24. Juli 2019

Heute morgen war das Wetter traurig hier in Jasper. Es hat geregnet. Aber nicht nur so ne Schauer… ein richtiger Landregen. Ich hab‘s heute morgen dann auch ruhig angehen lassen und bin erst gegen halb elf hier aufgebrochen. Regen hin oder her, man kann ja nicht die ganze Zeit im Hotel sitzen.
Bei Tim Horton, quasi direkt neben meinem Quartier, drängelten sich nasse Touristen und  wärmten sich die Hände an ihren Heißgetränken in Pappbechern. Ich habe mir nen Cappuccino und ein Scone gekauft und dann ging‘s raus in den Park. Mein erstes Ziel heute waren die Athabasca Falls, recht eindrucksvolle Wasserfälle des Athabasca River. Die liegen zwar am Weg, wenn ich morgen nach Banff weiter fahre, aber morgen früh werde ich keine Zeit für einen Stopp dort haben. Man fährt ne gute halbe Stunde von Jasper bis dort hin. Ich habe mir etwas mehr Zeit gelassen und bin auf einer Nebenstrecke gefahren, in der Hoffnung, dass ich ein paar Tiere zu sehen kriege. Leider aber Fehlanzeige. Den bepelzten oder gefiederten Mitbewohnern des Planeten war das Wetter wohl auch zu schlecht.
Interessanterweise war ich an den Athabasca Falls kein bisschen allein. Der Parkplatz war rappelvoll. Der Wasserfall ist auch echt schön, vor nem super Panorama, nur dass heute leider Wolken um die Berge wirbelten und es geregnet hat. Fotografiert habe ich natürlich trotzdem und hätte damit zur Not auch ein Bild des Tages gehabt, aber – Ihr habt wahrscheinlich die Bilder des heutigen Tages schon gesehen – es wurde ja dann doch noch besser.
Nach dem Besuch der Athabasca Falls bin ich wider nach Jasper zurückgefahren, mit ein, zwei Abstechern links und rechts um zu sehen ob sich ein bisschen Wild abseits der viel befahrenen Straßen findet. Immer noch ohne Erfolg. Aber geregnet hat es beständig weiter.
In Jasper hat der Yaris neuen Treibstoff bekommen. Ich hatte gedacht, hier im Nationalpark würden sie‘s bei den Spritpreisen von den Lebendigen nehmen, aber weit gefehlt. Hier gab‘s das bisher günstigste Benzin der Reise. Nach dem Tanken habe ich für mich ein paar Bausteine für nen Mittagssnack gekauft und bin dann wieder los gefahren. Der Dauerregen hatte sich über Mittag in vereinzelte Schauern verwandelt und auch die Berge wurden wieder sichtbar.
Mit dem Wechsel des Wetters wendete sich auch mein Safariglück. Neben einer Wapiti-Kuh – ziemlich weit weg - gab es zuerst allerdings Vögel. Damit wären wir beim ersten Bild des Tages. Ein Kronenwaldsänger, auf dem Parkplatz direkt aus dem Autofenster fotografiert. Der turnte neben mir durch die Büsche und schien von mir und dem Yaris eher wenig beeindruckt. Mittagspause habe ich auf einem Picknickplatz am Pyramid Lake gemacht. Oder wollte machen, denn nachdem ich meine Utensilien auf dem Picknicktisch geparkt und die ersten Bissen genommen hatte, habe ich den großen laminierten Aufkleber auf dem Tisch studiert… auf dem beschrieben stand, was man machen soll, wenn ein Bär das Picknick unterbricht. Ich habe diese Situation aber gar nicht erst abgewartet sondern mich vorsichtshalber direkt in den Yaris verkrümelt.
Mein nächstes Ziel war der Maligne Lake. Das sind rund 50km von Jasper. Dieser See und der auf dem Weg liegende Medicine Lake sind beliebte Ausflugsziele von Jasper aus und am Straßenrand kann man mit etwas Glück auch das eine oder andere Tier sehen.
Ich hatte Glück. Auf dem Hinweg waren es allerdings erst mal nur zwei Wapitis, die direkt neben dem Yellowhead 16-Highway auf der Wiese lagen, wiederkäuten und ein mittleres Verkehrschaos verursachten.
Am Maligne Lake – der Abstand zwischen den Schauern wurde langsam größer - bin ich ein  bisschen spazieren gegangen und habe noch ein paar Vögel beobachtet. Auf die anderthalbstündige Böötchenstour auf dem See habe ich aber angesichts der unsicheren Wetterlage verzichtet. Außerdem war es schon viertel nach drei und ich hatte noch fast ne Stunde Rückfahrt vor mir.
Auf der Rückfahrt reihte sich dann ein Safari-Highlight ans andere. Es begann mit dem jungen Elch im zweiten Bild des Tages, der zuerst seelenruhig fressend neben der Straße spazieren ging und sich dann zum Wiederkäuen gemütlich niederließ. Außerdem habe ich noch einen Trupp Dickhornschaf-Muttertiere samt Kleinen gesehen, aber die waren nicht so gut zu fotografieren wie der Elch. Den Abschluss machte ein weiblicher Maultierhirsch. Nachdem es also jetzt zwei Tage gar keine Safari-Fotos gab, gibt‘s heute gleich zwei. Die Landschaft war heute ja auch meist wolkenverhangen und zugeregnet, wobei ich sagen muss, dass die Rocky Mountains auch bei schlechtem Wetter eindrucksvoll sind.
Heute abend gab es ein weiteres schönes Abendessen in einem anderen Restaurant am Connaught Drive, sozusagen der Hauptstraße von Jasper. Für morgen steht der Wecker auf halb sieben. Ich muss nämlich um halb zehn am Columbia Icefield sein, für meine geführte Gletscherwanderung. Es sind aber rund 100km von Jasper bis dorthin und so will ich frühzeitig los.

P.S. Falls jemand inzwischen etwas den Überblick über den Fortgang meiner Reise verloren hat, habe ich ein zweite Karte des westlichen Kanada angehängt und die bisherigen Übernachtungsstationen markiert.

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