Reiselogbuch - 2017 Irland


23. Juli 2017

Unser letzter Tag in Irland... morgen geht’s nach Hause.
Nach dem Frühstück sind wir von Belfast aus in Richtung Süden gestartet, denn unser Flieger startet wieder von Dublin. Allerdings, wie so oft auf dieser Tour, ging's nicht auf gradem Weg sondern auf Umwegen über viele schöne Nebenstrecken. Nach einem kurzen Stück Autobahn sind wir an der Südostküste Nordirlands entlang und dann durch die Mourne Mountains gefahren. Hier war meine Mutter 1963 schon mal gewesen, als sie mit ihrer Mutter und ihrer Schwester in Irland Urlaub gemacht hat. Ist jetzt 54 Jahre her. Da kann man schon noch mal auf seinen eigenen Spuren wandeln. (Ähnlich hat sich übrigens mein Vater auf den Aran Islands gefühlt, die er, ebenfalls 1963, mit einem Freund auf einer gemeinsamen Irland-Tour bereist hat).
Ab Newry sind wir dann wieder auf Schnellstraße und Autobahn weiter in den Süden gefahren und haben dabei erneut die Grenze zwischen Nordirland und der Republik Irland passiert, was genauso unspektakulär war wie bei unserer Einreise vorgestern.
Der erste Besichtigungspunkt war etwas, wo ICH jetzt alte Erinnerungen hätte haben sollen. Wir waren in Monasterboice, wo ich vor 39 Jahren, im Sommer 1978, mit meiner Oma im Rahmen unserer Dr.Tigges-Irlandreise schon mal war. Auch ich konnte leider nicht mit konkreten Erinnerungen aufwarten.
Monasterboice war früher mal ein kleiner Klosterkomplex, mit zwei steinernen keltischen Hochkreuzen und mit einem der für irische Klöster typischen Rundtürme, die zum Schutz vor Wikingerangriffen dienten. Von der einstigen Klosterherrlichkeit ist nicht viel übrig geblieben. Die Gebäude sind verfallen, dem Rundturm fehlt das Dach, und auf dem Gelände befindet sich jetzt ein Friedhof. Lediglich die beiden Hochkreuze erinnern noch an früheren Glanz. Wir haben zuerst auf dem Picknickplatz von Monasterboice Mittagspause gemacht und uns dann in Ruhe die Anlage angekuckt, die einiges an schönen Fotomotiven bot, aber – wie Ihr wohl schon geahnt habt - es nicht zum Bild des Tages geschafft hat.
Der nächste und zugleich letzte Programmpunkt unserer Irland-Reise war nämlich noch mal ein richtiger Kracher. Wir waren in Brú na Bóinne, wo sich mehrere neolithische Grabhügelkomplexe befinden. Ich hatte ja schon vor ein paar Tagen etwas über 'passage tombs' erzählt. Die jungsteinzeitlichen Gräber in Brú na Bóinne sind ungefähr 500 Jahre älter als die Pyramiden von Gizeh und stammen aus der Zeit um 3200 v. Chr..
