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Reiselogbuch - 2026 Schottland


24. Juli 2026

Es hat begonnen, mein Sommerabenteuer 2026, und ein bisschen abenteuerlich ist es schon... Ich sitze im Cornhill Inn, Pub/Restaurant/Quartier hier in Bonnybridge, 10 Meilen von Stirling entfernt. Das Zimmer ist sehr schön, das Restaurant sieht recht gut aus, nur die Gegend draußen hat nicht so wirklich Charme. Ne Dorfstraße, Mehrfamilienmietshäuser… nich so dolle. Andererseits mir auch egal… Ich bin ja nur für ne Nacht hier.
Mein Tag begann heute mit Wecken um halb sieben. Schon halbwegs zivilisiert, und ich musste nach meiner Geburtstagsparty gestern auch nicht mehr viel räumen. Die Klappstühle werden auch nach meiner Rückkehr noch im Arbeitszimmer stehen… *lach…
Zug nach D'dorf, Flug nach Amsterdam, Umsteigen, Flug nach Glasgow. Alles easy. Für die Strecke von Schiphol nach Abbotsinch braucht die 737-900 nur eine Stunde und fünfzehn Minuten. Per Flugzeug ist man echt flott in Schottland. 
Mein Mietwagen ist ein schicker blauer Peugeot. Aber was soll ich sagen? Zu viel Elektronik, zu viel Technik. Ständig piepst und blinkt es irgendwo und von intuitiver Bedienung keine Spur. Mal kucken, wie wir uns aneinander gewöhnen. Weit fahren musste ich allerdings heute nicht mehr. Knapp 30 Meilen sind es vom Flughafen zu meinem Quartier für diese Nacht. Aber es war schon alles dabei, Stadtverkehr, Landstraße, Autobahn. (Übrigens, hier regnet’s grade, wie ich bei einem Blick aus dem Fenster feststelle.) Die heutigen Strecken könnt Ihr auf den angehängten Karten nachvollziehen.
Zum Abendessen gab’s Fish and Chips, wahrscheinlich nicht zum letzten Mal auf dieser Reise. Aber mal kucken was sich da alles noch an schottischer Kulinarik bietet. Frühstück gibt es hier im Quartier morgen früh nicht, aber ich hab nen Wasserkocher im Zimmer und der Tesco ist nur die Straße runter, so dass ich problemlos nen Kaffee kochen und anschließend was kaufen kann für die Verpflegung morgen den Tag über.
Nach dem Abendessen habe ich erst mal nen Plan für das Programm morgen gemacht. Uiuiui… ganz schön voll… ich hoffe ich kriege alles hin. Ich muss gestehen, dass ich die Tour nur teilweise vorbereitet habe. Ich will auch einfach kucken, was noch so am Wegesrand liegt und wo mich das eine oder andere braune Sehenswürdigkeitshinweisschild hinführt. Den ersten Tipp habe ich schon heute am Ortseingang von Bonnybridge gesehen. Dazu morgen mehr. Ich habe gerade eben so ein bisschen überlegt und beschlossen, dass es jeden Tag zwei Fotos geben wird. Das mache ich ja sonst eher auf Touren mit einem konkreten naturkundlichen Schwerpunkt, aber ich hab so im Gefühl, dass die Attraktionsdichte hier so hoch ist, dass zwei Bilder gerechtfertigt sind. Heute gibt es allerdings nur eins, denn außer Fliegen und Fahren habe ich nicht viel gemacht. Das Bild des Tages ist ein Blick auf die schottische Landschaft ein paar Minuten bevor unser Flieger auf die Landebahn von Glasgow Abbotsinch rumpelte.
Vielleicht hat der eine oder die andere von Euch sich gefragt, was mich dieses Jahr nach Schottland führt. Ist ja gar keine Fernreise. Naja, die Entfernung finde ich ehrlich gesagt gar nicht wichtig. Spannende Touren sind entfernungsunabhängig, wie man zum Beispiel letztes Jahr bei meiner Reise durch Westfalen miterleben konnte. Oder auch meine Norwegen-Erkundung im Sommer 2022 war absolut hochkarätig. Okay, ich hatte durchaus eine Fernreise für diesen Sommer ins Auge gefasst, aber keine der Südamerika-Touren, die ich mir ausgekuckt hatte, passte terminlich in meine Pläne. Aber das heißt nicht, das Schottland zweite Wahl ist. Es stand schon lange auf der Liste für eine ausführliche Reise. Zum Teil werde ich dabei auch wieder auf meinen eigenen Spuren wandeln, denn ich war 1981 mit meiner Oma hier unterwegs, ein paar Jahre später waren wir mit der Familie hier, und ich habe außerdem 2015 eine ausführliche Reise auf die Orkney- und Shetlandinseln gemacht und dabei auch zwei Tage in Glasgow verbracht. Darüber hinaus gab es 2016 eine Reise durch die westlichen Highlands und zu den Inneren Hebriden mit meinen Eltern, und ich habe auch schon zwei Städtereisen nach Edinburgh gemacht. Schottland ist also für mich kein unbekanntes Pflaster und dennoch mache ich auf dieser Reise vieles zum ersten Mal. Was das alles sein wird, das erfahrt Ihr natürlich hier im Logbuch.

