Reiselogbuch - 2012 Azoren


31. März 2012

Ola. Boa tarde... Hier ist das erste Reiselogbuch der Saison 2012 – und eine Menge gibt es schon zu erzählen.
Eigentlich ging's ja schon gestern los – mehr oder weniger direkt nach der Schule haben mich meine Eltern nach Köln gebracht und ich bin über Paris nach Lissabon geflogen. Die Zwischenübernachtung ließ sich leider nicht umgehen, denn die Azoren liegen halt schon was vom Schuss und Nonstop-Flüge von Deutschland gibt es nur ein Mal in der Woche und natürlich nicht am Wochenende. Und so habe ich die etwas kompliziertere Variante mit Zwischenübernachtung in Lissabon gewählt. Was sich schon gelohnt hat, denn erstens war ich so schon heute am frühen Nachmittag auf den Azoren und zweitens war der Flug von Lissabon nach Ponta Delgada ein ziemliches Erlebnis.
Heute mittag ging es um kurz vor eins von Lissabon los... mit nem Airbus A310-300 von SATA Internacional, der Azoren-eigenen Fluggesellschaft. Von meinen bis heute insgesamt 427 Flügen war das erst der zweite mit einem A310 und entsprechend könnt Ihr Euch vorstellen, wieviel Spaß ich da heute hatte. Alles in allem ein sehr angenehmer Flug. Er hat zwar nur 2 Stunden gedauert, aber da SATA ihre A310 auch nach USA einsetzt ist die Kabine auf Langstreckenkomfort getrimmt, mit recht großzügigem Sitzabstand. Also, alles rosig, bis nach rund anderthalb Stunden der Captain ans Mikro kommt und uns mitteilt, dass in Ponta Delgada (auf der Insel São Miguel) zur Zeit Nebel herrscht und es sein kann, dass wir nach Lajes (auf der Insel Terceira) ausweichen müssen. Hmmmmmm... ein paar Minuten der Spannung, aber der Rest des Fliegers nahm es sehr gelassen und ich glaube die Azoreaner sind sowas auch schon gewöhnt. Als wir dann in den Sinkflug gingen war die dichte Nebelbank aber schon wieder weg und so landeten wir aus tiefsthängenden Wolken bei schlechter Sicht und strömendem Regen dann doch planmäßig in Ponta Delgada. Irgendwie keine so unpassende Ankunft hier mitten im Atlantik. Wasser rings rum, warum dann nicht auch Regen? Das Interesante war: es war dabei nicht kalt. Bei ca. 17 Grad kann man ja nun nicht wirklich meckern.
Ich hab dann meinen Mietwagen abgeholt und bin auf dem Weg vom Terminal zum Auto so richtig mies nass geworden. Oder vielmehr, ich wäre mies nass geworden, aber meine Outdoor-Jacke, in die ich im Herbst als Oberbekleidung für den Winter investiert hab, hat sich sehr tapfer geschlagen. Das Ding ist für die Azoren glaube ich genau richtig.
Als Auto habe ich einen Polo. Nicht schlecht, wenn man bedenkt, dass ich nen Twingo gebucht und bezahlt hab. Dann ging's unter tiefhängenden Wolken und im lauwarmen Regen in die Stadt. Ponta Delgada ist die größte Stadt der Azoren und auch der Sitz der Regierung der Autonomen Region Azoren. Rund 65.000 Leute sollen hier leben. Okay, das glaube ich meinem Reiseführer, aber heute am Palmsamstag hat man davon nix gemerkt. Im Gegenteil. Die Stadt war sehr ruhig, um kein unfreundlicheres Adjektiv zu benutzen. Ich hab problemlos mein Hotel gefunden, das Auto geparkt, im direkt neben meinem Quartier liegenden Supermarkt ein bisschen was eingekauft und dann erst mal etwas verschnauft. Gegen 17Uhr – nachdem der Regen aufgehört hatte - hab ich mich dann mit Schirm und Panasonic bewaffnet auf einen ersten Erkundungsspaziergang am Hafen entlang gemacht.
Ich muss sagen, hier gefällt's mir. Ponta Delgada wirkt sehr insular entschleunigt. Sehr entspannt, überschaubar, adrett und, was ich so bisher gesehen habe, sauber. Bin allerdings neugierig, ob es das am Montag, wenn die Woche wieder angefangen hat, auch noch alles ist. Ein bisschen mehr Leben wäre aber ja nicht schädlich.
Zum Schluss des Tages bin ich dann in einem von meinem Dumont empfohlenen Fischrestaurant gewesen. Richtig – in Anbetracht der Tatsache, dass es von den Azoren keinen Lonely Planet gibt, musste ich auf andere Reiseliteratur ausweichen. Jedenfalls hatte der Dumont auch nen guten Tipp, das Essen war super. Fragt mich nicht, wie der einheimische Fisch hieß, den es gab. Jedenfalls war er rot und hatte in der Kühlauslage des Restaurants große tote Glupschaugen und in gegrilltem Zustand schmeckte er fantastisch. Dazu nen azoreanischen Wein, was will man mehr?
Morgen werde ich mal mit dem Auto die Insel ein bisschen unter die Räder nehmen.  São Miguel ist die größte und touristisch wie infrastrukturell am besten erschlossene Insel. Hier gibt's sogar Schnellstraßen. Ich bin sicher, dass es morgen Abend viel zu berichten gibt. Oh – und solltet Ihr Euch wundern, dass das Logbuch so spät in Euren Mailboxen landet, so sei hier kurz angemerkt, dass die Azoren zeitmäßig zwei Stunden hinter der mitteleuropäischen Zeit liegen.
Zum Schluss noch die gewohnte Bitte: Schickt mir eine kurze Nachricht, dass das Logbuch in brauchbarem Zustand bei Euch angekommen ist :-)
Achja und natürlich ist da noch das Bild des Tages. Ich habe ein bisschen überlegt, ob ich einen ersten Eindruck aus Ponta Delgada schicken soll, aber da hoffe ich in den nächsten Tagen noch auf bessere weil nicht so wolkenverhangene Bilder. Stattdessen gibt es ein Bild aus dem Flieger. Der Blick geht über den Hafen und das Zentrum von Ponta Delgada,  ungefähr 30 Sekunden vor unserer Landung. Und einen Eindruck vom Wetter kriegt Ihr dabei auch.


