Reiselogbuch - 2016 Laos


19. März 2016


Es hat begonnen, das Reisejahr 2016. Und es geht direkt mit einem richtigen Kracher los. Laos. Seit drei Jahren grüble ich über diese Tour nach und seit einem Jahr läuft die konkrete Planung. Heute bin ich aber erst mal in Singapur, bevor ich mich nach einer hoffentlich erholsamen Nacht dahin aufmache, wo Asien noch wild und ursprünglich ist... *lach... Wobei – der Flug von Amsterdam nach Singapore-Changi war heute gar nicht so schlecht. Ich bin kurz vor der aserbaidschanisch-iranischen Grenze eingeschlafen und erst über dem Golf von Bengalen wieder aufgewacht. Das waren bestimmt fünf Stunden Flugzeug-Schlaf... eng, und man sucht dauernd im Halbschlaf nach der richtigen Position, aber es ging.
In Singapur war ich zuletzt vor sechs Jahren, allerdings noch mit richtigem Aufenthalt und Sightseeing in der Stadt, was man hier nachlesen kann. Damals kamen wir in der Abenddämmerung an, aber auch heute sind die Schiffe, die hier auf Reede liegen, das Bild des Tages. Mehr war auch heute eigentlich nicht. Der Tag war kurz durch die sieben Stunden Zeitverschiebung. Morgen mittag geht’s dann erst nach Hanoi und von da nach Luang Prabang, der alten Königsstadt im Norden von Laos.
Es kann übrigens sein, dass ich in Laos nicht so gute Internet-Verbindung habe, wie Ihr das gewohnt seid. Also keine Sorgen machen, wenn nicht jeden Tag ein Logbuch-Bericht in den Posteingang flattert. Das ist dann mit ziemlicher Sicherheit ein Infrastruktur-Problem, und die versäumten Tage liefere ich natürlich nach.

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20. März 2016


Das Abenteuer hat begonnen, auch wenn ich von Laos heute noch gar nicht wirklich was gesehen habe, denn es war schon dunkel als ich in Luang Prabang gelandet bin.
Der Tag begann heute, nach einer etwas vom Jetlag durcheinander gebrachten Nacht um 8:00Uhr Ortszeit in Singapur. Ich wollte den hoteleigenen Shuttle-Transport zum Flughafen nutzen und dann nach dem Einchecken direkt dort noch ein bisschen aus dem Terminal heraus spotten. Lief alles problemlos, und ich habe auch ein paar spannende Flieger vor die Linse gekriegt. Und dann ging's an Bord von Vietnam Airlines.
Der eine oder andere von Euch hat sich vielleicht gefragt, warum ich den Weg über Singapur nach Laos gewählt habe. Dazu muss man erst mal sagen, dass Laos sowieso schon schlecht erreichbar ist. Es gibt keine Langstreckenflüge in dieses Land, und hier nach Luang Prabang, wo meine Tour nun mal los ging, kommt man aus dem Ausland nur via Bangkok, Hanoi oder Siem Reap (in Kambodscha). Nach dem langen Flug von vorgestern auf gestern hatte ich mir aber ne Nacht im Hotel verdient. Klar, ich hätte direkt über Hanoi oder Bangkok und dann am gleichen Tag noch nach Luang Prabang weiter reisen können, aber da hatte ich ehrlich gesagt keinen Bock drauf. Nach der Langstrecke sollte erst mal ein Päuschen sein. Dann machen die kurzen Flüge auch mehr Spaß.
Für nen Zwischenstopp war Singapur deshalb meine erste Wahl weil a) ich mich da schon auskenne (und im gleichen Hotel war, wie auch am Ende meiner Tour 2010), b) die Einreise (im Gegensatz zu Vietnam) visumfrei ist und c) die Einreise (nach meinen Erfahrungen) deutlich unkomplizierter als in Bangkok von statten geht.