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25. Juli 2026

Mein erster Tag in Schottland und es war schon ein echter Kracher. Ein Glück, dass ich gestern abend schon das Programm für heute geplant hatte. So ganz spontan wäre das schwierig geworden, alles zu koordinieren. Ich glaube ich mach das jetzt jeden Tag. Für morgen steht auch schon alles.
Als ich gestern abend das Licht ausgemacht habe, regnete es in Bonnybridge und heute morgen hatte es immer noch nicht richtig aufgehört. Ich versuche mal, was davon nach Deutschland zu schicken.
Frühstück gab es in meinem Quartier in Bonnybridge nicht. Ich habe mir also mit Hilfe des Wasserkochers im Zimmer nen Kaffee gekocht und dann im Nieselregen den Sammy in den Peugeot verladen. Die Dorfstraße runter und einmal rechts abbiegen gibt es einen Tesco und so konnte ich ohne großen Aufwand ein bisschen Proviant einkaufen. Neben dem Tesco befindet sich ein „Greggs“. Ich hatte das Logo zwar schon oft in England gesehen, aber so richtig war mir nicht klar, was das war… bis heute. Das ist ne Bäckereikette und Kaffee gibt’s da auch. Nach dem dünnen Tütchenkaffee hab ich also noch nen richtigen Cappuccino zum Schokocroissant bekommen, und dann habe ich den Peugeot zum ersten Programmpunkt des Tages gelenkt, nur fünf Minuten entfernt. Den Hinweis darauf hab ich – wie berichtet - gestern am Ortseingang von Bonnybridge auf einem Schild gesehen. In Seabegs Wood, nur ein paar hundert Meter außerhalb von Bonnybridge kann man nämlich ein Stück des Antoninuswalls sehen.
Der Antoninuswall wurde von 142 bis 144 n.Chr. auf Befehl des Kaisers Antoninus Pius errichtet, rund 20 Jahre nach dem Bau des Hadrianswalls, den Antoninus’ Stiefvater Hadrian in Auftrag gegeben hatte. Im Gegensatz zum Hadrianswall war der Antoninuswall aber hauptsächlich eine Holz-Erde-Konstruktion und hatte nur wenige steinerne Elemente. Der Wall verband den Firth of Forth westlich von Edinburgh mit dem Firth of Clyde westlich von Glasgow, insgesamt eine Strecke von rund 65km, so ziemlich genau an der schmalsten Stelle von Großbritannien. Insgesamt war der Antoninuswall aber nur ungefähr 40 Jahre in Betrieb, bevor die Grenze wieder auf den Hadrianswall zurückverlegt wurde.
Als ich in Seabegs Wood ankam, war es immer noch leicht am regnen und ein fröhlicher Wind pfiff. Die beste Gelegenheit um mein USB-Mikrofon auszuprobieren, dass ich angeschafft habe um auch bei windigem Wetter verständliche Videos für meine Social Media-Auftritte zu machen. Hat auch wirklich super funktioniert. Ich bin ein bisschen spazieren gegangen und habe mir die Anlage angesehen. Kalt war’s nicht, halt nur feucht… aber mit Regenjacke alles kein Problem. Der Antoninuswall hat heute das erste Bild des Tages bekommen. Man erkennt in der Mitte den Wall, auf dem ich stehe. Rechts davon, auf der Nordseite, gab es noch einen Graben und links befand sich das römische Reich. Ein bisschen kann man im Bild auch das Wetter erkennen.
Vom Antoninuswall bin ich zu den Kelpies gefahren. Das sind zwei riesige Pferdeköpfe aus Metall, die als Kunstwerk direkt neben die Autobahn M9, die Edinburgh mit Stirling verbindet, gebaut worden sind. Kelpies sind in der schottischen Folklore formwandelnde Wassergeister, die oft in Pferdegestalt auftreten. Zu jedem größeren Gewässer in Schottland gibt es eine Kelpie-Sage. Die rund 30m Skulpturen, jede mit einem Gewicht von rund 300 Tonnen sind hier eine große Touristenattraktion mit Visitor Center, mehreren Parkplätzen und allem Brimborium. Ich muss allerdings gestehen, dass mich die beiden Pferdeköpfe nicht so wirklich überzeugt haben. Dazu trug wahrscheinlich auch der Lärm der Autobahn bei, sowie die Hochspannungsleitungen, die hinter den Kelpies vorbeilaufen.
