14. August 2026
Manchmal muss man auch mutig Dinge probieren. Als meine Herbergsmutter im Orasay Inn auf South Uist mir heute morgen die Frühstücksoptionen aufgezählt hatte, habe ich mich tollkühn für „smoked haddock with poached eggs“ entschieden, geräucherter Schellfisch mit pochierten Eiern. Der Fisch war wohl in Milch gekocht und schmeckte dadurch kaum salzig und rauchig. Mit den beiden Eiern dazu ein Hochproteinfrühstück… *lach…
Nach dem ganzen Brasel gestern lief heute alles wie am Schnürchen. Die Fahrt vom Norden von South Uist, wo mein Quartier lag bis nach Eriskay dauert ungefähr ne Stunde. Ich muss an dieser Stelle vielleicht noch mal kurz ein bisschen über die Geographie der Äußeren Hebriden erzählen. Von Norden nach Süden sind die wichtigsten und größten Inseln: Lewis and Harris (mit dem Hauptort Stornoway), North Uist, Benbecula (mit dem gleichnamigen Hauptort), South Uist und Barra (mit dem Hauptort Castlebay, wo ich heute wohne). Wenn man die Äußeren Hebriden von Nord nach Süd durchfährt (so wie ich), dann muss man nur zwischen Harris and Lewis und North Uist, sowie zwischen Eriskay (eine kleinere Insel vor der Südspitze von South Uist) und Barra mit der Fähre fahren. Alles andere an Wasser wird durch Dämme und Brücken überquert, also zum Beispiel von South Uist nach Eriskay, oder von North Uist nach Benbecula. Ich bin gestern schon über viele dieser Straßen auf Dämmen gefahren, aber hatte weder Zeit noch Ruhe, das genauer in Augenschein zu nehmen. Das mache ich morgen, wenn es wieder in Richtung Norden geht, und dann erzähle ich Euch dazu mehr.
Wenn jetzt jemand ob der ganzen Namen verwirrt ist, dann seid getröstet. Ich hab auch etwas gebraucht da durchzublicken. Und was noch viel schwieriger ist: Gälisch ist offensichtlich die erste Sprache hier auf den Inseln. Alle Straßen- und Hinweisschilder sind in dicker gälischer Schrift beschriftet und erst darunter und kleiner kommt Englisch. Was es aber in der Regel auch nicht viel besser macht, denn oft handelt es sich bei dem englischen Wort nur um eine Ein-Englischung des gälischen Ortsnamens.
Von Eriskay bin ich mit der Fähre nach Ardmhor auf der Insel Barra übergesetzt. Im Gegensatz zu dem großen Schiff gestern ist die Fähre zwischen Eriskay und Barra klein. Trotzdem hab ich ihr heute das erste Bild des Tages gegeben. Ne Stunde ungefähr dauert die Überfahrt. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich schon alles an Wetter erlebt, was Schottland zu bieten hat, mit Ausnahme von Schnee und Eis.
Vom Fähranleger bin ich – wie konnte es anders sein – erst mal zum Strandflugplatz von Barra gefahren. Vor drei Tagen bin ich hier hin geflogen, heute wollte ich mir das alles mal vom Boden ansehen. Dafür war auch heute der perfekte Tag, denn insgesamt kamen heute drei Flüge aus Glasgow hier an, der erste davon nur ne halbe Stunde nachdem ich von der Fähre runtergefahren bin. Barra ist ne ziemlich kleine Insel und – man mag es kaum glauben – der Flugplatz am Strand ist eine der Haupttouristenattraktionen hier. Der Parkplatz dort ist immer voll, es gibt ein Café/Restaurant und Picknicktische und – da es ja ein Flugplatz mit regulärer Passagierabfertigung ist - es gibt auch anständige Klos. Das ist hier auf den dünn besiedelten Western Isles, wie die Äußeren Hebriden auch genannt werden, nicht selbstverständlich.
Dass hier nicht viele Menschen wohnen, das merkt man auch an den Leuten. Hier auf den südlichen Inseln wird jedes entgegenkommende Auto gegrüßt, selbst auf den zweispurigen Passagen (auf dem Festland grüßt man sich an den Passing Places der Single Track Roads). Und auch wenn es hier nicht so viele Menschen gibt, ist die Landschaft doch ziemlich besiedelt. Hier ein Haus, da ein Bauernhof, dort wieder ein paar Häuser… und Strommasten gibt es… keine Ahnung wo die alle hinführen, aber gerade auf South Uist habe ich gedacht, dass es echt sehr viele Stromleitungen gibt, die über die Insel führen.