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1. April 2012

Mein erster ganzer Tag auf den Inseln – und heute war das Wetter mir eindeutig wohlgesonnener als gestern. Ich habe mir zuerst ein bisschen länger schlafen und ein Frühstück im Hotel gegönnt. Dann ging's los zur Inselrundfahrt. Den ersten Stopp gab es allerdings – wie konnte es anders sein -  am Flughafen, wo nämlich mein A310 von gestern immer noch parkte und im schönsten Morgensonnenlicht badete. Sehr fotogen und wichtig für meine Webseite... *lach...
Danach ging's in die Berge im Westen von São Miguel. Naja – das heißt nicht wirklich was, denn die ganze Insel ist bergig. Ich bin zur Caldeira das Sete Cidades gefahren. Hier muss ich ein bisschen ausholen. Die Azoren sind komplett vulkanischen Ursprungs. Der letzte Ausbruch fand 1957 auf der Insel Faial statt und auch sonst hat der Vulkanismus auf dem ganzen Archipel großen Einfluss, bis hin zur Energiegewinnung. Ungefähr 20% des Stroms für São Miguel werden mit Erdwärme gewonnen.
Die Caldeira das Sete Cidades ist eine der Hauptpostkartenansichten von São Miguel. Wie der Name schon sagt – eine Caldera, also ein eingestürzter Vulkankegel. Wenn nach einem Vulkanausbruch die Magmakammer leer ist und der Berg dadurch instabil wird und in sich zusammenstürzt, dann entsteht eine Caldera. (Die andere Entstehungsform einer Caldera ist der Explosionskrater, wie man ihn beispielsweise am Laacher Sees sehen kann.) In der Caldeira das Sete Cidades befinden sich mehrere Seen und die beiden größten sind jeweils blau und grün. Sehr schön, so im Sonnenschein und mit weiß-blauem Himmel darüber. In dem Krater liegt auch das Dorf Sete Cidades (nein, sieben Städte sind's nun wirklich nicht), dass der Caldera ihren Namen gab.
Die Weiterfahrt führte mich dann komplett um das westliche Ende von São Miguel herum. Die Insel ist ziemlich langestreckt aber dafür nicht sehr breit. Die Berge gehen bis auf knapp 1000m hoch und wenn das so direkt am Meeresspiegel anfängt, dann ist das schon recht eindrucksvoll.
São Miguel ist vor allem eins: grün. Dabei haben die Laubbäume teilweise noch nicht mal ihre Blätter. Aber Wiesen, Büsche und Hecken sind schon recht weit. Hier gibt's Hortensien so weit das Auge reicht. Wer mich kennt, der weiß, dass ich nicht grade ein Fan dieser Pflanze bin, aber es würde mich schon interesieren das hier alles mal zu sehen, wenn die Hortensien blühen.
Mit dem Lagoa do Fogo stand noch eine weitere Caldera auf dem Programm. Hier hat im 16. Jahrhundert der letzte Ausbruch stattgefunden und heutzutage fährt man durch dichte Wälder und auf ziemlich steilen Straßen bis auf rund 900 m, um dann in das weite Rund des Kraters und auf den See zu kucken. Insgesamt hatte ich eine schöne Tour über die Insel, auch wenn ich heute nur die westliche Hälfte von São Miguel geschafft habe. Ich werde mich aber am Mittwoch noch mal aufmachen und den östlichen Teil erkunden. Mal kucken, ob ich es bis ganz an die Ostspitze schaffe.
Als Bild des Tages gab es heute mehrere Postkartenmotive zur Auswahl. Ich habe ein bisschen hin und her überlegt und mich dann gegen alle Vulkanseen entschieden. Statt dessen zeige ich Euch heute den Blick vom Miradouro do Escalvado auf die Nordwestspitze von São Miguel. Hier habe ich ne halbe Stunde gestanden, auf das Meer gekuckt und Möwen beobachtet und fotografiert. Bei dem Blick kann ich sofort verstehen, weshalb der Slogan von SATA, der azoreanischen Fluggesellschaft, "The Atlantic and you" lautet.
Apropos SATA. Morgen gibt's nen Tagesausflug per Flieger. Es geht nach Graciosa, einer Insel der Mittelgruppe. Bin gespannt. Insgesamt haben die Azoren neun Inseln, und wenn alles so klappt wie ich es mir vorgstellt habe, dann werde ich fünf von ihnen besuchen. Jedenfalls ist morgen frühes Aufstehen angesagt, denn der Flieger geht schon um 7:15 Uhr. Es soll sich ja lohnen.
Für übermorgen habe ich dann die erste Runde Whalewatching ins Auge gefasst. Morgen aber erst mal Graciosa. Da werde ich bestimmt auch einiges erzählen können.
Ohh – und obwohl heute der 1. April ist hab' ich in diesem Reiselogbuch nicht geflunkert :-)



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Reiselogbuch Azoren 2012 – 1. April


Mein erster ganzer Tag auf den Inseln – und heute war das Wetter mir eindeutig wohlgesonnener als gestern. Ich habe mir zuerst ein bisschen länger schlafen und ein Frühstück im Hotel gegönnt. Dann ging's los zur Inselrundfahrt. Den ersten Stopp gab es allerdings – wie konnte es anders sein - am Flughafen, wo nämlich mein A310 von gestern immer noch parkte und im schönsten Morgensonnenlicht badete. Sehr fotogen und wichtig für meine Webseite... *lach...

Danach ging's in die Berge im Westen von São Miguel. Naja – das heißt nicht wirklich was, denn die ganze Insel ist bergig. Ich bin zur Caldeira das Sete Cidades gefahren. Hier muss ich ein bisschen ausholen. Die Azoren sind komplett vulkanischen Ursprungs. Der letzte Ausbruch fand 1957 auf der Insel Faial statt und auch sonst hat der Vulkanismus auf dem ganzen Archipel großen Einfluss, bis hin zur Energiegewinnung. Ungefähr 20% des Stroms für São Miguel werden mit Erdwärme gewonnen.

