eindruck, jetzt aber wirklich im hintersten Winkel Schottlands angekommen zu sein. Was in gewisser Weise ja auch stimmte. Von wegen A-Straße gleich Landstraße. Einen nicht unerheblichen Teil der Strecke bin ich auf Single-Track-Roads gefahren. Die Ausweichstellen sind aber zum Glück zahlreich, denn man hat doch immer wieder Gegenverkehr. Kurz vor Laid ist mir sogar ein Reisebus entgegengekommen.
Die Landschaft hier im Nordwesten ist das, was ich ich als typisch schottisch beschreiben würde. Berge und Täler und Bäche und Seen und Meeresbuchten, Heidekraut, Stechginster, ab und zu mal ein kleines Wäldchen. Wie aus dem Bilderbuch. Und einsam ist es. Das erste Bild des Tages gibt einen kleinen Eindruck. Das Foto habe ich am Ostufer des Loch Eriboll gemacht. Links im Bild seht Ihr die Straße.
Ich war davon ausgegangen, dass das Endziel meiner heutigen Tagesetappe, Durness bzw. Balnakeil eine ähnlich einsame Gegend ist. Aber weit gefehlt. Als ich bei Sangobeg quasi auf die Zielgeraden einbog, gab es plötzlich wieder Häuser und Dörfer und Campingplätze. Es ist also offensichtlich hier oben ein echter Touri-Hotspot. An der Balnakeil Church habe ich noch nicht mal sofort nen Parkplatz bekommen und auf dem Campingplatz von Durness steht ein Wohnmobil am anderen.
Da ich erst ab 16:00h in mein Quartier in Balnakeil konnte, habe erst noch ein bisschen Sightseeing gemacht. Die Balnakeil Church ist nur eine Ruine mit drumherum liegendem Friedhof, wie man es hier in Schottland oft findet. Nicht wirklich der Rede wert. Lustiger fand ich da schon die Schafe, die sich auf der anderen Straßenseite an der Mauer in den Windschatten gelegt hatten. Die haben das zweite Bild des Tages bekommen. Wurde auch Zeit, denn Schafe gehören ja auf jeden Fall zu Schottland. 
Am Durness Beach habe ich lange oben auf den Dünen und Klippen gestanden und den Wellen des Atlantiks zu gesehen. Schon sehr beeindruckend und das Meer ist hier gar nicht mehr so friedlich, wie es gestern am Dunnet Head oder am Duncansby Head war. Einige unentwegte Surfer waren trotzdem im Wasser und auch zwei unerschrockene Schwimmer.
Ich hatte schon auf Google Maps gesehen, dass Möglichkeiten zum Abendessen hier in Durness nicht dicht gesät sind. Da ich hier wieder ein kleines Ferienhaus mit vollständiger Küche habe, hab ich mich für heute Abend zur Selbstversorgung entschieden. Richtig kochen wollte ich aber nicht, denn das ist auf dieser Tour heute meine letzte Nacht in einer Ferienwohnung mit Küche und zum richtig kochen braucht man halt Zutaten, die ich heute gar nicht alle hätte verwenden können, zum Beispiel ne Packung Nudeln. Ich hab mir also im Spar von Durness ein Fertiggericht, Nudeln mit Tomaten-Mozarella-Soße, ausgesucht. Das kam hier im Quartier in die Mikrowelle und war mit etwas zusätzlichem Salz und Pfeffer auch ganz genießbar.
Mein Ferienhaus ist echt schön. Klein aber fein. Genau das was ich brauche. Hier könnte ich es auch zwei, drei Tage aushalten, wenn denn hier in der Gegend mehr zu tun für mich wäre. Okay, ich könnte ein bisschen wandern gehen. Vielleicht gäb’s auch noch ein paar Vögel zu finden. Immerhin habe ich heute einen Seeadler über die Dünen fliegen gesehen. Aber wie’s halt so ist, morgen ziehe ich schon wieder weiter. Die bisher längste Strecke der Tour steht an, über 120 Meilen… krass… *lach… 