Wir waren um viertel vor drei vor Ort und haben im Visitor Center von Brú na Bóinne noch Plätze für eine Tour jeweils zu dem Gräberkomplex von Knowth und zum 'passage tomb' von Newgrange ergattert. Man kann nämlich in Brú na Bóinne nicht einfach so losziehen sondern muss eine Führung mitmachen und wird vorher per Shuttlebus zu den entsprechenden Locations gefahren. Es war ein herrlicher Sonntagnachmittag, und so waren wir in Brú na Bóinne nicht ganz allein. Das hat aber dem Erlebnis keinen Abbruch getan. Wir waren zuerst in Knowth, was von außen die eindrucksvollere Anlage ist. Leider kann man dort nicht mehr in die Grabkammer rein, weil der Gang dorthin in den vergangenen 5000 Jahren etwas in Mitleidenschaft gezogen wurde. Reinkucken konnte man aber trotzdem und fotografieren durfte man auch... und damit habe ich das Bild des Tages ja auch schon erklärt...
Das Grab in Knowth ist genau auf die Sonnenauf- und -untergänge an den Tagen der Tag-und-Nacht-Gleiche ausgerichtet. Das muss man erst mal hinkriegen, ohne Computer. Ähnlich verhält es sich mit dem zweiten Grabhügelkomplex, den wir heute besucht haben. Das Grab in Newgrange ist auf den Sonnenaufgang zur Wintersonnenwende hin ausgerichtet, und dann scheint für 17 Minuten das Licht der aufgehende Sonne in die Grabkammer. Bei der Führung dort wurde uns das auch mit Hilfe einer Lampe simuliert. Leider durfte man dort nicht fotografieren (wir sollten ja alle einen Grund haben, im Visitor Center die entsprechenden Postkarten zu kaufen). So haben wir dann nur staunend in der Grabkammer gestanden, und auf das 5000 Jahre alte falsche Gewölbe gekuckt und auf den Lichtstrahl. Meine Eltern und ich haben uns heute mehrfach an unseren Besuch in Antequera, Andalusien, im Herbst 2014 erinnert gefühlt. Echt ein super Erlebnis und nicht zu Unrecht eine der Topp-Sehenswürdigkeiten von Irland.
Um viertel vor sieben sind wir endlich von Brú na Bóinne aufgebrochen. Zum Glück waren es nur ein paar Kilometer von dort bis zu unserem letzten Quartier, in Drogheda, wo wir mal wieder sehr schön wohnen. Es gab noch ein sehr leckeres Abendessen hier in der Bar des Quartiers und zum Schluss nen irischen Whiskey, den ich noch nicht kannte, den ich aber versuchen werde, morgen am Duty Free Shop in Dublin zu kriegen.
Tja, heute ist der letzte Abend in Irland. Morgen geht’s nach Hause. Programm haben wir keines mehr. Ich denke also, dass das letzte Bild genau wie das erste aus dem Flieger kommen wird. Ich werde euch aber auf jeden Fall morgen abend noch einen abschließenden Logbucheintrag schicken, wenn KLM gut arbeitet.

