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Reiselogbuch - 2026 Schottland


5. August 2026

Es stürmt und regnet in Gairloch. Nebel liegt auf der Bucht und die Möwen ducken sich auf den Strand. Schon gut, dass die Whale Watching Safari abgesagt worden ist. Bei dem Wetter hätten wir nichts gesehen und wären auch noch kräftig über’s Meer gepustet worden. Wenn ich Glück habe und bis morgen früh hat sich alles beruhigt und es ist noch ein Platz im Boot frei, dann kann ich morgen früh vielleicht noch rausfahren. Ansonsten habe ich übermorgen die dritte Chance zum Whale Watching. Ich habe nämlich von Skye aus auch ne Tour gebucht.
Da die Whale Watching Tour heute ausgefallen ist, hatte ich nen richtigen Gammeltag. Ehrlich gesagt auch nicht so schlecht. Die letzten zweieinhalb Wochen waren nicht unanstrengend und ein Tag ohne lange Fahrt kammir da ganz gelegen. Da das Wetter heute morgen zwar trocken aber ansonsten eher durchwachsen war, bin ich ganz langsam in den Tag gestartet und habe mich nach dem Full Scottish Breakfast nochmal ein bisschen gerestet und an meiner Webseite gebastelt.
Um kurz vor zwölf bin ich dann zum Peugeot gegangen, der die Straße runter auf’m Dorfparkplatz abgestellt war. Mittlerweile hatte der Himmel schon blaue Flecken. Der einzige Programmpunkt des heutigen Tages waren die Inverewe Gardens. Bis dahin ist es von Gairloch aus nur ein Viertelstündchen zu fahren.
Der Ursprung der Inverewe Gardens geht auf die Mitte des 19. Jahrhunderts zurück, als Osgood Mackenzie begann, die felsige Halbinsel, auf der sich heute der Garten befindet, urbar zu machen. Heutzutage werden die Inverewe Gardens vom Scottish National Trust betreut und gepflegt. Der Garten ist einer der nördlichsten botanischen Gärten der Welt, was durch die vom Golfstrom verursachten milden Temperaturen hier oben an der schottischen Nordwestküste möglich ist. Der Garten ist schön und weitläufig angelegt und es gibt Pflanzen aus aller Welt, nordamerikanische Mammutbäume, Sukkulenten aus Südafrika, Heidesträucher aus Neuseeland und Rhododendren aus dem Himalaya. Einen Blumen- und Gemüsegarten gibt’s auch. Echt sehr ansehnlich, auch wenn Anfang August vielleicht nicht die beste Zeit ist, einen botanischen Garten zu besuchen. Es blüht halt nicht so viel.
Nach ein paar Minuten im botanischen Garten kam die Sonne raus. Man sieht’s im ersten Bild des Tages. Blauer Himmel über Inverewe Gardens. Wundert Euch nicht, dass die Bäume am Bildrand schief stehen. Das liegt am Ultraweitwinkel der Handy-Kamera. Ich wollte halt möglichst viel Grün auf’s Bild kriegen.
Rund zwei Stunden bin ich in den Inverewe Gardens spazieren gegangen. Dabei hatte ich auch Gelegenheit, die Pflanzenbestimmungsapp, die meine Schwester Cath mir empfohlen hatte, zu testen. Funktioniert super, auch mit exotischen Gewächsen vom anderen Ende der Welt, wie zum Beispiel dem Mammutblatt, dass Ihr im zweiten Bild des Tages seht und das ursprünglich aus den Küstengebirgen des südlichen Brasiliens stammt.
Nach dem Besuch der Inverewe Gardens bin ich noch ein bisschen durch die Gegend gefahren, nämlich am Westufer des Loch Ewe entlang. Leider hatte sich der Himmel aber inzwischen wieder zugezogen. Ich habe also am Firemore Campingplatz nur kurz gehalten, mit dem Fernglas den Strand ein bisschen abgesucht, zwei Vogelarten der Reiseliste hinzugefügt und dann wurde es mir zu ungemütlich.
Als ich wieder in Gairloch ankam, war es am regnen. Ich hab mir in meinem wirklich sehr schönen Zimmer nen Tee gemacht und zugesehen, wie der Nebel sich auf das Loch Gairloch legte. Morgen geht es schon wieder weiter, dann zu wirklichem Neuland für mich. Auf der Insel Skye bin ich nämlich bei allen früheren Schottlandreisen noch nicht gewesen. Deshalb habe ich auf Skye auch direkt drei Nächte eingeplant.