Also, da saß ich an Bord des Airbus von A321. Der Captain wude als Captain Oleg vorgestellt. Aha... ein Russe... was mich jetzt grundsätzlich erstmal nicht mit besonderem Vertrauen erfüllte, wenn man sich die Statistiken ansieht. Der Flug war aber absolut glatt und problemlos und unspektakulär. Da Vietnam Airlines Mitglied der SkyTeam-Allianz ist (wo auch Air France, KLM und Delta Air Lines drin sind) war ich davon aber ehrlich gesagt auch ausgegangen.
Ein besonderer Vorteil des Fliegens in Südostasien überhaupt – es sei dann man ist mit dezidierten Billigfliegern unterwegs – ist die Bordverpflegung. Die hat's auch heute zum Foto des Tages geschafft. Sowas kriegt man bei Vietnam Airlines auf nem knapp dreistündigen Flug zu essen. Da kann man in Europa nur noch von träumen.
Eigentlich hatte ich Euch ja ein Bild aus Vietnam, vom Anflug auf Hanoi, präsentieren wollen, aber in Hanoi war Nebel. Zu doof, vor allem wo's dort auch sehr schöne Spottingmöglichkeiten gegeben hätte. Aber ich will ja sowieso mal nach Vietnam fahren.
Nach einem sehr geschmeidigen Transfer und rund zwei Stunden Wartezeit, die ich mit Fliegerkucken unter absolut suboptimalen Bedingungen verbracht habe, kam dann die zweite Etappe des heutigen Tages, von Hanoi nach Luang Prabang im nördlichen Teil von Laos... mit Lao Airlines. Die Maschine war eine ATR-72, einer meiner Lieblingsflieger, mit dem ich auf den Kanaren schon reichlich Erfahrungen, sogar im Cockpit gesammelt habe. Das Flugzeug war top in Schuss, die Crew sehr freundlich und es gab auf der guten Stunde in dem Propellerflieger, immerhin noch ein belegtes Brötchen und Getränke. Sehen konnte man auch auf dieser Strecke nicht viel, denn es war dunkel und über weite Strecken flogen wir durch bzw. über den Wolken. Im Anflug auf Luang Prabang fiel schon auf, wie wenig Lichter man sieht, und dass es an einigen Stellen brennt. Das roch man auch als wir in Luang Prabang aus dem Flugzeug stiegen. Hatte irgendwie was von Afrika.
Die Einreiseprozedur in die Demokratische Volksrepublik Laos ist etwas kompliziert. Man bekommt das Visum zwar bei der Einreise, so wie ich das von Kambodscha schon kannte, aber es gab doch ein paar erheiternde Momente. So brauchen Schweizer zum Beispiel nur nen Reisepass während die meisten anderen Europäer eben ein Visum brauchen, für 30 US$ plus einem Dollar Bearbeitungsgebühr. Und man muss ein Passfoto haben. Andernfalls berappt man nen zusätzlichen Dollar für eine Fotokopie vom Reisepass. Was mir natürlich keiner gesagt hatte. Ein Satz von vier Passfotos kostet bei uns beim Fotografen ja schnell mal 12 Euro. Da hätte ich was Geld gespart und außerdem die laotische Bürokratie unterstützt, wenn die meinen Pass noch hätten kopieren dürfen.
Vor dem Ausgang wurde ich von einem Mitarbeiter von Exo Travel - das ist mein örtlicher Reiseveranstalter – erwartet, der ganz klassisch ein Blatt Papier mit „Mr Peter Kesternich“ drauf in der Hand hielt und der mich dann mit seinem Fahrer zum Hotel gebracht hat. „Maison Dalabua“... sehr schick. Im laotischen Stil gebaut, Holzböden, Kingsize-Bett und nen Ventilator an der Decke, den ich natürlich sofort ein- und die Klimaanlage ausgeschaltet habe. Morgen früh um neun kommt mich mein Guide abholen und das Programm startet. Ich muss ja gestehen, dass so eine vor-ausgearbeitete Tour faul macht. Mich zumindest. Ich habe so gut wie nix im Vorfeld gelesen oder gar geplant. Die Tage sind voll mit Programm, dass Exo Travel für mich organisiert, aber im Kopf habe ich das kein bisschen, was wann passiert. Aber ich habe ja sowohl hier in Luang Prabang als auch in Vientiane (der Hauptstadt) einen Tag zur freien Verfügung. Da werde ich mich dann mal alleine auf den Weg machen... oder mich einfach irgendwo hinsetzen und mit Blick auf den Mekong laotisches Bier trinken. Mal kucken, wonach mir der Sinn sein wird.