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24. Juli 2017

Sooo... endlich sitze ich in Ruhe am Schreibtisch und schreibe den letzten Logbucheintrag für die Irland-Tour 2017. Gestern gab's leider nämlich ein paar Verzögerungen und so bin ich nicht mehr zum Logbuchschreiben gekommen, und heute waren dann erst mal andere Sachen wichtiger, wie einkaufen und kochen und auspacken und... und... und...
Der Tag gestern war nur ein Reisetag. Programm gab es keines mehr. Wir haben sehr gemütlich und sehr schön in Drogheda gefrühstückt und uns dann auf die letzen 45km zurück zum Flughafen Dublin gemacht. Dankenswerter Weise liegt der im Norden der irischen Hauptstadt, so dass wir nicht mehr in die Stadt oder um die Stadt herum fahren mussten. So haben wir Dublin auf dieser Irland-Tour komplett ausgespart. Nach genau 1333km haben wir uns von unserem Passat verabschiedet, der uns gute Dienste geleistet hat, und dann blieb nur noch der Rückflug.
Unser Flug nach Amsterdam startete zwar mit leichter Verspätung, aber die wurde im Flug fast komplett wieder rein geholt. Allerdings hatten wir in Amsterdam nur 40 Minuten zum Umsteigen, so dass ich mir schon ein bisschen Sorgen gemacht hatte, dass a) die Koffer nicht mit kommen würden und b) ich selber mich sehr, sehr würde beeilen müssen. Meine Eltern sollten ja eine Umsteigehilfe vom Flughafen bekommen, da war ich unbesorgt. Aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Nach ner ziemlichen Hetzerei durch Passkontrolle und zum Flugsteig war ich auf den letzten Drücker im Bus zum Flugzeug, als eine der freundlichen KLM-Mitarbeiterinnen in den Bus kam, meinen Namen ausrief und mir dann mitteilte, dass meine Eltern den Flug nicht mehr erreichen würden. Ich bin dann auch wieder ausgestiegen, und wir wurden auf den nächsten Flug, um 21:30h umgebucht. Wir hatten im Laufe des Nachmittags/Abends noch einigen Brasel mit der Firma die für die Umsteigehilfe zuständig ist. Die Wartezeit haben wir uns mit Kartenspielen vertrieben. Um zwanzig vor elf gestern Abend waren wir dann endlich in Düsseldorf, zum Glück inklusive unserer Koffer (das ist ja – wie man im letzten Jahr eindrucksvoll mitverfolgen konnte, keine Selbstverständlichkeit).
Fazit der Tour: Es war super. Meine Eltern und ich sind inzwischen ja ein eingespieltes Team, so dass es da keinerlei Reibungsverluste mehr gab. Wobei ich – wenn wir noch mal zusammen verreisen – längere Mittagspausen einplanen werde... *lach...
Tja – und Irland... Das stand ja nicht so wirklich weit oben auf der Liste meiner kommenden Reiseziele, aber es passte schön in mein Konzept der "Ferien mit den Eltern"... und ich muss sagen, ich bin sehr angetan. Der Teil von Irland, den wir gesehen haben, ist wirklich schön. Tolle Landschaft, aber auch viel Kulturelles und vor allem Geschichtliches. Belfast ist super, und ziemlich weit oben auf der Liste der Kandidaten-Städte für nen Wochenendtrip. Nicht unbedingt in den nächsten zwei Jahren, aber auch nicht in weiter Ferne. Es war eine tolle Reise und ein absolut gelungener Start in die Sommerferien 2017. Am Freitag geht's schon wieder weiter...
Als Bild des Tages gibt es noch einen letzten Blick auf die grüne bzw. in diesem Bild eher gelbe Insel, direkt nach dem Start in Dublin.

