9. April 2026

Nach drei Tagen Vollgas sollte es heute etwas gemütlicher zugehen und das haben wir auch geschafft. Frühstück war erst um halb neun. Wir hatten für heute morgen außer ein bisschen spazieren gehen kein Programm eingeplant, denn für meinen Bruder, Ilona, die Kinder und Cath sollte um halb zwölf der Flughafenshuttle vor der Tür stehen. Es war auch ganz gut, dass nichts mehr wirklich geplant war, denn meine Mutter war heute morgen unpässlich, hat eine Pause eingelegt und ist erstmal auf dem Zimmer geblieben. Der Rest von uns ist noch einmal zum Campo de Fiori aufgebrochen.
Der Campo de Fiori ist einer der ikonischen Plätze von Rom. Tagsüber ist hier Markt und man kann alles mögliche kaufen, von Obst und Gemüse über Klamotten und Spirituosen  zu Blumen und billigen Souvenirs. Der Platz hat schon eine sehr coole Atmosphäre und ich habe mich ein bisschen durch die Gassen zwischen den Marktständen getummelt, fotografiert und auch - was ich in den letzten Tagen vergessen hatte – ein Video des Tages gemacht. Womit die Bedienung meiner Social-Media-Kanäle wieder vollständig ist.
Um kurz vor halb zwölf waren wir alle wieder im Hotel um die Abreisenden zu verabschieden. Aus elf wurde fünf. Es waren dreieinhalb super schöne Tage mit der ganzen Family. Wir haben sehr viel Spaß zusammen gehabt und es war ein tolles Erlebnis hier in Rom noch mal auf unseren eigenen Spuren zu wandeln, alte Erinnerungen aufzufrischen und neue zu kreieren. Würde ich sofort wieder so machen.
Nachdem mein Bruder, Ilona, Marie, Ida, Paul und Cath sich auf den Weg zum Flughafen gemacht haben, sind Tina und Frank zum Shoppen in die Stadt aufgebrochen, meine Eltern sind in die Siesta gestartet und ich war noch kurz beim Carrefour Express um mir die Zutaten für einen kleinen Mittagsimbiss zu besorgen und dann gab’s auch für mich ein bisschen Siesta.
Gemeinsamer Treffzeitpunkt war heute 16:00 Uhr für das leichte Nachmittagsprogramm. Nach den drei strammen Tagen hatten sich vor allem meine Eltern mal ein bisschen was Entspannung verdient. Bis 16 Uhr wollte ich mich allerdings nicht ausruhen, und so bin ich um halb drei zur Area Sacra di Largo Argentino aufgebrochen. Von unserem Hotel aus sind das nur ein paar Meter die Straße runter. Hier befindet sich mitten in der Stadt, allerdings auf dem Straßenniveau der damaligen Zeit und somit ein paar Meter die Treppe runter, eine römische Ausgrabung. Dabei handelt es sich um die Überreste mehrerer Tempel. Im Bild des Tages könnt Ihr sehr schön die Säulen und das heutige Straßenniveau erkennen. Ich habe mir in aller Ruhe und im schönsten Sonnenschein die Ausgrabungen angesehen. Da man die Anlage auch von der Straße aus sehen kann, machen sich die meisten Touris nicht die Mühe auf das Niveau der Tempel runter zu steigen und sparen sich den Eintritt, aber ich fand es sehr lohnend. Es gibt eine kleine Ausstellung von Fundstücken und die Ausgrabungen sind sehr schön erklärt.
In römischer Zeit war das Marsfeld, der „Campus Martius“, das Gebiet zwischen der Servianischen Stadtmauer (der 11km langen antiken Stadtmauer Roms aus dem 4. Jahrhundert v.Chr.) und dem Tiber. Ursprünglich war das wirklich mal ein Feld, aber in der Zeit der späten Republik, so ab dem zweiten Jahrhundert v.Chr. wurden hier etliche öffentliche Gebäude und Tempel und später auch Wohnhäuser errichtet. Vier dieser Tempel kann man in der Area Sacra di Largo Argentino sehen. Westlich von den Tempeln im Bild des Tages, also quasi hinter den Zypressen am linken Bildrand, lag im ersten Jahrhundert v.Chr. das Theater des Pompeius, dessen Vorhalle Schauplatz eines der berühmtesten Attentate der Weltgeschichte ist. Hier wurde nämlich am 15. März 44 v.Chr. Caius Iulius Caesar ermordet. Den Tatort kann man aber nicht besichtigen, denn Augustus ließ den Ort als ‚verflucht‘ zuerst einmauern und später wurde das Theater abgerissen und die Fundamente befinden sich unter den Häusern des heutigen Rom. Auf jeden Fall war es sehr historischer Boden, auf dem ich da heute unterwegs war, wobei… der Großteil des Bodens hier in Rom ist sehr historisch… *lach… 
