Reiselogbuch - 2015 Nordengland


21. Juli 2015

Meine zweite Sommerreise hat begonnen. Ich bin in York und werde mit meinen Eltern bis nächsten Mittwoch durch den Norden Englands touren.
Etliche Leute haben mich gefragt, ob es nicht praktischer gewesen wäre, von den Shetlands direkt hier hin zu fliegen und die beiden hier zu treffen. Stimmt. Das wäre durchaus eine Option gewesen, wenn da nicht zwischen der Planung der ersten und der Entscheidung für die zweite Tour ca. fünf Monate gelegen hätten. So aber war es organisatorisch viel einfacher, zwei vollständig von einander unabhängige Touren zu machen.
Heute ist übrigens noch nicht viel passiert. Um kurz nach halb drei ging unser Flieger zu erst von D'dorf nach Amsterdam und von dort sind wir nach nem kurzen Aufenthalt nach Leeds/Bradford weitergeflogen. Leeds/Bradford? Joh - das stellte sich bei  meiner Planung als der günstigste Flughafen raus, der die beste Tour-Choreographie ermöglichte.
Der Flughafen in Leeds ist ziemlich klein und so war das Ankommen und die Einreise kein Problem. Zum Mietwagenparkplatz musste man zwar noch ein Stückchen laufen, aber das ging alles problemlos. Am Mietwagenschalter hatte man mir gesagt wir hätten nen Jetta, obwohl ich eigentlich einen Kombi gebucht hatte. Da war ich schon gespannt, wie das mit dem Gepäck funktionieren würde. Aber hat einwandfrei gepasst. Ein Jetta ist halt auch nicht mehr das, was er mal war -  zu unserem Glück
Vom Flughafen in Leeds ging es auf der Landstraße nach York, wo wir jetzt zwei Tage residieren werden. Ein sehr schönes B&B... bin mal auf das Frühstück morgen früh gespannt.
Von Leeds nach York sind es rund 35 Meilen, also bei den hiesigen Straßenverhältnissen ungefähr ne Stunde Fahrt. Lief alles problemlos, sogar die Fahrt nach York rein. Nach dem Einchecken haben wir noch ein kurzes Päuschen gemacht und waren dann im Pub direkt neben unserem Quartier zum Abendessen. Wir hatten zwar alle nicht das Gefühl, richtig viel geleistet zu haben, aber müde waren wir trotzdem. Programm gab es heute also keines außer den Flügen und der Fahrt.
Morgen werden wir hier in York die Stadt auf die Hörner nehmen. Ich werde berichten. Als Foto des Tages habe ich mal wieder eine Aufnahme aus dem Flieger für Euch. Blick auf Nordengland, nur wenige Minuten vor unserer rumpeligen Landung am Flughafen Leeds-Bradford.