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22. März 2016


Heute morgen ging's schon wieder um 9 los. Saeng ist da streng. Das Ziel heute waren die Kuang Si Wasserfälle, die rund 35km südwestlich von Luang Prabang liegen. Dabei hatte ich die erste Gelegenheit was vom platten Land zu sehen... wobei... Laos ist ganz schön hügelig und gar nicht platt.
Zuerst sind wir allerdings zum TAEC gefahren, zum Traditional Arts and Ethnology Center, einem kleinen Museum, dass den ethnischen Minderheiten in Laos gewidmet ist. Hier konnte man einiges über das Leben dieser Menschen in Laos erfahren. Interessanterweise gehört Saeng auch zu einer dieser Minderheiten. Er ist ein Hmong, die im nördlichen Bergland leben, und auch keine Buddhisten sind. (Das hatte ich gestern schon rausgefunden, als ich nach dem x-ten Tempel mal ganz dezent und vorsichtig gefragt habe. Viele Hmong, so auch Saeng, sind Animisten, aber das wusste ich ja nicht und er hätte ja genauso gut ein glühender Verehrer Siddharta Gautama oder auch von Karl Marx sein können... *lach...)
Danach ging's raus auf's Land. Nach zwanzig Minuten Fahrt haben wir ein kleines Päuschen gemacht und sind durch ein Hmong-Dorf spazieren gegangen. War aber nur ein kurzes Intermezzo. Ich bin dort nicht wirklich mehr über die Hmong gewahr geworden. Wohl aber über das laotische Schulsystem. Kommunismus hin oder her, man muss hier für die Schule bezahlen... und Schulpflicht gibt es nicht. Deshalb sieht man an nem ganz normalen Wochentag Kinder und Jugendliche, die in Hose und Hemd irgendwo in der Schule oder auf dem Schulhof unterwegs sind, und Gleichaltrige, die auf der Staße abhängen und ohne Helm auf ihren Ribbeln die Gegend unsicher machen. Überhaupt ist das Moped bzw. der Roller das Hauptverkehrsmittel hier. Ich hab gefragt: natürlich gibt es sowohl eine Helm- als auch eine Führerscheinpflicht (Altersgrenze ab 16 Jahre für Motorräder und ab 18 für Autos), aber da das ganze von der örtlichen Polizei nur sehr sporadisch kontrolliert wird hält sich da kaum einer dran.
Unsere Fahrt ging vorbei an Teakholzplantagen, kleinen Dörfern und an Reisfeldern. Asien wie aus dem Bilderbuch. Komplett mit Wasserbüffeln und allgegenwärtigen Hühnern. Die meisten Reisfelder sind um diese Jahreszeit – kurz Beginn des Monsuns – trocken und längst abgeerntet oder mit irgendwas anderem bepflanzt. Nur an einigen Stellen, wo es genug Wasser gibt, wächst grade die zweite Ernte Reis heran. Das Wasser muss man außerdem ohne viel Aufwand auf die Felder leiten können, denn aus dem Mekong raufpumpen ist nicht wirklich eine Option.