Lange habe ich mich also nicht dort aufgehalten. Der nächste Programmpunkt war nur zwanzig Minuten entfernt. Das Battle of Bannockburn Visitor Centre dokumentiert die Schlacht am Bannockburn am 23. und 24. Juni 1314, in der die Truppen des schottischen Königs Robert the Bruce die Engländer Edwards II. besiegten. Die Schlacht beendete zwar nicht den schottisch-englischen Krieg, aber sie festigte Roberts Position soweit, dass der schottische Adel ihn als König definitiv anerkannte. Schottische Geschichte ist nicht unkompliziert und ich kenne mich da auch noch nicht gut aus…  Im Besucherzentrum wird die Geschichte der Schlacht sehr anschaulich im Rahmen einer einstündigen Präsentation erklärt, mit Kurzfilmen, einem Vortrag über den Verlauf der Schlacht an Hand einer Karte, Computeranimationen und Modellen der damals verwendeten Waffen. Sehr kurzweilig. Vom Schlachtfeld selbst ist heute nicht mehr viel zu sehen, nicht zuletzt, weil das damals eine sehr weitläufige Angelegenheit war, die sich ja auch noch über zwei Tage hinzog. Es gibt aber auch eine Außenanlage mit Blick auf einen Teil des Schlachtfeldes und einem großen Reiterstandbild von Robert Bruce, das Queen Lisbeth im Jahr 1964, zum 650. Jahrestag der Schlacht, enthüllte. Ich bin ein bisschen über’s Gelände spaziert und habe den Sonnenschein genossen. Genau. Nach dem Regen heute morgen und dem kleinen Schauer bei den Kelpies war der Himmel den Rest des Tages schön weiß-blau, mit mehr Blau als Weiß. Das war auch perfekt für mein Mittagspicknick.
Vom  Battle of Bannockburn Visitor Centre, das in den Außenbezirken von Stirling liegt, bin ich in die Stadt gefahren, denn ich wollte als nächstes zum Stirling Castle. Das war allerdings nicht ganz so einfach, wie ich es mir vorgestellt hatte, denn in Stirling war die Hölle los und noch dazu war der Parkplatz vor der Burg gesperrt. Ich bin ziemlich durch die Stadt gekurvt auf der Suche nach einem Plätzchen für den Peugeot und hatte schon fast aufgegeben als ich dann doch noch, nur ein, zwei Minuten vor meiner selbst gesetzten Deadline von 14:15 Uhr, eine Parklücke fand, die nicht eine halbe Stunde Fußweg zur Burg bedeutete.
Mein letzter Besuch in Stirling ist dieses Jahr zwölf Jahre her. 2014 war ich mit einigen Englischkolleginnen hier und es hat geregnet vom Himmel hoch. Heute strahlendstes Wetter. Und Heerscharen von Menschen. Neben mehreren Kreuzfahrerbussen, tummelten sich auch große Trupps Sprachschüler auf dem Gelände (ähnlich wie vergangenen Montag am Tower und am London Eye). Dazu kamen dann noch die regulären Touris, und ich. Die Anlage der Burg ist eigentlich sehr schön, wobei mich die rekonstruierten Inneneinrichtungen in den königlichen Gemächern aus dem 16. Jahrhundert ein bisschen irritiert haben. Am besten waren noch die Wehrgänge mit fantastischem Blick auf Stirling, den Forth, die Lowlands und die Highlands. Gegen vier war’s dann aber auch genug, denn bis zum letzten Programmpunkt war es über eine Stunde zu fahren. Schnellstraße, Autobahn, Landstraße, Dorfstraße… der Peugeot und ich lernen uns langsam kennen. Wumms hat er auf jeden Fall…
