16. August 2026
Lewis and Harris ist irgendwie nicht meine Insel… bei der ersten Begegnung Stau, abgesagte Fährfahrt und ein paar Stunden Warten am Hafen in Tarbert. Heute… naja, ich glaube die beiden Bilder des Tages nehmen es vorweg.
Der Tag hat aber richtig gut begonnen. Beim Frühstück bin ich mit einem australischen Ehepaar aus Brisbane ins Gespräch gekommen. Die beiden touren mehrere Monate durch Europa, und das nicht zum ersten Mal. In Deutschland waren sie 2019 und fragten mich, ob ich Bad Münstereifel kenne. Crazy, oder? Es hätte ihnen dort sehr gut gefallen und sie hatten auch von der Flut gehört. Darüber hinaus hatten die beiden auch einen Faible für die Fliegerei, und als ich erzählte, dass ich bei meiner Australienreise vor zwei Jahren durch Zufall am Zaun von "Pitch Black 2024" gelandet bin, meinte sie „Ah, I've been there.“ Wir haben sehr schön erzählt, und plötzlich war's viertel vor zehn. Um zehn musste ich aus meinem Zimmer raus sein. Da war der Vormittag kürzer und vor allem kurzweiliger geworden, als ich erwartet hatte.
Heute gab es keine Probleme mit der kurzen Fähre. Die Überfahrt fand planmäßig statt. Von meinem Quartier bis zum Fähranleger von Berneray, einer kleinen Insel nördlich vor North Uist, war es doch ein bisschen länger zu fahren, als ich gedacht hatte, noch dazu im Nieselregen. Hier gibt es Straßen, von denen man sich gar nicht vorstellen kann, dass die irgendwo hin führen, so klein und schmal und gewunden. Und doch sind das Hauptstraßen und am Ende der Straße legt die Fähre ab. Bei Caledonian MacBrayne muss man immer mindestens 20 Minuten vor der Abfahrt am Anleger sein, sonst verliert man den reservierten Platz und die freien Plätze werden eventuell an andere Fahrgäste ohne Reservierung vergeben. Zu spät kommen kann also zu echten Schwierigkeiten führen. Am Fähranleger hatte ich ne gute dreiviertel Stunde Zeit bis die Fähre ablegen sollte. Die anderen Fähranleger, wo ich bisher hier auf den Western Isles war, waren ziemlich schön, zum Teil mit Kaffeebud und Picknickplatz oder großem, modernen Warteraum. In Berneray war’s aber eher traurig. Kein Kaffee und nur ne ziemlich gammelige Bude. Nicht mal ein Mitarbeiter von CalMac, der hier Dienst tat. Ich bin ausgestiegen und ein bisschen über die Mole spaziert, um die Einfahrt der MV Loch Bhrusda zu fotografieren. Man konnte das kleine Schiff schon von weitem über den Sound of Harris, das felsen- und inselübersäte Seegebiet zwischen Harris und Berneray kommen sehen. Was man auch kommen sehen konnte, das war das schlechte Wetter, aber dessen Geschwindigkeit habe ich deutlich unterschätzt. Grade als das Schiff einlief, stand ich plötzlich im Regen und wurde auf dem eiligen Schrittes angetretenen Rückweg zum Fiat s***nass.
Vor dem Verladen scannte einer der Jungs von der Schiffsbesatzung in neongelber CalMac-Regenjacke die QR-Codes der Tickets ein und fuhren wir auf’s Schiff. Ne gute Stunde dauerte die Überfahrt. In Berneray hatte sich das Wetter schon wieder beruhigt, so dass auf den ersten zwei Dritteln der Fahrt noch ein bisschen Birdwatching möglich war, und die eine oder andere Kegelrobbe hob ebenfalls in der Ferne den Kopf aus dem Wasser. Harris lag allerdings unter einer dicken Wolke, wie man im ersten Bild sieht und bei der Einfahrt nach Leverburgh – sieht man im zweiten Bild – war’s schon wieder knackig am regnen. Ich kann jetzt auch nachvollziehen, warum bei Nebel nicht gefahren wird. Der Kurs zwischen Berneray und Leverburgh zackt wild zwischen Felsen und Bojen hin. Da muss der Kapitän schon kucken können.
Bis Tarbert war die Landschaft auf Lewis and Harris zwar neu für mich, aber viel hatte ich im Regen, Nebel, Niesel und wieder Regen nicht davon. Bei trockenem Wetter ist es bestimmt echt schön. Es gab ein paar Ausblicke, die die Landschaft zumindest durch den Dunst erahnen ließen.
Ein paar Meilen vor Stornoway, bin ich links abgebogen, weil es in der Gegend um Callanish mehrere Steinkreise und einen Broch gibt. Der erste Steinkreis, den ich ansteuern wollte, befindet sich am Nordende der „Bridge over the Atlantic“. Das hört sich grandioser an als es ist. Ist nämlich nur ne einspurige Brücke, die auf einer Länge von vielleicht 100 Metern den Meeresarm zwischen Lewis and Harris und Great Bernera überquert. Dort angekommen war der Fiat der Meinung mir sagen zu müssen, dass er sehr bald betankt werden wollte. Jetzt sind Tankanzeigen ja ne Sache von Erfahrung und in einem Mietwagen, den ich nicht kannte, wollte ich es nicht drauf ankommen lassen, dass ich irgendwo stehen bleiben würde, noch dazu bei dem Wetter. Angesichts des Regens habe ich den kleinen Steinkreis an der Brücke, für den ich noch ein bisschen durchs Gelände hätte spazieren müssen, ausfallen lassen, und habe mich auf den Rückweg nach Stornoway gemacht. Das Wetter war auch wirklich nicht mehr zum Sightseeing zu gebrauchen und so konnte ich es verschmerzen, dass der große Steinkreis von Callanish und der Dun Carloway Broch ausgefallen sind.
Trocken gefahren habe ich am Ende nicht, aber erinnert Ihr Euch, was ich gestern zur Sonntagsruhe auf Lewis and Harris erzählt habe? Ich komme an die dicke Tankstelle im Zentrum von Stornoway und… „Sunday closed“. Eine kurze Frage an Google Maps sagte mir zwar, dass die Tankstelle an der Straße zum Flugplatz, nur drei Fahrminuten entfernt, geöffnet sei, aber „Schließt bald!“ nämlich um 16:00 Uhr. Da waren es kurz nach halb vier. Ich habe den Fiat also vollgetankt und mir überlegt, wie’s bei schönem Wetter und ein bisschen mehr Sprit im Tank gelaufen wäre. Dann hätte ich zwar mehr Sightseeing hingekriegt, aber erst morgen früh Tanken können. Das wäre ein bisschen doof geworden, denn ich muss schon um halb acht am Flugplatz sein.
Alles in allem also war’s mit Lewis and Harris und mir ausbaufähig. Ich glaube ich muss nochmal auf die Äußeren Hebriden kommen. Dann aber mit ein bisschen mehr Zeit.
Ich habe wieder ein sehr schönes Hotel im Stil ähnlich wie das in Castlebay. Ich wohne hier in Stornoway nämlich nicht im gleichen Quartier wie letzte Woche.
Zum Ausklang der Tour über die Western Isles gab es heute Abend ein schönes Abendessen hier im Hotelrestaurant. Und jetzt muss ich noch ein bisschen packen, damit ich das nicht alles morgen früh erledigen muss. Der Wecker steht auf 6:15 Uhr. Sowas liebe ich ja gar nicht.
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