Die Caldeira das Sete Cidades ist eine der Hauptpostkartenansichten von São Miguel. Wie der Name schon sagt – eine Caldera, also ein eingestürzter Vulkankegel. Wenn nach einem Vulkanausbruch die Magmakammer leer ist und der Berg dadurch instabil wird und in sich zusammenstürzt, dann entsteht eine Caldera. (Die andere Entstehungsform einer Caldera ist der Explosionskrater, wie man ihn beispielsweise am Laacher Sees sehen kann.) In der Caldeira das Sete Cidades befinden sich mehrere Seen und die beiden größten sind jeweils blau und grün. Sehr schön, so im Sonnenschein und mit weiß-blauem Himmel darüber. In dem Krater liegt auch das Dorf Sete Cidades (nein, sieben Städte sind's nun wirklich nicht), dass der Caldera ihren Namen gab.

Die Weiterfahrt führte mich dann komplett um das westliche Ende von São Miguel herum. Die Insel ist ziemlich langestreckt aber dafür nicht sehr breit. Die Berge gehen bis auf knapp 1000m hoch und wenn das so direkt am Meeresspiegel anfängt, dann ist das schon recht eindrucksvoll.

São Miguel ist vor allem eins: grün. Dabei haben die Laubbäume teilweise noch nicht mal ihre Blätter. Aber Wiesen, Büsche und Hecken sind schon recht weit. Hier gibt's Hortensien so weit das Auge reicht. Wer mich kennt, der weiß, dass ich nicht grade ein Fan dieser Pflanze bin, aber es würde mich schon interesieren das hier alles mal zu sehen, wenn die Hortensien blühen.

Mit dem Lagoa do Fogo stand noch eine weitere Caldera auf dem Programm. Hier hat im 16. Jahrhundert der letzte Ausbruch stattgefunden und heutzutage fährt man durch dichte Wälder und auf ziemlich steilen Straßen bis auf rund 900 m, um dann in das weite Rund des Kraters und auf den See zu kucken. Insgesamt hatte ich eine schöne Tour über die Insel, auch wenn ich heute nur die westliche Hälfte von São Miguel geschafft habe. Ich werde mich aber am Mittwoch noch mal aufmachen und den östlichen Teil erkunden. Mal kucken, ob ich es bis ganz an die Ostspitze schaffe.

Als Bild des Tages gab es heute mehrere Postkartenmotive zur Auswahl. Ich habe ein bisschen hin und her überlegt und mich dann gegen alle Vulkanseen entschieden. Statt dessen zeige ich Euch heute den Blick vom Miradouro do Escalvado auf die Nordwestspitze von São Miguel. Hier habe ich ne halbe Stunde gestanden, auf das Meer gekuckt und Möwen beobachtet und fotografiert. Bei dem Blick kann ich sofort verstehen, weshalb der Slogan von SATA, der azoreanischen Fluggesellschaft, "The Atlantic and you" lautet.

Apropos SATA. Morgen gibt's nen Tagesausflug per Flieger. Es geht nach Graciosa, einer Insel der Mittelgruppe. Bin gespannt. Insgesamt haben die Azoren neun Inseln, und wenn alles so klappt wie ich es mir vorgstellt habe, dann werde ich fünf von ihnen besuchen. Jedenfalls ist morgen frühes Aufstehen angesagt, denn der Flieger geht schon um 7:15 Uhr. Es soll sich ja lohnen.

Für übermorgen habe ich dann die erste Runde Whalewatching ins Auge gefasst. Morgen aber erst mal Graciosa. Da werde ich bestimmt auch einiges erzählen können.

Ohh – und obwohl heute der 1. April ist hab' ich in diesem Reiselogbuch nicht geflunkert :-)