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13. August 2026

Tjaaaa… der heutige Tag hätte ganz anders laufen sollen, aber manchmal ist einfach der Wurm drin. Andererseits können sich zwei Missgeschicke auch wieder gegenseitig aufheben…
Nachdem Auschecken in Stornoway habe ich mich auf die Fahrt nach Süden gemacht. 
An dieser Stelle muss ich mal ein bisschen über die Geographie hier erzählen. Die Äußeren Hebriden sind die Inselgruppe vor der Nordwestküste Schottlands. Im Gegensatz zu den Inneren Hebriden, die nah am schottischen Festland liegen (und die ich vor zehn Jahren zusammen mit meinen Eltern erkundet habe), liegen die Äußeren Hebriden weiter draußen im Atlantik. Die nördlichste Insel der Gruppe heißt Lewis and Harris. Anders als man dem Namen nach glauben könnte, handelt es sich dabei nur um EINE Insel. Nach den Inseln Großbritannien und Irland ist Lewis and Harris die drittgrößte der Britischen Inseln. 
Auf meiner Tour will ich die Äußeren Hebriden von Nord nach Süd und wieder zurück erkunden. Klar, dass man dabei auch die eine oder andere Fährüberfahrt hat. Heute wollte ich von Leverburgh an der Südspitze von Lewis and Harris nach Berneray im Norden von North Uist übersetzen. Die Fahrt von Stornoway nach Leverburgh sollte ne gute Stunde dauern, also eher gemütlich… Und dann gab's nach dem ersten Drittel der Fahrt nen Stau. Nix ging mehr. Unfall. Straße auf unbestimmte Zeit gesperrt. Die schottischen Polizisten, die die dutzenden von Autofahrern informierten, waren sehr freundlich, aber ändern konnten sie auch nix. Nach ner gewissen Zeit, hab ich gedacht, dass ich jetzt mal bei Caledonian MacBrayne, der staatlichen schottischen Fährgesellschaft, anrufen sollte, um denen zu sagen, dass ich die Fähre wahrscheinlich verpassen würde und zu fragen, was mögliche Alternativen wären. Was soll ich sagen? Als ich mein Handy aufflitsche, habe ich ne Email von CalMac, dass wegen Nebels die Überfahrt von Leverburgh nach Berneray gestrichen ist. Man könne mir alternativ eine Überfahrt von Tarbert nach Lochmaddy anbieten, allerdings erst um 16:35 Uhr. Half ja nichts, irgendwie musste ich nach North Uist (gesprochen: JU-ist) übersetzen. Also hab ich mich von CalMac auf diese Verbindung umbuchen lassen. Sechs Stunden würden ja wohl reichen, um die Straße wieder frei zu kriegen. 
In der Zwischenzeit habe ich mir das Warten dadurch vertrieben, mich mit einer Mitarbeiterin von NatureScot zu unterhalten, die vor mir im Stau stand. NatureScot ist die offizielle Natur- und Umweltbehörde der schottischen Regierung. Die Mitarbeiterin, mit der ich hier klaafend auf der Straße stand, arbeitete zusammen mit ihrem Kollegen und den vier Hunden im Kofferraum des Dienstgeländewagens daran, auf den Äußeren Hebriden die Amerikanischen Nerze auszurotten. Diese invasive Marderart richtet seit Jahrzehnten riesige Schäden in der einheimischen Tierwelt an. Seit einigen Jahren werden sie auf Lewis and Harris intensiv bekämpft und meine Gesprächspartnerin meinte, dass man die Erfolge ihrer Arbeit schon sehen könne. 
Am Ende hat es nicht sechs Stunden sondern vielleicht ne dreiviertel Stunde gedauert, bis die Straße wieder frei war. Jetzt hatte ich allerdings in Tarbert fünf Stunden totzuschlagen, was allerdings bei Nebel und Nieselregen nicht so ganz einfach war. (Über die Episode mit dem scheinbar semi-platten Reifen des Fiat decke ich an dieser Stelle mal das Mäntelchen barmherzigen Schweigens.)
Irgendwann war's dann aber soweit. Die M/V Glen Sannox legte im Fährhafen von Tarbert an und wenig später konnte ich den Fiat in den Bauch des Schiffes steuern. 
Gut zwei Stunden dauerte die Überfahrt nach Lochmaddy, wo wir um kurz vor sieben heute Abend ankamen. Das Meer war zwar gnädig ruhig, aber die Sicht war weniger als suboptimal mit teilweise dichtem Nebel. Immerhin gab es ein bisschen Birdwatching unterwegs. Etliche Basstölpel kreuzten den Weg und nachdem ich dann auch noch eine ganze Reihe Trottellummen und Tordalken auf dem Meer gesichtet hatte, steht die Liste der Tour jetzt auf 66 Vogelarten. Das finde ich ganz okay.
Vom Fähranleger in Lochmaddy zu meinem heutigen Quartier waren es nochmal 45 Minuten zu fahren. Auch die in Nieselregen, Dunst und leichtem Nebel. Immerhin ist es nicht kalt hier. Auch ohne Sonne waren wir heute bei um die 17°C. Eigentlich hatte ich mir North Uist und Benbecula in Ruhe ansehen wollen, aber durch das Gedöns mit den Fähren ging das nicht mehr. Ich war also ziemlich genervt. Mein Quartier hier ist aber sehr schön und nachdem meine Herbergsmutter mir noch ein Abendessen gezaubert hat, geht es mir schon wieder besser. Und übermorgen habe ich ja auch nochmal eine Chance, die Gegend in Ruhe zu erkunden, wenn ich auf der Fahrt zurück nach Norden hier wieder durchkomme. Soviel kann ich aber schon verraten: das ist eine ganz besondere Gegend hier.
Als Bilder das Tages gibt es heute zum einen die Landschaft auf Lewis and Harris und zum anderen die Küste von North Uist bei der Einfahrt in den Fährhafen von Lochmaddy. Die Karte hat heute keine Route. Das war mir zu kompliziert. Aber ich habe alle Punkte, die im Bericht vorkamen, markiert.