Der 28. Dezember 1879 war ein denkwürdiger Tag in der Geschichte Schottlands. Ein orkanartiger Sturm tobte über der Ostküste mit Windgeschwindigkeiten um die 110km/h. Kurz nach 19:00 Uhr fuhr der Schnellzug von Edinburgh-Waverley nach Dundee mit 75 Personen an Bord von Süden kommend in die gerade anderthalb Jahre zuvor für den Verkehr freigegebene Brücke. Die bis dahin versteckten Konstruktionsmängel der Brücke in Kombination mit der Windlast des Sturmes führten zur Katastrophe. Der 1000m lange Mittelteil der Brücke stürzte mit dem darauf fahrenden Zug in den Firth of Tay. Alle Insassen des Zuges kamen ums Leben. Die Katastrophe sorgte in Großbritannien und darüber hinaus für großes Aufsehen und inspirierte den schottland-affinen Theodor Fontane zu seiner bekannten Ballade „Die Brück’ am Tay“, die schon zwei Wochen nach dem Unglück veröffentlicht wurde. Dieses Gedicht hat mich schon als Kind sehr beeindruckt und heute wollte ich den Ort des Geschehens besuchen.
Das Wetter heute war kein Vergleich mit dem 28.12.1879. Ich habe im T-Shirt am Ufer des Firth of Tay am Wormit Bay Coastal Walk gesessen, auf die neue Brücke und das am Nordufer gelegene Dundee gekuckt und im Sonnenschein die Aussicht genossen. Ab und zu fuhr ein Zug über die Brücke. Für meine Social Media-Auftritte hatte ich mir überlegt, dass ich hier an der Brück am Tay die Ballade „Die Brück am Tay“ vorlesen würde. Aber wie so vieles was mit selbstgemachten Videos zu tun hat, war das nicht so einfach wie es klingt. Diejenigen von Euch, die meine Posts regelmäßig verfolgen, erinnern sich vielleicht an mein erstes Unboxing-Video… *lach… Also, Filmen und Vorlesen zur gleichen Zeit ist diffizil. Die erste Aufnahme habe ich komplett versemmelt und nach drei Minuten abgebrochen, weil ich mich schon zum dritten Mal versprochen hatte. Die zweite war besser, bis zu dem Moment, wo ein Zug oben über die Brücke fuhr und ich vom Text hoch gekuckt und aus dem Kopf zwei falsche Zeilen aufgesagt habe. Okay, ich habe dann den Zug kommentiert und danach richtig weiter gelesen. Hmmmm… für die Zukunft muss ich sowas wohl besser planen. Die Idee zur Rezitation vor der Kamera kam mir nämlich erst heute auf der Fahrt nach Wormit. Ich hatte noch nicht mal eine ausgedruckte Version des Gedichts sondern hab vom Laptop abgelesen… Alles sehr improvisiert also… aber eben live… *lach… Natürlich hat die Tay Rail Bridge das zweite Bild des Tages bekommen. Rechts im Bild sieht man noch die Stümpfe der Pfeiler der alten Brücke, deren Reste für den Neubau abgerissen wurden.
Hier in Dundee wohne ich – zum ersten Mal seit langem – in einem Best Western Hotel. Das Haus hat aber seine besten Zeiten schon hinter sich. Immerhin liegt es fußläufig zu mehreren Pubs und Restaurants, was ich sehr praktisch fand. Aber an nem Samstagabend steppt hier in Dundee echt der Bär. Die Pubs, wo es überhaupt noch einen Platz gegeben hätte, waren auch so laut, dass ich darauf keinerlei Lust hatte. Abendessen gab es heute in einem asiatischen Nudelimbiss, wo ich alleine saß, denn die beiden Mitarbeiter machten hauptsächlich Essen zum Abholen oder Mitnehmen. Es war auf jeden Fall sehr lecker und es war ruhig.
Wow… der erste Tag war rappelvoll mit Erlebnissen. Und die Prognose für die kommenden Tage ist ähnlich.