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21. Juli 2017

Wir sind in Belfast, und eine der spannendsten Fragen der Tour wurde heute geklärt: Wie sieht die Grenzkontrolle zwischen der Republik Irland und dem Vereinigten Königreich von Großbritannien und Nordirland aus? Kurze Antwort: es gibt keine Grenzkontrolle. Wir sind in der Nähe von Derry (die Engländer und die protestantischen Nordiren nennen die Stadt Londonderry) über die Grenze gefahren, und das einzige, was uns drauf aufmerksam gemacht hat, war ein Schild „Welcome to Northern Ireland“, auf dem auch noch jemand schwarze Farbe über das Wort 'Northern' gesprüht hatte. Man merkt allerdings doch deutlich, dass man nicht mehr in der Republik Irland, sondern im Vereinigten Königreich ist. Nicht nur, dass die Straßenbeschilderung anders ist, und das plötzlich Entfernungen in Meilen gemessen und die Spritpreise in Pfund angeschlagen werden. Nordirland ist auch sauberer und aufgeräumter und besser organisiert.
Wichtigstes Besichtigungsziel war heute der Giant's Causeway. Das ist eine Ansammlung von circa 40.000 sechseckigen Basaltsäulen, die dicht nebeneinander stehend eine Landzunge bilden, die in den Atlantik hineinragt. Vulkanisch gebildete Basaltsäulen sind jetzt zwar nichts so Ungewöhnliches und es gibt auch in der Eifel mehrere Fundorte, aber in der Art, wie sie hier am Giant's Causeway zu sehen sind, sind sie schon sehr eindrucksvoll und nicht zu unrecht ein UNESCO Weltkulturerbe, das einzige in Nordirland.
Bevor wir zum Giant's Causeway kamen, hatten wir aber vorher noch in Colraine ein bisschen eingekauft und in Portrush zu Mittag gegessen. Das war nicht ganz so einfach gewesen, denn obwohl Portrush in ziemlicher Touri-Ort ist, machten die meisten Restaurants dort erst am späten Nachmittag auf. Wir haben dann aber doch eine Lokalität gefunden, die uns zugesagt hat und wo wir schöne Fish and Chips bekommen haben.
Von Portrush sind es nur ein paar Meilen bis zum Giant's Causeway. Dort waren wir nicht alleine. Es gibt ein richtig großes Visitor Center, mehrere Parkplätze und Park&Ride-Parkplätze und Buspendelverkehr und das alles steht unter der Aufsicht des National Trust.Auch bei den Eintrittspreisen ist man – wie meist im Vereinigten Königreich – nicht zimperlich. Pro Erwachsenem kostet der Besuch des Giant's Causeway 10,50 ₤.
Der Himmel war grau und ein paar Tropfen fielen, als wir auf den Parkplatz fuhren, und dann hat die Truppe geschwächelt... meine Eltern wollten nicht aussteigen. Naja, was soll ich sagen? Zwingen kann man ja niemanden zu seinem Glück und so bin ich alleine losgezogen. Man läuft ne Viertelstunde vom Visitor Center zum Causeway (und wer will, der kann sich die Strecke auch mit einem Shuttlebus fahren lassen). Es war zwar einiges los, aber am Causeway selber verläuft sich die Menge schon ziemlich, auch wenn der Causeway nicht so weitläufig war, wie ich ihn mir vorgestellt hatte. Und auch das Riesenbrimborium, das am Visitor Center gemacht wird, ist ein bisschen übertrieben. Der Causeway liegt landschaftlich sehr malerisch, und auch die Ansammlung von Basaltsäulen, die ins Meer hinausragt und über die man auch drüber klettern kann, ist echt sehenswert. Aber ich hatte es mir schon noch ein bisschen spektakulärer vorgestellt. Trotzdem tut es mir nicht leid, die 10,50 ₤ investiert zu haben, denn der Reiz des Giant's Causeway erschloss sich mir vor allem, als ich dann auf und zwischen den Basaltsäulen stand. Die bieten nämlich viele, viele Fotomotive, die weniger in der Totalen als vielmehr im Detail liegen. Und damit wären wir beim Bild des Tages. Man sieht ein Doppelsechseck, das von zwei etwas tieferliegenden Säulen gebildet wird und in dem sich Regen und Brandungswasser gesammelt haben. Die Sonne lugt zwischen den Wolken hervor und spiegelt sich in dem kleinen Becken, während die hineinfallenden Regentropfen schöne Kreise ziehen. Und dabei ist der Ausschnitt des Bildes vielleicht grade mal anderthalb Meter breit.
Als ich wieder am Auto war, hatten meine Eltern grade ihr Mittagsschläfchen beendet.Ich glaube, das hat ihnen auch in den letzten Tagen etwas gefehlt.
Die Weiterfahrt entlang der Küste der Grafschaft Antrim bot dann noch etliche fantastische Blicke auf Land und Meer, aber ich habe jetzt schon so viel Landschaft hier in diesem Reiselogbuch gezeigt, dass es heute mal was anderes sein sollte.
Auf schmalen Küstenstraßen - und die letzten 25 Meilen dann auf Schnellstraße und Autobahn - haben wir heute abend Belfast erreicht, wo wir die nächsten zwei Nächte sein werden. Morgen haben wir hier einen ganzen Tag zur Stadterkundung.