 

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12. August 2026

Hmmmm… da sitze ich in Stornoway beim Chinesen und bin... ich glaube „überrascht“ ist das beste Wort. Ich hatte mir den Ort anders vorgestellt. Klar, Stornoway ist mit viereinhalbtausend Einwohnern der größte Ort der Äußeren Hebriden und der Fährhafen, wo die Fähre aus Ullapool ankommt, aber dass es so städtisch ist hätte ich nicht gedacht. Ich war von mehr Beschaulichkeit ausgegangen. Macht aber ja nix. Da hab ich wieder mein Weltwissen erweitert. 
Heute bin ich ins zweite und letzte Kapitel meines diesjährigen Sommerabenteuers gestartet. Nach einem gefaulenzten Vormittag habe ich aus dem Hotel ausgecheckt, nicht ohne meine Reisetasche dort in Verwahrung zu geben. Nächsten Montag bin ich nämlich wieder dort, und so muss ich nicht das ganze Gepäck hier über die Inseln karren und durch die Treppenhäuser diverser Quartiere buckeln.
(Ab hier entstand das Logbuch im Quartier.)
Heute bin ich den zweiten Tag in Folge bei Loganair eingestiegen, allerdings nicht wie gestern in eine Twin Otter sondern in einen ziemlich schnittigen Embraer ERJ-145. Ich muss allerdings sagen: es gibt bequemere Flieger. Für die knappe Stunde von Glasgow nach Stornoway war’s aber völlig okay.
Wer schon mal mit mir im Flieger unterwegs gewesen ist, der weiß, dass ich immer ein paar Aufgaben für die Piloten habe und mir gerne die technischen Infos zum Flug schriftlich geben lasse. So habe ich auch heute der Flugbegleiterin meinen Datenzettel in die Hand gedrückt, mit der Bitte ihn an die Jungs im Cockpit weiterzugeben. Nach ungefähr der Hälfte des Fluges brachte sie den beiden ein Heißgetränk nach vorne und kehrte mit einem breiten Grinsen zurück in die Kabine. Etwas später kam sie dann zu mir und meinte, „Da haben Sie die beiden aber richtig ans Arbeiten gebracht. ‚Komplette Länge der Flugstrecke? Das muss ich nachkucken.‘“. Auf mein „I’m sorry“ lachte sie nur und sagte, „Nein, schon in Ordnung. Es ist nur ziemlich lustig. Ich glaube, das ist das erste Mal, dass ich die beiden da vorne wirklich arbeiten gesehen habe.“ So kann’s gehen… *lachlaut… Beim Aussteigen habe ich mich an der Cockpittür ausführlich bedankt.
Der Tag hatte mit Sonnenschein in Glasgow begonnen, aber auf dem Weg zur Startbahn fielen erste Regensprenkler auf den Flieger. Zwei, drei Minuten nach dem Start waren wir in den Wolken. Den Boden habe ich danach fast während des kompletten Fluges nicht zu sehen bekommen. Erst zwei Minuten vor dem Aufsetzen erschienen die grünen Wiesen der Insel Lewis unter uns.