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26. Juli 2026

Nach dem Sightseeing-Stress gestern war der Tag heute entspannter.

Oh Mann... Ich sitze hier im Steakhouse in Aberdeen, es ist Sonntagabend, ich bin der einzige Gast, der höfliche indische Kellner hat mir gerade Wasser gebracht (ich hatte auf Google Maps nicht gesehen, dass das Restaurant BYOB ist) und dann wurde für mich extra Musik angemacht. Erstes Lied: Modern Talking „Cheri, Cheri Lady“… surrealer geht es kaum… *lach…

Wo war ich? Ach ja, beim entspannten Tag. Heute ist Sonntag, und während gestern Abend in Dundee noch der Bär gesteppt hat, war heute schon fast gespenstische Ruhe. Ich hab mir ein bisschen Zeit gelassen mit dem Auschecken und bin dann zuerst zum Dundee Law gefahren. Das ist der Haushügel von Dundee und man hat von oben einen sehr schönen Blick auf die Stadt, den Firth of Tay und die Brücken. Von da oben sieht es gar nicht so schlecht aus, aber ansonsten ist Dundee echt nicht der Bringer. 
Dann ging's raus aufs Land. Die Gegend hier ist noch nicht so wirklich wild und es gibt viel Landwirtschaft. Trotzdem sehr schön.
Mein erstes Ziel heute war Glamis Castle. Man spricht es "Glahms" aus. Kennt man vielleicht aus Shakespeare. Zu Beginn des Stücks ist Macbeth der Thane of Glamis und in seiner Burg ermordet er König Duncan. Was soll ich sagen? Ist alles erfunden. Das aktuelle Glamis Castle existierte im 11. Jahrhundert, zur Zeit des realen Macbeth noch gar nicht. Trotzdem gibt es natürlich einen Raum im Schloss, von dem man früher erzählte, hier wäre Duncan erdolcht worden. Ist so ähnlich wie mit dem Romeo und Julia-Balkon in Verona.
Glamis Castle liegt in einem riesigen Park, hat große Gartenanlagen (die ich mir aber gespart habe) und hinter dem Parkplatz grasen schottische Hochlandrinder. Eigentlich ist „Castle“, also Burg, heutzutage nicht mehr das richtige Wort. Es müsste besser „Palace“, also Schloss, heißen. Es gab zwar schon im 14. Jahrhundert hier eine Burg, aber durch viele An- und Umbauten hat Glamis Castle seine heutige Gestalt erhalten und strahlt nicht mehr besonders viel Wehrhaftigkeit aus. Das sieht man auch im ersten Bild des Tages. Glamis Castle wurde 1372 vom schottischen König Robert II. an den Thane of Glamis, John Lyon gegeben. Daher sieht man auch überall im Schloss Darstellungen von Löwen. Seitdem ist Glamis Castle im Besitz der Familie Bowes-Lyon, der Grafen von Strathmore und Kinghorne. Während der eineinviertelstündigen Führung durch Glamis Castle hat der Guide uns mit Fakten über die Familie überschüttet. Das war echt nicht uninteressant, aber alles konnte ich mir nicht merken. Was ich mir aber gemerkt habe: das berühmteste Mitglied der Familie Bowes-Lyon war Lady Elizabeth Bowes-Lyon, die spätere Queen Mum, die Teile ihrer Kindheit auf Glamis Castle verbrachte. Auch später war sie oft mit ihrem Mann, Albert, Herzog von York, dem späteren König Georg VI. in Glamis und brachte 1930 sogar ihre Tochter Margaret hier zur Welt. Prinzessin Margaret war damit seit fast 500 Jahren das erste Mitglied der königlichen Familie, das in Schottland geboren wurde.
Da Glamis Castle immer noch in Privatbesitz ist, durfte man drinnen nicht fotografieren. Schade. Es gab echt viel zu sehen, Bilder, Möbel, Jagdtrophäen, Kuriositäten (zum Beispiel eine Vitrine mit einem ausgestopften weißen Reh). Nach der Führung habe ich noch ein paar Fotos außen auf dem Gelände von Glamis Castle gemacht und dann bin ich zum nächsten Programmpunkt aufgebrochen.
