Reiselogbuch - 2011 USA Nordosten und Memphis


27. Juli 2011

Es geht wieder los – ich bin op Tour... *freu... Naja – im Moment noch nicht so wirklich op Tour sondern müde und kaputt in meinem ersten Quartier in der Nähe von Baltimore. Der Start meines diesjährigen Sommerurlaubs war recht holperig. Mit rund dreieinhalb Stunden Verspätung ging's heute Morgen oder vielmehr heute Mittag erst los in Richtung Atlanta. Bis dahin hatten die Mechaniker noch an der Maschine gearbeitet und Delta Air Lines hatte uns schon einen Essensgutschein spendiert. Ich hatte schon begonnen mich mit dem Gedanken eines umständlichen oder um einen Tag verzögerten Starts in die Ferien anzufreunden aber dann hieß es plötzlich doch „Alle einsteigen“. Der Transatlantik-Flug war nicht wirklich bemerkenswert, aber die dreieinhalb Stunden konnten wir natürlich nicht mehr rein holen. Damit war dann auch mein Flieger nach Baltimore, der ersten Station meiner Tour, futsch und ich habe dank der Einreiseformalitäten erst den übernächsten bekommen. Was ärgerlicherweise dazu führte, dass ich auch nicht die MD-90 von Delta als neue Flugzeug-Airline-Kombination in meine persönliche Liste aufnehmen konnte sondern „nur“ mit einer MD-88 geflogen wurde. Okay, war nicht soooo schlimm, ich mag auch die MD-88 sehr. Um viertel vor zehn heute Abend war ich endlich am Ziel, habe den Mietwagen übernommen und bin noch ein paar Meilen bis zum Hotel gefahren. Morgen beginnt dann die Rundreise. Für heute mache ich's hier aber kurz.
Eigentlich hatte ich gehofft, beim Anflug auf Baltimore ein paar Fotos von Washington machen zu können, aber durch die Flugänderung war es heute leider schon dunkel, als wir landeten. Als Bild des Tages gibt es deshalb heute – nicht zuletzt auch in Ermangelung anderer Motive – einen Experimentierversuch mit Sonne und Flugzeugflügel. So ungefähr ne halbe Stunde nach dem Start von  Atlanta Richtung Baltimore.
Oh - fast hätte ich es vergessen. Schreibt mir bitte ne kurze Mail, ob Ihr das Logbuch in lesbarem Zustand erhalten habt.