3. April 2012

Tjaaaa, wenn Ihr in Erwartung eines Walfotos erst das Bild angekuckt habt, dann wisst Ihr's ja schon: heute war nix mit Walen. In Anbetracht des stürmischen Wetters hat die Whale-Watching-Firma das Whale Watching leider abgesagt. Nächster Versuch morgen um 9:00Uhr. Ich bin weiterhin gespannt.
Statt nem Wal-Bild präsentiere ich Euch deshalb heute das "kuh-lste" Bild, das ich heute gemacht habe. Es zeigt etwas sehr Azoren-typisches, nämlich Kühe. Auf den Azoren gibt es ungefähr genauso viele Kühe wie Menschen, rund eine viertel Million, und die Viehwirtschaft ist mit Abstand der wichtigste Wirtschaftszweig der Inseln. Überall sieht man Rinder und überall sieht man, was die Rinder auf der Straße lassen. Ich weiß nicht, wann ich zuletzt so viel Kuhmist auf einer Fahrbahn begegnet bin wie hier. Das Warnschild mit der Kuh drauf, das in Deutschland vor Tieren auf der Straße und vor verschmutzten Fahrbahnen warnt, habe ich hier allerdings noch nirgends gesehen. Eigentlich erübrigt es sich auch, wenn man direkt am Flug- und Fährhafen eines aufstellt und das für die ganze Insel gelten lässt... *lach... Bisher kann ich zwar erst für zwei Inseln sprechen, aber sowohl für São Miguel als auch für Graciosa trifft es zu.
In Ermangelung von Whale Watching habe ich also das Programm von morgen vorgezogen und den zweiten Teil der Inselrundfahrt unternommen. Dieses Mal ging es in den Osten von São Miguel. Erste Station war Furnas, das für seine heißen Quellen und Schlammvulkane berühmt ist. Die Szenerie kam mir dann auch bekannt vor. Egal ob es jetzt die phlegräischen Felder oder der Yellowstone Nationalpark oder eben die Caldera von Furnas sind, es brodelt und blubbert und riecht nach Schwefel. Ich hab das Gefühl der Geruch hängt mir immer noch in den Klamotten. Insgesamt 22 heiße Quellen und vulkanische Schlammgruben gibt es in und um Furnas, manche davon sogar mitten im Dorf. Da kommt dann auch schon mal der heiße Dampf aus dem Gullideckel. Eine Spezialität in Furnas ist außerdem Kochen mit dem Vulkan. Der Cozido, ein Eintopfgericht, kommt so lange in die heiße Erde bis alles gar ist. Das hab ich natürlich auch probiert und war von der Portion, die ich im Restaurante Tony's, direkt am Kirchplatz von Furnas, bekam, fast überwältigt. Auf dem Teller türmte sich ein Berg von verschiedenen Fleisch- und Wurstsorten, Kartoffeln, Reis, Weißkohl, Möhren und verschiedene Rüben. Sehr deftig und sättigend – und ich bin nicht sicher, ob der Hauch von Schwefel vom Essen kam oder mir von meinem Besuch bei den Schlammvulkanen am Ufer des Lagoa das Furnas noch in der Nase war.
Nach der Mittagspause ging's weiter Richtung Osten, immer wieder mit spektakulären Blicken auf die Küste. Ganz im Ernst, wenn es hier 10 Grad wärmer wäre, dann könnte das hier auch der Osten von Maui oder der Nordwesten von Kauai sein. In so mancher Hinsicht sind die Azoren die Antwort des Atlantik auf Hawai'i. Die Steilküsten sind hier auf São Miguel ähnlich dramatisch und die Vegetation ähnlich üppig und grün. Eine weitere Ähnlichkeit ist der schlechte Umgang in der Vergangenheit mit der einheimischen Tierwelt. Der Azoren-Gimpel ist eine der seltensten Vogelarten Europas und kommt nur noch hier im Osten von São Miguel vor. Mittlerweile gibt's ein eigens eingerichtetes Schutzgebiet und auch ein Dokumentationszentrum, aber da war leider (wahrscheinlich saisonbedingt) noch alles zu. Und auch meine Bemühungen, zumindest ein bisschen im Wald zu spazieren und mein Glück zu versuchen, habe ich schnell aufgegeben in Anbetracht des Sturms (immer GANZ ungünstig, wenn man auf Vogelpirsch will) und der bescheidenen Temperaturen. Immerhin bin ich auf dem Weg zurück zur Hauptstraße dann in die Kuhherde geraten.
Die Weiterfahrt ging einmal um die Ostseite von São Miguel herum und an der Nordküste entlang wieder in Richtung Ponta Delgada. Zum Glück gibt's hier schon eine gut ausgebaute Straße, so dass die mühsame Gurkerei auf den teilweise wirklich schlechten Straßen hier auf der Insel entfiel und ich recht zügig voran kam. So blieb dann kurz vor Ribeira Grande (der zweitgrößten Stadt von São Miguel) auch noch Gelegenheit mir eine der Teeplantagen hier anzukucken. Richtig. São Miguel ist der einzige Ort in Europa, wo Tee angebaut und verarbeitet wird. Allerdings hauptsächlich für den Eigenbedarf der Azoren.
Und damit war der Tag auch schon wieder rappelvoll. Heute abend habe ich mich auch schon für die Weiterreise eingecheckt. Bei SATA geht das nämlich schon 48 Stunden vor dem Abflug. Ihr seht also, meine Stunden auf São Miguel sind gezählt. Morgen gibt's aber erstmal den zweiten Versuch von Whale Watching. An's Kofferpacken will ich  noch nicht denken.



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Reiselogbuch Azoren 2012 – 1. April


Mein erster ganzer Tag auf den Inseln – und heute war das Wetter mir eindeutig wohlgesonnener als gestern. Ich habe mir zuerst ein bisschen länger schlafen und ein Frühstück im Hotel gegönnt. Dann ging's los zur Inselrundfahrt. Den ersten Stopp gab es allerdings – wie konnte es anders sein - am Flughafen, wo nämlich mein A310 von gestern immer noch parkte und im schönsten Morgensonnenlicht badete. Sehr fotogen und wichtig für meine Webseite... *lach...

Danach ging's in die Berge im Westen von São Miguel. Naja – das heißt nicht wirklich was, denn die ganze Insel ist bergig. Ich bin zur Caldeira das Sete Cidades gefahren. Hier muss ich ein bisschen ausholen. Die Azoren sind komplett vulkanischen Ursprungs. Der letzte Ausbruch fand 1957 auf der Insel Faial statt und auch sonst hat der Vulkanismus auf dem ganzen Archipel großen Einfluss, bis hin zur Energiegewinnung. Ungefähr 20% des Stroms für São Miguel werden mit Erdwärme gewonnen.

Die Caldeira das Sete Cidades ist eine der Hauptpostkartenansichten von São Miguel. Wie der Name schon sagt – eine Caldera, also ein eingestürzter Vulkankegel. Wenn nach einem Vulkanausbruch die Magmakammer leer ist und der Berg dadurch instabil wird und in sich zusammenstürzt, dann entsteht eine Caldera. (Die andere Entstehungsform einer Caldera ist der Explosionskrater, wie man ihn beispielsweise am Laacher Sees sehen kann.) In der Caldeira das Sete Cidades befinden sich mehrere Seen und die beiden größten sind jeweils blau und grün. Sehr schön, so im Sonnenschein und mit weiß-blauem Himmel darüber. In dem Krater liegt auch das Dorf Sete Cidades (nein, sieben Städte sind's nun wirklich nicht), dass der Caldera ihren Namen gab.

Die Weiterfahrt führte mich dann komplett um das westliche Ende von São Miguel herum. Die Insel ist ziemlich langestreckt aber dafür nicht sehr breit. Die Berge gehen bis auf knapp 1000m hoch und wenn das so direkt am Meeresspiegel anfängt, dann ist das schon recht eindrucksvoll.

São Miguel ist vor allem eins: grün. Dabei haben die Laubbäume teilweise noch nicht mal ihre Blätter. Aber Wiesen, Büsche und Hecken sind schon recht weit. Hier gibt's Hortensien so weit das Auge reicht. Wer mich kennt, der weiß, dass ich nicht grade ein Fan dieser Pflanze bin, aber es würde mich schon interesieren das hier alles mal zu sehen, wenn die Hortensien blühen.