In Kuang Si waren wir offensichtlich nicht alleine. Auf dem Parkplatz vor dem Tor des Naturparks standen etliche Kleinbusse und ein Reisebus. Glücklicherweise ist das da aber alles sehr weitläufig und Menschenmassen sind wir zu diesem frühen Zeitpunkt – so gegen 10 Uhr – dort nicht begegnet. In Kuang Si gibt es Wanderwege am Bach entlang zu den Wasserfällen, Picknickplätze, Umkleiden für die Leute, die in den kleinen Tümpeln schwimmen wollen... joh - wenn man will kann man hier schwimmen. Ich tu sowas ja grundsätzlich nicht, in Kuang Si wäre es aber gefahrlos möglich. Das Wasser ist klar, voller Fische und hat aus der Entfernung eine milchig-blaue Farbe, was an dem hohen Kalkgehalt liegt. An den Wasserfällen haben sich regelrechte Sinterterrassen gebildet. Und das ganze befindet sich mitten im Dschungel. Einem wirklich schönen, wenn auch durch die Infrastruktur etwas weichgespülten, südostasiatischen Dschungel. Das einzige was fehlt sind Vögel. Man hört zwar ein paar Bartvögel im Blätterdach rufen, aber das war's auch schon. Selbst in Luang Prabang mit all seinen Parks und Grünflächen sind Vögel Mangelware, abgesehen von ein paar unentwegten Feldsperlingen. Ich war allerdings gewarnt, dass Laos nicht das Top-Ornithologen-Reiseziel sein würde. Bisher hat sich das bestätigt.
Am eigentlichen Wasserfall angekommen hat sich Saeng ne Pause gegönnt und ich bin auf einem der gut markierten Wege weiter nach oben durch den Dschungel spaziert bis zu der obersten Kante des Wasserfalls... um dort bestätigt zu finden, was ich schon wusste, nämlich das Wasserfälle von unten immer besser aussehen als von oben. War aber nicht schlimm, denn der Dschungelspaziergang entschädigte dafür. Was es leider auch nicht gab war Aussicht. Laos liegt, wie schon erwähnt, um diese Jahreszeit unter einem dichten Schleier von Rauch und Dunst.
Um kurz vor zwölf war ich wieder unten bei meinem Guide und es gab ein Picknick-Lunch. Anschließend sind wir wieder zurück zum Parkplatz spaziert. Allerdings, und damit kämen wir zum Foto des Tages, habe ich über eine wichtige Attraktion des Kuang Si Parks noch nicht erzählt. Direkt am Eingang befindet sich eine Auffangstation für asiatische Kragenbären, die an der laotisch-chinesischen Grenze beschlagnahmt worden sind. Kragenbären sind für die traditionelle chinesische Medizin sehr begehrt, weil ihre Galle irgendwelche Wirkungen haben soll. Deshalb werden sie in Südchina zu tausenden in engen Käfigen gehalten und ihre Galle abgezapft. Dieses Schicksal ist den zur Zeit über 40 Bären in Kuang Si erspart geblieben, aber einige sind doch für's Leben gezeichnet, denn die Tiere werden von Wilderern mit Fangeisen gefangen. Immerhin geht’s ihnen in Kuang Si leidlich gut, wie auch der zufrieden schlafende Bär auf dem Bild des Tages zeigt. Sie werden versorgt, haben Beschäftigung in Form von Spielzeug und Klettergerüsten und -bäumen und müssen sich um die Chinesen keine Gedanken mehr machen.
Am frühen Nachmittag waren wir zurück in Luang Prabang und ich habe erst mal Siesta gemacht, natürlich nicht, ohne meinem Handy zu sagen, dass ich um vier geweckt werden wollte. Danach habe ich mir in einer Wechselstube auf meine VISA-Karte laotische Kip besorgt. Frisch flüssig in lokaler Währung gab's dann nen Kaffee und ein Brownie im JoMa-Café, das in Laos und anderen Ländern Indochinas die Tradition französischer Cafés hochhält. Außerdem liegt es direkt an der Hauptstraße von Luang Prabang und man kann super Leute kucken.
