4. August 2026
Ich bin heute eine der krassesten Straßen gefahren, auf denen ich auf meinen Touren bisher je unterwegs gewesen bin. Und - auf die Gefahr hin, ein Angeber zu sein - das will schon was heißen. Die B869 ist eine Single Track Road, die sich hier durch die westlichen Highlands windet. Ich hab sie Euch auf der Karte markiert. Single Track Road bedeutet, dass es nur eine Fahrspur gibt und Ausweichstellen, sogenannte Passing Places, wo man entgegenkommenden Verkehr vorbeilassen kann oder auch schnellere Autos hinter einem überholen lassen kann. In der Regel sind die Passing Places aber nur kleine Haltebuchten, so dass man hier nicht schnell an einander vorbeirauscht, sondern in der Regel bleibt einer stehen, oder man passiert sich im Schritttempo. Da heißt es dann vorausschauend fahren, damit man nachher nicht auf der einspurigen Straße vis-à-vis steht und einer zurücksetzen muss.
Die Strecke vom Abzweig bei Newton (hinter Kylesku) bis zur Einmündung auf die A837 bei Lochinver ist 22 Meilen lang und wird von Google Maps mit einer Fahrdauer von über einer Stunde angegeben. Ihr merkt, sogar Google weiß, dass man nicht gut aus den Füßen kommt auf solchen Straßen. Ich hatte einen Heidenspaß bei der ganzen Sache. Entsprechend hab ich ein Panorama-Foto mit einem Abschnitt der Straße zum ersten Bild des Tages erkoren. Der Blick geht in die Richtung, aus der ich gekommen bin. Das Gefälle, das man in der Ferne sieht, hat 25%. Was man sich kaum vorstellen kann: hier leben auch Leute. Das Bild zeigt einen einsamen Streckenabschnitt, aber die 22 Meilen Strecke verlaufen an mehreren Weilern und Gehöften vorbei und Campingplätze gibt es auch etliche.
Was man im Bild auch erkennt, das ist das Wetter. Das war heute nämlich genau so, wie man sich schottisches Wetter vorstellt: Regen, Nebel, kräftiger Wind. Es hatte schon die ganze Nacht in Balnakeil auf das Dach meines Ferienhauses gepläästert. Ich habe also die Checkout-Zeit von 10:00 Uhr bis auf eine Viertelstunde voll ausgenutzt. Dann wurde der Peugeot beladen und es ging auf Strecke. Die Landschaft hier im Westen von Nordschottland ist schon ziemlich dramatisch. Diejenigen von Euch, die meine Social Media-Posts verfolgen, haben dazu schon ein bisschen gesehen an Bildern und Videos. Der erste Teil der heutigen Strecke war noch Single Track, aber ab Rhiconich war’s ne normale Landstraße. Die Idee, über die B869 zu fahren kam mir ziemlich spontan, weil ich gut in der Zeit lag… war ne gute Entscheidung, in Newton einfach mal rechts abzubiegen.
Am Ardvreck Castle habe ich nen kurzen Stopp gemacht und ein bisschen fotografiert, unter anderem für das zweite Bild des Tages. Aber wirklich nur ein bisschen. Der Wind war schon heftig und enthielt viele Wassertropfen. Deshalb hab ich den Mittagsimbiss auch im Innenraum des Peugeots eingenommen. Zum Glück unfallfrei. Nein. Nicht während des Fahrens. Was denkt Ihr denn? Unfallfrei heißt, ich hab mich nicht mit dem Hummus bekleckert, den ich noch von gestern dabei hatte.
Die Weiterfahrt nach Ullapool ging durch eindrucksvolle schottische Landschaft und durch anhaltenden schottischen Regen. Ullapool ist ein schönes Städtchen, aber leider hat die zur Verfügung stehende Reisezeit nicht gereicht, hier noch eine Übernachtung einzubauen. Ich weiß aber, dass bei meiner ersten Schottlandreise im Sommer 1981 mit der Oma mindestens eine Übernachtung in Ullapool war.
In Ullapool hat der Peugeot neuen Sprit bekommen. Der Tank war zwar noch zu nem Viertel voll, aber übermorgen geht’s rüber nach Skye und da wollte ich nen möglichst vollen Tank haben. Man muss sowieso ein bisschen kucken, dass man hier in diesen dünn besiedelten Gegenden nicht zu knapp fährt. Was ich in Ullapool auch bekommen habe, das war ne E-Mail, dass meine Whale Watching Tour für morgen vom Veranstalter abgesagt worden ist. Die Wettervorhersage ist zu schlecht. So’n Mist. Ich werde morgen früh mal bei denen anrufen und fragen, ob die Möglichkeit besteht, am Donnerstagmorgen noch ne Tour zu machen. Auf jeden Fall habe ich jetzt morgen nen ganz relaxten Tag.
Von Ullapool aus war’s noch mal ne ganze Ecke zu fahren bis nach Gairloch, wo ich für die nächsten beiden Nächte in einem kleinen B&B wohne. Das hat nur zwei Zimmer. Mein Zimmer ist schön groß und hat nur den kleinen Nachteil, dass das Bad auf’m Flur ist. Aber es ist mein eigenes Bad, das ich nicht mit jemandem teilen muss.
Der Regen hat den Rest des Tages nicht mehr aufgehört. Bin mal gespannt, wie das Wetter morgen wird. Zum Glück ist es nicht richtig kalt. Immer noch so zwischen 15 und 17 Grad. Die Strecke heute war übrigens rund 150 Meilen lang, die bisher längste der Tour.
Ich hoffe übrigens, dass Ihr nicht denkt, „Das sieht da alles gleich aus“. Die Bilder des Tages ähneln sich ja manchmal schon ein bisschen. Die Landschaft hier ist echt grandios, und ich finde, man kann sie auch nicht wirklich mit anderen Gegenden vergleichen, nicht mit Norwegen und auch nicht mit den Atlantischen Provinzen Kanadas oder mit Neufundland. Leider lässt sich das Panorama aber nur schwer mit Bildern rüber bringen.
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