 

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18. August 2026

Ich bin wieder zu Hause… Dreieinhalb Wochen Schottland, randvoll mit Erlebnissen. Als ich eben die heutige Karte erstellt habe, ist mir erstmal klar geworden, wie viele verschiedene Übernachtungsstationen ich hatte und auch wieviel Zeit schon seit den ersten Tagen der Reise vergangen ist. Wild. Ich wollte eigentlich ne Karte mit der Fahrroute der ganzen Reise erstellen, aber das war einfach zu viel. Deshalb habe ich nur meine Übernachtungsstationen markiert und mit Datum versehen, so dass Ihr bei Bedarf die Tage noch mal nachlesen könnt. Sieht schon irgendwie wie ein zweidimensionales Stachelschwein aus, die Karte… Komplett gespickt mit roten Pfeilen.
Es war eine wirklich sehr schöne Tour. Schottland ist auf jeden Fall ne Reise, ach was sag ich, Reisen (!) wert. Es war schön, auf dieser Tour einerseits Neues zu entdecken und andererseits auch Altes wieder aufzufrischen. Das schottische Wetter hat sich wirklich Mühe gegeben. Theoretisch hätte ich die ganze Zeit so ein Wetter wie bei meinen beiden Tagen auf Skye haben können.
Die Landschaft in Schottland ist einzigartig und vielfältig. Ich finde man kann sie nicht wirklich mit Skandinavien oder Kanada vergleichen. Es ist halt Schottland und ich finde es absolut sehenswert. Dazu dann noch das Kulturelle, von der Steinzeit über die Römer und das Mittelalter bis hin zur Neuzeit, samt Burgen und Schlössern und Whisky. Schottland hat echt richtig viel zu bieten und ich habe das auch wirklich ausgekostet.
Dass die Naturbeobachtung auf dieser Reise etwas schmaler ausfallen würde, das hatte ich schon vor der Reise vermutet. Trotzdem bin ich auf 75 Vogelarten gekommen, davon eine komplett neue und eine für mich erste Sichtung in Europa. Damit bin ich echt zufrieden. Zwei von drei geplanten Meeressafaris sind leider dem Wetter zum Opfer gefallen. Da kann man halt nix dran machen. Muss ich wohl nochmal hinfahren… *lach…
Der heutige Tag war nicht mehr so wirklich aufregend. Wecken, frühstücken, aus dem Hotel auschecken, die 150m bis zum Flughafen mit dem Sammy und der Reisetasche im Schlepp rüber marschieren, einchecken, Security, einsteigen, fliegen… Ihr wisst wovon ich rede. Zur Freude der Mitteleuropäer ist das Wetter hier jetzt so, wie es in Schottland war. Vorteil für mich: ich brauche mich nicht zu akklimatisieren.
Als letztes Bild des Tages habe ich kein Bild von heute. Heute habe ich nur Fotos von Flugzeugflügeln und Flughafenbetrieb gemacht. Stattdessen bekommt Ihr heute den einzigen Sonnenuntergang, den ich auf der Tour fotografiert habe, und zwar in Lochcarnan, wo ich auf South Uist übernachtet habe. Ich habe ein bisschen überlegt, ob ich die Stromdrähte wegphotoshoppen sollte, aber mich dann dagegen entschieden. So sah’s da halt aus.
Damit endet mein diesjähriges Sommerabenteuer. In zwei Monaten sind aber schon wieder Herbstferien. Da nehme ich Euch gerne wieder mit.