Nachdem die Loganair Twin Otter wieder nach Glasgow gestartet war, hab ich mich an die Inselerkundung von Barra gemacht. Da wo die Stichstraße zum Flugplatz und zum nördlichen Fährhafen auf die „Haupt“straße trifft, muss man sich entscheiden. Nehm ich die A888 nach Castlebay links rum oder rechts rum? Beide Strecken dauern ungefähr 25 Minuten. Wie schon gesagt, Barra ist klein.
Ich bin rechts rum gefahren, also gegen den Uhrzeigersinn. Die A888 ist fast durchgängig Single Track, aber hier auf Barra ist das kein Problem. Es gibt nur einen Bruchteil der Touristen, die einem auf Skye oder auf dem westlichen Teil des schottischen Festlands begegnen.
Nach ein paar Minuten hab ich an der Allasdale Bay ein Päuschen gemacht um das Panorama zu genießen und das Video des Tages aufzunehmen. Dabei entstand dann auch das zweite Foto des Tages. Schon sehr schön, oder?
Castlebay ist zwar der Hauptort von Barra, aber die Größe passt zur Größe der Insel. Es ist überschaubar. Ich hab mir beim Co-op mein Mittagspicknick zusammengestellt und auch schon mein Hotel direkt an der Hauptstraße gefunden. Castlebay liegt an einer kleinen Bucht und natürlich gibt’s in der Bucht auch ne Insel mit Castle. Sehr lustig. Wäre auch ein schönes Bild des Tages gewesen, aber ich habe schon so viele Castles auf Inseln gezeigt, da wollte ich doch lieber was anderes präsentieren. Castlebay ist auch der Ort, wo die dicke Fähre von Caledonian MacBrayne aus Oban vom schottischen Festland ankommt.
Nach dem Einkaufen habe ich die Fahrt um die Insel gegen den Uhrzeigersinn fortgesetzt, denn als Picknickplatz hatte ich mir – Ihr könnt’s Euch denken – den Flugplatz ausgesucht. Im Verlauf von einer dreiviertel Stunde kamen zwei Twin Otter von Loganair aus Glasgow an, und eine Aquila A210 mit deutscher Registrierung, ein kleines, einmotoriges und zweisitziges Propellerflugzeug. Als die beiden Insassen ausstiegen sah man, dass sie selbstaufblasende Schwimmwesten um den Hals hatten, so wie Hafenarbeiter. Ich glaube, das ist auch sehr sinnvoll, wenn man in so ner kleinen Mühle über’s Meer unterwegs ist. Ich kannte diesen Flugzeugtyp bis heute nicht und hatte mich schon gefragt, was man tut, wenn man da stundenlang drinsitzt und mal auf’s Klo muss. Aber ich habe eben ein bisschen nachgelesen und die Aquila A210 ist nur unwesentlich langsamer als eine Twin Otter und schafft zum Beispiel die Strecke von Glasgow nach Barra in unter anderthalb Stunden.
Für den Rückweg vom Flugplatz nach Castlebay zum Hotel habe ich die A888 IM Uhrzeigersinn benutzt und werde morgen auch im Uhrzeigersinn zum Fährhafen in Ardmhor fahren. Dann bin ich in jede Richtung einmal um die Insel gefahren.
In Castlebay habe ich noch einen kurzen Besuch in der katholischen Kirche gemacht, die hoch über dem Ort thront. Dazu werde ich morgen ein bisschen ausführlicher erzählen.
Mein Hotel hier in Castlebay ist richtig schön, noch mit dem Charme und Style eines alten englischen Hotels aber trotzdem modern. Mein Zimmer hat ein schickes neues Badezimmer und obwohl ich eines von den ‚kleinen‘ Einzelzimmern habe, mit Blick auf den Hang hinterm Haus, ist das Zimmer doch großzügig und man könnte auch locker ein Doppelbett hier reinstellen. Hier würde ich sofort wieder übernachten, wenn ich noch mal nach Barra komme.
Morgen fahre ich wieder in Richtung Norden und so langsam auch dem Ende meines diesjährigen Sommerabenteuers entgegen. Noch vier mal schlafen, dann soll es wieder nach Hause gehen.
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