Der Flugplatz von Stornoway ist klein, wenn auch nicht ganz so klein wie der in Barra. Schnell hatte ich den Sammy wieder zurück (die neuen Rollen, die ich ihm ein paar Tage vor der Tour montiert habe, tun’s super) und dann habe ich die Mitarbeiterin von Stornoway Car Rental getroffen. Das Mietwagen buchen bei Stornoway Car Rental war mit einem großen Aufwand verbunden gewesen. Große Mietwagenfirmen gibt es hier nicht und so ist man auf die kleinen Anbieter angewiesen, und was musste ich denen nicht alles im Vorfeld schicken. Kreditkartennummer, eingescannten Führerschein, eingescannten Perso, zwei Bankbescheinigungen mit meiner Adresse drauf… da hatte ich gedacht es gäbe einen riesen Trara bei der Mietwagenübernahme. Aber weit gefehlt. Die junge Mitarbeiterin von Stornoway Car Rental hat sich nur die Kreditkarte und meinen Führerschein zeigen lassen und hat mich dann zum Auto gebracht. Kurzes Übergabegespräch und fertig.
Mein neues Auto ist ein knallroter Fiat 500. Ich habe ein bisschen gelacht, als ich davor stand, aber irgendwie ist es genau das richtige Gefährt, um hier ein über die Inseln zu kurven. Zum Glück steht meine Reisetasche in Glasgow. In den Kofferraum von dem Fiat hätte die nicht noch mit reingepasst. Gewöhnen muss ich mich allerdings daran, dass das neue Auto nicht mit solchem technischen Schnickschnack daherkommt wie der Peugeot. Zum Beispiel schloss der sich selber ab, wenn man von ihm wegging und machte sich wieder auf, wenn man auf ihn zuging. Der Fiat 500 hat nen Zündschlüssel zum drehen, und Gangschaltung… ziemlich old-school… aber sind ja nur sechs Tage.
Wo ich schon mal am Flugplatz in Stornoway war, habe ich die Gelegenheit zum Spotten genutzt. Innerhalb einer halben Stunde gab es drei (!) Flugbewegungen. Danach war nur noch ein Start für den Rest des Tages vorgesehen. Das Wetter war zwar suboptimal mit den grauen Wolken, aber immerhin habe ich den Abflug des ERJ mit dem ich gekommen war fotografieren können. Das ist schön für meine Webseite.
Mein Quartier liegt mitten in Stornoway. Ein ziemlich großes B&B (stimmt, meine Quartiere hier auf den Inseln sind doch nicht alles Hotels). Ich wohne im ausgebauten Speicher. Hat so grade Stehhöhe und weckt mit den Dachschrägen Erinnerungen an mein Standardzimmer unterm Dach bei Di und Andrew Nutter in Herne Bay.
Nachdem ich meinen Kram im Zimmer deponiert und den Fiat für die Nacht richtig geparkt hatte, habe ich noch einen kleinen Stadtspaziergang gemacht. Dabei entstanden auch die beiden Bilder des Tages. Nich’ so dolle… ich weiß. Aber ich glaube ich habe insgesamt heute nur ne Handvoll Fotos gemacht. Da war heute nicht mehr zu zeigen. Also: zum einen das ehemalige Rathaus von Stornoway und zum anderen eine Straßenansicht aus der Stadt.
In den nächsten fünf Tagen werde ich die Äußeren Hebriden erkunden. Dabei wird jeden Tag wo anders übernachtet und es gibt jeden Tag eine Fährfahrt. Ich bin mal gespannt, ob das am Ende in Stress ausgeartet ist oder ob es doch eine eher gemütliche Erkundung der Inseln war. Ihr werdet es miterleben.