 

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17. August 2026

Der gestrige Wetterbericht für Glasgow und Umgebung war akkurat. Im Moment regnet es vom Himmel hoch. Der Morgen war bedeckt aber noch trocken, im Verlauf des Nachmittags hat’s angefangen zu tröpfeln und jetzt fetter Regen. Ich wünschte ich könnte das Wetter morgen mit nach Mitteleuropa bringen. 
Der Handywecker ging heute morgen um viertel nach sechs… und irgendwie habe ich mich den Rest des Tages davon nicht richtig erholt. Warmes Frühstück gab es zu dieser frühen Stunde im Hotel noch nicht. So mussten halt zwei Scheiben Toast reichen. 
Zum Flughafen fahren, den Fiat abstellen und das Gepäck aufgeben, war eine Sache von wenigen Minuten. Heute morgen schien die Sonne in Stornoway, wie Ihr im ersten Bild des Tages sehen könnt. Was Ihr auch seht, das ist das fette Kreuzfahrtschiff, das heute morgen in Stornoway eingelaufen ist. Hätte nicht gedacht, dass überhaupt Kreuzfahrtschiffe auf die Western Isles kommen. Jedenfalls bin ich froh, dass ich dem Ansturm nicht begegnet bin. Der Flügel im Bild gehört übrigens dem Embraer ERJ-145 der Loganair mit der Registrierung G-SAJF, der mich letzte Woche nach Stornoway gebracht und heute wieder abgeholt hat.
Der Flug war kurz und knackig aber von dem schönen Wetter auf Lewis and Harris ist bis zum Festland nicht mehr viel übrig geblieben. Dicke Wolken, und wie oben schon gesagt, war Regen angekündigt. EIGENTLICH hatte ich heute nen Spotter-Tag eingeplant und mir daher auch schon ein Auto für den Tag gemietet. Angesichts der Wettervorhersage habe ich das dann aber storniert und ein bisschen überlegt, was ich mit dem Tag anfangen sollte. Glasgow liegt ja nur ein bisschen den Fluss rauf.
Nach der Landung in Glasgow Abbotsinch hatte ich schnell den Sammy wieder und bin mit ihm zum Holiday Inn Express marschiert, wo ich – Freude über Freude – schon ein Zimmer haben konnte, um kurz nach 10 morgens. Besser geht’s nicht. Und was soll ich sagen? Ich hab mich erstmal ein bisschen hingelegt… *lach…
Gegen Mittag habe ich mich dann auf den Weg gemacht zum Riverside Museum, das ich für’s heutige Besichtigungsprogramm auserkoren hatte. Vor elf Jahren war mein Urteil über Glasgow eher negativ ausgefallen (wie man im Reiselogbuch Orkneys und Shetlands nachlesen kann), aber es hat sich schon einiges verändert, nicht zuletzt ich mich selbst. Der ÖPNV ist dank Google Maps und kontaktlosem Zahlen per Kreditkarte deutlich besser zu handhaben, als er es 2015 für mich war. Die Fahrt mit dem Bus und der anschließende viertelstündige Fußmarsch zum Museum zeigten, dass Glasgow keine Touri-Stadt ist. Hier wird gelebt und gearbeitet, wie schon vor 200 Jahren. Die Spuren der industriellen Vergangenheit sieht man überall, aber ich finde es heute deutlich sympathischer als vor elf Jahren. Ich glaube auch, weil mein eigener Blick auf solche Zusammenhänge sich verändert hat. Unter diesen Umständen war es fast schade, dass ich auf Grund des am Nachmittag einsetzenden Regens nicht noch ins Stadtzentrum gefahren bin.
Das Riverside Museum liegt am Nordufer des River Clyde, der Lebensader der Stadt Glasgow. Man sieht’s auf der linken Seite im zweiten Bild. Der Clyde ist hier kein Riesenfluss und die Werften, wo Schiffe wie die RMS Lusitania, die HMS Hood, die RMS Queen Mary oder die Queen Elizabeth II das Licht der Welt erblickten, liegen weiter flussabwärts. Das Riverside Museum ist ein Technikmuseum. Fast alles, was mit Technik und Glasgow zu tun hat wird hier präsentiert. Nur die Luftfahrt kommt etwas zu kurz, aber Glasgow ist schließlich auch nicht für seine Verbundenheit mit der Luftfahrt bekannt. Die Sammlung des Riverside Museums ist ein wahres Sammelsurium. Was auf den ersten Blick sehr chaotisch aussieht, hat auf den zweiten den Vorteil, dass man sich selber auf die Suche nach den Ausstellungsstücken macht, die einen interessieren. In meinem Fall waren das die Schiffe oder vielmehr Schiffsmodelle und die Lokomotiven. Mit den Fahrrädern, Motorrädern, Autos, Werkzeugen oder Kleidern konnte ich nicht so viel anfangen.
Draußen hatte es inzwischen angefangen zu regnen und so hab ich beschlossen, wieder ins Hotel zurückzufahren und mir einen gemütlichen Restnachmittag zu machen. Wieder war das Busfahren kein Problem, inklusive Umsteigen, genau wie von Google Maps angesagt.
Jaaaaa, und damit neigt sich mein Sommerabenteuer 2026 rapide dem Ende zu. Morgen früh geht es erst nach Amsterdam und dann weiter nach D’dorf. Mal kucken, was ich dann als Bild(er) des Tages auswähle, aber natürlich bekommt Ihr morgen einen letzten Logbucheintrag mit dem Fazit der Tour.