Mit dem Lagoa do Fogo stand noch eine weitere Caldera auf dem Programm. Hier hat im 16. Jahrhundert der letzte Ausbruch stattgefunden und heutzutage fährt man durch dichte Wälder und auf ziemlich steilen Straßen bis auf rund 900 m, um dann in das weite Rund des Kraters und auf den See zu kucken. Insgesamt hatte ich eine schöne Tour über die Insel, auch wenn ich heute nur die westliche Hälfte von São Miguel geschafft habe. Ich werde mich aber am Mittwoch noch mal aufmachen und den östlichen Teil erkunden. Mal kucken, ob ich es bis ganz an die Ostspitze schaffe.

Als Bild des Tages gab es heute mehrere Postkartenmotive zur Auswahl. Ich habe ein bisschen hin und her überlegt und mich dann gegen alle Vulkanseen entschieden. Statt dessen zeige ich Euch heute den Blick vom Miradouro do Escalvado auf die Nordwestspitze von São Miguel. Hier habe ich ne halbe Stunde gestanden, auf das Meer gekuckt und Möwen beobachtet und fotografiert. Bei dem Blick kann ich sofort verstehen, weshalb der Slogan von SATA, der azoreanischen Fluggesellschaft, "The Atlantic and you" lautet.

Apropos SATA. Morgen gibt's nen Tagesausflug per Flieger. Es geht nach Graciosa, einer Insel der Mittelgruppe. Bin gespannt. Insgesamt haben die Azoren neun Inseln, und wenn alles so klappt wie ich es mir vorgstellt habe, dann werde ich fünf von ihnen besuchen. Jedenfalls ist morgen frühes Aufstehen angesagt, denn der Flieger geht schon um 7:15 Uhr. Es soll sich ja lohnen.

Für übermorgen habe ich dann die erste Runde Whalewatching ins Auge gefasst. Morgen aber erst mal Graciosa. Da werde ich bestimmt auch einiges erzählen können.

Ohh – und obwohl heute der 1. April ist hab' ich in diesem Reiselogbuch nicht geflunkert :-)






2. April 2012

Um 5:15 Uhr ging heute morgen mein Wecker, denn der erste von zwei (eventuell sogar drei) Tagesausflügen unter dem Stichwort "Insel-Hopping" stand an. Als mein Handy losrappelte wäre ich am liebsten liegen geblieben. Das sind immer die Momente, wo ich mich für meine Unternehmungslust verfluche und überlege, ob ich nicht besser doch nen 08/15-Urlaub mit Strand und Ausschlafen hätte buchen sollen. Aber bisher sind diese Anflüge immer wieder vorbei gegangen... *lach...
Mein Ziel war Graciosa, eine Insel der Mittelgruppe. Die Azoren bestehen aus neun Inseln, die auf drei Gruppen verteilt sind. Die östliche Gruppe mit São Miguel und Santa Maria, die Mittelgruppe mit Terceira, Graciosa, São Jorge, Pico und Faial, und die westliche Gruppe mit Flores und Corvo. Auf São Miguel wohne ich ja grade, außerdem habe ich noch Quartier auf Pico und Terceira gebucht, und Graciosa und Faial sind das Tagestour-Programm. Heute war also Graciosa dran.
Wenn mich jemand fragt, warum grade Graciosa und nicht eine andere Insel, dann lautet die Antwort: "Weil der Flug dahin mit einer Dash 8-200 durchgeführt wird." Jaja, ich weiß, das wäre für die meisten kein Entscheidungsgrund, aber für mich halt schon. Um viertel nach sieben sollte es losgehen, mit besagtem Propeller-Flugzeug der SATA und einer Zwischenlandung in Terceira. Auf Grund einiger kleinerer technischer Probleme sind wir aber erst mit gut einer dreiviertel Stunde Verspätung hier in Ponta Delgada gestartet. Die Flugstrecken sind kurz und so dauert das alles in allem nicht sehr lange. Von São Miguel nach Terceira sind's 30 Minuten und von Terceira nach Graciosa noch mal knapp 20 Minuten mit dem Flieger. Die Alternative wäre eine stundenlange Schiffsfahrt, und um diese Jahreszeit gibt es sowieso nur innerhalb der drei Inselgruppen im Archipel Fährverbindungen, aber nicht auf den längeren Strecken.
Kurz nach neun heute morgen war ich also in Graciosa und habe mir einen Mietwagen genommen. Tagesrate: 28 Euro. Das fand ich voll okay. Dann ging's erst mal in die Stadt. oder das Dorf. Wie auch immer – Santa Cruz da Graciosa ist mit seinen rund 1.800 Einwohnern der Hauptort der Insel. Sehr knuffig -  besonders im Sonnenschein, den ich am Nachmittag bei meiner Rückkehr von der Inselrundfahrt nach Santa Cruz dort vorfand. Alles sehr typisch azoreanisch. Adrette Häuser in weiß mit entweder farbig abgesetzten Fenstern und Türen oder mit Fenster- und Türummauerung in schwarzem Vulkangestein. Vor allem letzteres sieht man hier über all und an jeder Ecke. Besonders öffentliche Gebäude sind in diesem Stil gehalten und natürlich auch die zahlreichen Kirchen und Kapellen. Aus diesem Grund hat die Hauptkirche von Santa Cruz da Graciosa es auch zum Bild des Tages geschafft. Die Igreja Matriz de Santa Cruz ist gut 500 Jahre alt und innen im manuelinischen Stil gebaut und ausgeschmückt und dann barock ergänzt. Trotzdem gar nicht so schlecht, wie ich finde - obwohl ich dem mediterran-iberischen Barock gegenüber ja sehr kritisch bin. Und darüber hinaus wie gesagt absolut typisch für den Kirchenbaustil hier auf den Azoren.
Aber ich habe natürlich den Tag nicht nur in Santa Cruz da Graciosa verbracht. Da hätte ich mich schnell gelangweilt, denn zu tun gibt's da nicht viel und man kann noch nicht mal schön am Markt sitzen, denn der ist zur Zeit ne große Baustelle. Ich habe also natürlich noch eine Inselrundfahrt gemacht und mir unter anderem den Ort São Mateus, wo der Haupthafen von Graciosa ist, angekuckt und natürlich hauptsächlich die Landschaft.
Graciosa ist klein und auch bei weitem nicht so dramatisch bergig wie São Miguel. Die höchste Erhebung der Insel ist mit 405m ein Stück des Kraterrandes der im Süden von Graciosa gelegenen Caldeira. Hier gibt's auch die Haupttouristenattraktion der Insel, die Furna do Enxofre – eine Lavahöhle, die... montags leider geschlossen ist. Mist. Ich bin also stattdessen weiter über die Insel gefahren und habe an verschiedenen schönen Stellen Päuschen gemacht und dem Atlantik zugekuckt. Auch sehr schön. Die Farben kann man sich kaum vorstellen, vor allem unter dem blauen Himmel mit ein paar weißen Wolken, den mir die Wetterküche hier heute spendiert hat. Wenn man solche Farben irgendwo anders sehen würde denkt man schnell "Kitsch", oder "wie künstlich". Ich fand zum Beispiel die knalligen Blautöne, die einen Großteil der Bemalung der SATA-Flieger ausmachen, bis heute etwas übertrieben, aber jetzt weiß ich, dass die Farben hier echt so vorkommen.
Jaaa – und wo ich beim Thema SATA bin, um kurz vor vier heute nachmittag war ich wieder in Graciosa am Flughafen und es ging mit einem kurzen Stopp in Terceira zurück nach Ponta Delgada. Ein sehr schöner Tag, und Graciosa ist auf jeden Fall einen Ausflug wert.
So, morgen gibt's Whalewatching. Da muss ich zwar nicht ganz so früh raus, aber doch immerhin um kurz nach sieben aufstehen. Ich hoffe es lohnt sich und ich kann morgen abend erzählen und zeigen, was mir so an Meeressäugern begegnet ist.




