13. August 2026

Tjaaaa… der heutige Tag hätte ganz anders laufen sollen, aber manchmal ist einfach der Wurm drin. Andererseits können sich zwei Missgeschicke auch wieder gegenseitig aufheben…
Nachdem Auschecken in Stornoway habe ich mich auf die Fahrt nach Süden gemacht. 
An dieser Stelle muss ich mal ein bisschen über die Geographie hier erzählen. Die Äußeren Hebriden sind die Inselgruppe vor der Nordwestküste Schottlands. Im Gegensatz zu den Inneren Hebriden, die nah am schottischen Festland liegen (und die ich vor zehn Jahren zusammen mit meinen Eltern erkundet habe), liegen die Äußeren Hebriden weiter draußen im Atlantik. Die nördlichste Insel der Gruppe heißt Lewis and Harris. Anders als man dem Namen nach glauben könnte, handelt es sich dabei nur um EINE Insel. Nach den Inseln Großbritannien und Irland ist Lewis and Harris die drittgrößte der Britischen Inseln. 
Auf meiner Tour will ich die Äußeren Hebriden von Nord nach Süd und wieder zurück erkunden. Klar, dass man dabei auch die eine oder andere Fährüberfahrt hat. Heute wollte ich von Leverburgh an der Südspitze von Lewis and Harris nach Berneray im Norden von North Uist übersetzen. Die Fahrt von Stornoway nach Leverburgh sollte ne gute Stunde dauern, also eher gemütlich… Und dann gab's nach dem ersten Drittel der Fahrt nen Stau. Nix ging mehr. Unfall. Straße auf unbestimmte Zeit gesperrt. Die schottischen Polizisten, die die dutzenden von Autofahrern informierten, waren sehr freundlich, aber ändern konnten sie auch nix. Nach ner gewissen Zeit, hab ich gedacht, dass ich jetzt mal bei Caledonian MacBrayne, der staatlichen schottischen Fährgesellschaft, anrufen sollte, um denen zu sagen, dass ich die Fähre wahrscheinlich verpassen würde und zu fragen, was mögliche Alternativen wären. Was soll ich sagen? Als ich mein Handy aufflitsche, habe ich ne Email von CalMac, dass wegen Nebels die Überfahrt von Leverburgh nach Berneray gestrichen ist. Man könne mir alternativ eine Überfahrt von Tarbert nach Lochmaddy anbieten, allerdings erst um 16:35 Uhr. Half ja nichts, irgendwie musste ich nach North Uist (gesprochen: JU-ist) übersetzen. Also hab ich mich von CalMac auf diese Verbindung umbuchen lassen. Sechs Stunden würden ja wohl reichen, um die Straße wieder frei zu kriegen. 
In der Zwischenzeit habe ich mir das Warten dadurch vertrieben, mich mit einer Mitarbeiterin von NatureScot zu unterhalten, die vor mir im Stau stand. NatureScot ist die offizielle Natur- und Umweltbehörde der schottischen Regierung. Die Mitarbeiterin, mit der ich hier klaafend auf der Straße stand, arbeitete zusammen mit ihrem Kollegen und den vier Hunden im Kofferraum des Dienstgeländewagens daran, auf den Äußeren Hebriden die Amerikanischen Nerze auszurotten. Diese invasive Marderart richtet seit Jahrzehnten riesige Schäden in der einheimischen Tierwelt an. Seit einigen Jahren werden sie auf Lewis and Harris intensiv bekämpft und meine Gesprächspartnerin meinte, dass man die Erfolge ihrer Arbeit schon sehen könne. 
Am Ende hat es nicht sechs Stunden sondern vielleicht ne dreiviertel Stunde gedauert, bis die Straße wieder frei war. Jetzt hatte ich allerdings in Tarbert fünf Stunden totzuschlagen, was allerdings bei Nebel und Nieselregen nicht so ganz einfach war. (Über die Episode mit dem scheinbar semi-platten Reifen des Fiat decke ich an dieser Stelle mal das Mäntelchen barmherzigen Schweigens.)
Irgendwann war's dann aber soweit. Die M/V Glen Sannox legte im Fährhafen von Tarbert an und wenig später konnte ich den Fiat in den Bauch des Schiffes steuern. 
Gut zwei Stunden dauerte die Überfahrt nach Lochmaddy, wo wir um kurz vor sieben heute Abend ankamen. Das Meer war zwar gnädig ruhig, aber die Sicht war weniger als suboptimal mit teilweise dichtem Nebel. Immerhin gab es ein bisschen Birdwatching unterwegs. Etliche Basstölpel kreuzten den Weg und nachdem ich dann auch noch eine ganze Reihe Trottellummen und Tordalken auf dem Meer gesichtet hatte, steht die Liste der Tour jetzt auf 66 Vogelarten. Das finde ich ganz okay.
Vom Fähranleger in Lochmaddy zu meinem heutigen Quartier waren es nochmal 45 Minuten zu fahren. Auch die in Nieselregen, Dunst und leichtem Nebel. Immerhin ist es nicht kalt hier. Auch ohne Sonne waren wir heute bei um die 17°C. Eigentlich hatte ich mir North Uist und Benbecula in Ruhe ansehen wollen, aber durch das Gedöns mit den Fähren ging das nicht mehr. Ich war also ziemlich genervt. Mein Quartier hier ist aber sehr schön und nachdem meine Herbergsmutter mir noch ein Abendessen gezaubert hat, geht es mir schon wieder besser. Und übermorgen habe ich ja auch nochmal eine Chance, die Gegend in Ruhe zu erkunden, wenn ich auf der Fahrt zurück nach Norden hier wieder durchkomme. Soviel kann ich aber schon verraten: das ist eine ganz besondere Gegend hier.
Als Bilder das Tages gibt es heute zum einen die Landschaft auf Lewis and Harris und zum anderen die Küste von North Uist bei der Einfahrt in den Fährhafen von Lochmaddy. Die Karte hat heute keine Route. Das war mir zu kompliziert. Aber ich habe alle Punkte, die im Bericht vorkamen, markiert.

 

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