 

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11. August 2026

Was für ein Tag… Wie die meisten von Euch wissen, baue ich ja gerne ein Flugabenteuer in meine Touren mit ein, und heute war der Tag für ein ganz besonderes Highlight. 
Für mich kann ein Flugabenteuer etwas relativ Unspektakuläres sein, wie eine besondere Route oder ein speziell gewählter Flugzeugtyp. Es kann aber auch etwas richtig Spektakuläres sein, über das ich oft auch schon Berichte in der einschlägigen Fachpresse gelesen habe oder etwas, das in der Plane Spotter-Szene als „Muss man auf jeden Fall mal gemacht haben“ gilt. Zu der spektakulären Kategorie gehören unter anderem:
- der kürzeste Linienflug der Welt von Westray nach Papa Westray auf den Orkney-Inseln (dauert 90 Sekunden… hab ich im Sommer 2015 gemacht)
- ein Flug nach Saba, zur kürzesten kommerziell genutzten Landebahn der Welt (nur 400m… hab ich im Frühjahr 2018 gemacht)
- ein Flug nach Lukla in Nepal mit seinem ikonischen, am Hang gelegenen Flugplatz (hab ich im Frühjahr 2023 gemacht)
- auf dem Strand von Barra in den Äußeren Hebriden landen…
Genau. DAS hab ich heute gemacht.
Erste Erfahrungen mit der schottischen Fluggesellschaft Loganair hatte ich 2015 gesammelt, als ich auf den Orkney- und Shetlandinseln war. Loganair betreibt dort die oben erwähnte kürzeste Linienflugstrecke der Welt, ebenso wie viele andere Flugverbindungen zu entlegenen Inseln und Siedlungen hier in Schottland. Eine dieser Verbindungen ist der Flug von Glasgow nach Barra. Das Besondere am Flugplatz in Barra ist, dass der Flieger nicht auf Asphalt, Beton, Schotter oder Gras landet, sondern auf dem nassen Sand des von der Ebbe freigelegten Strandes. Man kann also wirklich nur bei Ebbe dort hinfliegen. Der Flugplatz von Barra ist weltweit der einzige Strandlandeplatz mit Linienverkehr… und war schon lange eines meiner Plane Spotter-Traumziele. Heute wurde der Traum Wirklichkeit.
Gebucht hatte ich den Flug schon vor Monaten, allerdings hatte mich die Webseite von Loganair nicht den sofortigen Rückflug buchen lassen, sondern ich konnte nur den Flug heute nachmittag als Rückflug wählen. Das hat mich ein bisschen gefuchst, weil ich einerseits auf diese Weise über drei Stunden am Flugplatz in Barra gesessen hätte (was man zur Not ja noch lesend und im Internet rumdaddelnd hätte überbrücken können), weil aber andererseits auch die reale Gefahr bestand, dass der Nachmittagsflug wetterbedingt ausfallen könnte. Dann wäre ich in Barra gestrandet (im wahrsten Sinne des Wortes) und das wollte ich vermeiden. Aber wie heißt es so schön? „Fragen kost’ nix.