 

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16. August 2026

Lewis and Harris ist irgendwie nicht meine Insel… bei der ersten Begegnung Stau, abgesagte Fährfahrt und ein paar Stunden Warten am Hafen in Tarbert. Heute… naja, ich glaube die beiden Bilder des Tages nehmen es vorweg. 
Der Tag hat aber richtig gut begonnen. Beim Frühstück bin ich mit einem australischen Ehepaar aus Brisbane ins Gespräch gekommen. Die beiden touren mehrere Monate durch Europa, und das nicht zum ersten Mal. In Deutschland waren sie 2019 und fragten mich, ob ich Bad Münstereifel kenne. Crazy, oder? Es hätte ihnen dort sehr gut gefallen und sie hatten auch von der Flut gehört. Darüber hinaus hatten die beiden auch einen Faible für die Fliegerei, und als ich erzählte, dass ich bei meiner Australienreise vor zwei Jahren durch Zufall am Zaun von "Pitch Black 2024" gelandet bin, meinte sie „Ah, I've been there.“ Wir haben sehr schön erzählt, und plötzlich war's viertel vor zehn. Um zehn musste ich aus meinem Zimmer raus sein. Da war der Vormittag kürzer und vor allem kurzweiliger geworden, als ich erwartet hatte. 
Heute gab es keine Probleme mit der kurzen Fähre. Die Überfahrt fand planmäßig statt. Von meinem Quartier bis zum Fähranleger von Berneray, einer kleinen Insel nördlich vor North Uist, war es doch ein bisschen länger zu fahren, als ich gedacht hatte, noch dazu im Nieselregen. Hier gibt es Straßen, von denen man sich gar nicht vorstellen kann, dass die irgendwo hin führen, so klein und schmal und gewunden. Und doch sind das Hauptstraßen und am Ende der Straße legt die Fähre ab. Bei Caledonian MacBrayne muss man immer mindestens 20 Minuten vor der Abfahrt am Anleger sein, sonst verliert man den reservierten Platz und die freien Plätze werden eventuell an andere Fahrgäste ohne Reservierung vergeben. Zu spät kommen kann also zu echten Schwierigkeiten führen. Am Fähranleger hatte ich ne gute dreiviertel Stunde Zeit bis die Fähre ablegen sollte. Die anderen Fähranleger, wo ich bisher hier auf den Western Isles war, waren ziemlich schön, zum Teil mit Kaffeebud und Picknickplatz oder großem, modernen Warteraum. In Berneray war’s aber eher traurig. Kein Kaffee und nur ne ziemlich gammelige Bude. Nicht mal ein Mitarbeiter von CalMac, der hier Dienst tat. Ich bin ausgestiegen und ein bisschen über die Mole spaziert, um die Einfahrt der MV Loch Bhrusda zu fotografieren. Man konnte das kleine Schiff schon von weitem über den Sound of Harris, das felsen- und inselübersäte Seegebiet zwischen Harris und Berneray kommen sehen. Was man auch kommen sehen konnte, das war das schlechte Wetter, aber dessen Geschwindigkeit habe ich deutlich unterschätzt. Grade als das Schiff einlief, stand ich plötzlich im Regen und wurde auf dem eiligen Schrittes angetretenen Rückweg zum Fiat s***nass.