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22. Juli 2017

Belfast... ich war sehr neugierig auf diese Stadt und hatte irgendwie Bilder von Industrie, heruntergekommenen Stadtteilen und die Adjektive „schäbbig-schmuddelig“ im Kopf... weit gefehlt. Belfast ist echt schön... und sauber... und spannend...
Ich habe heute etwas getan, was ich eigentlich vorhatte, nie zu tun. Wir sind mit einem City Sightseeing Hop on-Hop off-Bus gefahren. Was soll ich sagen? Es war besser als erwartet. Als Ersatz oder Alternative zum öffentlichen Nahverkehr ist sowas zwar untauglich, aber als Stadtrundfahrt mit Erklärungen war's echt ziemlich gut. Zumindest hier in Belfast und mit den Guides, die wir hatten. Aber ich erzähl jetzt mal von vorne.
Gestern abend hatten wir uns, gegen meine ausdrücklichen Bedenken, für die Hop on-Hopp off-Tour entschieden, schon alleine aus dem Grund, weil wir so einen Eindruck von allem Sehenswerten in Belfast bekommen könnten, ohne selbst fahren zu müssen. Die Tickets konnte man hier in unserem (echt sehr schönen) Guesthouse kaufen, und die haben uns sogar noch den City Sightseeing Shuttle organisiert, der uns am Quartier abholte und uns pünktlich zum Startpunkt der Rundfahrt brachte. Um 10 Uhr ging's los. Wir sind durch die guten und weniger guten Gegenden von Belfast gefahren worden, und der Guide hat uns sehr viel über die Geschichte der Stadt, die Probleme zwischen den Loyalists (denjenigen Nordiren, die zu Großbritannien gehören wollen und die weitestgehend protestantisch sind) und den Nationalists (denjenigen Nordiren, die lieber zur Republik Irland gehören wollen und die weitestgehend katholisch sind) erzählt. Wenn man durch Belfast fährt, dann kann man die jeweiligen Wohngegenden gut erkennen. Vor allem in den Wohnvierteln der Loyalists hängen mehr britische Fahnen, als in London zum Geburtstag der Queen. Die Nationalists sind etwas zurückhaltender, aber auch hier sieht man die grün-weiß-orangen Farben der Republik Irland an Häusern und Straßenlaternen.
Interessanterweise beschränken sich diese Zurschaustellungen der jeweiligen Anhängerschaft auf die Arbeiterviertel. In den guten Gegenden von Belfast wohnen die besser gestellten Bürger der nordirischen Hauptstadt einträchtig nebeneinander, ohne Fahnen, ohne Zäune, ohne Mauern und ohne Zoff.
Die Geschichte des Nordirlandkonflikts ist hier in Belfast immer noch allgegenwärtig. Wandgemälde glorifizieren die eigenen Leute und dämonisieren die Gegner. Riesige, kilometerlange und mit Grafitti verzierte Mauern trennen in West Belfast die Wohngebiete der Loyalists rund um die Shankill Road von den Wohngebieten der Nationalists rund um die Falls Road. Aber auch in anderen Gegenden sieht man deutlich, wer dort wohnt und kann an Hand der Flaggen und Wandgemälde sehen, zu wem die Einwohnerschaft hält. So wie auf dem Foto des Tages. Hier sieht man das Logo der Ulster Freedom Fighters, einer Gruppierung loyalistischer Paramilitärs/Terroristen (je nachdem auf welcher Seite man steht), die schon 1973 von der britischen Regierung verboten wurde und auf deren Konto über 400 Tote gehen, in der großen Mehrzahl katholische Zivilisten.
