28. Juli 2026

Tag vier meiner Schottland-Tour begann heute morgen im Regen. Ich hab mir Frühstück in meiner Ferienwohnung gemacht und dann den Peugeot beladen, der gestern ja frei hatte.
Dass es in Aberdeen regnete, hat den zweiten Programmpunkt des Tages leider zunichte gemacht. Das Plane Spotting ist witterungsbedingt ausgefallen. Schade, denn Aberdeen Dyce ist für seinen interessanten Helikopterverkehr bekannt. Von hier aus starten nämlich nicht nur Passagierflieger sondern es sind auch viele Hubschrauber zu den Bohrinseln in der Nordsee unterwegs. 
Mein erster Stopp war heute am Piper Alpha-Memorial. Darauf bin ich gestern im Aberdeen Maritime Museum aufmerksam geworden. In der Nacht vom 6. zum 7. Juli 1988 kam es auf der Bohrinsel Piper Alpha zu einer Explosions- und Brandkatastrophe, bei der 167 Menschen ihr Leben verloren. Bis heute ist das immer noch das folgenschwerste Unglück auf einer Bohrinsel weltweit. Zum Gedenken an die Opfer hat man im Hazelhead Park, dem großen und sehr schön angelegten Stadtpark etwas außerhalb des Zentrums von Aberdeen ein Denkmal errichtet. Drei Statuen stehen inmitten eines riesigen Rosengartens. Sehr schön gemacht und stimmungsvoll. Der Nieselregen passte zwar zur Stimmung, aber ich habe mich deshalb nicht lange dort aufgehalten. 
Danach ging's raus aufs Land. Der Peugeot und ich haben uns schön eingegroovt. Zuerst noch über eine vierspurige Straße aber bald nur noch auf ner normalen Landstraße führte die Fahrt von Aberdeen aus nach Westen (könnt Ihr alles auf der Karte verfolgen).
Von "plattem Land" kann man hier in Schottland zwar nicht sprechen, dafür ist es zu hügelig. Aber es gibt viel Land. In der Gegend zwischen Aberdeen und den Cairngorms ist es noch nicht so richtig wild, aber jetzt auch keine liebliche Landschaft. Gerstenfelder wechseln mit Schaf- und Kuhweiden, auf denen aber nie schottische Hochlandrinder stehen. Die findet man eigentlich nur an bestimmten Stellen als Deko für die Touristen. 
Die Straße führt vorbei an Bauernhöfen und kleinen Weilern mit lustigen Namen wie Kintocher, Tullochvenus oder Leochel-Cushnie. Es geht durch kleine Wäldchen und auf kleinen steinernen Brücken über kleine Bäche. Richtig schön. Das einzige was fehlt, sind Parkplätze oder Haltebuchten an Stellen mit schöner Aussicht. 
Nächster Halt war am Tomnaverie Stone Circle. Auf den Britischen Inseln gibt es ja sehr viele Steinkreise und vergleichbare Monumente. Der Steinkreis von Tomnaverie ist bei weitem nicht so spektakulär wie der in Stonehenge oder Avebury oder wie der Ring of Brodgar auf den Orkney-Inseln, aber dafür ist er sehr schön gelegen und man hat ihn (fast) für sich. Das erste Bild des Tages zeigt ein bisschen die Einbettung in die Landschaft und die Lage auf einer Hügelkuppe. Auch beim Tomnaverie Stone Circle ist nicht wirklich klar, wozu man den Steinkreis vor 5.000 Jahren dort hingesetzt hat. Leider haben die Erbauer nichts dazu aufgeschrieben. 
Insgesamt musste ich heute nicht weit fahren (und überhaupt sind die Entfernungen hier in Schottland nicht riesig). Zehn Minuten vom Tomnaverie Stone Circle befindet sich das Muir of Dinnet National Nature Reserve. Es gibt ein kleines Besucherzentrum und mehrere, unterschiedlich anspruchsvolle Wanderwege. Ich habe mich nur für den kurzen Spaziergang zum Burn O'Vat entschieden. "Burn" bezeichnet hier in Schottland einen Bach. "Vat" ist ein Fass. Der Bach hat hier einen Strudeltopf von rund 18m Durchmesser erschaffen. Sieht eindrucksvoll aus, auch wenn der Burn zur Zeit nur so dahinplätschert.
Auf dem Parkplatz vom Muir of Dinnet National Nature Reserve hab ich gemütlich Mittagspause gemacht… schön auf nem Stein in der Sonne. Das schottische Wetter gibt echt alles. Ich hab schon viel Sonnenschein gehabt. Heute wurden Regen, Sonne, dramatisch grauer Himmel und starker Wind geboten.
Nach der Mittagspause stand Balmoral Castle auf dem Programm. Das ist der Sommersitz des britischen Königshauses. Königin Victoria und ihr Mann, Prince Albert, ließen das Schloss in der Mitte des 19. Jahrhunderts an der Stelle einer älteren Anlage errichten und seitdem verbringt die königliche Familie hier die Sommerferien. Das ist natürlich Pflichtprogramm wenn man als Tourist nach Schottland kommt. Leider kann man es nicht von innen besichtigen, bis auf den Ballsaal. Den fand ich aber schon recht spannend, weniger als Raum an sich sondern wegen der Ausstellung von Fotos und Gemälden der Queen, die hier gezeigt wurde. Da waren ein paar schöne Bilder dabei. Natürlich hat Balmoral das zweite Bild des Tages bekommen, und wie man sieht: auch hier royales Wetter. Den kräftigen Wind, der um’s Gemäuer blies, sieht man natürlich im Bild nicht. 
Da der Tag zu diesem Zeitpunkt noch recht jung war und es von Balmoral nach Ballater zu meinem Quartier nur rund zehn Meilen sind, bin ich nach dem Besuch in Balmoral noch ein bisschen durch das Tal des River Dee in Richtung Braemar gefahren. Braemar ist berühmt für seine Highland Games, aber dieses Schauspiel wird mir auf meiner Reise entgehen. Ich habe für meine ganze Tour keinen passenden Termin gefunden, wo ich mir Highland Games (die gibt es ja nicht nur in Braemar) hätte ansehen können. Ganz bis nach Braemar rein bin ich heute auch nicht gefahren, sondern habe nur einen kurzen Fotostopp am Braemar Castle eingelegt und habe mich dann auf den Weg zum Quartier gemacht.
Ballater ist für hiesige Verhältnisse ein recht großes Dorf, was wahrscheinlich auch damit zusammenhängt, dass hier die Eisenbahnlinie aus Aberdeen durch das Tal des River Dee endete. Der Zugverkehr wurde in den 1960er Jahren eingestellt. Ich hab mir nen Tee gemacht und bin dann noch ein bisschen durch den Ort spaziert bevor es im Pub Abendessen gab.
Morgen nachmittag steht die erste Whisky-Destillerie auf dem Programm. Zum Glück muss ich bis Dufftown nicht wirklich weit fahren und habe dann auch vor Ort direkt Quartier.

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