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22. Juli 2015

Heute stand York auf dem Programm und ich muss sagen, York ist echt ne Reise wert. Der Vergleich mit Canterbury, einer meiner liebsten Städte in England, drängt sich auf und in der Tat ist die Rivalität zwischen Canterbury und York schon seit Jahrhunderten sehr deutlich.
Nach dem sehr schönen Frühstück sind wir mit dem Bus ins Zentrum gefahren. Das war deutlich praktischer, als mit dem Auto unterwegs zu sein. Der Bus fuhr direkt vor unserem B&B ab und wir waren fünf Minuten später in der Altstadt. Einfacher kann man es kaum haben.
Die Altstadt von York hat noch ein sehr deutlich mittelalterliches Flair. Schmale Gässchen, alte Häuschen - zum Teil noch in Fachwerk, eine weitgehend erhaltene Stadtbefestigung samt Toren... und eine richtig schicke, große, gotische Kathedrale.
Wir sind zuerst zur Kathedrale spaziert und haben uns die Kirche angekuckt. Ich bin auch auf den Turm gestiegen, was sich meine Eltern allerdings gespart haben. Muss man auch nicht, die 275 Stufen hoch. Von oben gibt es allerdings einen tollen Blick auf die Stadt und die Umgebung, bis hin zu den Yorkshire Dales. Die Kathedrale von York hat übrigens eine Besonderheit aufzuweisen. In ihr befinden sich rund die Hälfte der in England noch erhaltenen mittelalterlichen Glasfenster. In den Wirren der Reformationszeit wurden die alten Bleiverglasungen der allermeisten Kirchen zerstört und wenn man heutzutage zum Beispiel in Canterbury bunte Fenster sieht, dann stammen die meisten aus der viktorianischen Zeit und sind somit nur rund 150 Jahre alt. Die Kathedrale von York hat noch das meiste an altem Fenstermaterial zu bieten.
Von der Kathedrale sind wir weiter durch die Altstadt geschlendert. In nem netten Tea Room gab's nen Mittagsimbiss und danach ging's einfach weiter die Straße runter zu den Museum Gardens. Die Altstadt von York ist schon ziemlich kompakt. Weit laufen muss man kaum.
Die Parkanlage der Museum Gardens liegt heutzutage hinter dem Yorkshire Museum auf dem Gelände der ehemaligen Abtei St. Mary's, die wie alle Klöster in England auch ein Opfer der Reformation wurde, und von der nur noch ein paar Mauern stehen. Wir sind ein bisschen durch den Park spaziert und haben anschließend eine Böötchenstour gemacht.
Eine Stunde sind wir mit einem der Tourschiffe von YorkBoat über den River Ouse, der mitten durch die Stadt fließt, geschippert. Der Captain hat allerhand erzählt zum Fluss zur Stadt und zu dem was man sieht, und er wusste nicht nur sehr viel, er hat's auch noch super rüber gebracht und sehr witzig.
Nächster Programmpunkt war die Holy Trinity Church in der Goodramgate, eine zwar nur ganz kleine Kirche, aber deswegen nicht minder interessant. Mit 'gate' bezeichnet man in York übrigens Straßen, während die Stadttore 'bar' heißen.
Als letzten Programmpunkt des Tages sind wir ein Stück über die Stadtmauer spaziert, vom Monk Bar bis zum Bootham Bar. Das zweite dieser Stadttore steht an der Stelle, wo zur römischen Zeit die Porta Principalis Dextra, das nordwestliche Tor der Garnisonsstadt Eboracum, lag. Von der Stadtmauer hat man schöne Blicke auf die Kathedrale und auf die Gärten der Häuser und die Parks in der nördlichen Ecke der Altstadt.
Wir haben dann das Sightseeing-Programm im Dean's Court, dem Park nördlich der Kathedrale, ausklingen lassen. Dabei kam sogar die Sonne raus und deshalb habe ich mich auch für das dort entstandene Foto als Bild des Tages entschieden. Man sieht den Vierungsturm der Kathedrale von York zwischen den Bäumen des Deans Court.
Heute wollten wir in der Stadt zu Abend essen, aber wie sich herausstellte ist das in York nicht ganz so einfach wie man meinen könnte. Mehrere der Pubs, wo wir waren, hatten keine Verköstigung oder die Küche war schon zu... um viertel vor sieben abends. Wir sind dann im Old White Swan gelandet, der sich im Nachhinein auch als in meinem Lonely Planet aufgelistet herausstellte. Da haben wir dann schönes Pub Food und gutes Bier bekommen.
Morgen sind wir auf Achse. Als Ziel der Tagesetappe steht Newcastle schon fest, aber auf dem Weg dahin gibt es viel zu sehen. Es wird also bestimmt einen spannenden Tag mit viel Berichtenswertem geben.
 