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28. Juli 2011


Mein erster voller Tag im Land und er hatte es schon richtig in sich. Vier Bundesstaaten innerhalb von nur wenigen Stunden, das ist schon nicht ganz so einfach. Okay – vier ist  eigentlich geschummelt. In Virginia war ich nur deshalb, weil die Straße für ein paar hundert Meter über das Gebiet dieses Staates lief. Aber Maryland, West Virginia und Pennsylvania standen heute ausführlich auf dem Programm. Heute morgen ging es schon ziemlich früh los, um kurz nach neun. Zwar hatte die späte Ankunft in Baltimore mir  geholfen, gut zu schlafen, aber um kurz nach sieben ging dann nix mehr mit Augen zu, und so bin ich nach nem schnellen Frühstück im Hotel direkt aufgebrochen. Da ich aber heute ein sehr ehrgeiziges Besichtigungsprogramm hatte war das auch nicht weiter schlimm. Schwerpunkt des heutigen Tages war Geschichte. Dabei bin ich auch auf meinen eigenen Spuren gewandelt und habe heute eigentlich nur Orte besucht, wo ich bei meinem ersten Besuch in dieser Gegend hier schon mal war. Damals allerdings, in den Herbstferien 2000, war wirklich der Bürgerkrieg das Thema der Tour. Heute bot es sich dagegen einfach nur an, wo ich sowieso schon mal hier bin.
Den Auftakt machte ein Besuch in Harpers Ferry. Diese kleine Stadt liegt in West Virginia  direkt am Zusammenfluss des Shenandoah und des Potomac River in den Blue Ridge Mountains. Die Gegend ist wild romantisch und für den Rest des Tages ging dann auch John Denver in meinem Kopf herum. Entstanden an der Stelle, wo vor ungefähr 250 Jahren der englische Kolonist Robert Harper eine Fähre über den Potomac einrichtete, war die Stadt im 19. Jahrhundert recht groß und industrialisiert. Zwei Eisenbahnlinien treffen hier zusammen und um die Jahrhundertwende vom 18. zum 19. Jahrhundert wurde hier eine Waffenfabrik der amerikanischen Regierung gebaut. Diese Fabrik sorgte im Jahre 1859 dafür, dass das Städtchen in die amerikanische Geschichte einging, als John Brown, ein militanter Abolitionist, also ein Befürworter der Sklavenbefreiung, mit einigen Kumpanen die Fabrik und das dazugehörige Arsenal überfiel und mit den erbeuteten Waffen einen Sklavenaufstand anführen wollte. Der Überfall schlug aber fehl, Brown wurde verhaftet und wenige Monate später wegen Mordes und Hochverrats hingerichtet. Der Überfall führte aber zu einer weiteren Verschärfung der ohnehin schon angespannten Stimmung zwischen Nord- und Südstaaten und trug so nicht unerheblich zum Ausbruch des Bürgerkrieges bei. Heute ist der Ort ein Freilichtmuseum, denn nach mehreren Überschwemmungen Anfang des 20. Jahrhunderts wurde die Industrie vor Ort aufgegeben.
Als ich 2000 zum ersten Mal in Harpers Ferry war, war das Wetter schlecht und alles wirkte sehr düster zwischen den bewaldeten Schluchten der Blue Ridge Mountains. Heute im Sonnenschein und bei Kurze-Hosen-Wetter hat es mir dagegen deutlich besser gefallen, aber eine gewisse düstere Aura hat der Ort für mich immer noch.
