15. August 2026

Die mittleren Inseln der Äußeren Hebriden, nach den beiden größten auch die Uists genannt, habe ich mir heute ziemlich ausführlich angekuckt. Im Gegensatz zu vorgestern gab es auch heute keine Probleme mit der Fähre und so hatte ich genug Zeit für die Inseln. 
Nach dem Frühstück und dem Auschecken aus meinem schönen Hotel habe ich in der strahlenden Morgensonne an der Castleybay ein paar Fotos vom Castle, von der Bay und von Castlebay gemacht… *lach… Eines davon ist das erste Bild des Tages. Es gibt also doch noch mal ein Bild von ner Burg auf ner Insel, aber die Ansicht finde ich einfach zu schön, um sie hier nicht zu zeigen.
Zum Auftakt des Tagesprogramms bin ich zuerst einmal über den Damm nach Vatersay rüber gefahren. Das sind nur etwas mehr als zwei Meilen. Vatersay ist eine kleinere Insel noch südlich von Barra, und die südlichste bewohnte Insel der Western Isles. Groß was ansehen wollte ich aber nicht. Es ging mir nur darum, da gewesen zu sein und mir die Gegend anzukucken.
Anschließend habe ich mich auf den Weg zum Fähranleger in Ardmhor gemacht, wie gestern angekündigt im Uhrzeigersinn auf der A888 und mit zwei kurzen Stopps. Den einen wieder an der Allasdale Bay mit Blick auf den tiefblauen Atlantik unter weiß-blauem Himmel, und den anderen am Flugplatz von Barra, um zu sehen wie’s da kurz nach dem höchsten Stand der Flut aussieht. Man kann es kaum glauben, aber der komplette Landeplatz ist dann Meer.
Die Fährüberfahrt nach Eriskay fand heute bei besserem Wetter statt als gestern. Vor dem Verladen habe ich ein bisschen das Treiben am Fährterminal beobachtet. Fährterminal klingt sehr hochtrabend und wie Calais, Dover oder Portsmouth. In Ardmhor ist es ein Holzhaus mit Warteraum, Toiletten und einer Kaffeebud, wo ich mir noch nen Cappuccino vor der Überfahrt gegönnt habe. Während des Wartens hab ich mich gefragt, was der Mitarbeiter der Royal Mail am Fähranleger tat, denn ein Postauto hatte ich in der Warteschlange nicht gesehen. Als die Fähre ankam, wusste ich worum es ging. Die Verladerampe klappte runter, direkt an der vordersten Position parkte ein rotes Postauto, der Royal Mail-Mitarbeiter ging an Bord und fuhr mit dem Postauto von der Fähre und in Richtung Inselinneres. Clever gelöst. So ein Postauto kann ja auch alleine Fähre fahren, da muss kein Mitarbeiter mit auf’s Schiff. Man braucht nur am anderen Ende jemanden, der das Auto abholt.
Um kurz vor 12 waren wir in Eriskay und jetzt hatte ich alle Zeit der Welt, denn vom Fähranleger bis zu meinem Quartier auf North Uist sind es nur knapp 40 Meilen. Ich konnte also in Ruhe immer wieder mal anhalten. Einen Stopp habe ich an einer modernen Kirche gemacht, die mir schon auf dem Hinweg aufgefallen war. Aufgefallen waren mir auch gestern immer wieder Heiligenhäuschen am Straßenrand, nicht ganz unähnlich der Behausung der Erftmadonna in Kreuzweingarten. Hallo? Ich bin hier in Schottland, Hochburg der Reformation von der strengen Observanz? Ich habe mich also gestern ein bisschen eingelesen. „Religion in the Outer Hebrides“ ist sogar ein eigener Artikel in Wikipedia. Religionszugehörigkeit stellt sich hier folgendermaßen dar: die südlichen Inseln South Uist, Eriskay, Barra und Vatersay sind mit überwältigender Mehrheit katholisch. Barra wurde früher sogar mal „die Insel, die die Reformation nicht erreicht hat“ genannt. Daher im Süden also die großen katholischen Kirchen, die große Statue ‚Our Lady of the Isles‘ und die Heiligenhäuschen, die vornehmlich Marienstatuen enthalten. Auf Benbecula und North Uist halten sich Katholiken und Protestanten ungefähr die Waage und auf Lewis and Harris ist die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung schottisch-presbyterianisch. Ein Viertel davon gehört zur Free Church of Scotland, strenggläubige Calvinisten, die unter anderem die Sonntagsruhe massiv hochhalten. So gibt es in Stornoway zum Beispiel erst seit 2002 Flug- und seit 2009 Fährverbindungen am Sonntag. Auch in Geschäften wird die Sonntagsruhe auf Lewis and Harris sehr streng gehandhabt. Hoffentlich finde ich morgen eine offene Tankstelle in Stornoway.
Auf der Fahrt nach Norden habe ich einen Abstecher zum Vogelschutzgebiet am Loch Druidibeg gemacht, wo ich das heutige Video des Tages aufgenommen habe. Die Landschaft ist dort krass beeindruckend, genau so, wie ich mir das auf den Äußeren Hebriden vorgestellt habe. In ornithologischer Hinsicht ist die Jahreszeit hier allerdings schon weit fortgeschritten. Die Natur beginnt sich auf den Herbst einzustellen. Nach dem Seeadler heute mittag (der insgesamt dritte der Tour) war die Sumpfohreule, die in der Ferne über die heidekrautbewachsenen Hügel des Vogelschutzgebietes gaukelte, das einzige Highlight und ich hatte mich schon damit abgefunden, dass es nicht mehr besser werden würde.
In Benbecula habe ich einen kurzen Umweg zum Flugplatz gemacht, was aber eher traurig war. Der ganze Ort wirkt wie eine Neubausiedlung aus den 1960ern, was er wahrscheinlich auch ist, denn Benbecula war mal eine Basis der Royal Air Force. Das Flugplatzgebäude war sogar verschlossen.
Da ich noch einiges an Zeit übrig hatte, bin ich an meinem Hotel - in der Karte mit der roten Markierung kenntlich gemacht – vorbei gefahren und habe noch eine ausgedehnte Rundfahrt über North Uist gemacht. Die brachte dann endlich ein paar ornithologische Highlights. Unter anderem habe ich zwei Kornweihen, drei Kolkraben und auf einen Schlag sogar fünf Schottische Moorschneehühner gesehen. Das war mir das zweite Bild des Tages wert. Ich hatte bisher erst einmal ein Schottisches Moorschneehuhn gesehen, nämlich 2015 auf den Shetlandinseln. Jetzt gleich fünf auf einen Streich. Die Kornweihen konnte ich leider nicht fotografieren, da der Fiat bei den beiden Begegnungen gerade in Bewegung war und jede Sichtung nur ein paar Sekunden gedauert hat.
Morgen habe ich einen gemütlichen Vormittag. Die Fähre von Berneray nach Leverburgh fährt erst um halb zwölf. Da kann ich es ein bisschen ruhiger angehen lassen. Dafür muss ich sowohl am Montag als auch am Dienstag früh raus, denn beide Flüge, der von Stornoway nach Glasgow und der von Glasgow nach Amsterdam starten früh. Da kann ich morgen früh ruhig ein bisschen mehr Sonntagsruhe halten.

 

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