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24. Juli 2015

Newcastle und Umgebung standen heute auf dem Programm, und ich kann direkt sagen, dass ich, wenn auch in abgeschwächter Form, hier mit ähnlichen Schwierigkeiten konfrontiert war wie gestern in Durham. Manches hier kann man einfach nicht verstehen. Die Verkehrsführung und Beschilderung zum Beispiel. Oder, und das fand ich echt nen Hammer, folgende Episode: Newcastle liegt ja am River Tyne und ist eine Stadt der Brücken. Damit wird sogar geworben, und damit, dass man unbedingt ne Bootsfahrt auf dem Fluss machen soll. Das hatte ich im Lonely Planet, aber auch an anderen Stellen gelesen. Also wollte ich heute mit meinen Eltern auf dem Tyne cruisen. Schwere Fehlkalkulation. Heute fuhren keine Tour-Boote. Die fahren nur ein über den anderen Tag und am Wochenende. Freitags nicht. Und es gibt auch nur die eine Firma, die Bootsfahrten auf dem Tyne anbietet. Hmmmmm... verstehen muss man's nicht.
Gelangweilt haben wir uns aber trotzdem nicht. Im Gegenteil, der Tag war randvoll.
Zuerst sind wir nach dem Frühstück nach Jarrow am südlichen Tyne-Ufer gefahren. Dort liegt die Ruine des St. Paul's Monastery, das im 7. Jahrhundert gegründet wurde und in der angelsächsischen Zeit eines der wichtigsten Zentren für Wissenschaft und Bildung in Großbritannien war. Der berühmteste Mönch dort war der 'ehrwürdige' Beda, der in jedem anständigen Buch über die Geschichte Englands vorkommt. Vom Kloster aus dem 8. Jahrhundert ist nur noch der Grundriss und ein Teil der heutigen Kirche übrig. Die Mauern, die man noch sieht, sind aus der normannischen Zeit. Alles in allem kein Vergleich mit dem Ruinenerlebnis von gestern, aber trotzdem irgendwie eindrucksvoll und nen Besuch wert.
Nach der Besichtigung der Kirche und der Ruinen meinte mein Vater, wir sollten doch mal ein bisschen weiterfahren, und kucken, ob es nicht was vom Hafen am Südufer des Tyne zu sehen gäbe. Wir sind dann einfach weiter Richtung Osten gefahren und so in South Shields gelandet. Das ist die Kleinstadt am Südufer der Mündung des River Tyne. Naja, man verlässt den Großraum Newcastle nicht wirklich und kann sogar mit der Newcastler Metro dort hin fahren, aber in South Shields ist es deutlich kleinstädtisch. Ich bin gefahren bis es irgendwann nicht mehr weiterging und dann waren wir oben auf dem Hügel über dem Meer, mit Blick auf die Mündung des Tyne und das Nordufer samt dem Tynemouth Castle und der Klosterruine von Tynemouth Priory. Da oben haben wir ein bisschen auf der Bank gesessen und den Blick auf die fast spiegelglatte Nordsee und die Flussmündung genossen. Diese Aussicht ist auch das heutige Foto des Tages.