Was man bei all dem kaum glauben kann ist, wie freundlich und fröhlich und absolut normal die Leute hier wirken. Oder wie unser Hop on-Hop off-Bus-Tourguide es ausdrückte: „They are all very friendly people. They just don't like each other.“ Womit wir wieder bei unserer Stadtrundfahrt wären. Es war sehr kurzweilig. Außer den Wandgemälden und Mauern und Zäunen und Wohnvierteln von Loyalisten und Nationalisten gab's noch viel mehr zu sehen. Wir sind durch's ehemalige Werftviertel (dazu gleich mehr) gefahren und haben das nordirische Parlament und den Stadtflughafen (wo man bestimmt gut spotten kann... bei meinem nächsten Besuch) gesehen und sind durch die guten Gegenden und das Zentrum der nordirischen Hauptstadt gefahren worden. Der Guide war echt gut. Hier zwei Highlights: „There are only two seasons in Belfast: Winter and June“. Wobei wir heute mit dem Wetter mal wieder Glück hatten und es nur ein paar kleine kurze Schauern gab. In diesem Zusammenhang: „This is the way a Belfast weather forecast works: If you can see the mountains, it's going to rain. If you can't see the mountains, it's already raining.“
Nach der Stadtrundfahrt sind wir ein bisschen im Zentrum von Belfast spazieren gegangen, haben einen Blick ins alte Rathaus geworfen und den St. George's Market, einen Wochenendmarkt für alles von frischem Fisch bis zu Kunstgewerbe, erkundet. Danach gab's für die Mittagspause nen Modekaffee bei Caffe Nero.
Anschließend sind wir durch die Fußgängerzone zurück zum Startpunkt von City Sightseeing gegangen und wieder in den Bus gestiegen. Ich wollte nämlich noch zur touristischen Hauptattraktion von Belfast und meine Eltern wollten noch ein bisschen sightseen. Die touristische Hauptattraktion von Belfast ist „Titanic Belfast“, ein interaktives Museum zur Titanic, denn das berühmte Schiff wurde hier vor Ort von der Firma Harland&Wolf gebaut. Belfast war nämlich mal eines der wichtigsten Zentren des Schiffbaus weltweit, so wie der dazugehörigen Industrien wie Woll- und Leinenverarbeitung.
Was mit der Titanic passiert ist, weiß jeder. Unsere Hop on-Hop off-Führerin wollte allerdings eine Sache klarstellen, als wir auf unserer zweiten Tour wieder an dem Museum vorbeikamen: „That ship was alright when it left here.“ So viel dazu.
Ich hatte viel Spaß in den nächsten anderthalb Stunden, denn das Museum hat viel zu bieten, inklusive Originalartefakten, Computeranimationen, Multimediapräsentationen, und und und... es war allerdings auch ziemlich voll, und so haben mir die anderthalb Stunden auch gereicht.
Als ich wieder draußen war, war es schon zu spät, um wieder mit dem Hop on-Hop off-Bus weiter zu fahren (was sehr praktisch gewesen wäre, denn der hat eine Haltestelle nur wenige Schritte von unserem Quartier entfernt). Ich bin also zurück ins Stadtzentrum spaziert und mit dem Linienbus gefahren. Der öffentliche Nahverkehr ist hier in Belfast sehr gut organisiert... und die Busse, inklusive der unvermeidlichen britischen Doppeldecker, sind lustigerweise pink. Ein schönes Abendessen in einem echt guten Restaurant in der Nähe unseres Quartier rundete den Tag in Belfast ab.
Fazit: Belfast ist echt eine coole Stadt und hat mir sehr gut gefallen. Hier will ich auf jeden Fall noch mal für ein langes Wochenende hin.