“ Ich bin also gestern nachmittag, nachdem ich den Peugeot zurückgegeben hatte, im Flughafen zum Schalter von Loganair. Hier saß zum Glück eine Mitarbeiterin und es gab keine Schlange, so dass ich den Betrieb nicht aufgehalten habe. Die freundliche Mitarbeiterin von Loganair konnte mein Problem gut nachvollziehen, hat sich ans Telefon geklemmt, und gegen einen erträglichen Aufpreis konnte ich wirklich auf den sofortigen Rückflug von Barra nach Glasgow umgebucht werden. Aus den drei Stunden dort waren somit nur noch 25 Minuten geworden und die Gefahr in Barra zu stranden war gebannt.
Der Flug von Glasgow nach Barra dauert ungefähr ne Stunde und wird mit einer DHC-6 Twin Otter durchgeführt. Die Twin Otter ist eines meiner liebsten Flugzeuge. Sie ist nicht schnell, sie ist nicht schnittig, sie ist nicht hochmodern, sie ist nicht leise, aber sie ist ein echtes, zuverlässiges Arbeitspferd und mit ihrer Kurzstart- und landefähigkeit und ihrer Geländegängigkeit ist sie praktisch das fliegende Pendant zum Toyota Land Cruiser. (Was mir gerade so auffällt: von den „Muss man auf jeden Fall mal gemacht haben“-Flügen, die ich oben aufgelistet habe, waren mein Flug nach Saba und mein Flug nach Lukla ebenfalls mit einer Twin Otter.)
Die Twin Otter ist kein großes Flugzeug und so kann es unterwegs schon mal etwas holperig werden, aber heute lag der Flieger auf beiden Flügen wie ein Brett in der Luft. Lediglich beim Rückflug, kurz vor der Landung in Glasgow Abbottsinch, gab’s ein bisschen Geruckel. Landung und Start in Barra habe ich natürlich per Video dokumentiert. Kann man auf meinen Social Media-Kanälen sehen.
Als Bilder des Tages gibt es heute zum ersten den Landestrand in Barra aus dem Flieger gesehen. Wenn man genau kuckt, dann erkennt man oberen rechten Rand des Strandes die Gebäude, die zum Flugplatz gehören. Der Weißkopfseeadler auf der Motorenverkleidung ist übrigens das Logo des Triebwerksherstellers Pratt&Whitney Canada.
Das zweite Bild des Tages zeigt die Szene wie man nach der Ankunft am Strand in Barra aus dem Flieger aussteigt. Ist jetzt zwar nicht so das dolle Foto und noch dazu gegen die Sonne, aber Ihr kriegt nen Eindruck davon, wie das ist, wenn man aus dem Flieger raus auf den Strand aussteigt.
In Barra auf dem Strand landen. Ich hab’s gemacht und es war super. Bin immer noch ein bisschen geflasht. Gegen Mittag war ich schon wieder zurück in Glasgow und habe dann noch ein paar Stunden am Flughafenzaun verbracht – und am Whatsapp-Video-Anruf zum Geburtstag meines Vaters teilgenommen. Mein Bruder samt Family war aus Tansania zugeschaltet, ich aus Schottland, und der Rest der Familie saß mit Freunden um die Kaffeetafel in Kreuzweingarten. 
Morgen mittag steige ich wieder bei Loganair ein, aber dieses Mal in einen größeren Flieger. Dann beginnt nämlich das zweite Kapitel meines Sommerabenteuers. Es geht auf die Äußeren Hebriden.