Wir haben anschließend kurz beratschlagt, wie wir den weiteren Tag gestalten wollten und haben uns entschieden, in South Shields zu Mittag zu essen. In der Fußgängerzone des Städtchens gibt’s etliche Pubs und wir sind im „Ship and Royal“ zu leckerem Pub Food eingekehrt.
Von South Shields sind wir zurück ins Zentrum von Newcastle gefahren, und haben uns in der Laing Art Gallery ein bisschen mit Gemälden, vor allem von Künstlern aus dem Norden Englands oder sogar direkt aus Newcastle, beschäftigt. Zu diesem Zeitpunkt kam ich mit dem Verkehr in Newcastle schon ganz gut klar, aber ähnlich wie in Durham ist Verkehrsführung oder Beschildern nicht die starke Seite der Leute hier.
Die Bewohner von Newcastle werden übrigens „Geordie“ genannt, und so heißt auch der Dialekt hier. Ich hatte bisher wenig Verständigungsschwierigkeiten, aber ich denke, das lag vor allem daran, dass ich keinem richtigen Hardcore-Geordie begegnet bin.
Nächster Programmpunkt war die römisch-katholische St.Mary's-Kathedrale von Newcastle. Die ist zwar nicht alt - von 1844 – aber der Architekt dieser neugotischen Kirche war einer der bedeutendsten viktorianischen Kirchenarchitekten und hat auch am Bau der Houses of Parliament in London mit gearbeitet. Nach ner Kanne Tee, bzw. ner Tasse Kakao im Kirchencafé haben wir uns zum Abschluss des Tages noch die anglikanische St.Nicholas-Kathedrale angekuckt. Auch ein sehr spannendes Bauwerk in dem es viel zu sehen gibt. Interessanterweise hatten wir bei beiden Kirchen super Glück mit dem Parkplatz. In beiden Fällen gab's ne Parklücke mehr oder weniger direkt vor der Tür, so dass ich mir die Kurverei in diversen Parkhäusern sparen konnte.
Morgen geht’s schon wieder weiter. Auch im Falle von Newcastle muss ich sagen „Schade“. Mir gefällt es hier ziemlich gut. Die Stadt hat eine recht entspannte Atmosphäre und einen schönen kompakten Stadtkern mit viel alter, sprich: viktorianischer Bausubstanz. Hier könnte man schon mal ein langes Wochenende verbringen. Für drei Tage gibt es in Newcastle genug zu tun... und man kann dann sogar Böötchen fahren.
Ab morgen sind wir den Rest der Reise auf dem platten Land unterwegs. Mit größeren Städten kommen wir bis Mittwoch nicht mehr in Kontakt.