Vor dem Verladen scannte einer der Jungs von der Schiffsbesatzung in neongelber CalMac-Regenjacke die QR-Codes der Tickets ein und fuhren wir auf’s Schiff. Ne gute Stunde dauerte die Überfahrt. In Berneray hatte sich das Wetter schon wieder beruhigt, so dass auf den ersten zwei Dritteln der Fahrt noch ein bisschen Birdwatching möglich war, und die eine oder andere Kegelrobbe hob ebenfalls in der Ferne den Kopf aus dem Wasser. Harris lag allerdings unter einer dicken Wolke, wie man im ersten Bild sieht und bei der Einfahrt nach Leverburgh – sieht man im zweiten Bild – war’s schon wieder knackig am regnen. Ich kann jetzt auch nachvollziehen, warum bei Nebel nicht gefahren wird. Der Kurs zwischen Berneray und Leverburgh zackt wild zwischen Felsen und Bojen hin. Da muss der Kapitän schon kucken können.
Bis Tarbert war die Landschaft auf Lewis and Harris zwar neu für mich, aber viel hatte ich im Regen, Nebel, Niesel und wieder Regen nicht davon. Bei trockenem Wetter ist es bestimmt echt schön. Es gab ein paar Ausblicke, die die Landschaft zumindest durch den Dunst erahnen ließen.
Ein paar Meilen vor Stornoway, bin ich links abgebogen, weil es in der Gegend um Callanish mehrere Steinkreise und einen Broch gibt. Der erste Steinkreis, den ich ansteuern wollte, befindet sich am Nordende der „Bridge over the Atlantic“. Das hört sich grandioser an als es ist. Ist nämlich nur ne einspurige Brücke, die auf einer Länge von vielleicht 100 Metern den Meeresarm zwischen Lewis and Harris und Great Bernera überquert. Dort angekommen war der Fiat der Meinung mir sagen zu müssen, dass er sehr bald betankt werden wollte. Jetzt sind Tankanzeigen ja ne Sache von Erfahrung und in einem Mietwagen, den ich nicht kannte, wollte ich es nicht drauf ankommen lassen, dass ich irgendwo stehen bleiben würde, noch dazu bei dem Wetter. Angesichts des Regens habe ich den kleinen Steinkreis an der Brücke, für den ich noch ein bisschen durchs Gelände hätte spazieren müssen, ausfallen lassen, und habe mich auf den Rückweg nach Stornoway gemacht. Das Wetter war auch wirklich nicht mehr zum Sightseeing zu gebrauchen und so konnte ich es verschmerzen, dass der große Steinkreis von Callanish und der Dun Carloway Broch ausgefallen sind.
Trocken gefahren habe ich am Ende nicht, aber erinnert Ihr Euch, was ich gestern zur Sonntagsruhe auf Lewis and Harris erzählt habe? Ich komme an die dicke Tankstelle im Zentrum von Stornoway und… „Sunday closed“. Eine kurze Frage an Google Maps sagte mir zwar, dass die Tankstelle an der Straße zum Flugplatz, nur drei Fahrminuten entfernt, geöffnet sei, aber „Schließt bald!“ nämlich um 16:00 Uhr. Da waren es kurz nach halb vier. Ich habe den Fiat also vollgetankt und mir überlegt, wie’s bei schönem Wetter und ein bisschen mehr Sprit im Tank gelaufen wäre. Dann hätte ich zwar mehr Sightseeing hingekriegt, aber erst morgen früh Tanken können. Das wäre ein bisschen doof geworden, denn ich muss schon um halb acht am Flugplatz sein.
Alles in allem also war’s mit Lewis and Harris und mir ausbaufähig. Ich glaube ich muss nochmal auf die Äußeren Hebriden kommen. Dann aber mit ein bisschen mehr Zeit.
Ich habe wieder ein sehr schönes Hotel im Stil ähnlich wie das in Castlebay. Ich wohne hier in Stornoway nämlich nicht im gleichen Quartier wie letzte Woche.
Zum Ausklang der Tour über die Western Isles gab es heute Abend ein schönes Abendessen hier im Hotelrestaurant. Und jetzt muss ich noch ein bisschen packen, damit ich das nicht alles morgen früh erledigen muss. Der Wecker steht auf 6:15 Uhr. Sowas liebe ich ja gar nicht.

