3. August 2026

Hmmmmm… den heutigen Tag hatte ich mir ein bisschen anders vorgestellt. Vor allem war ich nicht davon ausgegangen, dass die Fahrt so flott gehen würde. Immerhin hatte ich heute wieder über neunzig Meilen zu fahren… was ja eigentlich ne lächerliche Distanz ist.
Nach dem Frühstück habe ich meinen Kram in den Peugeot verladen und dann ging’s los. Ich hab meinen Fahrstil ein bisschen den Einheimischen angepasst. Man wird hier sonst echt zum Hindernis. Wenn man vor sich auf der Straße jemanden mit 35 Meilen hat wo 60 erlaubt sind, dann ist das mit ziemlicher Sicherheit ein Tourist. Ich hab also den Peugeot heute mal ein bisschen laufen lassen, wo das möglich war.
Die Fahrt führte erst über die gleiche Strecke, auf der ich gestern zurück nach Wick gefahren bin, nämlich über die A882 und die A9 nach Thurso. A-Straßen in Großbritannien entsprechen eigentlich (!) dem, was man bei uns unter ner Bundesstraße oder gut ausgebauten Landstraße versteht. Eigentlich. In Schottland ist das ein bisschen anders.
In Thurso habe ich nen Schlenker zum Tesco gemacht um noch ein paar Vorräte einzukaufen, denn ich hatte damit gerechnet, dass Verpflegung im äußersten Nordwesten Schottlands nicht ganz so einfach sein würde. Dazu erzähle ich später mehr.
Mein erster Besichtigungsstopp heute war am Achvarasdal Broch. Die Namen hier sind echt der Hammer… *lach… Als Broch bezeichnet man hier in Schottland eisenzeitliche Wehrtürme, deren erste Exemplare aus dem dritten Jahrhundert v.Chr. stammen. Manche Brochs sind noch ziemlich gut erhalten, andere sind nur mehr Erdhügel. Der Achvarasdale Broch besteht noch aus einem rund zwei Meter hohen Rest der runden Mauer. Ihn zu finden war allerdings nicht ganz so einfach, denn er liegt mitten im Wald. Dadurch war er leider auch nicht besonders fotogen. Brombeeren rankten sich in den Zugang, aber da ich es schon bis dorthin geschafft hatte, habe ich mich auch durch die Dornen gekämpft. (Wer mich und den Hof meines Hauses auf der Karlstraße in Euskirchen kennt, der weiß, dass Brombeeren mein Herzensgegner sind.)
Auf dem weiteren Weg nach Westen habe ich die Grenze zwischen der Grafschaft Caithness und der Grafschaft Sutherland überquert. Es war als hätte man einen Schalter umgelegt. Gradezu plötzlich wurde die Landschaft wilder, es wurde erst hügliger und dann sogar bergiger, und es gab viel weniger Ortschaften. Ab Tongue hatte ich auf jeden Fall den Eindruck, jetzt aber wirklich im hintersten Winkel Schottlands angekommen zu sein. Was in gewisser Weise ja auch stimmte. Von wegen A-Straße gleich Landstraße. Einen nicht unerheblichen Teil der Strecke bin ich auf Single-Track-Roads gefahren. Die Ausweichstellen sind aber zum Glück zahlreich, denn man hat doch immer wieder Gegenverkehr. Kurz vor Laid ist mir sogar ein Reisebus entgegengekommen.
Die Landschaft hier im Nordwesten ist das, was ich ich als typisch schottisch beschreiben würde. Berge und Täler und Bäche und Seen und Meeresbuchten, Heidekraut, Stechginster, ab und zu mal ein kleines Wäldchen. Wie aus dem Bilderbuch. Und einsam ist es. Das erste Bild des Tages gibt einen kleinen Eindruck. Das Foto habe ich am Ostufer des Loch Eriboll gemacht. Links im Bild seht Ihr die Straße.
Ich war davon ausgegangen, dass das Endziel meiner heutigen Tagesetappe, Durness bzw. Balnakeil eine ähnlich einsame Gegend ist. Aber weit gefehlt. Als ich bei Sangobeg quasi auf die Zielgeraden einbog, gab es plötzlich wieder Häuser und Dörfer und Campingplätze. Es ist also offensichtlich hier oben ein echter Touri-Hotspot. An der Balnakeil Church habe ich noch nicht mal sofort nen Parkplatz bekommen und auf dem Campingplatz von Durness steht ein Wohnmobil am anderen.
Da ich erst ab 16:00h in mein Quartier in Balnakeil konnte, habe erst noch ein bisschen Sightseeing gemacht. Die Balnakeil Church ist nur eine Ruine mit drumherum liegendem Friedhof, wie man es hier in Schottland oft findet. Nicht wirklich der Rede wert. Lustiger fand ich da schon die Schafe, die sich auf der anderen Straßenseite an der Mauer in den Windschatten gelegt hatten. Die haben das zweite Bild des Tages bekommen. Wurde auch Zeit, denn Schafe gehören ja auf jeden Fall zu Schottland. 
Am Durness Beach habe ich lange oben auf den Dünen und Klippen gestanden und den Wellen des Atlantiks zu gesehen. Schon sehr beeindruckend und das Meer ist hier gar nicht mehr so friedlich, wie es gestern am Dunnet Head oder am Duncansby Head war. Einige unentwegte Surfer waren trotzdem im Wasser und auch zwei unerschrockene Schwimmer.
Ich hatte schon auf Google Maps gesehen, dass Möglichkeiten zum Abendessen hier in Durness nicht dicht gesät sind. Da ich hier wieder ein kleines Ferienhaus mit vollständiger Küche habe, hab ich mich für heute Abend zur Selbstversorgung entschieden. Richtig kochen wollte ich aber nicht, denn das ist auf dieser Tour heute meine letzte Nacht in einer Ferienwohnung mit Küche und zum richtig kochen braucht man halt Zutaten, die ich heute gar nicht alle hätte verwenden können, zum Beispiel ne Packung Nudeln. Ich hab mir also im Spar von Durness ein Fertiggericht, Nudeln mit Tomaten-Mozarella-Soße, ausgesucht. Das kam hier im Quartier in die Mikrowelle und war mit etwas zusätzlichem Salz und Pfeffer auch ganz genießbar.
Mein Ferienhaus ist echt schön. Klein aber fein. Genau das was ich brauche. Hier könnte ich es auch zwei, drei Tage aushalten, wenn denn hier in der Gegend mehr zu tun für mich wäre. Okay, ich könnte ein bisschen wandern gehen. Vielleicht gäb’s auch noch ein paar Vögel zu finden. Immerhin habe ich heute einen Seeadler über die Dünen fliegen gesehen. Aber wie’s halt so ist, morgen ziehe ich schon wieder weiter. Die bisher längste Strecke der Tour steht an, über 120 Meilen… krass… *lach… 

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