2. August 2026

Sonntagabend… irgendwie ist Wick nicht der beste Ort, um abends was essen zu gehen. Gestern hatte ich mir schon ganz klassisch Fish and Chips im Chippy am Hafen geholt. Jetzt sitze ich im "Lucky 888" und warte drauf, dass mein chinesisches Essen zum Mitnehmen fertig wird. Ist ja jetzt auch nicht das schlechteste, vor allem da ich ja mit meiner eigenen Küche versehen bin und nicht nachher die Abfälle in einem zu kleinen Mülleimer im Hotelzimmer versenken muss.
Der Tag heute begann sehr gemütlich. Ich hab den Wecker nicht gestellt und in aller Ruhe gefrühstückt. Schließlich musste ich heute nicht den Peugeot beladen und zum nächsten Ziel fahren. Heute stand die Erkundung der nordöstlichsten Spitze von Schottland an.
Mein erstes Ziel war der Leuchtturm am Duncansby Head. Der Leuchtturm gehört zu den sogenannten Stevenson Lighthouses. Die Familie Stevenson brachte eine ganze Reihe von Ingenieuren hervor, die im 19. und frühen 20. Jahrhundert rund um die britischen Inseln Leuchttürme konstruierten.

So, das Abendessen ist gegessen. War sogar echt gut… jetzt geht’s weiter mit dem Logbuch… Wo war ich? Ah ja… bei den Stevenson Lighthouses und den Lighthouse Stevensons. Also, die Stevensons sind eine Dynastie von Leuchtturmkonstrukteuren. Einer hat allerdings eine andere Laufbahn eingeschlagen. Robert Louis Stevenson wurde Schriftsteller und verfasste unter anderem die Romane „Die Schatzinsel“ und „Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde.“
Das Wetter war heute kaiserlich. Die Nordsee war fast spiegelglatt und die Sonne lachte aus einem weitgehend wolkenfreien Himmel. Wenn man oben am Duncansby Head Lighthouse stand, dann schienen die Orkney-Inseln zum Greifen nah. Da wurden heute viele Erinnerungen wach an mein Sommerabenteuer 2015, als ich mir die Orkney- und die Shetland-Inseln ausführlich angesehen habe. Vogelbeobachtung gab es heute auch. Zwar ist es schon relativ spät im Jahr und die Alken sind schon wieder raus auf’s Meer. Nur vereinzelt sieht man hier an der schottischen Nordküste jetzt noch einen Papageitaucher. Aber die Eissturmvögel sind noch mit der Aufzucht ihrer Jungen beschäftigt. Ich bin ja ein großer Fan von Eissturmvögeln und anderen Röhrennasen. Entsprechend habe ich heute einem Eissturmvogel das erste Bild des Tages gegeben. Darüber hinaus waren aber am Duncansby Head heute auch noch Mantelmöwen, Silbermöwen, Sturmmöwen, Dreizehenmöwen, Krähenscharben sowie zwei Skuas zu sehen. Das Birdwatching war also ziemlich erfolgreich.
Traditionell gilt John O'Groats als das Ende der Straße und die Nordspitze Großbritanniens, aber wirklich korrekt ist das nicht. Nichtsdestotrotz gibt es hier den großen Touristenhype. Ein großer Parkplatz, Andenkenläden, Cafés, Imbissbuden, und natürlich der John O’Groats Signpost, ein Hinweisschild, wo man sich fotografiert oder fotografieren lässt. Hab ich natürlich auch gemacht. Manchmal muss man sowas auch mitmachen.
Mein nächster Stopp war am Dunnet Head. Auch hier gibt es ein Stevenson Lighthouse und Möglichkeiten zur Vogelbeobachtung. Da wollte ich mal kucken fahren, tja, und dann stand da auch noch ein Schild, dass Dunnet Head der nördlichste Punkt der Insel Großbritannien ist. Dann bin ich jetzt ungeplant auch an diesem Ort gewesen… *lach… Hier war ich zwar auch nicht alleine, aber es war weniger Betrieb als am Duncansby Head. Eine sanfte Brise wehte oben über die Klippen, die Seevögel zogen ihre Bahnen und der Blick geht rüber nach Hoy, der westlichsten der Orkney-Inseln. Ich habe gerade mal ein bisschen nachgelesen. Der Dunnet Head markiert nicht nur die Nordspitze Großbritanniens. Die Linie von Dunnet Head zum Leuchtturm an der Südwestspitze von Hoy (kann man leider im Bild nicht sehen) ist auch die von der Internationalen Hydrographischen Organisation festgelegte Grenze zwischen Nordsee und Atlantik. Das Wasser im linken Teil des Bildes gehört also schon zum Atlantischen Ozean.
Vom Dunnet Head ging die heutige Tour weiter nach Thurso. Das ist die zweite halbwegs größere Stadt hier in Caithness nach Wick, wobei Wick schon nur ein bisschen größer ist als Münstereifel. Alles nicht so große Ortschaften hier. Insgesamt ist Caithness aber recht dicht besiedelt. Überall sind kleine Dörfer, Weiler und einzelne Bauernhöfe zu sehen. Es ist hier bei weitem nicht so wild wie weiter südlich. Die Gegend ist auch eher flach, quasi eine Hochebene, die aber aus dem Meer aufragt und von Klippen umgeben ist.
In Thurso habe ich mich nicht besonders lange aufgehalten. Ich bin zum North Sea Pier gefahren, habe ein bisschen auf’s Meer und die Eiderenten gekuckt und dann war es auch schon Zeit für die Heimfahrt, auf gradem Weg zurück nach Wick. Dabei bin ich auch durch Watten gekommen, wo wir 1984 den Familienurlaub verbracht haben. Leider liegt in der Karte genau an der Stelle die Kilometerangabe.
Auf der Heimfahrt ist mir aufgefallen, dass die Leute in Caithness sehr sportlich Auto fahren. Das kannte ich bisher von den Schotten nicht. Hier in Caithness fahren alle immer schnell und überholen… man fühlt sich ein bisschen wie im Kreis Ahrweiler oder in Oberschwaben.
Morgen geht es in den äußersten Nordwesten Schottlands. Es bleibt spannend.

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