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23. Juli 2015

Heute morgen war Abschied nehmen von York angesagt. Was mir schon irgendwie ein bisschen leid getan hat. Ich denke, nen Tag mehr hätten wir dort locker rumgekriegt.
Nach dem Frühstück im York House B&B sind wir erst in Richtung Westen aufgebrochen. Die heutige Fahrstrecke wäre bei Google Maps ein ziemlicher Zickzack-Kurs, nicht weil ich mich verfahren hätte, sondern weil mehrere Stationen in den heutigen Tag gepackt wurden, die nicht grade auf grader Strecke zu unserem heutigen Zielort Newcastle lagen.
Zuerst haben wir einen Abstecher durch die Yorkshire Dales gemacht, vielen wahrscheinlich bekannt als die Gegend in der „Der Doktor und das liebe Vieh“ spielt. James Herriot hat uns heute ein bisschen begleitet. So richtig in den wilden Teil der Yorkshire Dales sind wir aber nicht gekommen, das wäre ein zu großer Umweg gewesen.
Unser erstes Sightseeing-Ziel heute war Fountains Abbey. Das ist eine der größten und am besten erhaltenen Klosterruinen in England. 1132 hatten dreizehn Zisterzienser hier ein Kloster gegründet, dass zu seiner Blütezeit sechzig Patres und zweihundert Laienbrüder beherbergte und eines der reichsten und mächtigsten Klöster in England war. Die Herrlichkeit war 407 Jahre später vorbei, als Heinrich VIII. bei Papst Clemens VII. nicht die Auflösung seiner Ehe mit Katharina von Aragon erreichen konnte. Damit begann die englische Reformation und in deren Verlauf wurden in England alle katholischen Klöster aufgelöst, natürlich auch Fountains Abbey.
Im Gegensatz zu vielen Abteiruinen, die nur noch eine leichte Ahnung von dem geben, wie es dort mal ausgesehen hat, ist in Fountains Abbey noch sehr viel erhalten. Die Kirche hat noch Turm, Säulen und Wände, das Cellarium, eines der Wirtschaftsgebäude, sogar noch Gewölbe. Eine wirklich sehenswerte Ruinenlandschaft. Was das ganze aber zum Weltkulturerbe macht ist die Parklandschaft, die im 18. Jahrhundert rund um die Abteiruine entstand.
Einen ganzen Tag hätte man hier verbringen können, aber wir hatte ja noch anderes Programm vor. Trotzdem hat Fountains Abbey es zum Bild des Tages geschafft. Ich habe bewusst keine Totalansicht oder ein Bild von der Kirchenruine gewählt. Stattdessen gibt es einen Ausschnitt, der einen Teil der Gebäude (das Gästehaus und das Krankenhaus der Laienbrüder) sowie die Brücke über den Bach zeigt.
Von Fountains Abbey sind wir nach Thirsk gefahren, wo Dr. med. vet. James Alfred Wight praktizierte und seine Erlebnisse als Tierarzt unter dem Namen James Herriot verarbeitete und in halb-autobiographischer Form zu Papier brachte. In Thirsk gibt es ein James Herriot Museum in der ehemaligen Praxis von Alfred Wight, und außen an der Wand hängt die blaue Plakette, mit der in England auf bedeutende Gebäude hingewiesen wird. Den Museumsbesuch haben wir uns allerdings gespart und haben in Thirsk nur ein paar Sandwiches für ein Mittagspicknick gekauft und dann ging es auch schon weiter. Wir wollten nämlich noch nach Durham.
Von Thirsk nach Durham ist es ne gute Stunde über Landstraße und Autobahn. In Durham gibt es eine große Kathedrale, eine mittelalterliche Altstadt, ein Castle und auch noch ein paar andere Sehenswürdigkeiten. Was es dort leider nicht gibt, das ist auch nur halbwegs Sinn und Verstand seitens der Bewohnerschaft. Die Stadtverwaltung kriegt es nicht hin, ein anständiges Parkleitsystem einzurichten, was eine längere Irrfahrt nach einem geeigneten Parkhaus für uns zur Folge hatte. Immerhin habe ich ja zwei Leute dabei, die nicht so besonders gut zu Fuß sind. Auch der Shuttlebus zur Kathedrale, der auf mehreren Schildern angekündigt war, existiert nicht. Wir sind also in eines der Parkhäuser gefahren aber angesichts des Berges und der Kopfsteinpflasterstraßen, die man erklimmen muss um zur Kathedrale, die auf einem Hochplateau über dem River Wear thront, zu kommen, haben meine Eltern auf die Besichtigung verzichtet. Ich bin also alleine nach oben, und die Kirche ist von außen auch echt schick. Innen drin ist zwar der Eintritt frei, aber dafür ist das Fotografieren verboten. Laut Aussage einer der Mitarbeiterinnen eine Entscheidung des Domkapitels, damit Gläubige die beten wollen nicht gestört werden. Wie schon angemerkt: ohne Sinn und Verstand. Ich habe mich dann nicht lange mit Diskutieren aufgehalten, aber auf die Innenbesichtigung der Kirche (und die erbetene Spende von drei Pfund) verzichtet.
Die Fahrt nach Newcastle hat dann staubedingt zwar etwas länger gedauert als es für 17 Meilen normalerweise nötig gewesen wäre, aber hier haben wir unser Hotel mitten im Zentrum sofort gefunden und im Restaurant unseres Quartiers auch noch schön zu essen bekommen. Zur Feier des Tages – Ihr wisst schon – gab's einen zehnjährigen Jura Single Malt zum Nachtisch.
Morgen ist Programm in und um Newcastle. Hier gibt es einiges zu sehen und zu tun, so dass uns bestimmt nicht langweilig werden wird.