Während ich so im Café saß hat sich auch die Sache mit den Geldautomaten von gestern geklärt. Ich hatte nämlich nen Anruf auf dem Handy mit Euskirchener Nummer. Die Kreissparkasse... *lach... was ich ja im Nachhinein betrachtet echt super finde, dass die da so gut auf mich und mein Geld aufpassen. Als nämlich gestern der erste Geldabhebe-Versuch aus Laos bei denen ankam sind dort sofort alle Alarmglocken angegangen und meine Maestro-Karte wurde automatisch gesperrt.
Morgen hat Saeng frei, denn ich habe meinen Tag zur freien Verfügung in Luang Prabang. Ich denke ich werde mir vom Hotel ein Fahrrad leihen und einfach ein bisschen durch die Stadt radeln.

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21. März 2016


Reisen bildet ja bekanntlich, und der heutige Tag spielte in der Bildungsreise-Liga ganz oben mit. Zuerst aber gab es mal ein schönes Frühstück hier im Hotel und danach habe ich Saeng kennengelernt, meinen örtlichen Guide. Der erwartete mich um Punkt 9 an der Rezeption... ja, von wegen mal gemütlich ausschlafen... die Bildung will auch auf Reisen erarbeitet sein.
Die erste Station war das Nationalmuseum in Luang Prabang, wo unter anderem in einem besonderen Schrein (mit Fotografierverbot) eine historisch und religiös bedeutende Buddha-Statue aufbewahrt wird, die einmal im Jahr zum Wasserfest rausgeholt wird. Außerdem befindet sich im ehemaligen Königspalast eine Ausstellung mit Gegenständen aus der Herrschaft des letzten Königs von Laos. Den Palast haben die Franzosen Anfang des 20. Jahrhunderts dem damaligen König spendiert. Das sieht man auch an der Architektur und an der Einrichtung, die eher europäisch ist.
Saeng wusste zu all dem sehr viel zu erzählen, aber leider war mein immer noch gejetlaggtes Gehirn zu dieser recht frühen Stunde, so gegen halb zehn, noch nicht aufnahmefähig. Ich habe aber zumindest soviel behalten, dass mit dem kommunistischen Umsturz in Laos im Jahre 1975 die Monarchie endete und der König (den die Laoten gar nicht als König ansehen, weil er nicht wirklich inthronisiert wurde) und seine Familie spurlos verschwanden. Mein Guide Saeng ist sich allerdings ziemlich sicher, dass der Kronprinz und seine Familie inkognito in den USA leben. Wikipedia behauptet zwar was anderes, aber dass die CIA auch andere ehemalige Helfer bei gewaltsamen Regierungswechseln in Sicherheit brachte ist ja ein Fakt. Es besteht also zumindest die Möglichkeit.
Unsere nächste Station war der Wat Mai, was soviel heißt wie „neuer Tempel“ oder „neues Kloster“. 'Neu' deshalb, weil der Tempel erst 1821 gebaut wurde um einen älteren Tempel zu ersetzen und der Name ist irgendwie hängengeblieben. Zu einem Wat gehören fünf Dinge, der eigentliche Tempel, wo die Buddha-Statuten aufbewahrt werden, ein Stupa (vereinfacht gesagt ein Grablegebauwerk), eine Unterkunft für die Mönche, ein Speisesaal und eine Bibliothek. Im Buddhismus kann man auch problemlos auf Zeit ein Mönch sein, und Saeng hat mit erklärt, dass das in Laos ein beliebter Weg ist, um das staatliche Schulgeld zu umgehen. Die Klosterschulen der über zweihundert Klöster von Luang Prabang sind folglich rappelvoll... und der Lehrplan ist der gleiche wie an staatlichen Schulen. Es lebe die kommunistische Diktatur.
Genau – hier in Lao (LaoS sagen nur Ausländer, hat mir Saeng erklärt) herrscht ein Einparteiensystem. Merken tut man davon nicht viel. Das offensichtlichste Zeichen sind die roten Flaggen mit Hammer und Sichel drauf, die hier an vielen Häusern zusammen mit der laotischen Nationalflagge hängen. Für einen Europäer ein niedliche Verschrobenheit.