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Reiselogbuch Azoren 2012 – 1. April


Mein erster ganzer Tag auf den Inseln – und heute war das Wetter mir eindeutig wohlgesonnener als gestern. Ich habe mir zuerst ein bisschen länger schlafen und ein Frühstück im Hotel gegönnt. Dann ging's los zur Inselrundfahrt. Den ersten Stopp gab es allerdings – wie konnte es anders sein - am Flughafen, wo nämlich mein A310 von gestern immer noch parkte und im schönsten Morgensonnenlicht badete. Sehr fotogen und wichtig für meine Webseite... *lach...

Danach ging's in die Berge im Westen von São Miguel. Naja – das heißt nicht wirklich was, denn die ganze Insel ist bergig. Ich bin zur Caldeira das Sete Cidades gefahren. Hier muss ich ein bisschen ausholen. Die Azoren sind komplett vulkanischen Ursprungs. Der letzte Ausbruch fand 1957 auf der Insel Faial statt und auch sonst hat der Vulkanismus auf dem ganzen Archipel großen Einfluss, bis hin zur Energiegewinnung. Ungefähr 20% des Stroms für São Miguel werden mit Erdwärme gewonnen.

Die Caldeira das Sete Cidades ist eine der Hauptpostkartenansichten von São Miguel. Wie der Name schon sagt – eine Caldera, also ein eingestürzter Vulkankegel. Wenn nach einem Vulkanausbruch die Magmakammer leer ist und der Berg dadurch instabil wird und in sich zusammenstürzt, dann entsteht eine Caldera. (Die andere Entstehungsform einer Caldera ist der Explosionskrater, wie man ihn beispielsweise am Laacher Sees sehen kann.) In der Caldeira das Sete Cidades befinden sich mehrere Seen und die beiden größten sind jeweils blau und grün. Sehr schön, so im Sonnenschein und mit weiß-blauem Himmel darüber. In dem Krater liegt auch das Dorf Sete Cidades (nein, sieben Städte sind's nun wirklich nicht), dass der Caldera ihren Namen gab.

Die Weiterfahrt führte mich dann komplett um das westliche Ende von São Miguel herum. Die Insel ist ziemlich langestreckt aber dafür nicht sehr breit. Die Berge gehen bis auf knapp 1000m hoch und wenn das so direkt am Meeresspiegel anfängt, dann ist das schon recht eindrucksvoll.

São Miguel ist vor allem eins: grün. Dabei haben die Laubbäume teilweise noch nicht mal ihre Blätter. Aber Wiesen, Büsche und Hecken sind schon recht weit. Hier gibt's Hortensien so weit das Auge reicht. Wer mich kennt, der weiß, dass ich nicht grade ein Fan dieser Pflanze bin, aber es würde mich schon interesieren das hier alles mal zu sehen, wenn die Hortensien blühen.

Mit dem Lagoa do Fogo stand noch eine weitere Caldera auf dem Programm. Hier hat im 16. Jahrhundert der letzte Ausbruch stattgefunden und heutzutage fährt man durch dichte Wälder und auf ziemlich steilen Straßen bis auf rund 900 m, um dann in das weite Rund des Kraters und auf den See zu kucken. Insgesamt hatte ich eine schöne Tour über die Insel, auch wenn ich heute nur die westliche Hälfte von São Miguel geschafft habe. Ich werde mich aber am Mittwoch noch mal aufmachen und den östlichen Teil erkunden. Mal kucken, ob ich es bis ganz an die Ostspitze schaffe.

Als Bild des Tages gab es heute mehrere Postkartenmotive zur Auswahl. Ich habe ein bisschen hin und her überlegt und mich dann gegen alle Vulkanseen entschieden. Statt dessen zeige ich Euch heute den Blick vom Miradouro do Escalvado auf die Nordwestspitze von São Miguel. Hier habe ich ne halbe Stunde gestanden, auf das Meer gekuckt und Möwen beobachtet und fotografiert. Bei dem Blick kann ich sofort verstehen, weshalb der Slogan von SATA, der azoreanischen Fluggesellschaft, "The Atlantic and you" lautet.