P.S. Was man übrigens in Belfast nicht (MEHR) sieht, das sind schwerbewaffnete Polizei oder gar Militär. Seit dem Karfreitagsabkommen vom 10. April 1998 ist es hier in Nordirland ruhig geworden.

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20. Juli 2017

Heute ist Halbzeit... die Zeit fliegt nur so dahin...
Nachdem gestern der Tag im Zeichen des Regens stand, hatten wir heute ziemliches Glück mit dem Wetter. Es hat immer dann geregnet, wenn wir sowieso im Auto saßen, oder wenn wir problemlos ein paar Minuten warten konnten, bevor es mit dem Programm weiterging.
Gestern waren wir ja recht früh gestartet und deshalb hab ich heute morgen das Frühstück erst für halb neun angesetzt. Danach haben wir den Passat beladen und sind von Castlebar in Richtung Norden aufgebrochen. Vor dem ersten Programmpunkt musste etwas Strecke gemacht werden, aber gegen elf waren wir dann in Carrowmore, in der Nähe von Sligo. Hier wurde ab 3700 v. Chr. eine Anlage, eigentlich könnte man sagen „Friedhof“, aus sogenannten 'Passage Tombs' errichtet. Der deutsche Ausdruck Ganggräber ist nicht ganz akkurat, weil man mit 'Ganggräbern' eigentlich eine andere Bauform von Megalithgräbern bezeichnet.
Irland ist ein Zentrum jungsteinzeitlicher Megalithkultur und Carrowmore ist einer von vier größeren Gräberkomplexen auf der Insel. Die Dolmengräber sind über Wiesen und Weiden verstreut und es gibt ein kleines Museum, das die Bauweise und die Örtlichkeiten erklärt. Die Regenschauer, die kurz nach unserer Ankunft über das Gelände hinwegzog, konnten wir im Museum locker aussitzen und dann sind wir zwischen den Dolmengräbern spazieren gegangen und haben uns alles angekuckt. Es gibt zum Beispiel auch einen teilweise rekonstruierten Grabhügel, an dem man schön erkennen kann, wie die Konstruktionen vor 5000 Jahren ausgesehen haben müssen. Leider wurden seit dem die Grabhügel als Steinbrüche missbraucht, so dass in der Regel nur noch der äußere Ring aus Findlingen und die innere Grabkammer als freistehende Dolmenkonstruktion übrig geblieben sind. Es war auf jeden Fall sehr spannend und wie diejenigen von Euch, die schon ein paar meiner Reiselogbücher verfolgt haben, wissen, kann man mir mit jungsteinzeitlichen Sehenswürdigkeiten immer ein Freude machen. Das Foto des Tages wäre zu diesem Zeitpunkt auf jeden Fall schon gesichert gewesen, aber es sollten noch ein paar Höhepunkte kommen.
Von Carrowmore sind wir nach Sligo in die Stadt gefahren, was nur ein paar Minuten Weg sind. Dort haben wir dann ziemlich gesucht und unfreiwillige Stadtrundfahrt gemacht, bis wir die Sligo Abbey gefunden hatten... und dann ob des einsetzenden Regens doch nicht besichtigt haben. Sligo ist jetzt auch nicht so der Bringer als Stadt. Was wir auch nicht gefunden haben, das war Supermarkt. Trotz intensiver Suche sind wir nachher bei nem Spar, der zu einer Tankstelle gehörte, gelandet und haben die Vorräte für das Mittagspicknick aufgefüllt. Und dann ging es weiter nach Norden. Unser Mittagspicknick wurde zwar durch einen weiteren Regenschauer abgekürzt, aber für den Rest des Tages hatten wir Glück mit dem Wetter.
Unser heutiges Etappenziel war Donegal, aber das haben wir erst mal links liegen lassen und sind noch ein bisschen weiter gefahren. Dabei sind wir unter anderem über den Glengesh Pass gekommen, der südwestlich von Ardara auf eine Hochebene führt. Die Landschaft hier ist nicht das, was ich bisher als typisch irisch empfunden hätte. Alles ist karg, weitgehend baumlos und einsam, mit nur ein paar vereinzelten Häusern und kleinen Weilern. Es wirkt eher skandinavisch oder schottisch.
Am späten Nachmittag stand dann noch ein letzter Höhepunkt an. Wir sind zu den Klippen von Slieve League gefahren, die mit rund 600m Höhe zu den höchsten Meeresklippen Europas zählen. Tja, Ihr seht es ja selbst im Bild des Tages: Das Panorama da oben ist der Hammer. Und wir hatten auch noch richtiges Glück mit dem Wetter. Wir haben uns dann auch schön viel Zeit an dem Aussichtspunkt gelassen, fotografiert und die Aussicht genossen.
Eine knappe Stunde fährt man dann noch von den Slieve League Sea Cliffs zurück nach Donegal... natürlich auf dem Wild Atlantic Way. Heute abend gab es zum Abschluss eines tollen Tages noch ein gemütliches Abendessen in der Bar unseres Hotels, inklusive Guiness und Smithwick's.
Auch morgen starten wir gemächlich in den Tag. Frühstück ist wieder um halb neun. Morgen wird es aber auch spannend, denn es geht nach Nordirland hinein. Auf dem Programm steht zwar wieder hauptsächlich Landschaft, aber morgen abend sind wir dann in Belfast.

 

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