Nach dem Wat Mai haben wir noch mehrere andere Tempel angekuckt. Die Bauweise folgt immer dem gleichen Muster, wenn auch in unterschiedlichen Variationen. Ich musste irgendwie an die romanischen Kirchen im Hillije Kölle denken. Luang Prabang mag vielleicht nicht mehr die Königsstadt von Lao sein, aber es ist auf jeden Fall noch ein religiöses Zentrum und zu den verschiedenen Festivals kommen hier viele Pilger hin.
Die Stadt ist nicht so besonders groß und hat nur rund 50.000 Einwohner. Überhaupt ist Lao ein eher kleines Land, zwei Drittel so groß wie Deutschland mit grade mal sieben Millionen Einwohnern.
Um kurz vor zwölf war Mittagspause, die ich in einem sehr schönen laotischen Restaurant verbracht habe, und eine tolle erste Begegnung mit der laotischen Küche hatte. Danach ging's nahtlos weiter. Wir sind auf den Phousi-Hügel geklettert, 328 Stufen hoch. Obendrauf steht auch ein kleiner Tempel, aber zu diesem Zeitpunkt war ich von Tempeln schon sehr reizüberflutet. Was man allerdings von oben hat ist ein schöner Blick auf die Stadt und den Fluss. DEN Fluss. Der Mekong. Einer der Hauptgründe für meine Reise nach Laos. Luang Prabang liegt auf einer Halbinsel, die auf der nordwestlichen Seite durch den Mekong begrenzt wird, und auf der südöstlichen durch den Nam Khan River, der hier in den Mekong mündet. Leider war es sehr diesig oben, denn jetzt zum Ende der Trockenzeit werden hier in Laos viele Feuer angezündet, und der Rauch und Staub hängen in der Luft. Trotzdem ist der Blick von oben auf die Stadt und den Fluss
sehr beeindruckend. Hier geht der Vergleich zwischen Luang Prabang und Köln weiter. Saeng hat mir erzählt, dass man in Luang Prabang das gegenüberliegende, rechte Ufer des Mekong „Thailand“ nennt. Natürlich liegt da nicht Thailand, aber bis zum rechten Mekong-Ufer sind die Siamesen auf ihren Eroberungszügen vorgedrungen. Die Leute aus Luang Prabang blicken etwas abschätzig auf das rechte Ufer. Also, auch Luang Prabang hat seine schääl Sick.
Nachdem wir vom Phousi wieder runtergeklettert sind hat der Fahrer - nach seinem Namen muss ich morgen noch mal fragen – uns zur Fähranlegestelle gefahren, denn Saeng wollte mit mir noch nach „Thailand“ rüber und einen letzten Wat ankucken. Ich hatte also heute schon meine erste direkte Begegnung mit dem Fluss. Wir sind allerdings nicht mit der Fähre rüber sondern mit einem gecharterten Boot. Eine Fährfahrt wäre allerdings eine Option für meinen freien Tag in Luang Prabang übermorgen.
Was ich noch nicht erwähnt habe bisher, das sind die Temperaturen. 30 Grad plus x haben wir hier, und Saeng hat mich schon gewarnt, dass es wärmer wird, je weiter ich mich nach Süden vorarbeiten werde. Unter diesen Umständen war ich dann auch nicht böse, dass um kurz vor drei das Programm schon beendet war und ich am Hotel abgeladen wurde. Eine kleine Siesta wäre beinahe in tiefen Schlaf ausgeartet, wenn mich mein Handy nicht rechtzeitig um viertel nach vier geweckt hätte. Ich bin dann in die Stadt spaziert. Von meinem Quartier sind das knapp zehn Minuten zu Fuß. Erstes Ziel war einer der zahlreichen Geldautomaten, um mir etwas lokale Währung – Lao Kip - zu besorgen. Das hatte ich heute mittag zwar schon zweimal erfolglos versucht, aber mir zu diesem Zeitpunkt noch nix dabei gedacht. Leider war ich aber auch heute nachmittag nicht erfolgreicher. Ich werde also morgen wohl mal in einer der vielen Wechselstuben Geld auf meine VISA-Karte abheben.