 

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15. August 2026

Die mittleren Inseln der Äußeren Hebriden, nach den beiden größten auch die Uists genannt, habe ich mir heute ziemlich ausführlich angekuckt. Im Gegensatz zu vorgestern gab es auch heute keine Probleme mit der Fähre und so hatte ich genug Zeit für die Inseln. 
Nach dem Frühstück und dem Auschecken aus meinem schönen Hotel habe ich in der strahlenden Morgensonne an der Castleybay ein paar Fotos vom Castle, von der Bay und von Castlebay gemacht… *lach… Eines davon ist das erste Bild des Tages. Es gibt also doch noch mal ein Bild von ner Burg auf ner Insel, aber die Ansicht finde ich einfach zu schön, um sie hier nicht zu zeigen.
Zum Auftakt des Tagesprogramms bin ich zuerst einmal über den Damm nach Vatersay rüber gefahren. Das sind nur etwas mehr als zwei Meilen. Vatersay ist eine kleinere Insel noch südlich von Barra, und die südlichste bewohnte Insel der Western Isles. Groß was ansehen wollte ich aber nicht. Es ging mir nur darum, da gewesen zu sein und mir die Gegend anzukucken.
Anschließend habe ich mich auf den Weg zum Fähranleger in Ardmhor gemacht, wie gestern angekündigt im Uhrzeigersinn auf der A888 und mit zwei kurzen Stopps. Den einen wieder an der Allasdale Bay mit Blick auf den tiefblauen Atlantik unter weiß-blauem Himmel, und den anderen am Flugplatz von Barra, um zu sehen wie’s da kurz nach dem höchsten Stand der Flut aussieht. Man kann es kaum glauben, aber der komplette Landeplatz ist dann Meer.
Die Fährüberfahrt nach Eriskay fand heute bei besserem Wetter statt als gestern. Vor dem Verladen habe ich ein bisschen das Treiben am Fährterminal beobachtet. Fährterminal klingt sehr hochtrabend und wie Calais, Dover oder Portsmouth. In Ardmhor ist es ein Holzhaus mit Warteraum, Toiletten und einer Kaffeebud, wo ich mir noch nen Cappuccino vor der Überfahrt gegönnt habe. Während des Wartens hab ich mich gefragt, was der Mitarbeiter der Royal Mail am Fähranleger tat, denn ein Postauto hatte ich in der Warteschlange nicht gesehen. Als die Fähre ankam, wusste ich worum es ging. Die Verladerampe klappte runter, direkt an der vordersten Position parkte ein rotes Postauto, der Royal Mail-Mitarbeiter ging an Bord und fuhr mit dem Postauto von der Fähre und in Richtung Inselinneres. Clever gelöst. So ein Postauto kann ja auch alleine Fähre fahren, da muss kein Mitarbeiter mit auf’s Schiff. Man braucht nur am anderen Ende jemanden, der das Auto abholt.
Um kurz vor 12 waren wir in Eriskay und jetzt hatte ich alle Zeit der Welt, denn vom Fähranleger bis zu meinem Quartier auf North Uist sind es nur knapp 40 Meilen. Ich konnte also in Ruhe immer wieder mal anhalten. Einen Stopp habe ich an einer modernen Kirche gemacht, die mir schon auf dem Hinweg aufgefallen war. Aufgefallen waren mir auch gestern immer wieder Heiligenhäuschen am Straßenrand, nicht ganz unähnlich der Behausung der Erftmadonna in Kreuzweingarten. Hallo? Ich bin hier in Schottland, Hochburg der Reformation von der strengen Observanz? Ich habe mich also gestern ein bisschen eingelesen. „Religion in the Outer Hebrides“ ist sogar ein eigener Artikel in Wikipedia. Religionszugehörigkeit stellt sich hier folgendermaßen dar: die südlichen Inseln South Uist, Eriskay, Barra und