In Montrose gibt es ein vom Scottish Wildlife Trust betreutes Besucherzentrum für das Montrose Basin, eine Gezeitenlagune, die ein Natur- und vor allem Vogelschutzgebiet ist. Auf dem Weg dorthin habe ich in Forfar am Supermarkt gehalten und ein bisschen was für einen späten Mittagsimbiss eingekauft.
Am Besucherzentrum in Montrose gibt es einen Beobachtungsstand und da bin ich nach dem Brötchenessen auf dem Parkplatz sofort hingegangen.
Safari ist ja immer so ne Sache. Man weiß nie was kommt. Heute hatte ich in Montrose aber ein besonderes ornithologisches Erlebnis. Ich habe einen Kuckuck gesehen. Das ist schon echt was besonderes. In 47 Jahren Vogelbeobachtung habe ich bisher erst einmal einen Kuckuck gesehen, und das war in Nepal. Der Kuckuck heute war mein erster in Europa. Leider war der Vogel zu weit weg, um das Bild des Tages zu bekommen, aber vielleicht reicht es für ein, zwei Beweisbilder für Frantis World.
Es war echt einiges los an Geflügel und so habe ich beim Beobachten ein bisschen die Zeit vergessen… das kann schon mal passieren, aber war jetzt auch nicht wirklich schlimm, denn ich hatte heute ja leichteres Programm als gestern. Vogelbeobachtung finde ich übrigens ähnlich entspannend wie Planespotten.
Vom Beobachtungsstand bin ich die 100m zum Besucherzentrum rüber gegangen, eigentlich nur um mir nen Kaffee zu organisieren. Aber dann bin ich dort auch nochmal an den Fenstern hängengeblieben und es kam ein neuer Vogel auf meine Lebensliste, die Wasserralle. Leider unter noch schlechteren Fotobedingungen als der Kuckuck. So war es letztendlich kurz vor vier als ich am Montrose Basin zur Weiterfahrt aufgebrochen bin. Dadurch fiel allerdings der Besuch im Luftfahrtmuseum von Montrose aus. Inzwischen hatte es angefangen zu regnen und für den letzten Programmpunkt heute verhieß das nichts Gutes.
Als ich auf den Parkplatz von Dunnottar Castle fuhr, meinte der Regen es ernst. Ich habe also zuerst ein paar Minuten im Peugeot gesessen und als der Regen dünner wurde, habe ich die Regenjacke angezogen und bin losspaziert. Die Ruine von Dunnottar Castle liegt wildromantisch auf einem Feldvorsprung in der Nordsee und könnte problemlos als Kulisse für ein paar Episoden aus Game of Thrones dienen. Angesichts des Regens habe ich mir die Innenbesichtigung gespart und nur die Aussicht auf die Burg, die Klippen und die Nordsee genossen. Zum Glück hat sich währenddessen der Regen auch entschlossen aufzuhören, so dass ich trockenen Hauptes das zweite Bild des Tages und ein Video machen konnte und nicht mehr die Kapuze über den Ohren haben musste beim Betrachten der Szenerie.
Die nächsten beiden Nächte bin ich in Aberdeen. Aberdeen ist die drittgrößte Stadt Schottlands, nach Glasgow und Edinburgh. Hier wohnen ungefähr so viele Menschen wie in Mainz. Da ich hier in einer Airbnb-Wohnung mein Quartier habe, musste ich auf dem Weg hierher noch ein bisschen Frühstücksproviant kaufen. Morgen früh gibt’s Eier.

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Reiselogbuch Schottland 2026

 

Reiseziel:   Schottland
Reisedaten:   24. Juli bis 18. August 2026
     
meine persönlichen Highlights:   der Antoninuswall, die Tay Rail Bidge, Birdwatching am Montrose Basin, ...
     
Statistik:   ***h Flugzeit (***nm bzw. ***km), ***km gefahren, ***Fotos
     
Logbuch für:  
Freitag, 24. Juli      
  Samstag, 25. Juli      
  Sonntag, 26. Juli