Morgen geht’s auf's Land. Saeng kommt mich wieder um neun abholen. Das Ausschlafen wird also bis übermorgen warten müssen.
Als Bild des Tages gibt’s eine typische Postkartenansicht aus Luang Prabang: der Wat Xieng Thong, die nach dem Nationalmuseum meistbesuchte Sehenswürdigkeit der Stadt und der einzige Wat, der während der Ho-Kriege unzerstört blieb als im Jahr 1887  paramilitärische Banden aus Südchina die Stadt plünderten.

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23. März 2016


Heute war mein freier Tag in Luang Prabang, und er begann direkt mit einigen Pannen. Zuerst mal habe ich verschlafen. Ich weiß nicht, ob der Handy-Wecker nicht gespurt hat oder ob ich ihn einfach nicht gehört habe (was ich eher ungewöhnlich finde) aber statt um viertel nach acht wie geplant war ich erst um kurz vor neun wach. Eigentlich nicht so schlimm, denn ich war ja heute Herr meiner Zeit, aber gestern abend hatte man mir an der Rezeption mitgeteilt, dass die hotel-eigenen Fahrräder morgens nach dem 'first come, first served'-Prinzip an die Gäste verliehen werden. Als ich um kurz vor halb zehn runter kam gab's aber noch eins, das ich mir dann direkt reserviert habe.
Nachdem Frühstück bin ich per Fahrrad zur Stadterkundung von Luang Prabang aufgebrochen, nur um mich nach ein paar hundert Metern dran zu erinnern, dass ich vergessen hatte, den Hotelsafe abzuschließen. Also wieder zurück, Schlüssel holen, rauf, alles verriegeln, runter, Schlüssel abgeben, auf's Rad, losfahren... und nach zweihundert Metern merken, dass das eben noch frisch aufgepumpte Rad platt geht... *lach... also wieder zum Hotel, wo die Leute, die in der Lobby auf ihre Transfers und Fahrer warteten, schon lachten, als ich wieder ankam. Nach fünf Minuten hatte ich dann ein neues Rad und jetzt wurde es ernst. Wobei, so wild war's gar nicht. Im Gegenteil. Mit dem Fahrrad ist man schön laotisch-entspannt unterwegs, und durch die Verzögerungen hatte sich der Verkehr von Minibussen und Tuktuks, die die Touristen in die umliegende Gegend und zu den Hauptsehenswürdigkeiten bringen, schon gelegt.
Die Verkehrsführung hier in Luang Prabang ist gar nicht schlecht überlegt. Außen um die Halbinsel führt eine Einbahnstraße gegen den Uhrzeigersinn und nur im Zentrum der Halbinsel gibt’s Gegenverkehr. Ernstzunehmen ist der aber nur auf der Hauptstraße. Sobald man rechts oder links abbiegt geht alles sehr ruhig zu.
Zuerst bin ich zur Hauptpost von Luang Prabang und habe drei Postkarten für meine Nichten und meinen Neffen in den Briefkasten geworfen. Bin gespannt, ob das wirklich funktioniert. Angeblich soll die laotische Post sogar recht zuverlässig sein, zumindest im Vergleich zu den Nachbarländern.
