11. August 2026
Was für ein Tag… Wie die meisten von Euch wissen, baue ich ja gerne ein Flugabenteuer in meine Touren mit ein, und heute war der Tag für ein ganz besonderes Highlight.
Für mich kann ein Flugabenteuer etwas relativ Unspektakuläres sein, wie eine besondere Route oder ein speziell gewählter Flugzeugtyp. Es kann aber auch etwas richtig Spektakuläres sein, über das ich oft auch schon Berichte in der einschlägigen Fachpresse gelesen habe oder etwas, das in der Plane Spotter-Szene als „Muss man auf jeden Fall mal gemacht haben“ gilt. Zu der spektakulären Kategorie gehören unter anderem:
- der kürzeste Linienflug der Welt von Westray nach Papa Westray auf den Orkney-Inseln (dauert 90 Sekunden… hab ich im Sommer 2015 gemacht)
- ein Flug nach Saba, zur kürzesten kommerziell genutzten Landebahn der Welt (nur 400m… hab ich im Frühjahr 2018 gemacht)
- ein Flug nach Lukla in Nepal mit seinem ikonischen, am Hang gelegenen Flugplatz (hab ich im Frühjahr 2023 gemacht)
- auf dem Strand von Barra in den Äußeren Hebriden landen…
Genau. DAS hab ich heute gemacht.
Erste Erfahrungen mit der schottischen Fluggesellschaft Loganair hatte ich 2015 gesammelt, als ich auf den Orkney- und Shetlandinseln war. Loganair betreibt dort die oben erwähnte kürzeste Linienflugstrecke der Welt, ebenso wie viele andere Flugverbindungen zu entlegenen Inseln und Siedlungen hier in Schottland. Eine dieser Verbindungen ist der Flug von Glasgow nach Barra. Das Besondere am Flugplatz in Barra ist, dass der Flieger nicht auf Asphalt, Beton, Schotter oder Gras landet, sondern auf dem nassen Sand des von der Ebbe freigelegten Strandes. Man kann also wirklich nur bei Ebbe dort hinfliegen. Der Flugplatz von Barra ist weltweit der einzige Strandlandeplatz mit Linienverkehr… und war schon lange eines meiner Plane Spotter-Traumziele. Heute wurde der Traum Wirklichkeit.
Gebucht hatte ich den Flug schon vor Monaten, allerdings hatte mich die Webseite von Loganair nicht den sofortigen Rückflug buchen lassen, sondern ich konnte nur den Flug heute nachmittag als Rückflug wählen. Das hat mich ein bisschen gefuchst, weil ich einerseits auf diese Weise über drei Stunden am Flugplatz in Barra gesessen hätte (was man zur Not ja noch lesend und im Internet rumdaddelnd hätte überbrücken können), weil aber andererseits auch die reale Gefahr bestand, dass der Nachmittagsflug wetterbedingt ausfallen könnte. Dann wäre ich in Barra gestrandet (im wahrsten Sinne des Wortes) und das wollte ich vermeiden. Aber wie heißt es so schön? „Fragen kost’ nix.“ Ich bin also gestern nachmittag, nachdem ich den Peugeot zurückgegeben hatte, im Flughafen zum Schalter von Loganair. Hier saß zum Glück eine Mitarbeiterin und es gab keine Schlange, so dass ich den Betrieb nicht aufgehalten habe. Die freundliche Mitarbeiterin von Loganair konnte mein Problem gut nachvollziehen, hat sich ans Telefon geklemmt, und gegen einen erträglichen Aufpreis konnte ich wirklich auf den sofortigen Rückflug von Barra nach Glasgow umgebucht werden. Aus den drei Stunden dort waren somit nur noch 25 Minuten geworden und die Gefahr in Barra zu stranden war gebannt.
Der Flug von Glasgow nach Barra dauert ungefähr ne Stunde und wird mit einer DHC-6 Twin Otter durchgeführt. Die Twin Otter ist eines meiner liebsten Flugzeuge. Sie ist nicht schnell, sie ist nicht schnittig, sie ist nicht hochmodern, sie ist nicht leise, aber sie ist ein echtes, zuverlässiges Arbeitspferd und mit ihrer Kurzstart- und landefähigkeit und ihrer Geländegängigkeit ist sie praktisch das fliegende Pendant zum Toyota Land Cruiser. (Was mir gerade so auffällt: von den „Muss man auf jeden Fall mal gemacht haben“-Flügen, die ich oben aufgelistet habe, waren mein Flug nach Saba und mein Flug nach Lukla ebenfalls mit einer Twin Otter.)
Die Twin Otter ist kein großes Flugzeug und so kann es unterwegs schon mal etwas holperig werden, aber heute lag der Flieger auf beiden Flügen wie ein Brett in der Luft. Lediglich beim Rückflug, kurz vor der Landung in Glasgow Abbottsinch, gab’s ein bisschen Geruckel. Landung und Start in Barra habe ich natürlich per Video dokumentiert. Kann man auf meinen Social Media-Kanälen sehen.
Als Bilder des Tages gibt es heute zum ersten den Landestrand in Barra aus dem Flieger gesehen. Wenn man genau kuckt, dann erkennt man oberen rechten Rand des Strandes die Gebäude, die zum Flugplatz gehören. Der Weißkopfseeadler auf der Motorenverkleidung ist übrigens das Logo des Triebwerksherstellers Pratt&Whitney Canada.
Das zweite Bild des Tages zeigt die Szene wie man nach der Ankunft am Strand in Barra aus dem Flieger aussteigt. Ist jetzt zwar nicht so das dolle Foto und noch dazu gegen die Sonne, aber Ihr kriegt nen Eindruck davon, wie das ist, wenn man aus dem Flieger raus auf den Strand aussteigt.
In Barra auf dem Strand landen. Ich hab’s gemacht und es war super. Bin immer noch ein bisschen geflasht. Gegen Mittag war ich schon wieder zurück in Glasgow und habe dann noch ein paar Stunden am Flughafenzaun verbracht – und am Whatsapp-Video-Anruf zum Geburtstag meines Vaters teilgenommen. Mein Bruder samt Family war aus Tansania zugeschaltet, ich aus Schottland, und der Rest der Familie saß mit Freunden um die Kaffeetafel in Kreuzweingarten.
Morgen mittag steige ich wieder bei Loganair ein, aber dieses Mal in einen größeren Flieger. Dann beginnt nämlich das zweite Kapitel meines Sommerabenteuers. Es geht auf die Äußeren Hebriden.
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