Apropos SATA. Morgen gibt's nen Tagesausflug per Flieger. Es geht nach Graciosa, einer Insel der Mittelgruppe. Bin gespannt. Insgesamt haben die Azoren neun Inseln, und wenn alles so klappt wie ich es mir vorgstellt habe, dann werde ich fünf von ihnen besuchen. Jedenfalls ist morgen frühes Aufstehen angesagt, denn der Flieger geht schon um 7:15 Uhr. Es soll sich ja lohnen.

Für übermorgen habe ich dann die erste Runde Whalewatching ins Auge gefasst. Morgen aber erst mal Graciosa. Da werde ich bestimmt auch einiges erzählen können.

Ohh – und obwohl heute der 1. April ist hab' ich in diesem Reiselogbuch nicht geflunkert :-)






4. April 2012

Mein letzter Abend in Ponta Delgada. Schade eigentlich. Ich hab mich so langsam an die Stadt und die Insel gewöhnt. Wenn ich das nächste Mal hier bin, dann werde ich drauf achten, dass es nicht direkt zu Beginn der Reise ist, wenn man noch die Hektik und den Stress von zu Hause im Kopf hat. Und dass das Programm ein bisschen entspannter ist und vielleicht auch Zeit für nen geruhsamen Spaziergang oder ne Wanderung oder zum einfach mal irgendwo dasein und sitzen bleibt.
Geruhsame Momente gab's heute allerdings auch, doch davon später. Jetzt erst mal zum Highlight des Tages. Ich war zum Whale Watching. Konntet Ihr Euch wahrscheinlich schon denken, bei dem Bild des Tages.
Um kurz nach neun ging's auf's Schiff heute morgen, warm angezogen und mit Superpep griffbereit in der Hosentasche. Reisekaugummis sind für mich ein Muss, denn meine Seefestigkeit ist doch eher gering. Ich wollte es allerdings so lange wie möglich ohne versuchen. Ein bisschen gewundert habe ich mich schon, dass heute die Tour stattfinden sollte, nachdem sie gestern wegen dem Wetter abgesagt worden war. Okay, heute gab's keinen Nieselregen, aber der Wind war kräftig und die See grau. "Naja", hab ich gedacht, "die werden schon wissen, was sie tun." Wussten sie auch... so halbwegs. Es gab erst eine rund 20-minütige Einweisung und ein paar Infos zu den Walen und Delphinen rund um die Azoren. Nach dem Ende des kommerziellen Walfangs hier, im Jahre 1986, hat man auf Waljagd mit der Kamera umgestellt – und dabei eine Institution aus der "guten alten Zeit" bewahrt, nämlich, dass an Land ein paar Beobachter mit dicken Ferngläsern sitzen, die die Whale Watching-Boote zu den Tieren dirigieren. So kann man sich das Suchen sparen. In Anbetracht des Windes und der kleinen weißen Krönchen auf den Wellen war ich recht froh, dass ich mich für das große Boot und nicht für das Zodiac als Vehikel meiner ersten Walsafari entschieden hatte. Kaum hatten wir den Hafen verlassen ging's schnell richtig zur Sache. Aber ganz in der Tradition von Ishmael und Kwikwek stand ich tapfer am Bug des Katamarans... und fotografierte erst mal schön die Gelbschnabel-Sturmtaucher. Ich schwöre, die waren die einzigen, die an dem Wind und dem Seegang richtig Spaß hatten. Nach zehn Minuten war ungefähr ein Viertel der rund 40 Passagiere grün um die Kiemen, und ich war superpep-frei und unbeeindruckt.
Die ersten Meeressäuger, die wir gesehen haben, war eine Gruppe von Gemeinen Delphinen. Doofer Name für so schöne Tiere, die grau, gelb und braun gefärbt sind und in fast allen Meeren der Welt leben. "Gemein" heißt hier auch nicht 'niederträchtig' sondern 'gewöhnlich', aber ich finde den englischen Namen 'common dolphin' (= "häufiger Delphin") doch besser. In den Gewässern um São Miguel ist der 'common dolphin' der häufigste Meeressäuger.
Während der zügigen Fahrt mit unserem Katamaran war der Seegang ja noch halbwegs zu ertragen gewesen, aber jetzt als das Boot zur Delphin-Beobachtung einfach nur so da lag und vom Seegang auf und ab bewegt wurde, wurden schon an einigen Stellen die Plastiktüten verteilt. Ich hingegen war weiter unbeeindruckt, unmedikamentiert und langsam etwas stolz ;-)
Nach den Delphinen ging's ne gute Viertelstunde weiter über die bewegte See -  ich schwöre, die Sturmtaucher haben gegrinst wenn sie am Boot vorbeisegelten – dann waren wir an dem Punkt wor der Auskuck an Land einen Großwal gesichtet hatte. Und wirklich, keine fünf Minuten später blies er. Ein Finnwal. Damit ist auch das Bild des Tages erklärt. Leider waren die Fotobedingungen suboptimal, auf Grund des Sturms und des Seegangs, deshalb kann ich Euch nichts besseres anbieten. Aber da ich nicht weiß ob ich auf dieser Tour noch andere Wale zu sehen bekomme ist das jetzt erst mal das Bild des Tages für heute. Die Delphine haben damit leider nur den zweiten Platz gemacht, wobei die Bilder von denen noch mehr zu wünschen übrig lassen. Delphine zu fotografieren ist meinen Erfahrungen nach schon unter idealen Bedingungen, also Sonnenschein und ruhige See, ein Alptraum, und heute war's echt pure Glückssache. Trotzdem – der Ausflug hatte sich für mich gelohnt. Dann kam die Rückfahrt, die jetzt bei stärker werdendem Seegang auch noch gegen den Wind erfolgte. Eine knappe Stunde hat's gedauert und dabei ist mehr als eine Kappe über Bord geweht worden und es wurde so mancher Azoren-Fisch gefüttert. Und was soll ich sagen? Ich hatte nix und habe nicht mal einen Reisekaugummi eingeworfen. Als wir wieder im Hafen waren war ich selber total überrascht von mir. So seefest wie heute war ich echt noch nie. Wäre schön, wenn das jetzt so bliebe. Ich hoffe ich kann das auf dieser Reise noch bei der einen oder anderen Gelegenheit überprüfen.
Die Mittagspause habe ich im Hotel verbracht und danach habe ich mich auf einen ausgedehnten Stadtrundgang hier in Ponta Delgada begeben. Kirchen, Straßenszenen, die Hafenfestung aus dem 16. Jahrhundert und zum Schluss ne gemütliche dreiviertel Stunde im Café an einer der Kirche mit Leute kucken und nem portugiesischen Espresso. Tja, ich wollte eigentlich noch ne Bilanz von São Miguel ziehen, aber das Logbuch ist jetzt schon über ne Seite lang und ich will's ja auch nicht übertreiben. Morgen gibt es einen Reisetag. Ich fliege von Ponta Delgada über Terceira nach Pico, der nächsten Station meines Insel-Hoppings. Da wird es morgen abend wahrscheinlich eher wenig zu berichten geben und ich werde dann morgen einen Rückblick auf São Miguel halten.