Die nächste Station war das Antietam National Battlefield. Hier fand am 17. September 1862 eine der schwerste Schlachten des Bürgerkriegs statt. Auch hier war ich 2000 schon mal gewesen und war ehrlich gesagt heute überrascht und fast erschrocken, wie wenig ich davon noch in Erinnerung hatte. Es gibt eine schöne selbstgeführte Autotour über das Gelände, aber ich konnte mich einzig und allein an den Beobachtungsturm erinnern, der einen Rundblick über das Schlachtfeld und die eigentlich liebliche Landschaft im Vier-Staaten-Gebiet von Maryland, Virginia, West Virginia und Pennsylvania bietet.
Dafür hatte mein Gedächtnis dann aber zum Glück beim dritten Besichtigungsschwerpunkt des heutigen Tages weniger Lücken. Als Höhepunkt stand nämlich noch Gettysburg auf dem Programm, wo zwischen dem 1. und dem 3. Juli 1863 die Schlacht geschlagen wurde, die das Blatt im amerikanischen Bürgerkrieg zugunsten des Nordens wendete. Elf Jahre nach meinem ersten Besuch dort war ich immer noch genauso beeindruckt wie damals und eigentlich sogar noch mehr. Es gibt nämlich inzwischen ein hochmodernes, superschickes Besucherzentrum, wo man die Ereignisse des Juli 1863 genau erklärt bekommt. Dass die Amerikaner ein etwas seltsames Volk sind ist ja keine große Neuigkeit, aber ich finde die Art, wie sie mit ihrer Geschichte im Hinblick auf den Bürgerkrieg umgehen einerseits beeindruckend aber andererseits auch ein bisschen beängstigend. Okay – das jetzt auszuführen würde hier zu lange dauern. Ihr könnt mich gerne mal von Angesicht zu Angesicht darauf ansprechen.
Nach dem Besuch im Visitor Center habe ich mich dann auch in Gettysburg auf die selbstgeführte Autotour gemacht, was angesichts der 16km² Größe des Terrains auch dringend angeraten ist. Leider musste ich den Besuch allerdings etwas abkürzen, denn der Tag war schon fortgeschritten und ich musste von Gettysburg auch noch eine dreiviertel Stunde bis zum Hotel in Mechanicsburg fahren wo ich endlich um halb acht heute Abend ankam. Der Besuch in Gettysburg war den langen Tag aber auf jeden Fall wert. Irgendwie ist es schon fast unwirklich, durch die sanften Hügel, kleinen Wäldchen, durch die Mais- und Getreidefelder zu fahren und dabei überall von Monumenten und Kanonen an das Geschehen vor fast 150 Jahren erinnert zu werden. Ja, ich weiß - Militärgeschichte ist nicht jedermanns Sache und nicht jeder kann nachvollziehen, was mich an solchen Orten fasziniert und beeindruckt. Auch dazu bin ich aber gerne bereit, Aug' in Auge und am liebsten mit nem Bier oder schottischen Schnaps Rede und und Antwort zu stehen.
Auf Grund der Kontroversität des Themas wollte ich auch eigentlich kein Foto aus Gettysburg hier präsentieren, aber ich hab mich dann doch dafür entschieden. Auf dem Bild sieht man den Blick vom sogenannten „Little Round Top“, einem kleinen aber taktisch wichtigen Hügel auf dem Schlachtfeld, mit der lebensgroßen Statue des Brigadegenerals Gouverneur Kemble Warren, der hier geistesgegenwärtig den Kampf der Nordstaatler gegen einen Flankenangriff des Südens organisiert hat. Und außerdem gibt es auch noch ein bisschen von der schönen Landschaft hier zu sehen.
Okay, heute war's ein langes Logbuch. Morgen geht’s erst nach Harrisburg, das Kapitol von Pennsylvania besuchen und danach nach Pittsburgh zu Michi und Steffi.