 

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10. August 2026

Ich bin wieder am Ausgangspunkt meiner Schottlandrundreise angekommen. Die nächsten beiden Nächte verbringe ich hier im HI Express am Flughafen in Glasgow. Hier habe ich schon vor elf Jahren übernachtet, bevor es auf die Orkneys weiterging. War sehr praktisch, weil man zu Fuß zum Terminal kommt.
Nach dem überaus reichhaltigen Full Scottish Breakfast in meinem schönen B&B hab ich mich auf den Rückweg nach Süden gemacht. Das Wetter war herrlich heute und so gab es schon ne knappe dreiviertel Stunde nach der Abfahrt den erste Fotostopp. Ich hatte gestern mal gegoogelt, von wo man den besten Blick auf den Ben Nevis hat, mit 1345m der höchste Berg der britischen Inseln. Einer der empfohlenen Punkte war der kleine Park am südlichen Ende des Kaledonischen Kanals in Corpach. Leider hatte ich beim Blick nach Osten noch Gegenlicht, aber immerhin war das Ben Nevis-Massiv für ein paar Minuten wolkenfrei. Dann zog es sich wieder zu. Auf jeden Fall ein passendes erstes Bild des Tages. Den eigentlichen Gipfel des Ben Nevis sieht man übrigens aus dieser Richtung nicht.
Nach dem kleinen Abstecher nach Carpoch ging es zurück auf die Hauptstraße und weiter in Richtung Süden. Dabei ist mir ein weiteres Mal klar geworden, dass Fort William nicht meine Stadt ist. Ich erinnere mich, dass es mir da schon auf meiner ersten Schottlandreise mit der Oma 1981 nicht gefallen hat. Bei der Tour 2016 mit meinen Eltern haben wir ebenfalls gesehen, dass wir schnell weiterkamen, und auch heute hab ich mich beeilt, Fort William hinter mir zu lassen. Die A82 ist eine der Rennstrecken in die Highlands, denn sie verläuft von Glasgow nach Inverness und passiert in ihrem Verlauf den Glen Coe, den Great Glen und das Loch Ness, alles landschaftliche Highlights in Zentralschottland. Entsprechend viel Verkehr war auf der Straße, aber vor allem in die mir entgegengesetzte Richtung.
Um dem vielen Verkehr ein bisschen zu entgehen, habe ich nicht die Route durch den Glen Coe gewählt sondern bin weiter in Richtung Oban nach Süden gefahren. Was ein Glück war, denn so bin ich noch am Castle Stalker vorbeigekommen, das auf einer kleinen Insel im Loch Laich, einer Bucht des großen Loch Linnhe, liegt. Man kann sich zwar mit dem Boot rüber rudern lassen, aber soviel Zeit hatte ich nicht und so wichtig war mir die Besichtigung auch nicht. Mir ging’s mehr um das Panorama. Ich habe also ein paar Minuten die Szenerie auf mich wirken lassen. Wieder einmal Schottland wie aus dem Bilderbuch, inklusive Schafen im Vordergrund. Klar, dass das das zweite Bild des heutigen Tages ist.
Vor Oban bin ich links auf die A85 abgebogen, die von Oban nach Clifton führt und dort auf die A82 trifft, die weiter nach Glasgow geht. Die Landschaft entlang der Strecke ist super. Genau so, wie man sich Schottland vorstellt. Am Kilchurn Castle habe ich nochmal angehalten. Das Wetter war immer noch wunderbar, und so bin ich die paar hundert Meter zur Burgruine und wieder zurück spaziert, habe den Sonnenschein und die Landschaft genossen und bin einmal um die Ruine von Kilchurn Castle gekraxelt, was ne ziemliche Herausforderung war, wenn man nicht knöcheltief im Schlamm versinken wollte. Besichtigen kann man Kilchurn Castle zur Zeit nicht, da das Gemäuer zu instabil ist.
Das letzte Stück der Fahrt ab Crianlarich – dort hatte ich 2016 mit meinen Eltern die erste Übernachtung - war dann nur begrenzt spaßig. Auto an Auto in beide Richtungen und auch etliche LKWs und Busse dazwischen. Der Verkehr floss zwar, aber, wie gesagt, schön war’s nicht. Besser wurde es erst, als am Südende des Loch Lomond die Straße vierspurig wurde. Eigentlich wollte ich am Loch Lomond noch nen Fotostopp machen, aber die ersten schönen Plätze hab ich verpasst – zurückfahren war bei der Verkehrslage keine Option – und dann war ich zu genervt, um noch von der Straße in einen der Orte abzubiegen und nen Punkt zu suchen wo man auf den See kucken konnte. Außerdem hatte ich ne Zeitvorgabe. Bis 17:00 Uhr musste ich den Peugeot zurückgegeben haben und ich musste vorher noch tanken und wollte auch mein Gepäck vorher noch am Hotel abladen, damit ich das nicht von der Mietwagenstation durch den Flughafen zum Hotel schleppen musste. Hat aber alles super geklappt. Ich muss sagen, der Peugeot hat mir echt Spaß gemacht. Die ersten beiden Tage mussten wir uns ein bisschen aneinander gewöhnen, oder vielmehr ich musste mich an ein Auto mit allem modernen Schnickschnack gewöhnen, aber dann waren es sehr geschmeidige 1466 Meilen, die wir zusammen verbracht haben.
Zwei Nächte bin ich jetzt hier in Paisley, am Flughafen Glasgow Abbottsinch. Übermorgen fliege ich von hier nach Stornoway auf der Insel Lewis and Harris, der größten und nördlichsten der Äußeren Hebriden. Heute habe ich einen nicht unerheblichen Teil der Zeit hier im Hotel mit Umpacken verbracht. Ich kann nämlich einen Teil des Gepäcks hierlassen und muss nicht alles mit auf die Äußeren Hebriden mitnehmen.
Morgen gibt es als kleines Intermezzo ein Flugabenteuer. Aber das erzähle ich Euch alles morgen.

 

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  1. Reiselogbuch Schottland 2026 - 9. August
  2. Reiselogbuch Schottland 2026 - 8. August
  3. Reiselogbuch Schottland 2026 - 7. August
  4. Reiselogbuch Schottland 2026 - 6. August