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25. Juli 2015

Heute ist schon Halbzeit unserer Nordengland-Tour, wobei es mir andererseits so vorkommt, als wären wir schon ewig unterwegs. Das kommt davon, wenn man jeden Tag so viel erlebt.
Heute morgen nach dem Frühstück ging es in Newcastle los. Wir sind zuerst nach Tynemouth gefahren, der Stadt auf dem nördlichen Ufer der Tyne-Mündung. Also im Prinzip der Ort, den man auf dem gestrigen Bild des Tages sieht. Dort haben wir schön die Aussicht genossen und auf die heute eher bewegte Nordsee gekuckt. Ähnlich wie South Shields, wo wir gestern waren, ist Tynemouth ein sehr ansehnlicher Ort. Sogar noch ein bisschen mehr 'upper class'. Hier würde es sich, glaube ich, auch ein  paar Tage gut aushalten lassen.
Für die Weiterfahrt habe ich dann zuerst nicht die Schnellstraße sondern die Bummelstrecke an der Küste entlang gewählt. Adrette Örtchen, Seeblicke, den Leuchtturm von St. Mary's Island, all das reiht sich auf der Strecke malerisch aneinander. Eine echt schöne Gegend.
Gegen zwölf heute mittag mussten wir dann aber doch auf die Schnellstraße bzw. Autobahn, denn es galt noch einiges an Entfernung hinter uns zu bringen.
Der Hauptprogrammpunkt, zumindest für mich, war heute Bamburgh Castle. Das ziert sogar den Deckel meines Lonely Planet, und da wollte ich auf jeden Fall hin. Bei der Einfahrt nach Bamburgh wurde uns aber schnell klar, dass wir in ein sportliches Großereignis geraten waren, den Castles Challenge Triathlon, der jedes Jahr rund um Bamburgh Castle abgehalten wird. Hunderte wenn nicht tausende Leute waren hier und entsprechend proppenvoll war der Ort. Allerdings sah's dann oben auf dem Castle-Berg besser aus. Auf dem Parkplatz der Burg haben wir problemlos eine Lücke für den Jetta gekriegt.
Meine Eltern waren allerdings nicht so für die Besichtigung der Burg zu haben und so habe ich mir Bamburgh Castle allein angekuckt, während die beiden eine schöne Siesta mit Blick auf die inzwischen wieder ruhige Nordsee hatten.
Die Burg ist von außen sehr imposant. Innen drin ist leider nicht viel Mittelalterliches erhalten, denn die Anlage wurde im 19. Jahrhundert von William Armstrong, einem Schwerindustriemagnaten aus Newcastle, gekauft und innen viktorianisch ausgestattet. Sieht zwar nicht schlecht aus, aber der Burg-Charakter ist innendrin nur noch wenig zu spüren. Bamburgh Castle ist übrigens immer noch im Besitz der Familie Armstrong, und man kann dort auch Räumlichkeiten für verschiedene Anlässe mieten.
Nach ner guten Dreiviertelstunde war ich wieder am Auto und wir haben dann versucht, uns einen Weg in Richtung Norden zu bahnen. Was nicht so einfach war, weil durch den Triathlon die Hauptstraße in Bamburgh gesperrt war. Das hat uns eine ausführliche Spazierfahrt auf schmalen Sträßchen durch die Felder und Weiler der Umgebung beschert. Anfänglich zwar etwas ärgerlich, aber am Ende dann doch ne spannende Spazierfahrt, die wir in einem der Dörfchen auch noch für ne Teepause unterbrochen haben.
Was ich auf jeden Fall auch noch haben wollte, das war ein Bild von Bamburgh Castle, so wie es auch auf dem Lonely Planet vorne drauf ist. Die Stelle, oder zumindest fast die Stelle, war nicht schwer zu finden, und so entstand das heutige Bild des Tages. Was fehlt ist das Meer, aber leider war zu diesem Zeitpunkt Ebbe, und da ließ sich ein Foto mit Wasser im Vordergrund leider nicht einrichten.
Von Bamburgh aus waren es nur noch ein paar Meilen bis zu unserem Etappenziel, Lindisfarne, auch Holy Island genannt. Hier befand sich im 7. Jahrhundert eines der wichtigsten Zentren des Christentums auf den Britischen Inseln. Vom Kloster in Lindisfarne zogen irische Mönche aus, um Britannien zu bekehren. Der Überfall der Wikinger auf das Kloster am 8. Juni 793 wird generell als der Beginn des Wikinger-Zeitalters angesehen, denn es war der erste Raub- und Eroberungszug der Männer mit den Langbooten und den langen Bärten, und dieses Ereignis sorgte damals in ganz Europa für Aufsehen.
Das besondere an Lindisfarne ist, dass man hier nur über einen Damm hinkommt, der während der Flut vom Meer überspült wird. Im Moment sitzen wir hier also auf einer richtigen Insel. Nur für ein paar Stunden jeden Tag ist Lindisfarne mit dem Festland verbunden und ist bei Flut nur rund 4km² groß.
Morgen werden wir uns also hier die Insel ankucken. Das wird bestimmt sehr interessant und weit laufen müssen wir auch nicht. Die Ruine von Lindisfarne Priory liegt direkt neben unserem Quartier.

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