Meine nächste Station habe ich an der Spitze der Halbinsel gemacht, auf der Luang Prabang liegt, und wo der Nam Khan River in den Mekong mündet. Hier kann man schön unter Bäumen sitzen und auf die beiden Flüsse kucken, die um diese Jahreszeit – es ist Ende der Trockenzeit – verhältnismäßig wenig Wasser führen. Ich habe also dort auf nem Mäuerchen gesessen und die Aussicht genossen, und die Leute beobachtet, die auf einer der Bambusbrücken den Nam Khan überqueren. Diese Brücken werden jedes Jahr in der Monsunzeit vom Hochwasser weggespült und danach neu aus Bambus gebaut. Deshalb kostet es auch was, wenn man rüber will. Zwischen 2000 und 5000 Kip (1000 Lao Kip sind ungefähr 11 Euro-Cent). Nur die Mönche werden nicht abkassiert. Die haben ja nix, und kommen umsonst über den Fluss.
Mittagspause war im 'Tamarind', einem vom Lonely Planet empfohlenen Restaurant, und das Essen war wirklich super. Ich habe mir eine Auswahl an Spezialitäten aus Luang Prabang bestellt, und dazu gab's Sticky Rice. Sticky Rice ist das laotische Grundnahrungsmittel schlechthin, und er ist wirklich 'sticky', also klebrig. Vorgestern bin ich ihn ja noch europäisch-fein mit Gabel und Löffel angegangen, aber nach einem entsprechenden Hinweis des Kellners im 'Tamarind' habe ich alle Vorsicht fahren lassen und die Finger genommen. Das geht VIEL besser. Man macht eine kleine Kugel aus dem Reis und zoppt die dann in die Suppe oder Soße oder Würzpaste oder was man grade vor sich hat. Und zum Essen gab es dann noch, passend zum Namen des Lokals, Tamarinden-Saft.
Nach dem Mittagessen war ich abenteuerlustig. Ich bin mit der Fähre rüber auf die andere Seite des Mekong gefahren (nach „Thailand“... Ihr erinnert Euch?) und habe mir dort den Wat Langkhoun angekuckt, wo früher der neue König vor der Inthronisierungszeremonie für drei Tage in Klausur ging. Heutzutage ist von dem früheren Glanz nicht mehr viel übrig, aber dafür ist es ein Wat fast komplett ohne Touris. Man kommt halt nur mit dem Böötchen oder per Fähre hin und wenn man per Fähre kommt hat man noch so ca. anderthalb Kilometer durch Dörfer und Wald oberhalb des Mekong-Ufers vor sich. Ich kam mir heute richtig alternativtouristisch vor... *lach... Einfach auf eigene Faust in Laos per Fahrrad auf Besichtigungstour. Sehr geil.
Am Wat Langkhoun habe ich ne ganze Weile alleine auf einer Terrasse über dem Fluss gesessen und auf Luang Prabang am anderen Ufer gekuckt. So langsam entschleunige ich. Gegen halb drei bin ich dann aber zurück zur Fähre geradelt und wieder über den Mekong gesetzt, für 10000 Kip, 5000 für mich, und 5000 für's Rad.
Wieder in der Stadt habe ich mir noch nen Kaffee und nen Muffin im Café Saffron gegönnt und dann war's auch langsam Zeit, zum Hotel zurückzukehren.
Hmmmmm... jetzt gleich muss ich noch packen. Heute ist nämlich mein letzter Abend in Luang Prabang. Kaum zu glauben. Schon die vierte Nacht hier. Morgen früh geht’s raus auf's Land, im Rahmen einer dreistündigen Mekong-Fahrt. Ob ich da Internet haben werde wage ich zu bezweifeln. Ein Reiselogbuch schreibe ich natürlich trotzdem, aber das schicke ich Euch dann gegebenenfalls erst am Freitag. Also, keine Gedanken machen, wenn Ihr morgen nix von mir hört.
Heute konnte ich mich nicht entscheiden, deshalb gibt es zum ersten Mal für diese Tour zwei Bilder des Tages. Das erste zeigt einen buddhistischen Mönch mit Sonnenschirm auf der Bambusbrücke. Das zweite ist eine Dorfszene aus Ban Xieng Maen, auf dem Weg zum Wat Langkhoun. Da bin ich durchgeradelt.

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