Die Area Sacra di Largo Argentino ist unter Touristen auch bekannt als „Katzenforum“, weil hier früher viele herrenlose Katzen zwischen den Ruinen lebten. Heutzutage werden die Katzen hier aber betreut, gepflegt, gefüttert und gemanagt, so dass man nur noch zwei, drei von ihnen hier findet und das vor allem in einer für die Katzen reservierten Ecke der Ausgrabung.
Da ich nach der Besichtigung der Area Sacra di Largo Argentino noch ein bisschen Zeit bis 16:00 Uhr hatte, bin ich noch kurz in die Kirche Sant’Andrea della Valle gegangen, die nur wenige Meter neben unserem Hotel liegt. Richtig dicker, barocker Prunkbau, der einen schon etwas erschlägt. Wobei ich sagen muss, dass ich auf meine alten Tage dem Barock mehr abgewinnen kann als früher. Mein Vater erzählte mir nachher, dass wir 1980 schon in dieser Kirche waren, aber ich hatte daran keinerlei Erinnerungen. Aus der damaligen Zeit sind mir nur die größten und wichtigsten Kirchen im Kopf geblieben.
Um vier haben wir fünf – meine Eltern, Tina, Frank und ich – uns in der Lobby vom Hotel getroffen und sind noch mal losgezogen um noch zwei Kirchen anzukucken.
Erste Station war die Kirche Santa Maria sopra Minerva. Der Name kommt daher, dass die Kirche an der Stelle eines Minerva-Tempels errichtet wurde. In Santa Maria sopra Minerva befindet sich das Grab der heiligen Katharina von Siena, der Schutzpatronin von Italien und der Namenspatronin meiner Schwester Cath. Wir waren schon mehrfach dort, aber ich hatte nur schwache Erinnerungen dran. Leider war ein großer Teil der Kirche innen für Restaurierungsarbeiten eingerüstet. 
Auf dem Platz vor Santa Maria sopra Minerva steht der Elefant. Das ist eines der bekanntesten Monumente in Rom. Ein anatomisch nicht zu hundert Prozent korrekter Elefant aus Marmor, der auf dem Rücken einen Obelisken trägt. Insgesamt gibt es acht altägyptische (und fünf römisch-ägyptische) Obelisken in Rom. Der auf dem Elefanten ist mit 5,87m der kleinste Obelisk in Rom. Er wurde im 6. Jahrhundert v.Chr. vom Pharao Wahibre aus der 26. Dynastie in Auftrag gegeben und im 3. Jahrhundert n.Chr. vom Kaiser Diokletian nach Rom gebracht. Was soll ich sagen? Ein Gruppenfoto des harten Kerns vor dem Elefanten war natürlich obligatorisch.
Von Santa Maria sopra Minerva sind wir dann noch gemütlich zur Kirche San Luigi dei Francesi spaziert. Sie ist dem heiligen Ludwig IX. von Frankreich geweiht. (Kleiner Funfact: vor 30 Jahren war ich mit meinen Eltern in Kalifornien, wo wir uns unter anderem die alten spanischen Missionsstationen angesehen haben. Die eindrucksvollste war San Luis Rey de Francia, zwischen Long Beach und San Diego gelegen.) Auch in dieser Kirche gab’s Barock, aber wirklich schön geschmackvoll, wie ich finde. Viele der Kunstwerke stammen von französischen Künstlern. Die wichtigsten Kunstwerke hier sind aber drei große Gemälde von Caravaggio, die den Apostel und Evangelisten Matthäus zum Thema haben. Ähnlich wie in Santa Maria del Popolo, wo wir am ersten Tag waren, hängen zwei der drei Caravaggios allerdings an den Seitenwänden der Kapelle, so dass man sie gar nicht frontal betrachten kann. Die Effekte, die der Maler mit Licht erzeugt, sind aber trotzdem gut zu erkennen.
Mit der Besichtigung von San Luigi dei Francesi war unser Besichtigungstag zu Ende (und ich bin fast am Ende dieses heutigen Bildungsreiselogbuchs). Zum Abschluss des Tages waren wir in einem sehr schönen italienischen Lokal, das Frank gefunden hat und das nur ein paar Minuten vom Hotel entfernt liegt, zum Abendessen. Es war so gut, dass wir direkt für morgen – unseren letzten Abend - einen Tisch reserviert haben.
Morgen gibt es nochmal unterschiedliches Besichtigungsprogramm, aber morgen ist auch schon der letzte vollständige Tag, den wir hier in Rom haben. Samstag nachmittag geht es wieder nach Hause.

Inhaltsverzeichnis nächster Tag

 

Inhaltsverzeichnis nächster Tag