P.S. Ich habe nach der Rückkunft am Hafen ein Mädchen von der Whale Watching-Crew gefragt, ob die Touren öfter bei so rauher See stattfinden und sie lächelte nur und sagte, dass sie den Nachmittagstörn wieder absagen würden.



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Reiselogbuch Azoren 2012 – 1. April


Mein erster ganzer Tag auf den Inseln – und heute war das Wetter mir eindeutig wohlgesonnener als gestern. Ich habe mir zuerst ein bisschen länger schlafen und ein Frühstück im Hotel gegönnt. Dann ging's los zur Inselrundfahrt. Den ersten Stopp gab es allerdings – wie konnte es anders sein - am Flughafen, wo nämlich mein A310 von gestern immer noch parkte und im schönsten Morgensonnenlicht badete. Sehr fotogen und wichtig für meine Webseite... *lach...

Danach ging's in die Berge im Westen von São Miguel. Naja – das heißt nicht wirklich was, denn die ganze Insel ist bergig. Ich bin zur Caldeira das Sete Cidades gefahren. Hier muss ich ein bisschen ausholen. Die Azoren sind komplett vulkanischen Ursprungs. Der letzte Ausbruch fand 1957 auf der Insel Faial statt und auch sonst hat der Vulkanismus auf dem ganzen Archipel großen Einfluss, bis hin zur Energiegewinnung. Ungefähr 20% des Stroms für São Miguel werden mit Erdwärme gewonnen.

Die Caldeira das Sete Cidades ist eine der Hauptpostkartenansichten von São Miguel. Wie der Name schon sagt – eine Caldera, also ein eingestürzter Vulkankegel. Wenn nach einem Vulkanausbruch die Magmakammer leer ist und der Berg dadurch instabil wird und in sich zusammenstürzt, dann entsteht eine Caldera. (Die andere Entstehungsform einer Caldera ist der Explosionskrater, wie man ihn beispielsweise am Laacher Sees sehen kann.) In der Caldeira das Sete Cidades befinden sich mehrere Seen und die beiden größten sind jeweils blau und grün. Sehr schön, so im Sonnenschein und mit weiß-blauem Himmel darüber. In dem Krater liegt auch das Dorf Sete Cidades (nein, sieben Städte sind's nun wirklich nicht), dass der Caldera ihren Namen gab.

Die Weiterfahrt führte mich dann komplett um das westliche Ende von São Miguel herum. Die Insel ist ziemlich langestreckt aber dafür nicht sehr breit. Die Berge gehen bis auf knapp 1000m hoch und wenn das so direkt am Meeresspiegel anfängt, dann ist das schon recht eindrucksvoll.

São Miguel ist vor allem eins: grün. Dabei haben die Laubbäume teilweise noch nicht mal ihre Blätter. Aber Wiesen, Büsche und Hecken sind schon recht weit. Hier gibt's Hortensien so weit das Auge reicht. Wer mich kennt, der weiß, dass ich nicht grade ein Fan dieser Pflanze bin, aber es würde mich schon interesieren das hier alles mal zu sehen, wenn die Hortensien blühen.

Mit dem Lagoa do Fogo stand noch eine weitere Caldera auf dem Programm. Hier hat im 16. Jahrhundert der letzte Ausbruch stattgefunden und heutzutage fährt man durch dichte Wälder und auf ziemlich steilen Straßen bis auf rund 900 m, um dann in das weite Rund des Kraters und auf den See zu kucken. Insgesamt hatte ich eine schöne Tour über die Insel, auch wenn ich heute nur die westliche Hälfte von São Miguel geschafft habe. Ich werde mich aber am Mittwoch noch mal aufmachen und den östlichen Teil erkunden. Mal kucken, ob ich es bis ganz an die Ostspitze schaffe.

Als Bild des Tages gab es heute mehrere Postkartenmotive zur Auswahl. Ich habe ein bisschen hin und her überlegt und mich dann gegen alle Vulkanseen entschieden. Statt dessen zeige ich Euch heute den Blick vom Miradouro do Escalvado auf die Nordwestspitze von São Miguel. Hier habe ich ne halbe Stunde gestanden, auf das Meer gekuckt und Möwen beobachtet und fotografiert. Bei dem Blick kann ich sofort verstehen, weshalb der Slogan von SATA, der azoreanischen Fluggesellschaft, "The Atlantic and you" lautet.

Apropos SATA. Morgen gibt's nen Tagesausflug per Flieger. Es geht nach Graciosa, einer Insel der Mittelgruppe. Bin gespannt. Insgesamt haben die Azoren neun Inseln, und wenn alles so klappt wie ich es mir vorgstellt habe, dann werde ich fünf von ihnen besuchen. Jedenfalls ist morgen frühes Aufstehen angesagt, denn der Flieger geht schon um 7:15 Uhr. Es soll sich ja lohnen.

Für übermorgen habe ich dann die erste Runde Whalewatching ins Auge gefasst. Morgen aber erst mal Graciosa. Da werde ich bestimmt auch einiges erzählen können.

Ohh – und obwohl heute der 1. April ist hab' ich in diesem Reiselogbuch nicht geflunkert :-)