Vatersay sind mit überwältigender Mehrheit katholisch. Barra wurde früher sogar mal „die Insel, die die Reformation nicht erreicht hat“ genannt. Daher im Süden also die großen katholischen Kirchen, die große Statue ‚Our Lady of the Isles‘ und die Heiligenhäuschen, die vornehmlich Marienstatuen enthalten. Auf Benbecula und North Uist halten sich Katholiken und Protestanten ungefähr die Waage und auf Lewis and Harris ist die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung schottisch-presbyterianisch. Ein Viertel davon gehört zur Free Church of Scotland, strenggläubige Calvinisten, die unter anderem die Sonntagsruhe massiv hochhalten. So gibt es in Stornoway zum Beispiel erst seit 2002 Flug- und seit 2009 Fährverbindungen am Sonntag. Auch in Geschäften wird die Sonntagsruhe auf Lewis and Harris sehr streng gehandhabt. Hoffentlich finde ich morgen eine offene Tankstelle in Stornoway.
Auf der Fahrt nach Norden habe ich einen Abstecher zum Vogelschutzgebiet am Loch Druidibeg gemacht, wo ich das heutige Video des Tages aufgenommen habe. Die Landschaft ist dort krass beeindruckend, genau so, wie ich mir das auf den Äußeren Hebriden vorgestellt habe. In ornithologischer Hinsicht ist die Jahreszeit hier allerdings schon weit fortgeschritten. Die Natur beginnt sich auf den Herbst einzustellen. Nach dem Seeadler heute mittag (der insgesamt dritte der Tour) war die Sumpfohreule, die in der Ferne über die heidekrautbewachsenen Hügel des Vogelschutzgebietes gaukelte, das einzige Highlight und ich hatte mich schon damit abgefunden, dass es nicht mehr besser werden würde.
In Benbecula habe ich einen kurzen Umweg zum Flugplatz gemacht, was aber eher traurig war. Der ganze Ort wirkt wie eine Neubausiedlung aus den 1960ern, was er wahrscheinlich auch ist, denn Benbecula war mal eine Basis der Royal Air Force. Das Flugplatzgebäude war sogar verschlossen.
Da ich noch einiges an Zeit übrig hatte, bin ich an meinem Hotel - in der Karte mit der roten Markierung kenntlich gemacht – vorbei gefahren und habe noch eine ausgedehnte Rundfahrt über North Uist gemacht. Die brachte dann endlich ein paar ornithologische Highlights. Unter anderem habe ich zwei Kornweihen, drei Kolkraben und auf einen Schlag sogar fünf Schottische Moorschneehühner gesehen. Das war mir das zweite Bild des Tages wert. Ich hatte bisher erst einmal ein Schottisches Moorschneehuhn gesehen, nämlich 2015 auf den Shetlandinseln. Jetzt gleich fünf auf einen Streich. Die Kornweihen konnte ich leider nicht fotografieren, da der Fiat bei den beiden Begegnungen gerade in Bewegung war und jede Sichtung nur ein paar Sekunden gedauert hat.
Morgen habe ich einen gemütlichen Vormittag. Die Fähre von Berneray nach Leverburgh fährt erst um halb zwölf. Da kann ich es ein bisschen ruhiger angehen lassen. Dafür muss ich sowohl am Montag als auch am Dienstag früh raus, denn beide Flüge, der von Stornoway nach Glasgow und der von Glasgow nach Amsterdam starten früh. Da kann ich morgen früh ruhig ein bisschen mehr Sonntagsruhe halten.

 

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  1. Reiselogbuch Schottland 2026 - 14. August
  2. Reiselogbuch Schottland 2026 - 13. August
  3. Reiselogbuch Schottland 2026 - 12. August
  4. Reiselogbuch Schottland 2026 - 11. August