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30. Juli 2011

Heute war Programm in Pittsburgh angesagt. Nach nem gemütlichen Frühstück sind die Eichhorns und ich zusammen aufgebrochen. Ich hatte schon mit Vorbedacht meinen Besuch hier so gelegt, dass er auf ein Wochenende fiel, so dass die beiden auch schön Zeit für gemeinsame Unternehmungen haben.
Zuerst gab es ne kleine Stadtrundfahrt, wo mir Michi und Steffi die Stadt ein bisschen gezeigt haben, zum Beispiel, wo Steffi in den letzten Monaten ihre Sprachkurse gemacht hat.
Pittsburgh ist genau so, wie ich es mir vorgestellt habe. Eine amerikanische Großstadt in der mittleren Gewichtsklasse, so wie zum Beispiel Memphis, Cincinnati, Denver oder St. Louis. In vieler Hinsicht ähneln sich Städte dieser Art in den USA, aber sie sind auch wiederum verschieden und individuell. Und vor allem sind sie meiner Meinung nach viel typisch amerikanischer, als die großen Drei, New York, Los Angeles oder Chicago.
Pittsburgh hat in den letzten Jahrzehnten einen ziemlichen Wandel erlebt, weg von der Stahl-Metropole und hin zu einem vielfältigen Angebot, mit einem Schwerpunkt auf Bildung und Medizin. Trotzdem fällt an der einen oder anderen Stelle noch die alte Industriearchitektur auf. Wir sind zum Beispiel heute an der ehemaligen Fabrik von H.J. Heinz vorbeigekommen. Genau, der mit dem Ketchup und den anderen 56 Varieties (macht also insgesamt dann die berühmten 57). Die Firma Heinz spielt hier in Pittsburgh eine gewichtige Rolle, auch wenn Pittsburgh in erster Linie Stahl- und nicht Ketchup-Stadt war und ist. Aber die Familie Heinz ist in vielen Bereichen genauso wie die Stahl- und Kohlemagnaten als Sponsor und Mäzen aufgetreten. So überrascht es denn nicht, dass eines der Museen, die sich mit der Geschichte der Stadt und des westlichen Pennsylvania beschäftigen, das John Heinz History Center ist. Das haben wir uns dann heute nach der Stadtrundfahrt in aller Ruhe angekuckt. Viel gab's dort zu entdecken und wir haben uns deshalb auf das für uns spannendste beschränkt, die Geschichte der Industrie in Pittsburgh und die Ausstellung über die Firma Heinz. Da gab's schon sehr viel Interessantes zu sehen und zu erfahren.
Danach waren wir zu einem frühen Abendessen in der „Cheesecake Factory“. Das ist eine Restaurant-Kette wo es amerikanisches Essen gibt, Burger und Steaks und eben auch Cheescake, aber alles nicht im Fast Food-Stil sondern richtig schön. Danach haben wir dann eine Böötchenstour auf den drei Flüssen von Pittsburgh gemacht. Mit den drei Flüssen ist das so  ne Sache. Man ist hier sehr stolz auf die Lage an den drei Flüssen, Ohio, Allegheny und Monongahela. Das letzte Baseball-Football-Stadion hieß sogar Three Rivers Stadium. Trotzdem sucht man drei wirkliche Flüsse hier vergeblich, denn das Zentrum von Pittsburgh liegt auf einer Halbinsel zwischen ZWEI Flüssen, dem Allegheny und dem Monongahela, die nach ihrem Zusammenfluss eben den Ohio bilden. Dem Spaß bei der Böötchenstour tat dies aber keinen Abbruch.
Als nächstes ging es dann zu einer weiteren pittsburgher Institution, einer der sogenannten Inclines. Das sind Standseilbahnen, mit denen man aus dem Flusstal zügig und stilvoll auf die hohen Ufer der Flüsse fahren kann. Früher gab's davon etliche, heute ist es was für Touris, aber trotzdem schön und von oben hat man dann einen herrlichen Blick auf die Stadt. Den haben wir dann ausgiebig bei ein paar Drinks genossen und zugesehen, wie es langsam dunkel wurde über der Stadt. Damit war dann auch klar, was trotz der großen Auswahl das Bild des Tages werden würde, nämlich Pittsburgh in der Dämmerung.
Morgen machen wir nen Tagesausflug in die Umgebung von Pittsburgh und morgen abend soll dann schön gegrillt werden auf dem Deck der Eichhorns, der Holzveranda, die nach hinten raus liegt. Eines kann ich jedenfalls jetzt schon sagen. Pittsburgh gefällt mir und ich glaube Steffi und Michi geht's hier auch richtig gut.


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29. Juli 2011

Ich bin in Pittsburgh bei den Eichhorns und sitze nach einem sehr schönen Abend hier im Gästezimmer und bin sehr nachdenklich. Die schlechte Nachricht aus der Eifel vom schweren Autounfall zweier ehemaliger Schüler war in Windeseile auch auf dieser Seite des großen Teichs angekommen. Das Internet und Facebook machen's möglich. Da möchte man sich fast die glücklichen Zeiten zurückwünschen, als man solche Informationen erst nach der Rückkehr bekam. Aber andererseits: würde es dadurch besser, dass man es nicht weiß? Damals hatte man nachher das Gefühl „Ich war im Urlaub, wusste von nichts und hatte Spaß und währenddessen sind zu Hause so schlimme Dinge passiert.“ Im Moment jedenfalls finde ich es schwierig mich auf mein Reiselogbuch zu konzentrieren. Ich will's aber trotzdem versuchen, trotz der vorgerückten Stunde und auch wenn meine Gedanken grade immer wieder in die Eifel wandern.
Mein Tag heute begann in Harrisburg, der Hauptstadt von Pennsylvania, mit einem Besuch des Kapitols. Hier war ich zwar vor elf Jahren auch schon mal, aber heute war die Gelegenheit, endlich digitale Fotos zu bekommen. Das Kapitol hier ist für meinen Geschmack zwar etwas zu neo-barock, aber doch ganz ansehnlich. Ich bin also in aller Ruhe rumgelaufen und habe mir die Kuppel und die Sitzungssäle angekuckt und dabei unter anderem einer Schülergruppe zugesehen, die im Senatsaal diskutierten. Alle schön schick gemacht im Anzug und sehr ernsthaft bei der Sache. Wahrscheinlich ein Schulprojekt, vermute ich mal. Leider habe ich verpasst, jemanden zu fragen.
Danach bin ich zum National Civil War Museum gefahren. Davon hatte ich mir allerdings ein bisschen mehr versprochen. Es war zwar schon interessant und gut gemacht, aber nichts für Anfänger in dieser Materie. Zum Glück gehöre ich aber nicht zu dieser Gruppe Leute.
Anschließend ging's dann auf die Autobahn und rund dreieinhalb Stunden später war ich in Pittsburgh bei Michi und Steffi. Michi war noch nicht zu Hause, denn er kam erst im Laufe des Abends von einer Dienstreise zurück, aber Steffi und ich haben schon mal ohne ihn mit erzählen angefangen. Insgesamt hatten wir einen sehr lustigen Abend und haben noch lange auf dem Deck hinter dem Haus der beiden hier auf dem Squirrel Hill gesessen und erzählt über Gott und die Welt. Morgen ist Besichtigungsprogramm hier in Pittsburgh angesagt. Ich freu' mich schon. Für heute abend soll's jetzt aber mit Logbuch genug sein.
Ein Bild des Tages gibt es aber natürlich doch. Ein Blick von unten in die Kuppel des Kapitols in Harrisburg. Wer meine Webseite kennt, der weiß, dass es da schon einige vergleichbare Bilder gibt. Vielleicht kriege ich ja eines Tages mal die 50 voll.

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31. Juli 2011


Mein zweiter und leider auch letzter Tag in Pittsburgh. Ich muss echt sagen, dass ich mit Michi und Steffi Riesenspaß hatte und dass die beiden echt ganz tolle Gastgeber sind. Aber leider geht’s halt morgen schon wieder weiter.
Heute war aber noch mal ein gemütlicher Familientag angesagt. Es ging mit einem schönen Frühstück los. Steffi hatte Pancakes gemacht. Michi meinte, dass er nicht auf Ahornsirup steht, aber ich tu das schon. Jeden Tag möchte ich zwar jetzt nicht Pancakes mit Ahornsirup haben, aber mal ist es schon echt schön. Wir haben dann noch relativ lange auf dem Deck gesessen und sind auch erst so gegen Mittag aufgebrochen. Wir hatten gestern und heute morgen ziemlich hin und her überlegt, was das Programm des heutigen Tages sein sollte und uns dann endlich für eine Tour in die Umgebung entschieden. Eine Entscheidungshilfe war dabei unser gestriger Besuch im John Heinz History Center, wo es eine Ausstellung zum Englisch-Französisch-Indianischen Krieg gab, der letztendlich in den Siebenjährigen Krieg mündete und die weltweite Machtverteilung von den Franzosen zu Gunsten der Engländer verlagerte.
Gegen halb eins heute Mittag sind wir also im Mazda der Eichhorns aufgebrochen und hatten uns als Programm für heute das Fort Necessity National Battlefield, den Ohiopyle State Park und Fallingwater ausgesucht. Damit sollten wir den Tag über ziemlich beschäftigt sein.
Von Pittsburgh nach Fort Necessity fährt man ne gute Stunde und es lag zum Glück sowieso in der Nähe der beiden anderen Sehenswürdigkeiten. Zum Glück sage ich deshalb, weil ja nicht jeder mein Interesse an solchen Lokalitäten teilt und ich auch nicht wusste, was Michi und Steffi sagen würden, als ich meinte: „Och, lasst uns noch da vorbeifahren.“ Ich war selber sehr gespannt, was uns dort erwarten würde, denn ich habe zwar schon einige Schlachtfelder in den USA besucht, aber es gab halt von 'sehr viel' bis 'praktisch gar nix' schon alles zu sehen und die pädagogische Aufbereitung war auch nicht immer, wie man es sich wünscht.
Wir hatten so gut zwei Drittel der Strecke zurückgelegt, als sich bei Michi, der auf dem Rücksitz saß, das Blackberry meldete. Tante Anne war am Telefon. Nach dem üblichen Austausch von Grüßen erzählte Michi dann, was wir grade machten und dass wir auf dem Weg zum Fort Necessity National Battlefield waren. Dann lachte er und sagte, „Meine Mutter meinte grade 'Naja, der Militärhistoriker ist zu Besuch bei Euch.'“ Hehehe... stimmte. Und der Militärhistoriker dachte sich in dem Moment:  'Hoffentlich, lohnt sich der erste Punkt des Tages. Nicht dass Steffi und Michi das nur mir zum Gefallen tun und sich hinter vorgehaltener Hand langweilen.' Zur Not war man ja aber auch schnell wieder im Auto nach nem kurzen Rundgang vor Ort und auf dem Weg zum nächsten Besichtigungspunkt des Tages.
Was soll ich sagen? Aus den 20 Minuten, die ich im Kopf für Fort Necessity veranschlagt hatte, wurden fast zwei Stunden, es war überaus kurzweilig und ich glaube auch Michi und Steffi hatten ihren Spaß.
Kurz zum historischen Hintergrund: Fort Necessity wurde im Juli 1754 von den Engländern errichtet, nachdem es ein paar Wochen zuvor in den Wäldern West-Pennsylvanias ein ungeplantes Scharmützel mit den Franzosen und ihren indianischen Verbündeten gegeben hatte. Kommandeur der britischen Truppen war damals ein 22-jähriger, noch unbekannter Oberst namens George Washington, der hier das einzige Mal in seiner Karriere vor einem überlegenen Feind kapitulieren musste. Auch wenn es bis zum globalen Ausbruch des Siebenjährigen Krieges noch zwei Jahre hin waren, so gelten die Schüsse, die damals hier in der Gegend fielen als Auftakt und Vorspiel dieses großen Konfliktes, der von manchen Historikern als der erste Welt-Krieg bezeichnet wird, und über den ich ganz dringend mal ein Buch lesen muss.
Heutzutage gibt es in Fort Necessity eine Rekonstruktion der englischen Befestigungsanlagen, und heute gab es darüber hinaus einige Ranger und Praktikanten in historischen Gewändern, die eine Demonstration mit einem nachgebauten Mörser aus der damaligen Zeit abhielten – inklusiver heftigem Bumm und viel Schwarzpulverdampf-  und vor allem viel über die Ereignisse von damals zu erzählen wussten. Auch das Visitor Center hatte es wirklich in sich mit schöner Ausstellung und informativem Film. Als wir endlich wieder draußen vor der Tür standen waren fast zwei Stunden rum und wir wussten nicht, wo die Zeit geblieben war.
Als nächstes ging es zu den Cucumber Falls im Ohiopyle State Park, aber im Gegensatz zu Michis und Steffis erstem Besuch hier vor ein paar Monaten war aus dem reißenden Strom und dem tosenden Wasserfall durch die sommerliche Trockenheit ein dünnes Rinnsal und ein sanftes Plätschern geworden. Der dritte Punkt des Tages, Fallingwater, eines der Meisterwerke des Architekten Frank Lloyd Wright, war dann leider schon geschlossen, als wir endlich vor der Tür standen, wobei ich glaube, dass wir wahrscheinlich auch sonst nicht reingegangen wären, denn 20,00US$ Eintritt fanden wir doch schon extrem sportlich.
Da der Tag schon vorgerückt war, sind wir nach Pittsburgh zurückgefahren und haben uns an die Vorbereitung des Abendessens gemacht. Es sollte gegrillt werden. Pünktlich zum Essen sind dann noch Jürgen und Conny, zwei Freunde von Michi und Steffi aus Deutschland, die die nächsten Tage hier verbringen werden, hier aufgeschlagen und so klang der Tag bei Steaks vom Grill, Süßkartoffeln aus dem Ofen und schottischem Schnaps von der Insel Islay aus.
Morgen heißt es dann Abschied nehmen und ich hoffe, Euch morgen Abend aus Toronto den nächsten Bericht schicken zu können. Bin schon gespannt, was ich dann zu erzählen habe.
Als Bild des Tages gibt es heute Michi und Steffi, die in der Rekonstruktion des Forts stehen. Wäre ja auch schade, wenn meine beiden Gastgeber hier nicht im Reiselogbuch vorkämen.


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